16.07.2024
INTERVIEW

Longevity und Biohacking: Was Gründer:innen wissen müssen

Interview. Thomas Lechner, Co-Founder des Grazer Startups Luminous Labs, gibt einen Überblick über die wichtigsten Aspekte des Thema Langlebigkeit - und Tipps, wie sich die wichtigsten Erkenntnisse in den Startup-Alltag integrieren lassen.
/artikel/longevity-und-biohacking
Thomas Lechner, Co-Co-Founder von Luminous Lab, einem auf Longevity spezialisierten Grazer Startup
Thomas Lechner, Co-Co-Founder von Luminous Labs | Foto: Christine Rechling

Dieser Artikel erschien zuerst in der aktuellen Ausgabe unseres Printmagazins. Eine Downloadmöglichkeit findet sich am Ende des Artikels.


Ewig leben, länger gesund leben oder einfach die körperliche Leistungsfähigkeit im Berufsleben erhöhen – was steckt wirklich hinter den Megatrends Longevity und Biohacking?

Thomas Lechner beschäftigt sich seit Jahren mit den beiden Themen. Gemeinsam mit Barbara Sekulovska hat er Luminous Labs gegründet; das Grazer Startup entwickelt Rotlichttherapie-Geräte, mit denen positive Effekte auf Langlebigkeit und Wohlbefinden erzielt werden sollen. Im brutkasten-Interview gibt Lechner einen Überblick über den Themenbereich – und Tipps, wie sich die wichtigsten Erkenntnisse in den Startup-Alltag integrieren lassen.


brutkasten: Worum geht es beim Thema Longevity genau – ein längeres Leben, ein länger gesundes Leben? Wie würdest du es definieren?

Thomas Lechner: In den Medien ist es aktuell ein kontroverses Thema. Beim Begriff Longevity denkt man häufig an einen reichen weißen Mann, der in seinem Elfenbeinturm sitzt und sein Geld nicht hergeben will. Teilweise trifft dieses Klischeebild sogar zu: Sehr wohlhabende Menschen sind primär die treibenden Kräfte. Die sagen sich: „Jetzt habe ich so viel in meinem Leben geschaffen, sehe aber, dass es immer schwieriger wird und ich gerne noch mehr Zeit hätte.“ Aber die nächste große Phase beim Thema Langlebigkeit ist jetzt, dass man unterscheidet: Das eine ist die Lebensspanne – wie viele Jahre lebst du? Aber andererseits muss man die Gesundheitsspanne beachten: Wie viele dieser Jahre verbringst du in einem gesunden Zustand?

In Umfragen unterscheiden sich die Antworten auf die Frage, wie lange Menschen leben möchten, oft stark. Aber wenn man danach fragt, wie viel von den Lebensjahren man gesund verbringen möchte, antworten wahrscheinlich fast alle, dass „bis zum letzten Tag“ der Idealfall wäre. Das ist das größere Thema, und in diese Richtung bewegt sich auch die Langlebigkeits-Branche.

Wie ist Langlebigkeit von Biohacking abzugrenzen? Und wo überschneiden sich die Konzepte?

Biohacking ist ursprünglich von Dave Asprey begründet worden – aus dem Startup-Alltag im Silicon Valley heraus. Beim Biohacking schaut man hauptsächlich, dass man sich optimiert, sowohl körperlich als auch geistig. Das kann auch den Nebeneffekt haben, dass es die Gesundheits- oder die Lebensspanne erhöht. Aber primär geht es darum, die eigene Performance zu erhöhen. Biohacker wenden auch öfter Dinge an, die nicht überprüft sind und die vielleicht auch Nebenwirkungen haben können.

Langlebigkeit grenzt sich insofern davon ab, dass man dabei Dinge macht, die einem guttun und die dazu führen, dass man ein gutes und im Idealfall langes Leben hat. Dabei wägt man aber die Risiken und die Potenziale, die mit bestimmten Interventionen verbunden sind, sehr stark ab. Man ist weniger experimentell unterwegs.

Wie intensiv sollte man sich mit dem Thema Langlebigkeit beschäftigen?

