11.11.2022

Lehrlinge sollen Digitalisierung in Österreich vorantreiben

Politik und Wirtschaft sind sich bei der Wichtigkeit der Lehre für die Digitalisierung in Österreich einig
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Lehre am A1 Future Campus
Beim Rundgang am A1 Future Campus v.l.n.r.: Michelle Mittermüller (Lehre: IKT – Elektronik, A1), Digitalisierungsstaatssekretär Florian Tursky, z.l.ö.-Präsident Werner Steinecker, A1 CEO Marcus Grausam | © Schütze Public Results / Ines Strohmayer

Einmal mehr bekräftige Digitalisierungs-Staatssekretär Florian Tursky nun bei einem Rundgang im A1 Future Campus gemeinsam mit dem Präsidenten der Lehrlingsinitiative zukunft.lehre.österreich., Werner Steinecker, die Wichtigkeit der Lehrausbildung bei der Digitalisierung.

Tursky: „Lehrberufe in Österreich digifit machen“

„Unser Ziel ist es, alle Lehrberufe in Österreich digifit zu machen. Denn digitale Fähigkeiten sind der Weg zum Erfolg und am Ende wird die Digitalisierung über unsere Wettbewerbsfähigkeit entscheiden. Die Jugendlichen entwickeln sich durch die digitale Ausbildung der heimischen Unternehmen zu den Fachkräften der Zukunft, ohne deren Know-How die Digitalisierung Österreichs in den kommenden Jahrzehnten praktisch nicht umsetzbar wäre“, so der Staatssekretär bei seinem Besuch.

Werner Steinecker erläutert dazu die Hintergründe: „Die zukunftsträchtigen Digital-Lehrberufe sind auch bei den Jugendlichen beliebt, so war die E-Commerce Lehre der am besten wachsende Lehrberuf in Österreich und die Information und Consulting Lehrberufe konnten laut aktueller Lehrlingsstatistik ebenso gut zulegen“.

Digitale Lehre am A1 Future Campus

Aus der Praxis berichtet Gastgeber A1 CEO Österreich Marcus Grausam: „Wir bilden seit Jahrzehnten Lehrlinge aus und sehen es als unsere Verantwortung, gemeinsam mit ihnen eine digitale, nachhaltige Zukunft zu gestalten. Daher investieren wir laufend in die Digitalisierung der Lehre – sowohl bei der Gestaltung der Ausbildung als auch bei den Inhalten. Dazu gehören u.a. Cyber Security und Coding, aber auch nachhaltige Projekte stellen einen integrativen Bestandteil der Ausbildung unserer Lehrlinge dar“.

Konkret wurden beim Rundgang durch den A1 Future Campus im Wiener Arsenal Auszubildende und deren Ausbildungsstätten in den Berufe Elektronik und E-Commerce präsentiert. Sie gaben dabei einen Einblick in ihre großteils digitale aber auch analoge Lernumgebung. Britta Schindler, Head of People & Change bei A1 erläutert dazu: „In der Ausbildung erleben unsere Lehrlinge einen Methodenmix mit unterschiedlichen digitalen Lernelementen, die es auch ermöglichen, einzelne Tage ortsunabhängig aus dem Home-Office zu unterrichten und Lernziele über Gamification zu erreichen“.

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„Golden Shower“: Wolkersdorfer Komposttoiletten-Startup Öklo macht „Urin-Bier“

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Öklo-Geschäftsführer und Gründer Niko Bogianzidis mit
Öklo-Geschäftsführer und Gründer Niko Bogianzidis mit "Golden Shower" | (c) Öklo

Die britische Times, die deutsche Bild-Zeitung und die französische Nachrichtenagentur AFP griffen die Story im Frühling 2025 auf: Das Wolkersdorfer (NÖ) Startup Öklo, nach eigenen Angaben Europa-Marktführer bei Komposttoiletten, kündigte ein Bier aus recyceltem Urin an. Eineinhalb Jahre später setzte das Unternehmen rund um Gründer Niko Bogianzidis das Vorhaben nun in die Tat um.

„Aufs Patriarchat pinkeln“

Gerade einmal 2.500 Flaschen zu je 0,33 Liter umfasst die erste und möglicherweise einzige Charge des Biers mit dem Namen „Golden Shower“. Diese sollen nur im Rahmen spezieller Aktionen verkauft werden und sonst von Öklo selbst in seinem Netzwerk genutzt werden. Mit der stilisierten Abbildung einer Transgender-Person und dem Slogan „aufs Patriarchat pinkeln“ auf dem Etikett sorgt das Bier gewiss für zusätzliche Aufmerksamkeit.

