30.10.2018

Legal Tech Hub Vienna: 7 Kanzleien starten gemeinsamen Accelerator

Die sieben Wiener Kanzleien Dorda, Eisenberger & Herzog, Herbst Kinsky, PHH Rechtsanwälte, Schönherr, SCWP Schindhelm und Wolf Theiss starten mit dem Legal Tech Hub Vienna (LTH Vienna) eine gemeinsame Digitalsierungs-Initiative für den Rechtsbereich.
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(c) Marlene Rahmann: Die Legal Tech Hub Vienna Founding Partner Christian Pindeus (Stefan Artner (Dorda), Gudrun Stangl (Schönherr), Phlipp Kinsky (Herbst Kinsky) und Sophie Martinetz (Future-Law 3.v.l.)

„Die Digitalisierung der Rechtspraxis bedeutet weit mehr als das eine oder andere IT-Programm einzusetzen. Legal Tech wird den Zugang zur Rechtsberatung mitunter revolutionieren. Der LTH Vienna will diese Ideen und Lösungen fördern, um notwendige digitale Innovationen zu ermöglichen“, sagt Stefan Artner, Geschäftsführender Gesellschafter bei der Wiener Anwaltskanzlei Dorda. Die angesprochene Initiative Legal Tech Hub Vienna (LTH Vienna) wurde gestern von der Kanzlei gemeinsam mit sechs weiteren, Eisenberger & Herzog, Herbst Kinsky, PHH Rechtsanwälte, Schönherr, SCWP Schindhelm und Wolf Theiss präsentiert.

+++ Future-Law: Wie Technologie den Rechtsbereich verändert +++

Kanzleiübergreifend

Als kanzleiübergreifende Initiative sei der Legal Tech Hub Vienna bis dato einzigartig. „Kollaborationen und Austausch bei der Weiterentwicklung unserer digitalen Kompetenzen und Leistungen werden immer wichtiger. Der kanzleiübergreifende Aspekt des Legal Tech Hub Vienna ist das was uns hervorhebt. Wir ziehen dabei alle an einem Strang, um die Rechtsbranche für Rechtsdienstleister und Mandanten effizienter und zukunftssicher zu gestalten“, erklärt Gudrun Stangl, Partner & COO bei Schönherr. Erik Steger, Managing Partner Wolf Theiss, nennt konkrete Herausforderungen: „Unsere Kunden fragen verstärkt nach Lösungsansätzen mit einer stärkeren Vernetzung, wenn nicht gar Integration, in deren Systeme. Gleichzeitig ist der Schutz der Vertraulichkeit von Informationen, die man eben nur seinem Anwalt geben will, im Zeitalter der Digitalisierung wichtiger denn je“.

Die aktuelle Legal Tech Landscape Austria von Future-Law:

Future-Law LegalTech - Legal Tech Hub Vienna
(c) Future-Law:

„Pro-aktiv, Mandanten-orientiert und innovativ in die digitale Zukunft“

Kernziel der Initiative sei es, die Rechtsberatungsbranche pro-aktiv, Mandanten-orientiert und innovativ in die digitale Zukunft zu führen, heißt es in einem Communiqué. Konkret gehe es um kanzleiinterne Effizienzsteigerung, die Digitalisierung bestehender Prozesse, die Analyse und Umsetzung neuer automatisierter Prozesse und die Entwicklung digitaler Zusatzservices sowie neuer Geschäftsmodelle über die reine Rechtsberatung hinaus.

Legal Tech Hub Vienna mit eigenem Accelerator

Dazu will man auch mit Startups und KMU zusammenarbeiten – in Form eines Accelerators. Das Programm soll Anfang 2019 starten – Details würden noch bekanntgegeben. Ein weiterer Punkt auf der Agenda seien lokale und internationale Kooperationen. Es stünden dabei Interessensvertretungen, Universitäten und Fachhochschulen sowie bestehende und künftige Legal Hubs im Fokus. LTH Vienna werde auch an der Entwicklung von Standards für die gesamte Rechtsbranche über Forschungsaufträge, Diplomarbeiten und Partnerschaften mitwirken.

