29.01.2020

Lime geht mit AI gegen E-Scooter-Nutzung am Gehsteig vor

Der US-E-Scooter-Riese Lime startete nun ein Pilotprojekt in San José. Dabei wird mittels AI festgestellt, ob Nutzer (verbotenerweise) am Gehsteig fahren. Bei Verstößen gibt es einen Rüffel mittels Push-Benachrichtigung. Die Daten sollen mittelfristig noch einem anderen Zweck dienen.
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Lime: AI-Algorithmus erkennt, ob E-Scooter auf dem Gehsteig fahren - Corona-Shutdown zweitschnellstes Unicorn
(c) Adobe Stock - hanohiki

Dass E-Scooter nicht am Gehsteig fahren dürfen (sofern nicht eine Ausnahmeregelung besteht), ist allgemein bekannt. Ebenso bekannt ist, dass sich immer wieder Nutzer nicht an diese Vorschrift halten. Das führte auch in Österreich schon zu einigen Unfällen. Die zahlreichen E-Roller-Anbieter sind daher bemüht, ihre Kunden über verschiedene Kanäle, etwa entsprechende Kampagnen oder Hinweise in ihren Apps, zur Raison zu bringen. Einen neuen Weg geht dabei nun der US-Riese Lime mit einem Pilotprojekt in der kalifornischen Stadt San José.

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Lime-AI errechnet Bodenbeschaffenheit und rüffelt User

Beim laut Lime weltweit ersten derartigen Projekt, wird anhand gemessener Daten zu Geschwindigkeit und Beschleunigung mittels AI-Algorithmus ein Rückschluss auf den befahrenen Untergrund getroffen. Damit könne man derzeit mit 95-prozentiger Genauigkeit feststellen, ob der E-Scooter auf der Straße oder dem Gehsteig unterwegs ist, heißt es in einer Aussendung dazu. Wird auf diesem Weg erfasst, dass mehr als die Hälfte einer Fahrt auf dem Gehsteig passiert ist, bekommt der User einen Rüffel mittels Push-Benachrichtigung in der Lime-App (siehe Screenshots).

Daten-Sammlung soll zu mehr Radwegen führen

Die erfassten Daten sollen aber nicht nur unmittelbar zu weniger Gehsteig-Fahrten führen. In einer weiteren Perspektive will das E-Scooter-Unternehmen damit den Infrastruktur-Ausbau in den Städten beeinflussen. „Wir werden die gesammelten Daten nutzen, um besser zu verstehen, wann und wo Menschen auf den Gehsteigen fahren. Sobald wir diese Daten erhoben haben, können wir sie der Stadt San José weitergeben und an möglichen Verbesserungen der Infrastruktur, wie etwa mehr geschützten Radwege, arbeiten, damit sich sowohl Fahrer als auch Fußgänger sicherer fühlen“, wird EV Ellington, Verantwortlicher bei Lime, in der Aussendung zitiert. Wenig überraschend: Geschützte Radwege sind laut einer aktuellen Umfrage unter Lime-Nutzern die bevorzugte Weg-Art.

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Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher
Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher / brutkasten

Er ist seit vielen Jahren einer der obersten Punkte auf der politischen Wunschliste der heimischen Startup-Szene: der Beteiligungsfreibetrag. Das Prinzip ist schnell erklärt: Man kann mit ihm Startup-Investments bis zu einem gewissen jährlichen Betrag von der Steuer absetzen. Das soll einen starken Anreiz schaffen, Risikokapital anderen Veranlagungsformen vorzuziehen und somit mehr privates Kapital für Startups mobilisieren.

Die genaue Ausgestaltung wäre bei einer möglichen Umsetzung Gegenstand politischer Verhandlungen. Die Forderungen aus dem Ökosystem gehen bis zu einem Betrag von 500.000 Euro pro Jahr, wie etwa in der „Vision 2030“ von invest.austria, AustrianStartups, Junge Wirtschaft und StartupNOW aus dem Jahr 2024. Großes internationales Vorbild ist das Vereinigte Königreich, das unter anderem dank eines solchen Modells konstant die mit Abstand höchsten Startup-Investment-Volumina Europas vorweist.

Bei der SPÖ nicht durchzubringen

Doch im Gegensatz zur anderen großen Forderung des heimischen Startup-Ökosystems, dem Dachfonds, der mittlerweile im Entstehen ist, schaffte es der Beteiligungsfreibetrag 2025 nicht ins schwarz-rot-pinke Regierungsprogramm. Hinter vorgehaltener Hand wird der Grund dafür in ÖVP-Kreisen klar benannt: Der Vorschlag sei beim Koalitionspartner SPÖ nicht durchzubringen. Im Frühling 2024, also noch in der Opposition, äußerte sich SPÖ-Chef Andreas Babler, konkret auf das Thema angesprochen, gegenüber brutkasten knapp, aber deutlich: „Steuerbegünstigungen für private Investoren, die in der Regel zu den Top 1 Prozent der Einkommens- und Vermögensverteilung zählen, sind keine Priorität der SPÖ.“

Für Zehetner „nächster logischer Schritt“

On the record ging man dem Thema in der ÖVP seit der Regierungsbildung 2025 dagegen mit Verweis auf die Koalitionsvereinbarung lieber aus dem Weg. Bis jetzt. Denn Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner forderte den Beteiligungsfreibetrag nun via LinkedIn-Posting offen ein. Nach dem Dachfonds wäre dieser, „der nächste logische Schritt“, schreibt sie und führt eine EcoAustria-Studie und internationale Vorbilder ins Treffen.

Unverhoffte Schützenhilfe in der Diskussion

Doch woher kommt der plötzliche Mut zur offenen Forderung entgegen dem koalitionären Konsens? Zehetner bekam Anfang dieser Woche eine Steilvorlage aus Deutschland, über die auch brutkasten berichtete. Dort war es nicht etwa CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, sondern mit Lars Klingbeil der amtierende SPD-Chef, Vizekanzler und Finanzminister, der Steuererleichterungen für Startup-Beteiligungen aufs Tapet brachte.

„Deutschland will mehr privates Kapital für Startups mobilisieren. Österreich sollte das auch tun“, schreibt Zehetner und verweist direkt auf die Ankündigung des SPD-Chefs. Das argumentative Kalkül dahinter liegt auf der Hand: Gegen den Vorstoß des deutschen Parteigenossen, dessen Schützenhilfe für Zehetner wohl unverhofft kam, lässt sich in der österreichischen Sozialdemokratie deutlich schwerer argumentieren, als gegen die Dauerforderung aus der liberalen Ecke. Ob dadurch tatsächlich eine offene Diskussion innerhalb der Koalition angestoßen wird, ist freilich zu bezweifeln.

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Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

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