16.04.2024
PERSONALIE

Linde Digital holt Yodel-Co-Founder als seinen ersten COO an Bord

Zum ersten Mal soll ein Chief Operating Officer in der Geschäftsführung von Linde Digital mitmischen.
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Benjamin Jentzsch, aktuell Geschäftsführer von Linde Digital, bekommt Verstärkung: David Heininger wird COO (c) Caro Strasnik, David Heininger

Linde Digital – seit 2022 ein Tochterunternehmen des Linde Verlags – entwickelte unter anderem die Steuerspar-App „Mei Marie“ zur einfachen Abwicklung des jährlichen Steuerausgleichs. Linde Digital spezialisiert sich auf Steuer, Wirtschaft und Recht – und investiert außerdem in heimische Startups im LegalTech-Sektor. So übernahm Linde Digital erst im März dieses Jahres die Mehrheit am Grazer Startup Iurio, wie brutkasten berichtete.

Um dem „Wachstum Rechnung zu tragen“ und dies „nachhaltig fortzusetzen“, holt Linde Digital nun einen neuen Chief Operating Officer (COO) an Bord: David Heininger hält die neu geschaffene Position seit Februar 2024 inne, wie sein LinkedIn-Profil verrät. Damit ist er der erste COO von Linde Digital. Kommuniziert wurde die neue Position am heutigen Dienstag.

Heininger tätigte bereits Exit

Zuvor war Heininger unter anderem als COO und CFO von YodelTalk tätig , das er im Jahr 2016 mitgründete. Das Startup für Online-Telefonie wurde 2022 vom französischen Unternehmen Brevo übernommen, bei dem Heininger weiterhin als General Manager Austria tätig war.

Heininger sieht seinen neuen Aufgaben bei Linde „mit großer Freude und Tatendrang“ entgegen: „Der Verlag ist federführend im Bereich Steuerrecht und hat einen digitalen Markplatz mit Topprodukten für die unterschiedlichsten Zielgruppen, von Steuerberatungs- bis zu Anwaltskanzleien, aufgebaut.“

Markt erweitern und One Stop Shop in Planung

Heiningers Arbeit soll sich vorwiegend auf die Marktplatzerweiterung und -optimierung konzentrieren, um einen One Stop Shop für Kund:innen zu kreieren, „der alle Wünsche abdeckt“.

Linde Digital selbst wurde erst 2022 gegründet. Die Position des COO soll „mehr Struktur in unsere breit gefächerten Aktivitäten bringen und ein solides Fundament für die weitere Expansion schaffen“, sagt Benjamin Jentzsch, Geschäftsführer von Linde Digital und dem Linde Verlag. „Das Unternehmen wird stark von seinem Know-how und seiner jahrzehntelangen Erfahrung profitieren“, fügt Jentzsch hinzu.

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Lovable-CEO Anton Osika (r.) im Gespräch mit Times Senior Editorin Ayesha Javed. © brutkasten

Kaum ein Tool steht so sehr für den KI-Bauboom wie Lovable. Erst im August 2026 hat das schwedische Startup, wie brutkasten berichtete, eine Series-C-Runde über 400 Millionen US-Dollar abgeschlossen, angeführt von Menlo Ventures und mit dem EQT-gemanagten Scaleup Europe Fund als Co-Lead, bei einer Bewertung von 13,3 Milliarden US-Dollar.

Für Gründer und CEO Anton Osika ist das mehr als eine Finanzierungsrunde: Es sei ein Indikator dafür, dass KI-gestützte No-Code- und Low-Code-Plattformen die Nische verlassen hätten und im Mainstream angekommen seien.

Weg vom Entwickler-Monopol

Auf der Dreamforce in San Francisco erläutert Osika die zentrale These hinter Lovable: „Menschen mit Fachwissen über das jeweilige Problem sollten diejenigen sein, die Software bauen“, so Osika. Wer ein Problem am besten kenne, solle auch die Lösung bauen, egal ob in Marketing, HR, Finance oder Operations. Nicht die formale Qualifikation zähle, sondern die Nähe zum Problem.