Wenn man noch sehr jung ist, ist es gut, wenn man das Thema irgendwo im Kopf hat und sich bei den Dingen, die man so macht, fragt, ob das dabei hilft, ein gutes und gesundes Leben zu haben – oder ob es schadet. Und dann muss man eben die richtigen Entscheidungen treffen.

Wenn man erste Alterserscheinungen merkt, vielleicht so ab 50 Jahren, dann sollte man genauer hinschauen. Ich sehe das beispielsweise bei meinen Eltern: Die sind um die 60 herum, und da merkt man schon, dass man jedes Jahr massiv mehr Einsatz zeigen muss, um sein Level konstant zu halten, weil der Körper abbaut.

Das ist meiner Meinung nach der Unterschied: Man behält es entweder im Kopf, wenn man jung ist, und achtet darauf, die richtigen Entscheidungen zu treffen – oder man setzt auf Interventionen, wenn man den Abfall schon spürt.

Wenn ich mich für das Thema Langlebigkeit interessiere, wie kann ich erste Schritte setzen, wie in das Thema einsteigen?

Wichtig ist immer, dass man das Thema in unterschiedlichen Phasen betrachtet. Der Longevity-Investor Sergey Young sagt beispielsweise immer: Das Erste, was du machen kannst, ist, deinen aktuellen Lifestyle zu überprüfen – und zwar, indem du dich fragst: Was mache ich, das schädlich ist? Du rauchst nicht, trinkst nicht übermäßig? Das sind Dinge, die schon einmal extrem viel bringen. Man kann die Ernährung noch dazunehmen. Aber indem man Sachen, die schlecht für ei- nen sind, vermeidet, hat man einen ersten Schritt schon gesetzt.

Der zweite Schritt ist Diagnostik. Man sollte sich regelmäßig selbst oder von Ärzt:innen checken lassen – und lieber präventiv Dinge angehen. Dann hat man mehr Handlungsspielraum.

Der dritte Schritt ist, dass man optimierte Lebensweisen mit einbettet. Fasten kann bei- spielsweise einen positiven Einfluss auf die Gesundheitsspanne haben. Es gibt auch Dinge wie Wärme, Kälte, Atemübungen, Meditation, das Stressmanagement-Thema – das hat alles Einfluss, und das kann man angehen.

Obendrauf kann man noch bestimmte Interventionen setzen, die experimenteller sind. Dazu zählt beispielsweise unsere Technologie. Darüber hinaus geht der Trend langsam in die Richtung von „Reverse Actions“, das sind dann verjüngende Maßnahmen. Das wird noch dauern, ist aber der Weg in die Zukunft. Schritt für Schritt wird man Methoden finden, die es einem ermöglichen, zwei, drei oder fünf gesunde Jahre dazuzubekommen.

Du hast jetzt das Thema Rauchen und übermäßiges Trinken angesprochen. Wenn man es herunterbricht: Was sind die drei wichtigsten Punkte, die man aus einer Langlebigkeits- perspektive erfüllen sollte?

Der erste ist tatsächlich, nicht zu rauchen oder sich anderweitig zu vergiften. Ähnlich wichtig ist das Thema Schlaf – da geht es einerseits um die Schlafqualität, aber auch darum, dass man regelmäßigen Schlaf hat. Bemühe dich, dass du mindestens sieben bis acht Stunden Schlaf pro Nacht bekommst! Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass man Konstanz im Leben hat; dass man sich regelmäßig Zeit für sich nimmt, auch für die Familie.

Wenn man die sogenannten Blue Zones anschaut, also die Gegenden der Welt, in denen Menschen besonders alt werden, und untersucht, warum die Menschen dort so alt werden, kommt man auf ähnliche Themen: Was nimmt man zu sich? Also der Punkt Ernährung.

Dann beobachtet man in diesen Gegenden hohe körperliche Aktivitäten, die Leute bleiben also im hohen Alter relativ aktiv. Dazu kommen dann noch ein rhythmisches Leben und eine emotionale Verhaftung in der Gesellschaft. Auch das zeigt, dass die Kombination aus Ernährung, Bewegung und emotionalem Bezug mit einem Eingebundensein in die Gesellschaft sehr wichtig ist.

