27.06.2022

Lernsieg-Gründer Benjamin Hadrigan bringt Startup-Ratgeber-Buch heraus

Benjamin Hadrigan will mit dem Buch praktische Tipps geben, aber auch vor "Stolperfallen" warnen. Zur Präsentation gibt er sich kritisch.
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Lernsieg-Gründer Benjamin Hadrigan
(c) der brutkasten / Haris Dervisevic: Lernsieg-Gründer Benjamin Hadrigan

Benjamin Hadrigan ist erst 20 Jahre alt und hat als Startup-Gründer doch schon einiges erlebt. Mit seiner Lehrerbewertungs-App Lernsieg stach er 2019 regelrecht in ein Wespennest. Das brachte einerseits mediale Präsenz im ganzen Land und Rekord-Downloadzahlen, andererseits aber auch Shitstorms, Drohungen und jahrelange Gerichtsverfahren nach zahlreichen Klagen (was mit einem Sieg vor dem OGH endete). Und das war nicht das einzig negative, was dem Gründer nach eigenen Angaben widerfuhr. Seine Erfahrungen will er nun in seinem neuen Buch „#startup – Gründen ohne Bullshit – was dir sonst keiner sagt“ Gründungswilligen weitergeben. Dabei übt er auch deutliche Kritik am System.

„Realistisch über das Gründen sprechen, anstatt eine Illusion zu erschaffen“

„Im Buch erzähle ich schonungslos, was alles hinter den Kulissen bei Lernsieg passiert ist“, sagt Hadrigan. Da gehe es etwa um „heikle juristische Verhandlungen, Neid oder hohe finanzielle Einsätze“, heißt es in einer Aussendung. Der Gründer ortet dabei euch ein verklärtes Bild des Startup-Gründens in der Öffentlichkeit: „Für mich war es wichtig, endlich realistisch über das Gründen zu sprechen, anstatt wieder nur eine Illusion zu erschaffen. Es gibt so viele Informationen, die das machen. Das bringt dem Leser und der Leserin dann leider wenig“.

Kritik an Bürokratie in Österreich

Im Buch erneuert und erweitert er nicht nur seine Kritik am Schulsystem, sondern beschäftigt sich auch mit dem Thema Bürokratie. „In Deutschland kann ich mit nur einem Euro ein Unternehmen gründen. Aber in Österreich stehen im Vordergrund nicht Kreativität und Unternehmertum, sondern erstmal Formalismus“, meint Hadrigan und spricht von „unnötig schweren Hindernissen auf dem Weg zum erfolgreichen Unternehmer“.

Hadrigan verarbeitet schlechte Lernsieg-Erfahrungen mit Investor:innen – und gründet „startupwarnung“

Auch in Sachen Investor:innen verarbeitet der Gründer im Buch schlechte Erfahrungen: „Wer wirklich erfolgreich ist, kann sich zwar vor Angeboten kaum retten, läuft aber genauso Gefahr, erst mal richtig abgezockt zu werden“, sagt er. Neben der „Warnung vor Stolpersteinen“ soll sein Buch aber vor allem auch praktische Tipps und Werkzeuge zur Selbstständigkeit bieten. Das Warnen steht übrigens auch im Zentrum einer neuen Plattform des Gründers. „startupwarnung“ soll „das erste digitale Warnsystem für Gründerinnen und Gründer“ werden. Dort kann man anonym Hinweise über Investor:innen, Geschäftspartner:innen und Co abgeben, die sich nicht korrekt verhalten haben.

 

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Mit Ignite Ventures ist die WU eine von fünf Hochschulen, die im Rahmen von Modul 1 der Spin-off Initiative eigene Beteiligungsstrukturen aufgebaut haben. | (c) BOAnet_LC

Österreichs Hochschulen sollen als Quelle neuer Unternehmen an Schlagkraft gewinnen. Im Rahmen von Modul 1 der Spin-off Initiative unterstützt das Austria Wirtschaftsservice (aws) dafür ausgewählte Hochschulen mit einer Anschubförderung von insgesamt 1,5 Millionen Euro beim Auf- und Ausbau professioneller Ausgründungs- und Beteiligungsstrukturen, die internationalen Standards entsprechen.

Finanziert wird die Förderung aus Mitteln der Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung (Fonds Zukunft Österreich), die Projektlaufzeit beträgt rund drei Jahre. Ziel ist es, akademische Spin-offs frühzeitig auf Gründungs- und Skalierungstauglichkeit vorzubereiten und damit jene strukturelle Lücke zu schließen, die Österreich im internationalen Vergleich seit Jahren aufweist.

Was die einzelnen Häuser vorweisen

Die BOKU University begleitet mit der hundertprozentigen Tochter Connective Base GmbH Spin-offs und Startups aus dem universitären Umfeld vom ersten Prototyp bis zum Exit. Im ersten Jahr wurden gemeinsam mit internationalen Expert:innen die rechtlichen und strukturellen Grundlagen für einen professionellen und raschen Ausgründungs- und Investmentprozess geschaffen. Erste Beteiligungen und Spin-offs befinden sich laut Aussendung bereits in Umsetzung.

An der JKU wurde im September 2025 die JKU Technology Transfer GmbH (TTG) gegründet. Als Teil des House of Research and Innovation (HoRI) entwickelt sie Schutzrechts- und Verwertungsstrategien, initiiert Kooperationen mit Unternehmen und begleitet Forschende auf dem Weg zum Spin-off.

Das 2024 gegründete MedLifeLab der Medizinischen Universität Innsbruck begleitet Wissenschaftler:innen und Gründer:innen in den Bereichen Life Sciences, MedTech und BioTech von der Idee bis zur marktreifen Lösung, von Technologietransfer und IP-Management bis zu Unternehmensgründung und Finanzierung. Über Bildungsangebote und Community Building soll ein Ökosystem entstehen, das Tirol regional und international vernetzt.

Die TU Wien hat mit NOCTUA Science Ventures gemeinsam mit Speedinvest einen eigenen Spin-off-VC-Fonds aufgebaut. Er soll mehr als 40 österreichische Spin-offs finanzieren und bis Ende 2026 ein Zielvolumen von bis zu 25 Mio. Euro erreichen. Bis dato wurden über 200 österreichische Spin-offs gesichtet und evaluiert. Über die technischen Hochschulen der TU Austria als Gesellschafter und Partner soll eine tiefe Verankerung in den Universitäten sichergestellt werden.

WU Ignite Ventures setzt bereits am sogenannten „Ignite Moment“ an. Gründer:innen erhalten bis zu 50.000 Euro Pre-Seed-Kapital in zwei Tranchen über ein gründerfreundliches SAFE-Instrument, dazu Zugang zum WU-Netzwerk und eine Alumni-Co-Investment-Plattform. Drei Investments wurden bereits getätigt, zudem startete gemeinsam mit VC-Partnern ein VC Analyst Program für WU-Studierende.

Tipp der Redaktion

brutkasten hat sich dem Thema akademische Ausgründungen im vergangenen Jahr in der Serie From Science to Business gewidmet und dabei beleuchtet, wie aus Forschung heraus Unternehmen entstehen und welche Strukturen es dafür braucht.

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