Dass Lovable längst kein reines Anfänger-Werkzeug sei, belegt Osika mit einer internen Zahl: 55 Prozent der Lovable-Nutzer:innen brächten mehr als elf Jahre Berufserfahrung in ihrem Fachgebiet mit. Entscheidend sei laut dem Co-Founder nicht das klassische Programmieren, sondern die Fähigkeit, komplexe, unstrukturierte Probleme systematisch in funktionierende Systeme zu zerlegen.

Vom Nebenprojekt zur Unternehmenslösung

Besonders aufschlussreich sind die Praxisbeispiele, die Osika im Gespräch anführt. Bei einer Healthcare-Staffing-Firma habe ein Fachbereichsleiter eine komplette neue Produktlinie für die Zertifizierung von Pflegekräften aufgebaut, samt Verwaltung und Terminplanung, und anschließend mehr als zehn weitere interne Anwendungen vernetzt. In den nordischen McDonald’s-Filialen laufe mittlerweile ein auf Lovable gebautes Interface, über das rund 300 Standorte operative Anfragen abwickeln würden.

Solche Geschichten seien laut Osika keine Ausnahme: Bei knapp zwei Dritteln der Fortune-500-Unternehmen, darunter Adidas und Nvidia, würden Mitarbeitende die Plattform nutzen. Häufig beginne es als kleines Team-Projekt und wachse zur unternehmensweiten Lösung heran.

Entwicklung unter Aufsicht

Damit das nicht in unkontrollierter Schatten-IT ende, setzt Lovable laut Unternehmensangaben auf Admin- und Audit-Funktionen, mit denen IT-Verantwortliche nachvollziehen können sollen, welche Anwendungen entstehen, wo sensible Daten verarbeitet werden und wo Sicherheitslücken drohen. Genau das mache aus der anfänglichen Skepsis von IT-Abteilungen häufig Zustimmung, so Osika: „Es wird vom letzten Nein zu dem, was man ausrollen wollte, zum ersten Ja. So verhindern wir Schatten-IT und die Zersplitterung in unzählige Tools, die niemand mehr überblickt“, erklärt Osika.

Überflüssig würden Engineers durch die Lovable-Nutzung anderer trotzdem nicht, meint Osika: Ihre Rolle verschiebe sich von Routineaufgaben hin zu Architektur, Systemanbindung und der Betreuung unternehmenskritischen Codes.

Warum heißt Lovable eigentlich Lovable?

Zum Schluss des Gesprächs räumt Osika mit einem gängigen Klischee über den europäischen Tech-Standort auf: „Viele halten Europa für langsam, aber wenn man in die Tech-Hubs Europas geht, brodelt es dort wie nie zuvor“, sagt Osika. Dass der Produktfokus so stark auf dem Nutzererlebnis liege, führt Osika auch auf den Standort Stockholm zurück, wo der Großteil des Engineering-Teams sitzt. Man habe in den nordischen Ländern genaue Vorstellungen davon, wie ein Produkt funktionieren solle – oder eben nicht. Diese „I-Tüpfelchen-Reiterei“ mache Lovable erst zu dem was es heute ist.

Warum das Unternehmen ausgerechnet „Lovable“ heißt, erklärt er mit einer letzten Zeile, die zugleich als Leitmotiv des Gesprächs steht: „Software sollte nicht einfach nur funktionieren. Sie soll die Emotionen der Menschen wecken“, so Osika.

Vom Vibe zum Volumengeschäft

Was also vor nicht allzu langer Zeit noch als spielerisches „Vibe-Coding“ belächelt wurde, ist laut Osika längst zu einer Infrastruktur geworden, auf der Enterprisekund:innen die nächsten Prozesssysteme entwickeln. Der Markt für KI-gestütztes Bauen sei, so der Lovable-Gründer, endgültig über das reine Ausprobieren hinausgewachsen – und weit über das Vibecoding hinaus.

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