In welchem Ausmaß ist Bewegung notwendig, damit sie hinsichtlich Langlebigkeit relevant wird? Manchmal heißt es ja, dass schon ein geringes Ausmaß an Bewegung hilfreich ist – und Leistungssport möglicherweise dann schon schädlich sei …

Wenn man es jetzt ganz pauschal beantworten möchte, würde ich sagen: Jede Bewegung hilft. Man kann auch relativ viel machen, ohne dass es dem Körper Schaden zufügt. Wenn es in Leistungssport übergeht, kann es tatsächlich sein, dass es möglicher- weise auch hinderlich ist: Wenn du drei Stunden am Tag sehr intensives Training betreibst, kann es für den Körper fordernd sein und zu übermäßigen Abnutzungserscheinungen führen. Aber die große Mehrheit der Menschheit bewegt sich meistens zu wenig.

Ein interessantes Konzept ist auch jenes des „Centenarian Decathlon“, sinngemäß also des „Zehnkampfs für 100-Jährige“. Das hat der Longevity-Arzt und Autor Peter Attia geprägt; es hilft, zu wissen, wie viel man sich bewegen soll. Hinter dem Konzept steht folgende Frage: Stell dir vor, du bist 100 Jahre alt – was möchtest du in diesem Alter noch machen können? Daraus leitest du dann die derzeit notwendigen Maßnahmen ab.

Da muss es auch nicht unbedingt um einen Triathlon mit 100 gehen – aber vielleicht möchtest du mit 80 deine Enkel noch hochheben können. Und dann kannst du eben herleiten, wie viel Kilo du heute stemmen musst, damit du mit 80 deine Enkel, die 30 Kilogramm schwer sind, heben kannst – wenn man von einem konstanten Abbau des Körpers ausgeht.

Wie sehr spielt das Thema Mental Health in Longevity hinein?

Es spielt extrem hinein. Das geht oft unter, weil beim Thema Gesundheit der körperliche Aspekt am stärksten verankert ist. Aber im Langlebigkeitsaspekt kommt ja noch dazu, dass auch mit 80 oder 120 niemand allein sein möchte. Wenn man gute Beziehungen und Partnerschaften zu anderen Menschen hat, ist das förderlich – einerseits für die mentale Gesundheit, aber andererseits wirkt es sich auch körperlich aus.

Wie lässt sich das stressige Startup-Leben mit dem Langlebigkeitsgedanken verbinden?

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass es tatsächlich so ist, dass man als Startup-Gründer Prioritäten setzt, die für die Gesundheit oft nicht ideal sind. Ich sehe das bei mir selbst. Ich tracke meine körperlichen Parameter wie Schlaf oder Herzraten-Variabilität genau mit, und ich schaue dabei immer, wie balanciert ich grundsätzlich bin. Ich weiß, dass ich in stressigen Phasen wahrscheinlich kein gutes, ideal gesundes Leben schaffen kann. Aber wenn es zu stark kippt, dann versuche ich, Interventionen zu setzen. Im Idealfall bringt man diese Dinge in Einklang.

Wenn ich mich mit Biohacking beschäftigen oder auch experimentieren will – wie kann ich starten?

Auch hier gibt es drei Aspekte. Der erste ist mental: Alleine, was Atemübungen oder Meditation bringt, ist ziemlich krass. Wenn man sich ein paar Minuten vor der Arbeit Zeit nimmt und sich
vorbereitet, etwa indem man durchgeht, was heute die Prioritäten sind, hilft das schon sehr.

Das zweite Thema ist Sport. Regelmäßig Sport zu machen ist superwichtig – da reichen auch schon 20 Minuten, in denen man sich auspowert.

