18.09.2025
GASTBEITRAG

LinkedIn Ads für Startups: Wie Sichtbarkeit in der Skalierungsphase gelingt

Gastbeitrag. Theresa Sturm ist Geschäftsführerin der Agentur Via Digital in Linz. Sie begleitet B2B-Unternehmen beim Aufbau skalierbarer Paid-Media-Strategien. In ihrem Gastbeitrag schreibt sie über die Effektivität von LinkedIn Ads und wie sie "wirklich Sinn machen".
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Foto: Theresa Sturm / VIA Digital

Viele B2B-Startups starten ihren Vertrieb über organisches Marketing, persönliche Netzwerke, Empfehlungen oder Kaltakquise. Das funktioniert – bis zu einem gewissen Punkt. Denn sobald man aus dem „Founder’s Network“ herauswächst, zeigt sich oft: Die Zielgruppe ist eng, die Entscheider:innen sind selektiv, und die klassische Reichweite reicht nicht mehr aus.

Ab hier geht es nicht mehr nur um Sichtbarkeit, sondern um gezielte Aufmerksamkeit bei den richtigen Personen – zur richtigen Zeit. Genau hier kann LinkedIn Ads ein sinnvoller Hebel sein. In diesem Beitrag teile ich Erfahrungen aus unserer täglichen Arbeit mit Startups, die mit bezahlter Reichweite wachsen wollen – ohne ihr Budget zu verbrennen.

Wann LinkedIn Ads wirklich Sinn machen

LinkedIn Ads sind kein schneller Hack – sondern ein strategischer Schritt. Es lohnt sich, erst dann Budget zu investieren, wenn diese vier Bedingungen erfüllt sind:

1. Klares ICP & validierte Buyer Persona

Wer genau weiß, wen er erreichen möchte – und warum diese Personen relevant sind – kann auf LinkedIn sehr gezielt werben. Optimal ist es, wenn dieses Idealprofil (z. B. CTOs in der Industrie, HR-Leiter:innen im SaaS-Bereich) bereits durch Vertrieb oder Outreach validiert wurde.

2. Die Zielgruppe ist nachweislich auf LinkedIn aktiv

Bevor man Paid Media startet, sollte man durch organisches Posting oder Interaktionen feststellen, ob sich die Zielgruppe überhaupt auf LinkedIn bewegt. Hat der Gründer regelmäßig Sichtbarkeit bei den richtigen Personen? Gibt es Likes, Kommentare, Netzwerkreaktionen aus der Zielbranche? Wenn ja, ist das ein gutes Zeichen.

3. CRM & Content sind vorhanden

Auch wenn der Funnel noch nicht perfekt ist – ein einfaches CRM, eine Landingpage, ein Whitepaper oder eine Case Study sollten verfügbar sein. Ohne diese Grundlagen wird es schwer, Leads weiterzuentwickeln oder Erfolge zu messen.

4. Product-Market-Fit ist da

LinkedIn Ads sind kein Tool, um herauszufinden, ob jemand das Produkt will – sondern um skalierbare Sichtbarkeit zu erzeugen. Wer erste Kund:innen und ein funktionierendes Angebot hat, kann Paid Media sinnvoll nutzen, um dieses Modell zu vervielfachen.

Formate, die sich für Startups lohnen Nicht alle LinkedIn-Formate funktionieren gleich gut – vor allem, wenn Zeit und Budget begrenzt sind. Hier sind die drei Formate, die wir bei Startups am meisten empfehlen:

✅ Document Ads Ein Whitepaper, ein Leitfaden oder ein PDF direkt im Feed. Nutzer:innen können das Dokument durchblättern oder herunterladen, ohne LinkedIn zu verlassen. Ideal, um Interesse zu wecken und gleichzeitig Vertrauen aufzubauen – z. B. mit einem „Founder Playbook“ oder einer kurzen Success Story.

✅ Thought Leader Ads Die Posts von Gründer:innen oder Fachleuten lassen sich gezielt bewerben. Der Ton ist persönlich, der Inhalt eher meinungsstark oder reflektierend – kein klassisches Werbeformat. Besonders stark für Awareness und Vertrauen im oberen Funnel.

✅ Video Ads Kurze, untertitelte Videos (15–30 Sekunden) können Produktfeatures, Feedback von Kund:innen oder einen Blick hinter die Kulissen zeigen. Funktioniert besonders gut für erklärungsbedürftige Produkte oder innovative Lösungen.

❌ Was wir weniger empfehlen: Carousel Ads Sie wirken interaktiv, sind aber oft aufwändig in der Erstellung, liefern schwächere Klickraten und lassen sich schlechter ins Retargeting einbinden. Für Startups mit begrenzten Ressourcen meist kein sinnvoller Einstieg.


