21.02.2025
GENERATIVE KI

Lora: Neues KI-Modell von Wiener Startup basiert auf MistralAI

Das Wiener KI-Startup HeyQQ rund um Matthias Neumayer hat mit "Lora" eine kindgerechte, Bias-reduzierte KI entwickelt, die sich als "Fine Tuning" des französischen Open-Source-Modells MistralAI erweist. In puncto Lesbarkeit steht Lora mittlerweile vor GPT-4o. Gründer Neumayer erklärt die Hintergründe.
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Product Origin Checker Lora - FragDie.EU - Die Founder Dima Rubanov und Matthias Neumayer | (c) Oscar Stories, Lorastral
Die Founder Dima Rubanov und Matthias Neumayer | (c) Oscar Stories

Das Wiener Startup HeyQQ rund um Dima Rubanov und Matthias Neumayer hat bereits für einige Schlagzeilen gesorgt. Zuletzt rund um die neue „kindgerechte KI“ namens Lora, die deutlich weniger Bias als die Standard-Modelle aufweisen soll und sich damit für Lern-Apps und Kinder-Entertainment eignet – brutkasten berichtete.

Neben Lora hat das Wiener Startup HeyQQ bereits zwei andere alternative KI-Modelle hochgezogen: Die KI-Gute-Nacht-Geschichten-App „Oscar Stories“ sowie der Erklär-Chatbot „Frag das PDF“. Mit Lora erreichte man nun einen neuen Meilenstein.

Lora-Lesbarkeit sei besser als GPT-4o

„Lora“ steht für „Lernen ohne Risiko mit AI“. Im Juli sprach man noch davon, das Modell auf Basis von Open-Source-Modellen am Markt zu trainieren. Schon damals wollte man „bessere Ergebnisse als GPT4 oder Gemini erzielen“. Dieses Ziel hat man mittlerweile erreicht.

In Benchmark-Tests konnte Lora bisher positive Ergebnisse liefern. Im Hinblick auf den „Flesch Reading Ease“ – also den Lesbarkeitsindex, der als numerischer Wert für die Lesbarkeit eines Textes angegeben wird – erreichte es einen Score von 80,24. Das Modell des französischen KI-Startups Mistral-8B erreichte hingegen einen Index von 71,10, GPT-4o erreichte den Score 77,17.

Foto: Matthias Neumayer, LinkedIn

„Fine Tuning“ von MistralAI

„Wir haben bei Oscar Stories gemerkt, dass man mit derzeitigen KI-Modellen nicht wirklich altersgerechte Sprache schafft und dass Bias ein Problem ist“, sagt Founder Matthias Neumayer gegenüber brutkasten.

„Deshalb haben wir Lora gestartet. Aktuell arbeiten wir an Fine Tunings mit hochqualitativen Daten, die wir gemeinsam mit Pädagog:innen sichten, um Bias zu reduzieren und die Readability für Kinder zu steigern“, so Neumayer weiter.

Wie Co-Gründer Neumayer auf brutkasten-Nachfrage bestätigt, basiert „Lora“ auf dem Open-Source-Modell des französischen KI-Startups MistralAI. Das „experimentelle Modell“ sei ein „Fine Tuning von Mistral“ und mittlerweile „schon besser in den Metrics als die Großen in der deutschen Sprache“, heißt es von Neumayer heute.

Bias-Messung soll KI gendergerecht trainieren

Dass ein Gender Bias bei Open-Source-Modellen ein Problem ist, hob Neumayer bereits im Juli des Vorjahres hervor: „Bei der Arbeit mit KI-generierten Kindergeschichten stellten wir fest, dass männliche Kinder oft als Helden dargestellt wurden, während weibliche Charaktere oft die Opferrolle einnehmen. Mit Lora arbeiten wir an einer kindgerechten KI-Adoption mit vermindertem Bias“.

Das Startup HeyQQ hat deshalb eine Bias-Messtechnik entwickelt: „Gender Bias messen wir mit dem Genbit Score von Microsoft oder mit Counterfactual Bias, indem überprüft wird, wie sich die Antworten ändern, wenn bestimmte Attribute wie Geschlecht, Ethnie oder Alter in einem Prompt ausgetauscht werden“, führt der Gründer gegenüber brutkasten aus.