„Branchenfremde Technologien“ für neue Perspektiven

Entsprechend stünde man weiteren Kanzleien offen. „Wir müssen alle gemeinsam etwas für die Zukunftsfähigkeit und den nachhaltigen Erfolg unserer Branche tun. Auch branchenfremde Technologien, Methoden und Unternehmertum bringen neue Perspektiven in die Rechtsberatungsbranche“, sagt dazu Philipp Kinsky, Geschäftsführender Gesellschafter und Partner bei Herbst Kinsky. (PA/red)

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Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Innovationsminister Peter Hanke (Archivbild) | (c) BKA/Paul Gruber
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Sie wird regelmäßig als möglicher Hebel genannt, um Startups abseits von klassischen Förderungen staatlich zu unterstützen: die öffentliche Beschaffung. Gleichzeitig wird kritisiert, dass diese oft nicht die kommunizierten Zielsetzungen, etwa in der Stärkung der heimischen Innovationslandschaft, widerspiegelt. Das will die österreichische Bundesregierung nun mit einem „nationalen Aktionsplan Strategische Öffentliche Beschaffung“ ändern, der bis Jahresende unter Federführung von Wirtschafts- und Innovationsministerium ausgearbeitet werden soll.

Öffentliche Auftraggeber stärker als Erst- und Referenzkunden für Startups etablieren

Der Aktionsplan soll „als Handlungsleitfaden für den Bund, seine Beteiligungen sowie weitere öffentliche Auftraggeber dienen“. Ziel sei es, Innovation, Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und europäische Wertschöpfung stärker in Beschaffungsprozessen zu verankern. Ein besonderer Schwerpunkt liege darauf, öffentliche Auftraggeber stärker als Erst- und Referenzkunden für innovative Unternehmen und Startups zu etablieren. Damit sollen „neue Technologien schneller zur Marktreife gelangen und zusätzliche Impulse für Wachstum und privates Kapital entstehen“.

Hanke: „Das Billigstbieterprinzip ist in dieser Form nicht mehr zeitgemäß“

Innovationsminister Peter Hanke führt aus: „Mit rund 70 Milliarden Euro jährlich verfügt der Staat über enorme Gestaltungskraft. Diese wollen wir künftig gezielt einsetzen, um Innovationen schneller in die Anwendung zu bringen, die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts zu stärken und europäische Souveränität auszubauen.“

Hier gelte es neue Wege zu gehen: „Das Billigstbieterprinzip ist in dieser Form nicht mehr zeitgemäß. Wir brauchen eine Beschaffung, die europäische Souveränität und Innovationskraft in den Vordergrund stellt“, so Hanke. Der Staat soll dabei „als Ankerkunde vorangehen“ und innovativen Unternehmen die Möglichkeit geben, ihre Lösungen erstmals im Markt einzusetzen. „Das stärkt unsere Startups, schafft heimische Wertschöpfung und macht Österreich technologisch unabhängiger“, meint der Minister. Bundesbeteiligungen wie die ÖBB und ASFINAG seien dabei bereits Vorreiter. Ziel sei es, dass die Republik ihre Rolle als Eigentümer konsequenter ausbaue.

Und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer ergänzt: „Der Staat soll nicht nur einkaufen, sondern Innovationen den Weg in den Markt ebnen. Wenn die öffentliche Hand als Erst- und Referenzkunde vorangeht, schaffen wir Marktchancen für heimische Unternehmen, stärken europäische Wertschöpfung und machen aus Innovation schneller wirtschaftlichen Erfolg. Genau diesen Paradigmenwechsel treiben wir jetzt voran.“

Spinoff-Gründungen als konkrete KPI für „Austrian Quantum Cluster“

Zeitgleich geben die beiden Minister per Aussendung auch ein Update zu weiteren Maßnahmen im Bereich der in der Industriestrategie 2035 (brutkasten berichtete) definierten Schlüsseltechnologien. In der AI Factory Austria seien demnach 53 von insgesamt 80 Millionen Euro Projektkosten als Investition in einen Supercomputer vorgesehen, der kommendes Jahr in Wien in Betrieb gehen soll.

Zudem nennen die Ministerien einige KPIs für den „Austrian Quantum Cluster“, in den heuer 30 Millionen Euro aus dem Fonds Zukunft Österreich fließen (brutkasten berichtete). Demnach soll der „erste Megacluster Österreichs“ unter der Ägide von aws (Austria Wirtschaftsservice), FFG (Forschungsförderungsgesellschaft), CDG (Christian Doppler Forschungsgesellschaft) und FWF (Wissenschaftsfonds) etwa mindestens fünf Spinoffs hervorbringen und mindestens acht Millionen Euro Folgeinvestitionen für Startups bzw. