18.02.2026
EDUCATION

Lernapps: Edu-Marktplatz startet Probebetrieb

Gedruckte Schulbücher sind in Österreich seit Jahren klar finanziert, digitale Lernangebote hingegen kämpften lange mit strukturellen Hürden. Mit dem Marktplatz Lernapps möchte das Bundesministerium für Bildung nun einen zentralen Zugang zu digitalen Lern-Apps schaffen.
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Lernapps
© Envato/Rawpixel

Während gedruckte Schulbücher über die Schulbuchaktion klar geregelt und mit einem jährlichen Budget von rund 130 Millionen Euro ausgestattet sind, gab es für rein digitale Produkte keine vergleichbare Finanzierung. Anbieter digitaler Lösungen erhielten mitunter den ernst gemeinten Hinweis, ihr Produkt „auf eine CD zu brennen“, um es formal als physisches Medium vertreiben zu können. Nach mehr als zehn Jahren Diskussionen über eine tragfähige Finanzierung digitaler Lernplattformen an österreichischen Schulen ist es nun so weit: Der Marktplatz Lernapps öffnet am 23. Februar 2026 seine Tore – vorerst als Probebetrieb.

Lernapps: Anmeldung offen

Der Marktplatz ist eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung (BMB). Er unterstützt Schulen der Sekundarstufe I und II in Österreich dabei, geprüfte digitale Lern-Apps auszuwählen, zu bestellen und ohne Zusatzkosten im Unterricht einzusetzen. Eigentlicher Start ist das Sommersemester 2026, zu dem sich Schulen aktiv anmelden müssen. Die Anmeldung ist seit 26. Jänner 2026 möglich.

Michael Maurer, Gründer von eSquirrel, weiß, dass der Markt, bevor Marktplatz Lernapps Realität wurde, für digitale Lernangebote in Österreich stark fragmentiert und strukturell benachteiligt war. Schulen mussten digitale Lern-Apps einzeln recherchieren und standen häufig vor administrativen und finanziellen Hürden. „Spätestens während der Pandemie wurde deutlich, wie groß der Bedarf an digitalen Lernplattformen ist. Strukturell blieben diese jedoch gegenüber analogen Angeboten im Nachteil. Markt und Innovation waren vorhanden, ein systematischer Zugang fehlte“, kommentiert er den Zustand der anfänglichen 20er-Jahre.

Nach dem Amtsantritt der neuen Bundesregierung wurde die Konzeption und Entwicklung des Marktplatz Lernapps umgesetzt. Der Marktplatz startet bewusst als Probebetrieb. Erfahrungen aus dieser Phase werden in den Regelbetrieb ab Herbst 2026 einfließen. Dieses frühe Testen unter realen Bedingungen soll eine Weiterentwicklung des Systems entlang der Bedürfnisse von Lehrer:innen und Schüler:innen ermöglichen.

EdTech Austria Roadshow

Innerhalb weniger Tage haben sich aktuell mehr als ein Viertel aller zugangsberechtigten Schulen für den Probebetrieb angemeldet. Der Marktplatz Lernapps sei, Maurer zufolge, nicht nur ein neues Beschaffungsinstrument für Schulen, sondern auch ein wirtschafts- und innovationspolitisches Signal. Er schaffe erstmals einen transparenten und qualitätsgesicherten Zugang zum öffentlichen Bildungsmarkt – insbesondere für österreichische EduTech-Unternehmen. Statt föderaler Einzelentscheidungen oder intransparenter Prozesse würden Anbieter:innen einen klar definierten Rahmen und planbare Perspektiven erhalten: „Das stärkt bestehende Unternehmen und kann zugleich neue Innovationen anstoßen. Ein verlässlicher und fairer Marktzugang erhöht die Bereitschaft, in die Entwicklung hochwertiger und pädagogisch fundierter digitaler Produkte zu investieren. Der Marktplatz wird damit nicht nur zur Plattform, sondern auch zu einem Impulsgeber für die Weiterentwicklung des Bildungsökosystems in Österreich“, ist Maurer überzeugt.

Wer den Marktplatz Lernapps und die qualitätsgeprüften Angebote kennenlernen möchte, kann dies im Rahmen der digitalen EdTech Austria Roadshow bis zum 5.3.2026 tun. Das Bildungsministerium bietet dort eine praxisnahe Einführung an. Zusätzlich präsentieren zahlreiche Anbieter ihre Lösungen in kurzen Breakout-Sessions. Für Lehrer:innen ist die Teilnahme als Fortbildung anrechenbar.