Der dritte Punkt sind erste Interventionen, die im Idealfall automatisch gehen. Bei mir sind das beispielsweise Supplements wie Vitamin D. Ich merke etwa im Winter schnell, wenn ich unterversorgt bin, dass es meine Performance runterzieht. Sobald man mehr in der Sonne ist oder eben Vitamin D supplementiert, merkt man, dass man stärker da ist. Außerdem ist auch Licht etwas sehr Wichtiges, speziell in der Früh. Dann kann man sich immer fragen: Habe ich eine gute Abendroutine? Eine gute Schlafhygiene? Und man kann auch auf Technologie setzen, etwa über Photobiomodulation, wie wir es anbieten.

(Text wird unter dem Bild fortgesetzt)

Luminous Labs entwickelt Rotlichttherapie-Geräte, mit denen positive Effekte auf Langlebigkeit und Wohlbefinden erzielt werden sollen | Foto: Luminous Labs

Du hast jetzt das Thema Supplements, also Nahrungsergänzungsmittel, angesprochen. Was ist hier aus deiner Sicht sinnvoll, was unnötig, was möglicherweise sogar schädlich?

Auch hier stellt sich wieder die Frage, wie riskant man unterwegs sein möchte. Ich finde es grundsätzlich immer gut, wenn man ärztliche Begleitung hat. Zudem hilft es auch, wenn man seine Werte trackt, sei es mit Fitnesstrackern oder mit einem täglichen Journal. Dann kann man nachvollziehen, was mit Körper und Geist passiert: Was wird besser, was schlechter? Wasserlösliche Vitamine sind meist harmloser, da überschüssige Vitaminaufnahmen über die Niere und den Harn wieder ausgeschieden werden. Bei fettlöslichen Vitaminen besteht die Gefahr einer Überdosierung, die dann auch schädlich sein kann.

Es gibt ja auch Devices, mit denen man messen kann, wie sich der Blutzuckerspiegel verändert, wenn man bestimmte Dinge isst oder trinkt. Hältst du so etwas für sinn- voll?

Ich finde das hochgradig spannend und nutze das selbst auch. Man bekommt dadurch einen besseren Eindruck: Ist es mir jetzt das Plundergebäck wert, dass ich nach der Mittagspause einen Riesen-Down habe, oder nicht?

Man kann dann auch gut experimentieren: Wie wirkt sich beispielsweise eine Woche Intermittent Fasting aus? Was passiert in meinem Körper und welche mittelfristigen Auswirkungen hat es?

Wie siehst du die Entwicklungen rund um das Thema Longevity in den vergangenen Jahren?

Grundsätzlich hat es sich in den vergangenen Jahren überhaupt erst entwickelt. Bis vor rund drei Jahren hat es das Thema eigentlich so noch nicht gegeben – weder im Markt noch bei den Investoren. Biohacking kommt jetzt auch immer stärker in der breiten Masse an und die Leute sind offener dafür. Teilweise wird der Begriff Longevity auch schon aus Marketing-Gründen verwendet. Mittlerweile gibt es jetzt auch Ärzte, die den Begriff verwenden und sich darauf spezialisieren. Aber dennoch steckt das Thema noch in den Kinderschuhen und es zeigt sich jetzt erst, wie stark und schnell es sich vor allem auch in den Augen von Investoren entwickelt.

Es gibt auch Staaten, die das Thema Gesundheit bisher noch nicht so aufgearbeitet hatten und die sich jetzt in dieser Hinsicht einen Schritt weiter nach vorne trauen, verglichen etwa mit Europa. Ich war Ende des vergangenen Jahres beispielsweise in Saudi-Arabien eingeladen – ich konnte dort auch mit dem Gesundheitsminister reden; dort werden Regulatory Sandboxes für das Thema Longevity oder auch andere Medizininterventionen aufgebaut. Sie ermöglichen Experimente – natürlich im sicheren Rahmen, aber eben viel schneller als in anderen Ländern. In einem solchen Umfeld passiert dann wahrscheinlich in einem Jahr so viel wie in Österreich in zehn Jahren.

Manche im Longevity-Bereich haben das Ziel, den Alterungsprozess völlig zu stoppen – oder sogar umzukehren. Ist das realistisch oder fällt das eher in den Bereich Science-Fiction?

