08.11.2019

Life Science Investment Days: „Investoren brauchen technisches Verständnis“

Bei den Life Science Investment Days, die derzeit in Wien stattfinden, treffen sich heimische Startup-Gründer mit Investoren aus dem In- und Ausland, um sich zu vernetzen. Im Brutkasten-Talk sprechen Alexander Biach, Wiener Standortanwalt und Direktor-Stellvertreter der Wirtschaftskammer Wien, sowie Helga Tieben von der Pharmig über den Life-Science-Standort Österreich.
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Life Science Investment Days
Die Life Science Investment Days finden derzeit im Haus der Wiener Wirtschaft statt.

Die Life-Science-Branche in Österreich boomt und verzeichnete in den letzten Jahren ein ordentliches Wachstum. Laut dem Life Science Report Austria 2018 haben die Branchenumsätze im letzten Jahr einen Rekordwert von über 22 Milliarden Euro erreicht. Das entspricht einem Anstieg von 17 Prozent und macht 6,1 Prozent des heimischen BIP aus – der brutkasten berichtete.

Insgesamt sind rund 55.000 Mitarbeiter in der Branche bei mehr als 900 Unternehmen angestellt. Zu diesen zählen immer mehr Startups, die für ihr weiteres Wachstum auf der Suche nach internationalen Kapitalgebern sind.

+++ Tech & Innovation +++

Internationale Kapitalgeber und Startups

Damit die Suche der Startups nach Kapital auch erfolgreich ist, braucht es die nötige Vernetzung. Eine Veranstaltung, die sich genau dies zum Ziel gesetzt hat, sind die sogenannten Life Science Investment Days.

Im Rahmen einer Konferenz treffen dabei Gründer auf Investoren aus dem In- und Ausland. Die Veranstaltung findet derzeit vom 07. bis zum 08. November in Wien statt und wird von der Wirtschaftskammer Wien in Kooperation mit Life Science Invest und INiTS veranstaltet.

Life-Science-Standort mit Tradition

Im brutkasten-Talk erläutert Alexander Biach, Wiener Standortanwalt und Direktor-Stellvertreter der Wirtschaftskammer Wien, den Grundgedanken hinter der Veranstaltung: „Wir wollen Investoren und Startups aus dem Life Science Sektor zusammenbringen, um so den heimischen Standort zu stärken.“

Österreich hätte im internationalen Vergleich einen guten Ruf. Dieser sei nicht nur durch die historische Bedeutung Österreichs als Life-Science-Standort zu begründen  – so hat beispielsweise Karl Landsteiner Anfang des 20. Jahrhunderts die Blutgruppen entdeckt –, sondern lässt sich auch anhand der aktuellen Wachstumsraten ablesen.

Als Beispiel für das Wachstum führt Biach die aktuelle Standorterweiterung von Boehringer Ingelheim in Wien-Meidling an. Im Zuge des Ausbaus soll das Unternehmen bis 2021 rund 500 neue Arbeitsplätze schaffen. Das Gesamtvolumen der Investitionen beläuft sich auf 700 Millionen Euro.

Pharmig: Investoren brauchen technisches Verständnis

Im Rahmen der Life Science Investment Days war auch Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs – kurz Pharmig – vertreten. Im Brutkasten-Talk erläutert Helga Tieben, Director Regulatory, Supply & Innovation bei Pharmig, welche Initiativen der Verband ergreift, um Big-Pharma-Unternehmen mit Startups zu vernetzen.

Pharmig Biotech-Plattform

Zu diesen Initiativen zählt unter anderem die Pharmig Biotech-Plattform. Mit dieser verfolge man laut Tieben das Ziel, Startups mit etablierten Betrieben aus der Pharmaindustrie zu vernetzen. Die Vernetzung erfolgt über eigene Netzwerktreffen, bei denen Startups und deren Gründer in unterschiedlichsten Belangen beraten werden.

Wie Tieben abschließend betont, müssen nicht nur Startups unterstützt werden. In der sehr komplexen Life-Science-Branche bedarf es auch für Investoren einer gewissen Expertise. „Die Bewertung von Life-Science-Startups aus Sicht der Investoren ist eine große Herausforderung. Dafür braucht es ein technisches Verständnis“, so Tieben.


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Tausendundein Speicher
© Dachgold e.U - Cornelia Daniel, Initiatorin von Tausendundein Speicher, vor dem dritten Speicher der Initiative in Himberg, Niederösterreich.

Um Tausendundein Dach war es etwas ruhig geworden in letzter Zeit. Das Unternehmen wurde 2014 von Cornelia Daniel, Inhaberin der Solarberatung Dachgold, und dem Photovoltaikspezialisten 10hoch4 gegründet. Vor über drei Jahren erreichte man – Nomen est Omen – ein langgehegtes Ziel und enthüllte das 1001. Photovoltaik-Dach auf der Interspot Film GmbH in Wien, brutkasten berichtete.

