22.07.2025
FFG-FÖRDERUNG

Lingohub: Linzer Startup holt Millionenbetrag für gemeinsames Projekt mit FH Hagenberg

Das Linzer Startup Lingohub setzt seine Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Hagenberg fort. Unterstützt wird das Vorhaben von der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), die eine siebenstellige Fördersumme bereitstellt.
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Helmut Juskewycz, CEO von © LingoHub.

2012 starteten Helmut Juskewycz und Markus Merzinger mit einer einfachen Übersetzungsplattform. Sie sahen jedoch Potenzial in der professionellen Übersetzung und erweiterten ihr Angebot. Damit überzeugten sie namhafte Kunden wie Erste Bank, Adidas und Tractive. 2020 entwickelte ihr Startup Lingohub im Rahmen einer Kooperation mit der FH Hagenberg zusätzlich einen virtuellen Assistenten für die Qualitätsanalyse von Übersetzungen (brutkasten berichtete). 

Diese Zusammenarbeit wird nun fortgesetzt: Seit Mai läuft ein dreijähriges Forschungsprojekt zur Entwicklung einer eigenen KI.

Lina, die KI für alles

Lina. So soll die neue KI heißen, die künftig Übersetzungsprozesse komplett automatisieren soll. Ziel sei es, “Unternehmen eine flexible, skalierbare und zugleich stilistisch sowie inhaltlich präzise Übersetzung zu ermöglichen”, heißt es vonseiten des Unternehmens. Die KI wird mit unternehmensspezifischen Daten, Styleguides, Glossaren und vorhandenen Übersetzungen trainiert. Lingohub verspricht damit „maßgeschneiderte Inhalte auch für vielschichtige Fachtexte und seltene Sprachen“.

„Mit ‚Lina‘ entwickeln wir eine Lösung, die sich als echtes Teammitglied in bestehende Arbeitsprozesse einfügt, Routineaufgaben selbstständig ausführt und aktiv zur Qualitätssicherung beiträgt“, so Helmut Juskewycz, CEO von Lingohub. Damit wolle man „die Vorteile beider Welten kombinieren: die Effizienz und Skalierbarkeit der KI mit der Präzision und dem Kontextverständnis menschlicher Übersetzer:innen“, sagt er weiter.

Die KI soll dabei nicht ersetzen, sondern unterstützen. Lina liefert laut eigenen Angaben “kontextsensitive Vorschläge, die Stil, Tonalität und Fachterminologie berücksichtigen”. Gleichzeitig agiert sie als Agentin, die Inhalte selbstständig lokalisieren, Qualität prüfen und bei Unsicherheiten gezielt menschliches Feedback einholen soll.

FFG-Förderungen

Das aktuelle Projekt wird von der FFG mit einem Millionenbetrag gefördert. „Die Unterstützung durch die FFG und die Zusammenarbeit mit der FH Hagenberg sind für uns ein klares Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind, die Zukunft der Übersetzungsbranche aktiv mitzugestalten”, sagt Juskewycz. Schon das vorangegangene Projekt wurde von der FFG unterstützt – damals mit 600.000 Euro.

Langfristig verfolgt Lingohub das Ziel, mit Lina sogenannte „Managed Translations“ zu etablieren: Übersetzungen, die bei Bedarf von intelligenten Systemen erstellt, gesteuert und korrigiert werden.

Demokratische Werte

Das Projekt berücksichtigt nach Angaben des Startups auch ethische und gesellschaftliche Fragestellungen. Der Mensch bleibt dabei in einer überwachenden Rolle und greift nur bei Entscheidungen ein.

“Unser Projekt ist genau deswegen so wichtig für unsere Gesellschaft, da wir Methoden für KI-basierte Übersetzungssysteme entwickeln, die sich reflektieren und Resultate automatisch auf ihre Richtigkeit überprüfen und korrigieren. Dass solche Technologien in Europa entstehen, ist wichtig für Qualität, Transparenz und unsere demokratischen Werte“, so Stephan Winkler, wissenschaftlicher Leiter des Softwarepark Hagenberg. 

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Kapital für Österreichs Zukunftstechnologien

Der aws Gründungsfonds investiert in ein breites Spektrum an Zukunftstechnologien. Seit 2013 sind gemeinsam mit nationalen und internationalen Co-Investoren mehr als 750 Millionen Euro Venture Capital in über 45 heimische Startups geflossen. Vier ausgewählte Beteiligungen zeigen beispielhaft, wie österreichische Innovationen internationale Märkte erschließen und zur Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschafts- und Innovationsstandorts beitragen.
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Das Team des aws Gründungsfonds | (c) aws Gründungsfonds / Bild mit KI erstellt

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 Aufbrechen erschienen.


refinq macht Klimarisiken berechenbar

Dass ein Umspannwerk in einem Überflutungsgebiet steht, weiß der Betreiber – was ihn das pro Jahr kostet, weiß er selten. Genau hier setzt refinq an: Beim Wiener Startup lädt ein Unternehmen seine Standorte hoch und bekommt sie auf einer Karte angereichert mit Klimaszenarien und Naturdaten zurück. Ein Klick auf einen Standort zeigt, welche Gefahren dort drohen, von Hochwasser über Hitze bis Dürre, was sie kosten und welche Maßnahmen das Risiko senken; von der Landkarte zur Kennzahl zum Eurobetrag.