Es wird in den nächsten Jahren nicht die eine Pille geben, die das Altern stoppt und mit der man dann einfach nur genug Geld ausgeben muss, um jung zu bleiben. Was es meiner Meinung nach aber schon geben wird, sind Interventionen, die die Gesundheitsspanne verlängern. Vielleicht wird man manche Krankheiten, die jetzt die größten Killer sind, ausschalten können – und man kann den körperlichen und geistigen Verfall verlangsamen.

Es gibt auch den Begriff „Longevity escape velocity“ – er bezeichnet eine Situation, in der Interventionen das Leben oder auch die Gesundheitsspanne schneller verlängern, als du alterst. Du würdest also beispielsweise biologisch um ein Jahr älter, aber man kann die Lebensspanne durch eine Intervention um zwei Jahre verlängern. In diese Richtung könnte es in Zukunft gehen: dass man es schafft, vielleicht zwei, drei Jahre dazuzubekommen für beispielsweise ein Jahr, das man „verlebt“.

Eine der wahrscheinlich größten Herausforderungen für die Menschheit wären die Fragen, die sich daraus ergeben: Ist das überhaupt ethisch vertretbar? Was darf das kosten? Für wen ist das zugänglich? Was bedeutet eine mögliche Verlängerung des Lebens für Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen? Für Menschen, die zum Beispiel 30 oder 40 Jahre alt sind, ist das toll. Aber was ist mit 90-Jährigen? Reicht es hier, dass man sagt, man er- hält den aktuellen Zustand, oder müsste man den nicht sogar umkehren, damit man ein wirklich gutes Leben erreicht? Diese Fragen zu beantworten, wird eine sehr große Herausforderung werden.

Sichere dir das brutkasten-Magazin in digitaler Form!

Trag dich hier ein und du bekommst das aktuelle brutkasten-Magazin als PDF zugeschickt und kannst sofort alle Artikel lesen!

Du erhältst mit der Anmeldung künftig auch Zugang für unseren Startup-Newsletter, den wir drei Mal pro Woche verschicken. Du kannst dich jederzeit unkompliziert wieder abmelden.

Aus dem Archiv: Luminous Labs und Zeitgeber im Talk über das Zukunftsthema Longevity (April 2023)

Deine ungelesenen Artikel:
03.07.2026

Warum die internationalen Krypto-Player in Wien bei Manuel Gahns Lumia landen

Vor drei Jahren mit dem Startup House gestartet betreibt Manuel Gahn mit Lumia mittlerweile zwei Standorte, mehrere Geschäftszweige und einen besonderen Fokus auf internationale Krypto-Unternehmen. Im Interview erzählte er uns mehr dazu.
/artikel/warum-die-internationalen-krypto-player-in-wien-bei-manuel-gahns-lumia-landen
03.07.2026

Warum die internationalen Krypto-Player in Wien bei Manuel Gahns Lumia landen

Vor drei Jahren mit dem Startup House gestartet betreibt Manuel Gahn mit Lumia mittlerweile zwei Standorte, mehrere Geschäftszweige und einen besonderen Fokus auf internationale Krypto-Unternehmen. Im Interview erzählte er uns mehr dazu.
/artikel/warum-die-internationalen-krypto-player-in-wien-bei-manuel-gahns-lumia-landen
Manuel Gahn und Lena Manzenreiter | (c) Lumia
Manuel Gahn und Lena Manzenreiter | (c) Lumia

Eine ganze Reihe internationaler Krypto-Anbieter baut bekanntlich seine EU-Hauptquartiere in Wien auf. Während Player wie Bybit EU, KuCoin EU oder zuletzt WhiteBit EU dank Erhalt der MiCAR-Lizenz bereits offiziell die Arbeit aufgenommen haben, müssen andere vorerst unter dem Radar bleiben.Nicht weniger als fünf dieser Player, KuCoin EU, WhiteBit EU und drei weitere, die noch nicht genannt werden dürfen, haben sich an den beiden Standorten des Wiener Office-Space-Unternehmens Lumia angesiedelt. Das wiederum befindet sich aktuell in der nächsten Expansionsphase, nachdem nach dem Start mit dem Startup House vor drei Jahren bereits 2024 ein zweiter Standort eröffnet wurde.