Generative KI soll „fairer werden“

„Statt nur nachzusehen, ob ein Modell verzerrte Antworten gibt, testen wir, wie sehr sich die Antwort verändert, wenn wir z. B. ‚ein Mädchen‘ durch ‚ein Junge‘ ersetzen. Wenn die KI plötzlich unterschiedliche Ergebnisse liefert oder eine klare Tendenz zeigt (z. B. ‚Der Arzt‘ wird immer als männlich dargestellt), dann deutet das auf Bias hin“, erklärt Neumayer den Mechanismus.

Ein fairer KI-Algorithmus sollte ähnliche Antworten für verschiedene Gruppen geben: „Es sei denn, die Unterschiede sind objektiv gerechtfertigt.“ Durch Counterfactual-Bias-Tests könne das Startup Verzerrungen gezielt identifizieren und „das Modell fairer machen“.


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Das Gründerteam von Theradocx. (v.l.) Petronel Liciu, Selin Matun, Jan Hoppel | © Theradocx

Theradocx möchte den Arbeitsalltag von Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen erleichtern. Eine eigens entwickelte KI-Anwendung erstellt Protokolle und Zusammenfassungen, indem sie Sitzungen aufnimmt und analysiert, wie brutkasten berichtete. Kürzlich erhielt Theradocx ein FFG-Förderprojekt mit einem Projektvolumen von 580.000 Euro.

Verbesserung der KI

Im Zuge dieses Projekts will das 2025 gegründete Unternehmen seine KI weiterentwickeln. Das heißt: Die Transkription soll präziser werden, unterschiedliche Sprecher besser erkannt und die Erstellung von Protokollen sowie thematischen und emotionalen Analysen verbessert werden. „Ein großer Teil der Projektmittel fließt in den Ausbau unseres Entwicklungs- und Forschungsteams und damit direkt in die technologische Weiterentwicklung von Theradocx“, erklärt Co-Founderin Selin Matun.

Zudem wird laut Matun die Plattform auch rechtlich und regulatorisch weiterentwickelt. Stichwort: Datenschutz und EU AI Act.

Kooperation mit Sigmund Freud Privatuniversität

Im Zuge des geförderten Projekts ging Theradocx eine Kooperation mit der Sigmund Freud Privatuniversität ein, durch die seine KI-Systeme validiert werden sollen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Spracherkennung. Unterschiedliche Dialekte, Sprecher:innen und akustische Bedingungen sollen getestet werden, wodurch Schwachstellen identifiziert werden können. Zudem sollen die psychotherapeutischen Dokumentationen und Analysen durch Fachpersonal der Sigmund Freud Privatuniversität verbessert werden.

„Für uns ist diese Kooperation besonders wichtig, weil wir nicht nur technisch leistungsfähige KI entwickeln möchten. Wir wollen auch wissenschaftlich überprüfen, ob die Ergebnisse psychotherapeutischen Qualitätsstandards entsprechen und in der Praxis tatsächlich einen Mehrwert schaffen“, sagt Matun und ergänzt: „Gemeinsam möchten wir einen wissenschaftlich fundierten Evaluationsprozess etablieren, durch den die Qualität unserer KI-Ergebnisse nicht nur technisch, sondern auch anhand psychotherapeutischer Kriterien beurteilt und kontinuierlich verbessert werden kann.“

Etablierung im DACH-Raum

Neben der qualitativen Verbesserung der KI möchte Theradocx in Zukunft weiter skalieren und sich noch stärker im DACH-Raum festigen. Das Ziel sei laut Matun, zu einer „zentralen digitalen Arbeitsplattform für Psychotherapeut:innen“ zu werden. Anschließend möchte das Startup weitere europäische Märkte erschließen.

Brigitte-Hamann-Preis 2026

Kürzlich wurde das Projekt mit dem  Brigitte-Hamann-Preis 2026 in der Kategorie „Startup“ ausgezeichnet. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis würdigt herausragende Leistungen von Studierenden und Absolvent:innen österreichischer Privatuniversitäten in den Bereichen Forschung, Startups und Kunst. Eine Fachjury zeichnet pro Kategorie eine Person aus.

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