02.11.2015

Lifestyle-Produkt Helga: „Wenn wir es nicht machen, tut es jemand anders“

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© Sophie Kirchner: Das Frauen-Team Renate Steger, Ute Petritsch, Anneliese Niederl-Schmidinger vom Süßwasser-Algengetränk Helga.

Die Anzahl der in Österreich lebenden Vegetarier oder Veganer steigt seit Jahren deutlich an. Um eine ausgewogene Ernährung zu garantieren, liefern „Superfoods“ zusätzliche Nährstoffe. Drei Gründerinnen möchten mit ihrem Süßwasser-Algen-Getränk namens „Helga“ ein besonders reichhaltiges Wundermittel aus der Natur anbieten. 

Eine Ernährung ohne Fleisch wird immer mehr zum Trend. Dabei gibt es vor allem diese zwei populäreren Strömungen: Vegetarier, die nur Nahrungsmittel pflanzlichen Ursprungs sowie Produkte vom lebenden Tier verzehren und Veganer, die auf sämtliche Nahrungsmittel verzichten, die von Tieren stammen.

Bereits 47 Prozent der Befragten einer Studie von Metro Cash & Carry Deutschland sollen offen für eine fleischlose und vegane Ernährung sein. Damit der Körper trotzdem zu genügend Nährstoffen kommt, wird auf so genanntes „Superfood“ gesetzt. Beeren mit exotischen Namen wie Chiasamen, Acai oder Goji möchten unterstützend wirken. Auch das Getränk „Helga“ soll ein Wundermittel sein und Nährstoffe liefern.

„Helga“ basiert auf der Chlorella-Alge, deren lateinischer Name „kleines, junges Grün“ bedeutet. Sie unterstützt den Körper bei der Entgiftung und Zell-Erneuerung.

Die Chlorella-Alge, auf der „Helga“ basiert, ist reich an Vitamin B12, Eiweiß, Eisen und Chlorophyll (von diesem Stoff stammt auch die kräftige Farbe). Sie unterstützt den Körper bei der Entgiftung und Zell-Erneuerung. Der lateinische Name der Mikroalge bedeutet passend „kleines, junges Grün“.

Auch für Sportler

Das Getränk sei vor allem auch interessant für Personen, die sportlich aktiv sind und einen erhöhten Vitaminbedarf haben und für Menschen, die eine gesunde und kalorienarme Alternative zu zuckerhaltigen Getränken suchen.

„Helga ist das erste Produkt aus dem Superfood „Alge“, ein allergenfreier, veganer, kalorienarmer, gesunder Erfrischungsdrink“, meint Renate Steger, die zusammen mit Ute Petritsch und Anneliese Niederl-Schmidinger als Frauen-Power-Team gestartet hat. Die Idee stammt aus der persönlichen Betroffenheit. Allergische Reaktionen auf alles, was gut schmeckt, Mangelerscheinungen aufgrund einseitiger Ernährung und andere tägliche Herausforderungen mit der Ernährung führte die drei Frauen zu dem Punkt, an dem sie selbst ihr Wohlbefinden in die Hand nehmen wollten.

„Nach sorgfältiger Recherche war sehr schnell klar, dass es so ein Produkt wie HELGA noch nicht gibt und wenn wir es nicht machen, dann tut es jemand anders“, meint Steger.

„Im Juni 2014 ist die Idee für HELGA entstanden. Anneliese als Chemikerin und Verfahrenstechnikerin und ich als Projektmanagerin haben gemeinsam in einer Firma gearbeitet, deren Ziel es war, Biodiesel aus Algen für Autos zu erzeugen“, erzählt Steger. So habe man sich schließlich auch im Projekt wieder gefunden: Anneliese habe immer über die vielen wertvollen Inhaltsstoffen der Alge geschwärmt. „In ihren Augen waren Algen viel zu schade für Autos.“ Steger wollte sich lange schon selbständig machen und Petritsch waren Algen von Konsumentenseite aus vertraut, nämlich als Nahrungsergänzungsmittel.

Bootstrapping

„Nach sorgfältiger Recherche nach ähnlichen Produkten, vergleichbaren Alternativen etc. war sehr schnell klar, dass es so ein Produkt wie HELGA noch nicht gibt und wenn wir es nicht machen, dann tut es jemand anders“, meint Steger. „Und wir haben aufgrund der Algenexpertise im Team noch dazu die besten Voraussetzungen dafür.“

Was dann folgte: Die Entwicklung der Rezeptur und des Verfahrens für die Herstellung des Algendrinks, Erstellung des Businessplanes, Investorensuche, Marktrecherche, Markenentwicklung etc. „Im März 2015 dann endlich die Abfüllung der Vorserie von HELGA mit einer Auflage von 5000 Flaschen“, erzählt Steger stolz.