Folgende EduTechs sind bei der digitalen Roadshow vertreten

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Das Founder-Team von hello again rund um Franz Tretter (2.v.l.) | (c) hello again
Das Founder-Team von hello again rund um Franz Tretter (2.v.l.) | (c) hello again

Mehr als 1.000 Unternehmenskunden mit insgesamt rund 18 Millionen App-User:innen – da steht hello again mit seinem Loyalty-App-Angebot aktuell. Zu den Kunden des Scaleups mit Sitz in Leonding neben Linz zählen große Ketten wie Müller, Deichmann, Klipp, L’Osteria oder Vamed Vitality World ebenso wie zahlreiche kleinere Ketten und Betriebe, wie etwa Leberkas-Pepi.

Im Mittelstand sei man im DACH-Raum Marktführer, sagt Gründer und CEO Franz Tretter gegenüber brutkasten. In der Region liegt bislang auch der klare geografische Fokus. „Wir haben zwar Kunden in 25 Ländern, aber keine Verkaufsteams vor Ort“, erklärt Tretter. Dazu gekommen sei es hauptsächlich über Weiterempfehlung, über Kunden die in weiteren Märkten aktiv sind oder etwa im Fall Südtirols über die kulturelle Nähe.

„Mont Blanc“, noch nicht „Mount Everest“

Doch nun stehen weitere Expansionsschritte bevor. „Wir wollen die Nummer 1 in Europa werden“, so Tretter selbstbewusst. Dafür nahm hello again nun eine größere Summe Kapital auf. Die Münchner Beteiligungsgesellschaft Emeram steigt mit einem nicht konkret bezifferten achtstelligen Betrag ein. Es sei ein „mittlerer“ achtstelliger Betrag, präzisiert Tretter auf brutkasten-Rückfrage. Das Gründer-Team behalte dabei die Mehrheit und bleibe „im Driver-Seat“.

Dabei habe man mehrere konkrete Angebote gehabt und sich letztlich für die Münchner Gesellschaft entschieden: „Es ist der absolute best case“, so der Gründer. „Das ist schon Oberliga. Es fühlt sich an, als hätten wir den Mount Everest bestiegen“, sagt Tretter, um sich gleich selbst auszubessern: „Oder besser den Mont Blanc. Weil fertig sind wir noch lange nicht, es warten noch viele höhere Gipfel.“ Und schließlich sei ihm in den vergangenen Jahren als Unternehmer auch eines immer mehr bewusst geworden: „Der Weg ist das Ziel.“

Spanien oder Polen als nächster Markt

Und dieser Weg soll nun in weitere europäische Fokusmärkte führen. Konkret teste man aktuell bereits die Märkte Polen und Spanien, um die nächsten großen Schritte auszuloten. Tretter betont aber: „Der DACH-Raum bleibt noch unser größter Wachstumsmarkt. Es gibt noch sehr viel Potenzial.“ Schließlich kommen etwa vier der aktuell rund 18 Millionen App-User:innen aus dem Heimatmarkt Österreich. Entsprechend viel ist im mittlerweile wichtigsten Markt Deutschland noch zu holen.

Die geografische Expansion ist aber nicht die einzige aktuelle Entwicklung. So arbeite man etwa seit Kurzem mit netzwerkübergreifenden Prämien. „Es bekommt also zum Beispiel ein Leberkas-Pepi-Kunde einen Benefit bei Sky angeboten. Das ist ein riesiger Reichweiten-Vorteil“, erklärt Tretter.

Ein weiteres Thema, auf das man stark setze, sei Individualisierung durch KI. „Wir können auf Basis anonymisierter Daten zielgenaue personalisierte Angebote verschicken. Die User bekommen Benefits, die genau gerade relevant für sie sind. Das steigert den Umsatz nachweislich um acht Prozent“, sagt der Gründer. Denn diese Personalisierung sei auch eine „absolute Konsumentenerwartung“.

„Wir waren immer bodenständig“

Der Plan steht also. Das Mindset soll dabei das bewährte bleiben. „Wir waren immer bodenständig. Aber die Dampflok rollt und fährt und fährt“, sagt Tretter. Getreu dem zuvor erwähnten Motto – „der Weg ist das Ziel“ – soll es auch weitergehen. „Wird morgen alles einfacher?“, fragt Tretter in den Raum. „Nein, die nächsten Challenges kommen und wir werden gemeinsam weiter wachsen. Nicht nur das Unternehmen sondern auch die Mitarbeiter.“

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