Der Weg von Tausendundein Dach bis zu Tausendundein Speicher

2025 folgte erstmals die Errichtung einer Photovoltaikanlage auf einem denkmalgeschützten Gebäude, am Schloss Rodaun, und damit das 1.235. Dach. Nun widmet man sich mit dem neuen Namen Tausendundein Speicher der Errichtung von 1.001 dezentralen Gewerbespeichern bis 2033.

„Nach dem Kraftakt von Tausendundein Dach fangen wir noch einmal von vorne an“, erklärt Cornelia Daniel gegenüber brutkasten. „Wenn man so ein großes Ziel erreicht hat, dann bleibt die Frage, was kommt danach?“

Daniel hatte darauf nicht gleich die richtige Antwort, gesteht sie, als sie nach ihren nächsten Zielen, der nächsten Vision gefragt wurde: „2.000 Dächer bzw. 10.000 Dächer klangen langweilig.“ Zudem merkte die Founderin, dass in der aktuellen Rezession die Investitionsbereitschaft in PV trotz bleibender Nachfrage sank.

So sprach Daniel mit Kunden, hörte zu, erkannte ihren Bedarf und merkte, dass sich im Dezember 2024 ein Schlüsselmoment entfaltete. „Die Batteriepreise hatten sich halbiert und die Strompreise waren gestiegen“, erklärt sie. „Plötzlich rechneten sich Speicher, was vorher nicht der Fall war.“

Start 2025

Ab Anfang 2025 beschäftigte sich die Gründerin somit intensiv mit dem Thema, entwickelte (gemeinsam mit einem deutschen Partner) Tools zur Berechnung und plötzlich war der Moment da. „Es war irgendwie einfach logisch. Etwas, wo man später denkt, warum sind wir nicht schon vorher darauf gekommen.“

Also startete Daniel Tausendundein Speicher und setzte erste Projekte um, damit sie bereits etwas vorweisen konnte, noch bevor sie an die Öffentlichkeit ging.

Erste Speicher in Betrieb

So laufen bereits die ersten Gewerbespeicher: Elf Anlagen mit zusammen rund 900 Kilowattstunden sind in Betrieb, sechs in Wien und fünf in Niederösterreich. Das Spektrum reicht derzeit von 14 bis 240 Kilowattstunden.

„Alle bleiben mit ihrer Anschlussleistung unter 250 Kilowatt und fallen damit in die einfachste Anschlusskategorie, ohne teure Netztechnik und erweiterte Nachweise. Der Fokus liegt bewusst auf dieser Größenklasse. Eine Beschränkung ist das nicht: Größere Anlagen werden auf Wunsch samt Verfahren umgesetzt“, heißt es per Aussendung. Anm.: Mit der nächsten Stufe des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes dürfen Unternehmen ab 1. Oktober Strom zwischen eigenen Standorten teilen und direkt an andere Betriebe liefern.

© Dachgold e.U – Cornelia Daniel in Himberg, Niederösterreich.

Tausendundein Speicher simuliert

Laut eigenen Angaben braucht Österreich bis 2040 8,7 Gigawatt Batteriespeicherleistung, davon 6,0 Gigawatt dezentral bei Haushalten und Gewerbe. Nur gehe, so Daniel, der Ausbau zäh voran.

„Ich sehe Großspeicherprojekte, die seit drei bis sechs Jahren in Planung sind und noch immer nicht am Netz. Unsere Anlagen stehen in wenigen Monaten.“ Mittelgroße, betriebsintegrierte Speicher hinter dem Zählpunkt einer bestehenden PV-Anlage seien nämlich „genehmigungsarm und, wenn keine baulichen Maßnahmen nötig sind, schneller am Netz“.

Jede Anlage wurde vorab anhand des tatsächlichen Viertelstunden-Lastprofils des Betriebs simuliert, nicht „einfach überschlagen“. Ein Gewerbespeicher rechnet sich, so die Gründerin, selten über einen einzigen Effekt. Entscheidend sei das sogenannte Profit-Stacking: Mehrere Erlösquellen werden kombiniert. Dazu gehört zunächst, mehr vom selbst erzeugten Solarstrom zu nutzen. Hinzu kommen die Kappung von Lastspitzen, die den Leistungspreis bestimmen, und ein intelligenter Stromeinkauf, bei dem der Speicher in günstigen Stunden geladen wird, erklärt sie.

„Speichern durfte man immer. Was sich ändert, ist, dass es sich jetzt rechnen lässt“, erklärt Daniel. „Weil Viertelstundenwerte für viele Zählpunkte verfügbar sind, können wir einem Betrieb ziemlich genau sagen, was es ihm bringt, seine Verbräuche zu verschieben. Das war jahrelang Bauchgefühl. Jetzt ist es eine Rechnung, und sie geht auf.“

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