Wie viel Budget braucht es?

Viele schrecken vor LinkedIn Ads zurück, weil sie als „teuer“ gelten. Stimmt – im Vergleich zu Meta oder Google sind die Klickpreise höher. Dafür ist die Zielgruppe aber auch deutlich qualifizierter. Ein realistisches Testbudget liegt bei etwa 3.000–5.000 € pro Monat.

Damit lassen sich erste Hypothesen testen, Zielgruppen vergleichen und Learnings für die Skalierung sammeln. Entscheidend ist nicht das Volumen – sondern die Qualität der Kontakte. Schon mit 10–15 hochwertigen Leads pro Monat kann ein Startup sehr effizient arbeiten, wenn der Funnel gut aufgebaut ist.


Fazit: Sichtbarkeit braucht Mut – aber vor allem Substanz

LinkedIn Ads sind kein Wundermittel. Aber sie sind ein relevantes Werkzeug, wenn organisches Wachstum ins Stocken gerät und die nächste Wachstumsphase strukturiert geplant ist. Wer seine Zielgruppe kennt, Content zur Hand hat und bereit ist, mit kleinen Tests zu starten, wird schneller lernen, was funktioniert – und was nicht. Gerade im B2B gilt: Die Kaufentscheidung fällt oft schon, bevor das erste Meeting stattfindet. Sichtbar zu sein heißt, im richtigen Moment präsent zu sein.

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Andreas Blumauer, bislang CEO von Semantic Web Company und nun SVP Growth bei Graphwise | (c) Graphwise
Andreas Blumauer | (c) Graphwise

Im Oktober 2024 fusionierte das Wiener Unternehmen Semantic Web Company (2004 von Andreas Blumauer und Martin Kaltenböck gegründet) mit Ontotext aus dem bulgarischen Sofia und wurde zu Graphwise. Blumauer, bis dato CEO von Semantic, wurde SVP Growth, Atanas Kiryakov, davor CEO von Ontotext, wurde Präsident. Details zum Deal wurden damals nicht genannt – brutkasten berichtete.

Nun hat das britische Private-Equity-Haus Oakley Capital die Mehrheit an Graphwise übernommen. Auch hier wurden die Höhe der Summe und der verkauften Anteile nicht aktiv kommuniziert, Gründer Blumauer erklärte dem brutkasten jedoch, dass man sich nun weltweit gesehen in den Top 3 – was die Evaluation von KI-Infrastrukturunternehmen betrifft – befände.

Graphwise: Ein Meilenstein in Bulgariens IT-Historie

„Durch den Merger hat die Firma eine besondere Konstellation mit Standorten bzw. Strukturen in Wien, Sofia und den USA geschaffen“, sagt Blumauer. „Die Bewertung basiert wesentlich auf dem ARR. Das heurige Jahr ist dabei zäher als die Jahre zuvor, dennoch ist es uns gelungen, uns im Markt zu behaupten und einen Multiple über dem 2026er Marktdurchschnitt zu erzielen. Daher liegt die Bewertung im neunstelligen Bereich und ist damit signifikant. Für Bulgarien bedeutet das sogar, dass es sich nun um die dritthöchste Bewertung eines IT-Unternehmens in der Geschichte des Landes handelt.“

Auf die Frage, wie es zu diesem Deal kam, war für Blumauer die Marktdynamik ganz entscheidend. „In den vergangenen zwei Jahren hat sich KI in Unternehmen zunehmend langsam in den operativen Einsatz entwickelt. Es gibt zwar immer wieder pointierte Erfolgsmeldungen, gleichzeitig besteht weiterhin Unsicherheit darüber, welche LLM-Ansätze sich tatsächlich durchsetzen werden. Gerade bei Multi-Agentic- und autonomen Systemen ist ein breiter Roll-out noch meilenweit entfernt“, erklärt er.

Kontakt über Messen in London

Umso wichtiger seien deswegen Referenzkunden, bei denen sich anhand konkreter Anwendungen demonstrieren lässt, wie KI vertrauenswürdiger und in bestehende Unternehmensstrukturen integriert werden kann. „Das lässt sich auch mit Company Rules verknüpfen: Ein wesentlicher Teil der Story ist die Frage, wie KI in Unternehmen kontrolliert und gleichzeitig hochskalierbar ausgerollt werden kann“, führt er aus. „Das hat auch Oakley erkannt und verstanden. Über Messen in London kam der Kontakt zustande, woraufhin unser Business genauer analysiert und das Potenzial erkannt wurde. Begleitet wurde die Entwicklung unter anderem von Deloitte, EY und Bain, die bestätigen konnten, dass Graphwise eine zentrale Rolle in diesem Umfeld spielen kann.“