Auch das Etikett von „Golden Shower“ sorgt für Aufmerksamkeit | (c) Öklo

Bewusstsein für Wasserverschwendung als Hauptziel

Wer hinter all dem eine Marketing-Aktion vermutet, hat freilich Recht. Noch mehr als die erwähnte politische Message auf dem Etikett betont Gründer Bogianzidis ein anderes Ziel: „Mein Ziel mit Öklo und eben auch unserem nun produzierten Urin-Bier ‚Golden Shower‘ war und ist es, Bewusstsein für Wasserverschwendung zu schaffen und dieser im Sinne der Kreislaufwirtschaft entgegenzuwirken. Wasserknappheit ist auch bereits vor unserer Haustür und in ganz Europa ein Riesenthema, wie dieser Sommer zeigt, und wird noch an Bedeutung gewinnen“, sagt er.

Zudem sei es ein Anliegen des Projekts, Urin als Wertstoff anzuerkennen, etwa wiederverwertet als Brauchwasser oder als hochwertige Phosphorquelle. „Anstatt ihn in Phosphorminen in Afrika & Co. teuer als Langzeitdünger auszugraben, wäre es auch möglich, einen Gutteil des Bedarfs über diesen Weg direkt vor Ort zu decken. Es war und ist viel möglich, wenn Entscheidungsträger nur wollen“, so Bogianzidis.

Nur destilliertes Wasser aus Urin im „Urin-Bier“

Auch für „Golden Shower“ wird nur ein einzelner Bestandteil des aufbereiteten Urins genutzt, nämlich destilliertes Wasser. „Wir haben zuerst den Nährstoff Struvit, der als hochwertiger Langzeitdünger verwendet wird und dann Stickstoff aus dem Urin gefiltert. Anschließend wurde das Wasser mittels des Prozesses der Umkehrosmose und anschließender Destillation final bearbeitet und nutzbar gemacht“, erklärt der Gründer. Das gereinigte Wasser sei dann von einem offiziellen Ziviltechnikerbüro in Prüftests als gesundheitlich unbedenklich und für den Brauvorgang geeignet abgesegnet worden.

Diesen übernahm dann die Mostviertler Bio-Brauerei Erzbräu mit Braumeister Benjamin Bruckner. Den Kontakt habe Öklo-Kooperationspartner Muschikraft, eine feministische Craftbier-Marke, hergestellt. „Wir haben uns für die Produktion eines hochwertigen, nicht gefilterten Märzen, zu Englisch Lager, entschieden. Da destilliertes Wasser nicht wirklich lebt, haben wir die 1.000 Liter Wasser von Öklo sicherheitshalber mit zehn Prozent frischem Quellwasser im Tank angereichert, damit die Hefe als lebender Zellorganismus jedenfalls gut reagieren und arbeiten kann“, erklärt Bruckner.

Erzbräu-Braumeister Benjamin Bruckner | (c) oliacreations

Auch er betont die Zielsetzung der Aktion: „Wir leben in einer sehr ressourcenraubenden, verschwenderischen Gesellschaft. Gerade auch beim knappen Gut Wasser, wie wir selbst in Europa diesen Rekordsommer gesehen haben. Es gibt aber effiziente Wege, dem zu begegnen und gegenzuwirken und darauf wollen wir mit diesem Projekt hinweisen.“

Weitere Chargen laut Öklo „nicht ausgeschlossen“

Ob es bei den 2.500 Flaschen bleibt, ist aktuell noch unklar. Weitere Chargen seien „nicht ausgeschlossen“, heißt es von Öklo dazu lediglich. Indessen treibe man weiterhin das Leuchtturm-Projekt „Öklo-Land“ voran – Gründer Bogianzidis sprach dazu bereits vor einem Jahr im brutkasten-Talk. Auf 13.000 Quadratmetern nahe Wolkersdorf soll dabei ein modulares Biomasse-Recycling-Center und Kompetenzzentrum entstehen, das menschliche Fäkalien und biologische Abfälle in Rohstoffe wie Wasser, Dünger und Pellets sowie in Energie, konkret Biogas, umwandelt.

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