26.02.2026
KOLLEGA

Linzer Startup 506.ai launcht KI-Mitarbeiter für Unternehmen – der auch Gehalt erhält

Das oberösterreichische Startup 506.ai bringt mit Kollega einen autonomen digitalen Mitarbeiter auf den Markt, der vollständig aus der Cloud agiert, Unternehmensprozesse eigenständig ausführen kann und dabei wie ein Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterin behandelt wird. CEO Gerhard Kürner erklärt.
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Kollega, digitaler Mitarbeiter, KI, OpenClaw
© 506.ai

Das Linzer Startup 506.ai von CEO Gerhard Kürner launcht am 26. Februar einen autonomen digitalen Mitarbeiter für Unternehmen, der vollständig aus der Cloud heraus agiert. Der Kollega kann eigenständig Prozesse von Anfang bis Ende durchführen – etwa aus bestehenden Archiven recherchieren, Dokumente erstellen, Präsentationen nach Unternehmensvorlagen ausarbeiten, telefonische Anfragen vorbereiten oder Inhalte auf Websites publizieren.

Kollega hat direkten Vorgesetzten

Dabei wird er wie ein realer Mitarbeiter bzw. wie eine Mitarbeiterin behandelt: „Kollega ist kein Tool, das von allen Mitarbeitern genutzt wird, sondern er untersteht einem Vorgesetzten, der ihn einschult“, erklärt Kürner dem brutkasten. „So ähnlich wie OpenClaw für Unternehmen. Wir haben nun das erste Mal eine Situation, in der Software und Arbeitsmarkt zusammenwachsen.“

Die für Kollega verantwortliche Führungskraft definiert Aufgaben, Zuständigkeiten und Lernprozesse – mit klar definierten Rollen etwa im Projektmanagement oder im Vertrieb. Zunächst fokussiert auf Bereiche wie E-Mail-Management und Kalenderorganisation. Zusätzlich kann der KI-Mitarbeiter während Wartezeiten laufende Projekte überprüfen oder Optimierungspotentiale identifizieren.

Probezeit inkludiert

Die ersten Kollega-Instanzen befinden sich bereits in „Pilotanstellungen“. Der Onboarding-Prozess orientiert sich dabei an einer klassischen Mitarbeiter:innenaufnahme: Unternehmen müssen definieren, welche Position sie besetzen wollen und welche Aufgaben der digitale Mitarbeiter übernehmen soll.

Vorgesehen ist eine Probezeit von drei bis sechs Monaten, danach erfolgt eine dauerhafte Anstellung. Kollega bekommt zudem ein Gehalt, wie Kürner beschreibt und einzelnen Fällen ist auch eine erfolgsabhängige Vergütung vorgesehen, etwa gekoppelt an Kundenzufriedenheit oder erfolgreich abgewickelte Prozessen.

Kollega in Europa gehostet

Gehostet wird das System ausschließlich in Europa, in einer Cloud-Infrastruktur in Frankfurt. Open-Source-Modelle sollen im Laufe des Jahres integriert werden, sobald Sicherheitsanforderungen erfüllt sind.

„Das wichtigste Ziel ist es jetzt, Unternehmen konkret aufzuzeigen, welche Möglichkeiten sich durch den Einsatz eines autonomen digitalen Mitarbeiters ergeben. Viele Betriebe können nicht weiteres Personal aufbauen oder notwendige Tätigkeiten blockieren schlicht die Workforce. Gleichzeitig sind zahlreiche Organisationen noch nicht ausreichend hybrid aufgestellt“, sagt Kürner. „Mit unserem Konzept greifen wir daher einer kommenden Entwicklung der nächsten drei bis fünf Jahre vor.“

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(c) Enpulsion
(c) Enpulsion

Das am Wiener Flughafen ansässige Scaleup Enpulsion hat sich in den vergangenen Jahren eine beachtliche Position auf dem SpaceTech-Weltmarkt herausgearbeitet. Nach eigenen Angaben ist man mittlerweile Europas führender industrieller Hersteller für Weltraum-Antriebssysteme. Im Zentrum stehen dabei bislang elektrische Antriebe für Mikro- und Nano-Satelliten, die die „FEEP-Technologie“ nutzen, bei der flüssiges Metall (Indium) in winzige geladene Teilchen zerlegt und ausgestoßen wird. Mittlerweile bietet man zudem auch Antriebe für größere Satelliten mit bis zu 500 Kilogramm Gewicht an.

Konkurrierende Antriebssysteme

Diese elektrischen Antriebe, mit denen Enpulsion groß geworden ist, sind eine Alternative zu vielfach genutzten chemischen Antriebssystemen. Ein nun kommunizierter strategischer Schritt kann daher auf den ersten Blick durchaus verwundern: Mit Lift Me Off Ltd (LMO) aus dem Vereinigten Königreich will man ein Unternehmen zu 100 Prozent übernehmen, das auf chemische Weltraum-Antriebssysteme spezialisiert ist. Das Unternehmen ist unter anderem an den ESA-LEO-Missionen (Low Earth Orbit) und geplanten Mondmissionen beteiligt.

Über den Kaufpreis gibt es dabei keine Angabe. Erst im März dieses Jahres hatte Enpulsion eine 22,5 Millionen Euro schwere Finanzierungsrunde verkündet. Die aktuelle Transaktion muss noch von den britischen Behörden im Rahmen des National Security and Investment Act 2021 (NSIA) bewilligt werden. Der Abschluss wird für das dritte Quartal 2026 erwartet.

Mit Technologie-Kombination zum Komplettanbieter

Bei Enpulsion argumentiert man die Übernahme als strategischen Schritt, um hybride Antriebssysteme aus einer Hand anbieten zu können. Man wolle durch die Kombination mit dem konkurrierenden Antriebssystem einen „complete spacecraft mobility backbone“ aufbauen, wird Gründer und CEO Alexander Reissner in einer Aussendung zitiert: „LMO bringt Erfahrungen im institutionellen Bereich, ein talentiertes Team und eine komplementäre Technologiebasis im Bereich chemischer Antriebe und Tanksysteme mit.“ In Kombination mit den industriell produzierten elektrischen Antrieben könne man Kunden ermöglichen, ihre gesamte Weltraum-Mobilitätsarchitektur über einen einzigen Partner aufzubauen, so Reissner.

LMO-Chef Shaun Dormon sieht einen logischen Schritt für beide Unternehmen, die eine ähnliche Vision, aber unterschiedliche technologische Zugänge hätten. „Gemeinsam können wir eine Kombination aus hocheffizientem und agilem Manövrieren im Weltraum bei minimaler Komplexität schaffen“, so Dormon. Das LMO-Team, das im Harwell Space Cluster nahe dem ESA-Zentrum ECSAT angesiedelt ist, soll erhalten bleiben. Auch die laufenden Missionen werden weitergeführt.

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