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Die erste Phase der Entwicklung habe man aus eigener Tasche finanziert. Erst Ende April 2015 habe man zusammen mit fünf Business Angels die Firma mit dem Namen evasis edibles Gmbh gegründet. Nun wollen die drei Gründerinnen für weitere Vertriebstätigkeiten und die Entwicklung von Folgeprodukten via Crowdinvesting auf Conda Kapital bei Klein-Investoren aufnehmen.

Steger: „Wir finden Crowd Investing eine super Lösung, weil wir von vielen potentiellen Kunden Geld ausborgen können und es ihnen gut verzinst und mit Unternehmenswertsteigerung zurück geben können.“ Noch 33 Tage kann man investieren, die Fundingschwelle hat das Projekt schon hinter sich: Aktuell haben fast 100 Investoren bald 100.000 Euro gesammelt.

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Mit Ignite Ventures ist die WU eine von fünf Hochschulen, die im Rahmen von Modul 1 der Spin-off Initiative eigene Beteiligungsstrukturen aufgebaut haben. | (c) BOAnet_LC

Österreichs Hochschulen sollen als Quelle neuer Unternehmen an Schlagkraft gewinnen. Im Rahmen von Modul 1 der Spin-off Initiative unterstützt das Austria Wirtschaftsservice (aws) dafür ausgewählte Hochschulen mit einer Anschubförderung von insgesamt 1,5 Millionen Euro beim Auf- und Ausbau professioneller Ausgründungs- und Beteiligungsstrukturen, die internationalen Standards entsprechen.

Finanziert wird die Förderung aus Mitteln der Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung (Fonds Zukunft Österreich), die Projektlaufzeit beträgt rund drei Jahre. Ziel ist es, akademische Spin-offs frühzeitig auf Gründungs- und Skalierungstauglichkeit vorzubereiten und damit jene strukturelle Lücke zu schließen, die Österreich im internationalen Vergleich seit Jahren aufweist.

Was die einzelnen Häuser vorweisen

Die BOKU University begleitet mit der hundertprozentigen Tochter Connective Base GmbH Spin-offs und Startups aus dem universitären Umfeld vom ersten Prototyp bis zum Exit. Im ersten Jahr wurden gemeinsam mit internationalen Expert:innen die rechtlichen und strukturellen Grundlagen für einen professionellen und raschen Ausgründungs- und Investmentprozess geschaffen. Erste Beteiligungen und Spin-offs befinden sich laut Aussendung bereits in Umsetzung.

An der JKU wurde im September 2025 die JKU Technology Transfer GmbH (TTG) gegründet. Als Teil des House of Research and Innovation (HoRI) entwickelt sie Schutzrechts- und Verwertungsstrategien, initiiert Kooperationen mit Unternehmen und begleitet Forschende auf dem Weg zum Spin-off.

Das 2024 gegründete MedLifeLab der Medizinischen Universität Innsbruck begleitet Wissenschaftler:innen und Gründer:innen in den Bereichen Life Sciences, MedTech und BioTech von der Idee bis zur marktreifen Lösung, von Technologietransfer und IP-Management bis zu Unternehmensgründung und Finanzierung. Über Bildungsangebote und Community Building soll ein Ökosystem entstehen, das Tirol regional und international vernetzt.

Die TU Wien hat mit NOCTUA Science Ventures gemeinsam mit Speedinvest einen eigenen Spin-off-VC-Fonds aufgebaut. Er soll mehr als 40 österreichische Spin-offs finanzieren und bis Ende 2026 ein Zielvolumen von bis zu 25 Mio. Euro erreichen. Bis dato wurden über 200 österreichische Spin-offs gesichtet und evaluiert. Über die technischen Hochschulen der TU Austria als Gesellschafter und Partner soll eine tiefe Verankerung in den Universitäten sichergestellt werden.

WU Ignite Ventures setzt bereits am sogenannten „Ignite Moment“ an. Gründer:innen erhalten bis zu 50.000 Euro Pre-Seed-Kapital in zwei Tranchen über ein gründerfreundliches SAFE-Instrument, dazu Zugang zum WU-Netzwerk und eine Alumni-Co-Investment-Plattform. Drei Investments wurden bereits getätigt, zudem startete gemeinsam mit VC-Partnern ein VC Analyst Program für WU-Studierende.

Tipp der Redaktion

brutkasten hat sich dem Thema akademische Ausgründungen im vergangenen Jahr in der Serie From Science to Business gewidmet und dabei beleuchtet, wie aus Forschung heraus Unternehmen entstehen und welche Strukturen es dafür braucht.

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