Dabei setzt man nicht nur auf internationale Krypto-Unternehmen. Kürzlich hat Lumia-Gründer Manuel Gahn mit Lena Manzenreiter als neue Head of Ecosystem & EUHQ eine Verantwortliche für diese internationalen Ansiedlungen an Bord geholt, die auch als Ansprechpartnerin für Partnerorganisationen wie Wirtschaftsagentur Wien, FFG, GIN, WKO, und DAAA fungiert. Im Interview erzählte uns Gahn über die besondere Position von Lumia im Krypto-Bereich, die Anforderungen, die man dafür erfüllt und die Strategie, die dahinterliegt.


brutkasten: Wie hat sich Lumia seit dem Start mit dem Startup House vor einigen Jahren entwickelt? Wo steht ihr gerade?

Manuel Gahn: Mit dem Startup House haben wir vor gut drei Jahren angefangen. Wir sind wirklich zu diesem physischen Ankerpunkt der Wiener Startup-Szene geworden, vor allem auch als Community Place. Etwas unbeabsichtigt hat sich ja auch das hocherfolgreiche Geschäftsmodell der Event-Venues entwickelt, wobei wir hier mit Loft und Prisma zwei Standorte haben. All das ist im Lumia-Ökosystem gebündelt. Wir haben zudem gemerkt, dass es sich bei unseren Coworkern mittlerweile auch über das Startup-Segment hinaus entwickelt hat. Mit unseren Serviced Offices ziehen wir auch größere Firmen an – beispielsweise Dyson und Uber.

Prisma fungiert bei Lumia als Event-Venue | (c) Lumia

Hat sich das auch auf euer Angebot ausgewirkt?

Ja, wir haben gemerkt, dass wir in Premium Serviced Offices expandieren können. Vor gut eineinhalb Jahren kam dann die Ansiedlung von KuCoin Europe, die dann den Prozess begonnen haben, sich für die MiCAR-Lizenz zu bewerben. Das war für uns eine neue Herausforderung, aber auch sehr spannend. Mit dem chinesischen Markt war ich davor schon ein bisschen in Berührung, weil ich in Hongkong studiert habe. Auch mit dem chinesischen Eigentümern konnte ich dementsprechend etwas besser umgehen als vielleicht andere Spaces in Wien.

Und mittlerweile seid ihr im Krypto-Segment aber noch deutlich weiter gewachsen…

Ja, wir sind wieder in der Expansion, weil wir mittlerweile so viel Nachfrage und volle Büros haben. Insbesondere mit dem Fokus auf zukünftige sogenannte CASPs, also Crypto Asset Service Providers. Das sind jetzt nicht nur Krypto-Player und Krypto-Börsen selbst, sondern auch zum Beispiel Stablecoin-Unternehmen, die sehr strenge regulatorische Vorschriften und Vorgaben für die Office Compliance haben, mit der Finanzmarktaufsicht als sehr kompetenter Regulatorin. Die Fragen für die Büro-Requirements sind zwar komplex, aber für alle die gleichen und die haben wir mittlerweile am besten ausgearbeitet. Zwei unserer Unternehmen haben diesen Prozess bereits geschafft und weitere drei sind aktuell dabei.

Du hast KuCoin EU schon erwähnt. Die zweiten, die diesen Prozess geschafft haben, darfst du auch nennen…

Ja, KuCoinEU ist an unserem zweiten Standort in der Tribüne, wo auch das Prisma als Konferenzzentrum läuft. Im Startup House ist im Frühjahr Whitebit EU eingezogen und hat letzte Woche die MiCAR-Lizenz bekommen. Die drei weiteren Unternehmen darf ich noch nicht nennen, weil sie gerade im Lizenz-Prozess sind. Aber auch die sind bereits in Office-Größen von 5 bis 20 Leuten und arbeiten sehr stark an ihrer Compliance, um die Lizenzen zu bekommen. Da wird es in den nächsten paar Wochen noch neue Announcements geben.

