28.03.2025
DURCHGESCROLLT

LinkedIn: Karrieresprung oder Spiel mit der Psyche

25 Prozent der Menschen in Österreich sind auf LinkedIn, davon postet nur ein Prozent. Was wir auf LinkedIn sehen, ist also das High-End einer High-End-Bubble. Was das mit dem Algorithmus der Plattform und der Karriere von Menschen macht? Ein Gründer und eine Psychologin erzählen.
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Symbolbild | Foto: Adobe Stock

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von März 2025 “Hoch hinaus” erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Du bist Gründer:in, du willst Connections, Investor:innen oder einfach eine Menge Kontakte? Dann bist du wahrscheinlich auf LinkedIn.

LinkedIn sieht sich selbst als die “weltweit größte Business-Plattform”. Das ursprünglich zur beruflichen Vernetzung entwickelte digitale Netzwerk wird aktuell in über 200 Ländern verwendet.

Weltweit hat es 1,5 Milliarden registrierte Nutzer:innen, die meisten davon sitzen in den USA, in Indien und in Brasilien. Einer amerikanischen Quelle zufolge erhöht sich die Nutzerbasis der Plattform jährlich um 15 Prozent. LinkedIn wurde 2002 in Kalifornien gegründet und wurde im Dezember 2016 von Microsoft gekauft.

LinkedIn: Die Nutzerstärkste Karriereplattform

Als Quasi-Pendant dazu fungiert die deutsche Business-Plattform Xing. Weltweit zählt das im August 2003 in Hamburg gegründete Netzwerk 22,5 Millionen Nutzer:innen (Stand: Jänner 2025). Das ist weniger, als LinkedIn allein in der DACH-Region zählt. Dort sind es 25 Millionen Registrierte.

Die Nutzerzahlen der Konkurrenz-Plattform Xing sind seit dem Jahr 2013 zwar konstant gestiegen, die Steigerung flachte allerdings seit dem Jahr 2020 ab. Im Jahr 2013 zählte Xing weltweit noch 6,3 Millionen Mitglieder, im Q2 des Jahres 2024 waren es dann 22,5 Millionen.

Die Beliebtheit von LinkedIn, gerade in der “Business-Bubble”, ist unumstritten. Laut einer Umfrage von Jänner 2024 nutzen 65 Prozent der Unternehmen weltweit LinkedIn auch zum B2B-Marketing. Generell zählt LinkedIn nach Facebook und Instagram zu den beliebtesten Social-Media-Plattformen unter Unternehmen.

Business- wird zum Social- und Opinion-Network

Wer die ein oder anderen Stunden auf der Plattform verbringt, wird merken: LinkedIn hat sich vom beruflichen Netzwerk zu einem Social- und Opinion-Network mit reichlich Content-Diversität entwickelt. Ein Beispiel dafür ist Deutschland: In unserem Nachbarland kam es zuletzt zu reichlich (politischen) Meinungsäußerungen im Netzwerk.

In Österreich ist dies auch vereinzelt, allgemein aber eher verhalten der Fall. Dennoch kann auch hierzulande nicht nur von Vernetzung gesprochen werden: Ein Kernelement der Business-Plattform ist die Selbstpräsentation.

Das sagt auch Julie Simstich, Arbeitspsychologin mit Fokus auf Neurodiversität und ADHS sowie auf stärkenorientierte Teamentwicklung. Sie befasst sich intensiv mit Gründer:innen und ihrem Arbeitsverhalten – und weiß daher auch, warum LinkedIn so tickt, wie es tickt:

“LinkedIn ist eine Plattform, auf der es darum geht, laut zu schreien und sich dabei selbst zu präsentieren.” Inhaltlich muss sich das Ganze nicht rein um den Beruf drehen. Das könnte die Reichweite unter Umständen sogar negativ beeinflussen. Denn wie so ziemlich jedes andere soziale Netzwerk hat auch LinkedIn einen Algorithmus.