Heute wird die Graphwise-Technologie von Banken und großen Pharmakonzernen in Europa eingesetzt, darunter beispielsweise Roche und weitere prominente Unternehmen in Österreich, die nicht genannt werden wollen: „Gleichzeitig gibt es gute Statements und Bewertungen aus dem Markt“, führt Blumauer weiter aus. „Mit der Entwicklung der Sprachmodelle und insbesondere GraphRAG (Anm.: Retrieval-Augmented Generation mit Graphen) stehen nach dem Merger sehr zentrale Komponenten zur Verfügung, um die nächste Entwicklungsstufe von KI in Unternehmen abzubilden. Das zeigt sich auch in unseren operativen Kennzahlen: Der ARR wächst organisch um rund 30 Prozent, bei inzwischen mehr als 200 Blue-Chip-Kunden. Damit verfügen wir über eine relevante Kundenbasis und konkrete Referenzen, die die technologische Positionierung und die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells untermauern.“

Gründer bleiben im Management

Für den Founder ist der neue Eigentümer ein Investor mit einem langfristigen und klar auf Wertschöpfung ausgerichteten Ansatz: „Oakley, mit Gründer Peter Dubens, hat unter anderem in die Sigmund Freud Privat-Universität investiert und Dubens selbst war mehrfacher Startup-Gründer. Er hat sich immer wieder gefragt, warum sich klassische VCs teilweise so wenig mit den Gründern selbst auseinandersetzen. Für ihn geht es letztlich darum, Ideen zur Welt zu bringen und Unternehmen langfristig aufzubauen. Martin Kaltenböck und ich verstehen uns weiterhin klar als Gründer. Wir sind nach wie vor im Management-Board aktiv und bringen damit unsere Erfahrung und unsere ursprüngliche Gründerperspektive weiterhin unmittelbar in die Entwicklung des Unternehmens ein. Das ist ausdrücklich so gewünscht und Teil der langfristigen Konstellation.“

Oakley baut auf Graphwise auf

„Wir freuen uns sehr über diese neue Partnerschaft mit Oakley, da ihr Team sowohl unsere Technologie als auch unsere Ambitionen versteht. Oakley hat eine herausragende Erfolgsbilanz darin, gründergeführte Software-Unternehmen zu Unicorns zu machen. Mit Oakley als paneuropäischem Investor im Rücken sind wir besser denn je positioniert, um global als KI-Enabling-Plattform aufzutreten und Unternehmen dabei zu unterstützen, souveräne und vertrauenswürdige KI in großem Maßstab zu implementieren“, sagt Kiryakov.

KI-Souveränität im Fokus

In einer Zeit, in der Unternehmen zunehmend unabhängig von einzelnen großen Tech-Plattformen agieren wollen, gewinnt das Thema „KI-Souveränität“ an Bedeutung. Der Einstieg von Oakley als paneuropäischer Investor sei deswegen ein starkes Signal für den europäischen Technologie-Standort und stärke die Rolle von Graphwise als unabhängige KI-Plattform.

„Der Wert von Künstlicher Intelligenz hängt direkt von der Qualität und Zuverlässigkeit der zugrunde liegenden Daten ab. Large Language Models (LLMs) sind extrem leistungsfähig bei der Sprachverarbeitung, haben aber entscheidende Schwächen: Sie neigen zu faktischen Fehlern („Halluzinationen“) und können oft nicht nachvollziehbar erklären, wie sie zu einem Ergebnis gekommen sind“, liest man in der Aussendung.

Graphwise mit Rückgrat

Graphwise löst dieses Problem durch den Aufbau eines sogenannten „Semantic Backbone“ (semantisches Rückgrat) in Form eines Knowledge Graphs. Diese Wissensgraphen verknüpfen isolierte Unternehmensdaten, geben ihnen Kontext und stellen großen KI-Modellen eine Faktenbasis zur Verfügung. Das Ergebnis: Die KI soll nicht mehr halluzinieren, Ergebnisse würden revisionssicher und die Token-Kosten drastisch sinken, so der Claim. Dies sei besonders in regulierten und datenintensiven Branchen wie Finanzdienstleistungen, im Gesundheitswesen (Life Sciences) und im öffentlichen Sektor unverzichtbar.

Dubens, Gründer und Managing Partner von Oakley Capital, dazu: „KI verändert die Art und Weise, wie jede Organisation arbeitet. Das macht vertrauenswürdige, gut verwaltete Daten heute wichtiger denn je.“

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