Mit was überzeugt ihr die Krypto-Unternehmen? Warum kommen alle zu euch?

Es sind nicht alle bei uns. Bybit EU, die wohl größte Wette auf Österreich, etwa nicht. Ich weiß von sieben oder acht, die diese Prozesse haben, und fünf davon sind hier. Natürlich ist es die starke Flexibilität, anfangs ein kleines Team zu haben und bei uns wachsen zu können. Lumia zieht außerdem Wiens engagierteste Personen und Firmen an – viele davon jung und Expats. Im Krypto-Bereich liegt das auch an der Nähe zu Bitpanda. Viele Leute, die in diesen in MiCAR-Lizenzierungsprozessen steckenden Firmen angestellt sind, sind ehemalige Pandas und schätzen den Business Hub rund um die Krieau.

Die Bitpanda-Zentrale ist direkt gegenüber vom Startup House…

Ja. Und der größte Hebel ist letztlich das Netzwerk. Angefangen hat es bei KuCoin Europe mit Oliver Stauber, Christian Niedermüller, Christian Derler und so weiter. Keiner von denen ist jetzt noch dort und sie haben alle neue Arbeitgeber, die auch in diesen Lizenzprozessen sind. Sie alle sind bei uns geblieben.

Und so trifft sich dann das gesamte ehemalige Team bei euch wieder?

Lustigerweise ja. Sonst würde man sagen, wir sind im B2B-Business, also Lumia macht Office Business, aber eigentlich, nachdem wir einfach die besten Arbeitsplätze Österreichs anbieten, ist es ein bisschen ein B2C-Business. Vielleicht verändern sich die Arbeitgeber:innen von den Personen, aber die Personen wollen bei uns bleiben.

Du hast auch von regulatorischen Hürden gesprochen. Bei jenen davon, die das Office angehen, seid ihr am Zug. Kannst du mir da mehr erzählen?

Ja, die Office-Compliance hat sich als Quick Win für MiCAR-Applicants herauskristallisiert. Da geht es etwa darum, dass laut Vorschriften drei voneinander getrennte Bereiche für eine Krypto-Company nötig sind. Holding, Compliance-Team, Anti-Money-Laundering Officer, Anti-Terrorism-Financing und so weiter. Wie wird die Hot Wallet gestored? Wie sind die Access Logs? Wie gehen wir mit Umsatzsteuerschädlingen um? Wie werden Besucher:innen registriert? Gibt es ein High-Security-Zutrittskontrollsystem? Das ist das, was wir jetzt auch gerade wieder aufrüsten und nochmal verbessern. Wir brauchen etwa verstärkte Sicherheitstüren und Fenster mit einbruchsicheren Sichtschutzfolien. Es ist schon wirklich ein Aufwand, sich da zu spezialisieren. Die ersten ein, zwei Male waren nicht lustig, aber jetzt haben wir das perfektioniert.

Lumia stellt für seine Mieter spezielle Zugangssysteme bereit | (c) Lumia

Damit wissen mittlerweile auch die Regulatoren, wenn sie für den sogenannten Office Visit “wiedermal” bei uns vorbeikommen, dass wir wissen, was zu tun ist. Ich will damit nicht sagen, dass es die Unternehmen leichter haben, die Lizenz zu bekommen und Office Compliance ist auch wirklich nur ein ganz kleiner Teil. Es sind genau dieselben strengen Regeln, die sie in anderen Immobilien auch haben. Nur wir können dabei unterstützen, weil wir in diesem konkreten Thema vermutlich europaweit am meisten Erfahrung haben.

Und ich nehme jetzt an, der Prüfer, der zum fünften Mal wegen der fünften Firma zu euch kommt, weiß dann schon, dass eure Fenster bruchsicher sind…

Zum Beispiel. Sie wissen auch, dass wir die WLAN-Netzwerke voneinander trennen, es komplett sichere Storage Archives gibt, die Zutrittskontrollen on-premise laufen und es Security-Kameras gibt. Zum Beispiel müssen alle Besucher:innen getrackt werden. Da gibt es dann eine Registrierung über unsere Rezeption. Die checkt sie ein und aus, prüft die IDs und teilt Visitor-Badges aus. Das haben wir wirklich zur Perfektion getrieben.