Julie Simstich, Arbeitspsychologin | Foto: Sebastian Simstich

Wie der LinkedIn-Algorithmus tickt

Wie dieser funktioniert, weiß man noch nicht ganz genau. Bislang gibt es erst ein paar Tricks zur Algo-Optimierung, die auf Beobachtung basieren und bereits im Netzwerk selbst vermarktet werden:

So werden Profile, die viele direkte Nachrichten bekommen, vom LinkedIn-Algo eher gepusht als solche, die wenige rot-leuchtende Nummern in ihrer Inbox zählen. Außerdem bewertet der Algorithmus auch eine möglichst lange “View-Time” der geposteten Inhalte als positiv. Genauso wie die Anzahl der Kontaktanfragen und die sogenannten “External Shares“.

Letzteres bedeutet: Wenn Inhalte außerhalb deiner Kontakt-Bubble geteilt werden, ist das besonders lukrativ und bringt Reichweite. Dein Inhalt wird dann auch anderen Nutzer:innen ausgespielt – sofern dies deine Sicherheitseinstellungen erlauben. Das Ergebnis: Algorithmus-basierte Reichweite.

Zu guter Letzt: Zahlreiche Profil-Besuche und regelmäßige Interaktion freuen den Algorithmus besonders. Und: Ähnlich wie auf dem sozialen Netzwerk Instagram wünscht sich auch der LinkedIn-Algorithmus, dass möglichst viele deiner Postings von Nutzer:innen gespeichert werden. Empfohlen werden daher informative Inhalte, die User:innen Wissen bieten und bei Zeiten auch später abgerufen werden.

Das Spiel mit dem Wissen hat auch Manuel Messner, Co-Founder und CEO des Startups Mazing, versucht. Messner, der mit seiner Firma 3D und Augmented Reality für Websites anbietet, startete seine LinkedIn-Reise mit dem Fokus auf B2B-Akquisition und dem Teilen von Wissensinhalten.

Manuel Messner, Founder von Mazing | Foto: Mazing

Ursprünglich nutzte Messner die Business-Plattform als Marketingtool und zur Wissensvermittlung. Mazing setzte dafür auch Automatisierungstools ein, um sich effizient mit Interessenten zu vernetzen. Anfangs trug die Strategie zwar Früchte, nach ein paar Monaten sackte die Erfolgskurve allerdings ab. “Damals, vor drei Jahren, gab es einen Automatisierungsboom. Der Markt war schnell davon gesättigt, automatisierte Anfragen halfen nichts mehr”, erinnert sich Messner. Auch der Versuch, Kunden über persönliche Kaltakquise zu gewinnen, blieb erfolglos.

Die Folge: Messner reduzierte seine LinkedIn-Aktivität und begann, zwei- bis dreimal wöchentlich zu posten. Dafür brauchte er mehrere Stunden. “Und das war leider oft gezwungen”, erinnert sich der Founder.

Insgesamt blieb Messners Aktivität auf LinkedIn in den letzten drei Jahren allerdings hinter seinen Erwartungen. „Als skalierendes Startup muss man seine Zeit dort investieren, wo sie den größten Impact hat – und das war für uns nicht LinkedIn“, so Messner. Der Gründer vermutete, in welche Richtung sich die Plattform entwickelt hatte: Je polarisierender der Inhalt, desto besser. Also setzte er einen radikalen Schritt.

“Ich verlasse LinkedIn”, gab Messner im Jänner 2025 bekannt. Kurz darauf ging sein Posting viral. Es erhielt so viel Aufmerksamkeit wie wenige seiner bisherigen. “Ursprünglich wollte ich B2B-Marketing betreiben und Wissensinhalte teilen, von denen User profitieren. Dann ging mein ‘I quit LinkedIn’-Posting ziemlich gut und das zeigte mir, worum es eigentlich geht.”