Wie konkret das wird, zeigt die Arbeit mit europäischen Stromnetzbetreibern: In einem Programm von Terna, Elia, Swissgrid und weiteren Netzbetreibern setzte sich refinq gegen mehr als 85 Bewerbungen durch und unterstützt nun bei der Absicherung der Leitungen und Umspannwerke gegen Extremwetter. Auch die Wiener Stadtwerke prüfen mit der Plattform mehr als 5.000 Standorte, um die Wiener Energieversorgung zu schützen. Weil jede Kennzahl offen dokumentiert ist, lassen sich die Ergebnisse zugleich als Nachweis für CSRD, EU-Taxonomie und TNFD exportieren. Im Februar führte der aws Gründungsfonds die Seed-Runde über 2,2 Millionen Euro an.

Das Team von refinq | (c) refinq

Kickscale befreit den Vertrieb von Admin-Arbeit

Verkaufsgespräche sind die am schlechtesten dokumentierte Ressource vieler Unternehmen: Was im Termin besprochen wurde, landet bestenfalls in einer kurzen Notiz. Kickscale ändert das und geht dabei weiter als ein reiner Notizassistent – die Plattform erfasst Meetings, Calls und CRM-Daten, wertet sie mit KI aus und befüllt die CRM-Felder nach jedem Gespräch automatisch, samt Follow-ups und nächsten Schritten. Dazu kommt Coaching aus echten Gesprächsdaten statt aus Vermutungen: Sichtbar wird, was die besten Verkäufer anders machen – und wie wahrscheinlich der Abschluss eines erfolgreichen Deals ist.

Bei Lufthansa City Centers spart das nach Unternehmensangaben 85 Prozent der Zeit für die Nachbereitung. Mehr als 200 Kunden nutzen die Plattform, der Schwerpunkt liegt im deutschsprachigen Raum, dazu kommen Japan, Polen, Norwegen und die Niederlande. Der Serverstandort in Deutschland, die ISO-27001-Zertifizierung und die Ausrichtung auf die Anforderungen des EU AI Act sind insbesondere für europäische Unternehmen wichtige Kriterien bei der Beschaffung. Die Seed-Runde über 2,1 Millionen Euro wurde vom aws Gründungsfonds angeführt.

Die Gründer von Kickscale | (c) Michael Stabentheiner

Invisible-Light Labs spürt kleinste Spuren auf

Wer wissen will, welche Chemikalie in einer Probe steckt, braucht davon eine entsprechende Mindestmenge. Die Analyse scheitert dabei oft genau dort, wo es interessant wird: bei Nanoplastik in Luft und Wasser, bei Aerosolen in der Atmosphäre, bei Wirkstoffen, die nur in geringsten Konzentrationen vorliegen. Invisible-Light Labs, ein Deeptech-Spinoff der TU Wien, hat dafür EMILIE entwickelt, einen Sensor, der selbst Mengen im Billionstel-Gramm-Bereich und damit bislang kaum messbare Spuren nachweisen kann. Bestehende Infrarot-Spektrometer muss dafür niemand austauschen, und die winzigen Messchips lassen sich dorthin bringen, wo die Proben entstehen. Bei den Innovation Awards des Fachmagazins The Analytical Scientist landete EMILIE 2024 auf Platz eins. Seit 2025 baut eine strategische Partnerschaft mit Bruker Optics die internationale Verfügbarkeit des gemeinsam gebrandeten Systems aus.

An Bord der Tara Polar Station, die im September im Packeis einfriert, schickt ein EPFL-Team die Chips an einem Fesselballon in die Wolken, um kleinste Partikel zu untersuchen und besser zu verstehen, wie sie die Wolkenbildung und die Erwärmung der Arktis beeinflussen. Im Juni 2026 schloss Invisible-Light Labs eine Pre-Seed-Runde über 1,5 Millionen Euro ab, angeführt vom aws Gründungsfonds gemeinsam mit XISTA Science Ventures.

Invisible-Light Labs wurde 2019 als Spin-off der TU Wien gegründet| | (c) Invisible-Light Labs

HeartBeat.bio erkennt Herzrisiken früher

Ob ein Wirkstoff dem Herzen schadet, zeigt sich oft erst spät in der Entwicklung. Genau das will HeartBeat.bio ändern: Das Unternehmen aus dem Vienna Biocenter lässt aus Stammzellen sogenannte Cardioids wachsen: winzige schlagende Herzkammern, die dem menschlichen Herzen näher kommen als herkömmliche Zellkulturen. In automatisierten Testreihen lassen sich daran Risiken früh erkennen und Wirkstoffe gegen Herzerkrankungen suchen.

Angewendet wird das bereits: Mit Boehringer Ingelheim arbeitet HeartBeat.bio an Gentherapien gegen erbliche Herzmuskelerkrankungen, mit Molecular Devices ist eine Testlösung für die Herzsicherheit von Wirkstoffen auf den Markt gekommen. Der aws Gründungsfonds begleitet das Unternehmen seit 2023 und investiert damit in österreichische Spitzenforschung.

Automatisierte Zellkultur im Labor von HeartBeat.bio | (c) HeartBeat.bio

Der aws Gründungsfonds ist ein österreichischer Venture-Capital-Investor mit einem Fondsvolumen von rund 140 Millionen Euro. Er investiert im Rahmen von Frühphasenfinanzierungen in wachstumsstarke österreichische Technologieunternehmen und mobilisiert gemeinsam mit erfahrenen Co-Investoren zusätzliches privates und internationales Kapital. Als langfristiger Partner an der Seite der Gründungsteams begleitet der Fonds Startups über weitere Wachstums- und Finanzierungsphasen bis zum Exit. So trägt er dazu bei, Schlüsseltechnologien langfristig im Markt zu etablieren, international wettbewerbsfähige Unternehmen aufzubauen und den österreichischen Innovationsstandort nachhaltig zu stärken.

Hier könnt ihr mehr über den aws Gründungsfonds erfahren: gruendungsfonds.at

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