Jetzt Anfang Juli ist ein großes Thema natürlich, dass die MiCAR-Regelungen endgültig schlagend werden. Wie nimmst du das von deiner Position aus wahr?

Wir kriegen das gar nicht so viel mit, weil wir nicht im Tagesgeschäft involviert sind. Eine neue Firma hat morgen diesen Office Visit. Heute stellen wir auch gerade nochmal sicher, dass alle Systeme laufen, damit alles funktioniert. Nachdem es einmal aufgesetzt wurde, muss es dann ja immer funktionieren. Es ist schon auch lustig, wenn dann viele internationale Gäste hier sind.

Aber die Firmen siedeln sich unter anderem deswegen bei uns an, weil sie auch noch nicht wissen, was passiert, wenn sie abgelehnt werden. Da kann man keinen Fünf-Jahres-Vertrag mit vielleicht 400 Quadratmetern unterschreiben, wenn man nach sechs Monaten abgelehnt wird und keine Lizenz bekommt. Da sind Flex-Office-Lösungen eine sehr gute Lösung.

Ich stelle zum Ende nochmal eine klassische Ausblicksfrage: Du hast am Anfang des Interviews anklingen lassen, dass ihr weiter in der Expansionsphase seid. Und du hast gesagt, dass sich auch internationale Unternehmen abseits der Krypto-Branche wegen eines EU-Headquarters bei euch umsehen.

Wir sind jetzt gerade dabei, weitere 500 bis 1.500 Quadratmeter dazu zu mieten – das ist noch nicht ganz fix. Je nach Arbeitsplätzen und Conference Center kann das noch variieren oder auch noch viel mehr werden, falls noch mehr von diesen Firmen kommen. Was wir gemerkt haben: Es gibt zum Beispiel dank „Go Austria“ von GIN und FFG ziemlich viel Zuzug nach Wien als Basis für einen Markteintritt in Europa. Flexible Premium-Arbeitsplätze können hier natürlich auch von Wirtschaftsagentur Wien und ABA gut positioniert werden. Diese Firmen brauchen anfangs mal ein Virtual Office und expandieren dann womöglich auch auf Arbeitsplätze. Die wissen oft noch gar nicht, was genau deren Europe Entry Strategy sein wird.

Deswegen haben wir auch diese Marke „EUHQ by Lumia“ erfunden. Das können Finanzdienstleister oder Crypto Asset Service Provider sein, auf die wir aktuell unseren Fokus legen, weil es eben sehr schwer ist, denen zu genügen, und wir da den perfekten Product-Market-Fit gefunden haben. Aber es gibt auch andere, die in unserem Tech-Expat-Hub gerne einziehen würden.

Unsere Mitarbeiterin Lena Manzenreiter leitet die Expansion in dieses Geschäftsfeld. Sie wird viel im Ökosystem, mit der DAAA und mit der Wirtschaftsagentur Wien an neuen Initiativen arbeiten, um mit diesen internationalen White-Collar-Jobs neue Akzente zu setzen – um Wien als wichtigen Tech-Standort und Expansions Hub für Europa weiter zu etablieren.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Longevity und Biohacking: Was Gründer:innen wissen müssen

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Longevity und Biohacking: Was Gründer:innen wissen müssen

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Longevity und Biohacking: Was Gründer:innen wissen müssen

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Longevity und Biohacking: Was Gründer:innen wissen müssen

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Longevity und Biohacking: Was Gründer:innen wissen müssen

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Longevity und Biohacking: Was Gründer:innen wissen müssen

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Longevity und Biohacking: Was Gründer:innen wissen müssen

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Longevity und Biohacking: Was Gründer:innen wissen müssen

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Longevity und Biohacking: Was Gründer:innen wissen müssen