Dass nur mehr Meinung und Polarisierung zählen, kann nicht ganz gesagt werden. Denn vollständig durchschaut wird der LinkedIn-Algorithmus noch nicht. Eine unabdingbare Voraussetzung für das Viral-Gehen polarisierender Postings gibt es auch nicht. Dennoch kann eine Tendenz erkannt werden. Und zwar jene der polarisierenden Selbstrepräsentation, die nicht immer mit dem Unternehmensinhalt zu tun hat.

Jubelplattform mit Druck und Perfektion

“Im Gegensatz zu Instagram, wo es häufig um den Lebensstil geht, geht es bei LinkedIn um berufliche Erfolge. Und da haben gerade Menschen, die vielleicht sogar unter dem Imposter-Syndrom leiden, eher zu kämpfen”, sagt Psychologin Simstich. “Natürlich gibt es einige Posts, die zeigen, wie Misserfolge passieren. Aber der allgemeine Tenor geht in Richtung Jubelplattform.”

Nun könnte man glauben: Gründer:innen sind das gewohnt. Sie sind hart im Nehmen, Perfektionist:innen und mit ständigem Druck und dem Vergleichen vertraut. “Klarerweise ist das nicht bei allen Gründer:innen, und schon lange nicht bei allen LinkedIn-Nutzenden, der Fall”, so Simstich.

“Auf Founderinnen und Foundern herrscht natürlich ein sozialer Druck. Eine Erwartungshaltung, aus der eigenen Firma etwas Großes zu machen, und das am besten in absehbarer Zeit. Es gibt Studien dazu, die sagen, dass Perfektionismus und der soziale Druck bei Foundern viel höher sein können als bei einem CEO, der selbst nicht gegründet hat. Dabei spricht man von einer Art des ‘sozial-vorgeschriebenen Perfektionismus’”, so die Psychologin.

“Natürlich kann man das nicht pauschal für jeden Gründer und jede Gründerin sagen, aber es gibt Hinweise, die besagen: Je höher der Perfektionismus bei einer Person ausgeprägt ist, desto niedriger ist das eigene Zufriedenheits- und Glücksempfinden. Hohe Ansprüche an sich zu haben und sich konstant mit seinem Umfeld zu vergleichen, kann die Psyche sehr belasten.”

Zudem tummeln sich auf der Plattform die unterschiedlichsten Persönlichkeiten. Psychologin Simstich weiß zum Beispiel, dass die Anzahl an ADHS-Diagnosen unter Gründer:innen weitaus höher ist als unter der Gesamtbevölkerung: “Die Wahrscheinlichkeit ist um 300 Prozent höher, dass jemand mit ADHS ein Unternehmen gründet, als jemand, der nicht mit ADHS lebt”, so die Psychologin.

Eine ADHS-Diagnose bringt im Gründungskontext zahlreiche Vorteile mit sich – etwa das intensive Interesse an einem Themenfeld oder ein intensiver Fokus, der sogenannte Hyperfokus. Auch die Bereitschaft zu risikoreichen Schritten und das instinktive Setzen von Impulsen zählt zu den Vorteilen.

Routinetätigkeiten, Organisation und Planung können sich manchmal jedoch als Stolpersteine erweisen. Genauso wie eine geringe Frustrationstoleranz und die Präsenz von Selbstzweifeln: “Egal ob ADHS oder nicht, bestehende Selbstzweifel können nachweislich über Plattformen wie LinkedIn verstärkt werden – gerade, wenn es darum geht, sich selbst und Erfolge zu präsentieren oder sich mit eben jenen konstant zu vergleichen”, so Simstich.

Der ununterbrochene Vergleich mit der Leistung anderer ist vielen mit Sicherheit auch von anderen Social-Media-Plattformen bekannt. In Lifestyle- oder Marketing-Themen sei dies wohl die Plattform Instagram. Doch im Business-Kontext ist LinkedIn ganz vorne im Bestätigen bestehender Zweifel:

“Viele Menschen, gerade auch Menschen mit ADHS, haben Schwierigkeiten, ihre Erfolge selbst anzuerkennen. LinkedIn tut uns dabei nicht unbedingt gut”, so Simstich. Eine logische Konsequenz ist das Gefühl, nicht erfolgreich genug zu sein, nicht genug zu arbeiten oder nicht in der erwarteten Zeit die erwarteten Erfolge zu erzielen.

Realitätsverzerrt gepostet

Ein weiteres LinkedIn-Phänomen: Die Realitätsverzerrung durch selektive Darstellung. “Nutzer:innen picken sich natürlich die Inhalte heraus, die sie posten wollen und die Anerkennung bringen. Das kennen wir auch von anderen Social-Media-Plattformen. Wichtig ist, sich bewusst zu machen: Was wir sehen, ist nur ein Ausschnitt der Realität – und dieser Ausschnitt wird oft bewusst verzerrt.”

Wie zu erwarten kommt dabei auch der bislang noch wenig durchschaute LinkedIn-Algorithmus ins Spiel: “Wie wir bisher wissen, belohnt es der Algorithmus, wenn viel Zeit auf der Plattform verbracht wird. Je häufiger und länger Menschen auf LinkedIn sind, desto besser sind ihre Karrierechancen. Dazu gibt es einige Studien. Je mehr wir interagieren, desto mehr Reichweite hat unser Profil. Das heißt: LinkedIn provoziert, dass wir auf der Plattform aktiv sind. LinkedIn ist ja auch nur ein Unternehmen, das User anlocken will. Dessen muss man sich bewusst sein. LinkedIn spielt mit der psychischen Gesundheit von Menschen“.

Will man also groß rauskommen und als Gründer:in im Markt Fuß fassen, scheint LinkedIn ein quasi unvermeidbarer Hebel zu sein. Regulieren kann man das Ganze allerdings selbst – und zwar mit einigen Mechanismen, wie Simstich erklärt:

“Sollte ich merken, dass mir der Content in irgendeiner Art und Weise nicht gut tut, ich aber beruflich dazu verpflichtet bin, auf der Plattform aktiv zu sein, kann ich mir mit ein paar Tools helfen.”

25 Prozent sind auf LinkedIn, nur 1 Prozent postet

Statt sich gezielt zu vergleichen, sollte man seine Fühler auch in andere Felder auszustrecken: “LinkedIn wird hauptsächlich von Unternehmen und der High-Performance-Bubble genutzt. Etwa 25 Prozent der Menschen in Österreich nutzen LinkedIn. Von diesen postet aber nur etwa ein Prozent. Das, was wir auf LinkedIn sehen, ist nur ein kleiner und manchmal bewusst verzerrter Teil der ‘echten Welt’. In unserem Wirtschaftssystem gibt es aber auch viel Fachpersonal in vielen analogen Bereichen. Sei es die Postbotin, der Müllmann oder Menschen in Pflegeberufen. Jede und jeder von ihnen leistet einen wesentlichen Beitrag zu unserem Wirtschaftssystem und unserer Gesellschaft, auch wenn man das nicht auf LinkedIn sieht oder liest.”

Wichtig sei dahingehend vor allem, sich der selektiven Darstellung bewusst zu sein: “Dank der Algorithmen rutschen wir in eine Bubble. Dahingehend kann ich nur jedem und jeder wärmstens ans Herz legen: Macht aktive Realitätschecks und erweitert eure Perspektive. Sucht auf LinkedIn nach FuckUp-Nights, stöbert durch andere Branchen oder geht auf Portale oder Profile, die nicht in eurer Bubble sind.”

Das LinkedIn-Selbstexperiment

Überprüfen kann man das auch mithilfe eines Selbstexperiments: “Bevor du dich einloggst, beobachte, wie es dir geht. Dann setz dich hin, scrolle ein bisschen durch die Plattform und schau nach 15 Minuten, was dein Gemütszustand dann sagt. Fühlst du dich gestärkt und selbstbewusst oder eher down? Ignoriere das Gefühl nicht, sondern überlege dir anschließend, wie du deinen LinkedIn-Konsum gezielt gestalten könntest, damit nicht nur dein Business profitiert, sondern auch du als Mensch. Konkrete Zeitfenster können dabei ganz gut helfen, um Abstand zu gewinnen und bewusst zu entschleunigen.”

Überdies sollte man auch nicht vergessen: LinkedIn-Postings stammen nicht immer vom Menschen selbst: “Wenn ich das Gefühl habe: Meine Branchenkollegin verfasst deutlich erfolgreichere LinkedIn-Posts als ich, während mein eigener Content kaum Reichweite erzielt, dann lohnt es sich, zu hinterfragen: Hat sie ihren Beitrag wirklich selbst geschrieben? Hat sie dafür einen Profi engagiert? Oder steckt ChatGPT dahinter?”

Mensch versus Team und KI

Simstich verweist damit auf ein Phänomen der modernen Zeit: Der Vergleich mit Leistungen, die längst nicht mehr ausschließlich menschlich sind – sei es durch den Einsatz von KI-generierten Inhalten oder durch Teams, die hinter einer einzelnen Person agieren.

“Oft entsteht der Eindruck, dass eine Einzelperson außergewöhnliche Leistung erbringt, obwohl in Wahrheit Technologie oder ein ganzes Team im Hintergrund mitwirken. Unser Gehirn sieht nur den scheinbaren Erfolg und zieht eine Bilanz. Deshalb rate ich, einfach vorsichtig zu sein. Natürlich soll man LinkedIn nutzen, ich mache es ja auch, aber sei dir bewusst, dass die Plattform mit zunehmendem Fortschritt technologischer Innovation ein bisschen unberechenbarer wird.”

Dessen ist sich auch Manuel Messner bewusst. Mittlerweile hat er sein wöchentliches LinkedIn-Pensum auf 50 Minuten reduziert. Die restliche Content-Zeit kann er nun anderweitig nutzen: Messner postet Wissensinhalte auf Instagram und spürt dabei einen deutlich größeren Mehrwert für sein Unternehmen.

“Das ein oder andere LinkedIn-Posting lässt sich nicht vermeiden. Aber auch mit weniger Effort geht es jetzt gut. Ich folge ausgewählten Personen und kontrolliere meine Bubble. Und ich finde, man sollte nicht vergessen, dass Connections auch im realen Leben passieren und Fundamente für Business-Beziehungen oft im Analogen gepflastert werden. Eine Messe, ein Networking-Abend oder ein One-on-One-Meeting kann nur schwer durch LinkedIn ersetzt werden.”

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Gerhard Petzl möchte mit seinem Elektrolyt-Cocktail ein unbesetztes Segment erobern. | © Gerhard Petzl

Wenn Gerhard Petzl eine seiner Plash-Dosen aufmacht, fühlt sich das für ihn ein bisschen nach Urlaub an. Genau dieses exklusive Gefühl will der Gründer mit seinem Getränke-Startup in den Alltag seiner Kund:innen bringen. Seine alkoholfreien Mocktails sollen nach Bar schmecken und nebenbei Elektrolyte liefern. Das Konzept würde die Gen Z mit dem Begriff „Spaßgetränk“ auf den Punkt bringen. Etwas, das man sich zu besonderen Anlässen gönnt, wie ein Gläschen Wein, nur gesünder.

Der Geschmack einer Bar, die Mineralien eines Sportgetränks

Der Hybrid-Cocktail in den drei Geschmacksrichtungen Pink Guava, Lemon & Mint und Orange Ginger | © Plash

Am Anfang der Getränke-Reise stand ein Ärgernis: Sportgetränke liefern Elektrolyte, schmecken aber nicht besonders hochwertig, Softdrinks schmecken, sind aber oft voll mit Zucker oder anderen Konservierungsmitteln. Also entwickelte Petzl, laut eigenen Angaben, den ersten trinkfertigen Mocktail mit Elektrolyten in der EU.

Eine 330-Milliliter-Dose enthält laut eigenen Angaben rund 20 Kalorien, drei Gramm Zucker und bis zu zehn Prozent Fruchtsaft. Zudem sind die Getränke vegan und kommen ohne Konservierungsstoffe aus. Auf künstliche Zuckerfreiheit verzichtet das Startup bewusst: „Der Zucker fungiert als Brücke, die das Geschmacksprofil und die Fruchtnoten stabilisiert“, betont Petzl im Gespräch. Ohne die drei Gramm Zucker würde im Mittelbereich des Körpers der Geschmack absacken – selbst bei der Verwendung von Stevia.

Pro Dose enthält der Hybrid-Cocktail zudem 320 Milligramm Kalium, 120 Milligramm Kalzium, 57 Milligramm Magnesium und 14 Milligramm Natrium in einer Menge, die laut Petzl die gesetzlichen Vorgaben für die Auslobung erfüllt. Ein vergleichbares US-Produkt unterschreite sie. Die gelösten Mineralien zählen zu den teuersten Zutaten, wie der Gründer im Gespräch verrät.

Vom Pastry Chef über Nestlé zum Alleingründer

Ursprünglich kommt Petzl aus der Schokoladenwelt: Über 20 Jahre arbeitete er als Pastry Chef, Chocolatier und Berater in Europa, den USA, Asien und Australien, nach eigenen Angaben mit mehr als acht Goldmedaillen. Danach entwickelte er knapp ein Jahrzehnt lang bei Nestlé in der Schweiz Produkte, von Schokolade bis Babynahrung, und stieg im Sommer 2025 aus.

Eigenfinanzierung und schrittweiser Markteintritt

In puncto Kapitalstruktur geht Plash eigenständige Wege. Petzl ist alleiniger Gründer und verzichtete aktiv auf externes Risikokapital, um die volle Kontrolle über Rezepturen und Unternehmensstrategie zu behalten. Die Produktentwicklung erfolgte in der Schweiz, wo der Webshop im August dieses Jahres eröffnete. Ein Karton mit 24 Dosen wird online für 69,95 Schweizer Franken angeboten.

Parallel bereitet das Startup den Markteintritt in Österreich vor. Die Produktion für den EU-Raum soll künftig direkt in Österreich oder der EU erfolgen, um Logistikwege zu optimieren und Zoll- sowie Mehrwertsteuerhürden zu vermeiden. Der Marktstart im österreichischen Handel verzögert sich aktuell jedoch durch bürokratische Prozesse rund um das nationale Einwegpfandsystem, für das gesetzliche Vertretungen und Registrierungen erforderlich sind.

B2B-Personalisierung und Gastronomie

Um sich im hart umkämpften Getränkesektor durchzusetzen, verzichtet Plash vorerst bewusst auf den klassischen Lebensmitteleinzelhandel. „Der Supermarkt ist definitiv der letzte Schritt“, betont Petzl. Stattdessen setzt das Unternehmen auf zwei Säulen: die gehobene Gastronomie, Hotellerie und Event-Szene sowie ein direktes B2B-Modell.

Für Unternehmenskunden bietet Plash personalisierte Drink-Boxen an, die als Mitarbeiter- oder Kundengeschenke positioniert werden. Kleinserien ab 30 Stück können individuell bedruckt und geliefert werden. Nach dem Anlauf im DACH-Raum plant Plash eine schrittweise internationale Skalierung, unter anderem im Mittleren Osten, wo der Lifestyle-Ansatz des alkoholfreien Premiumsortiments greifen soll. Zu Verkaufszahlen äußert er sich noch nicht. Zum Jahreswechsel soll Österreich folgen, mit Vertrieb, Lager und möglichst auch Produktion vor Ort.

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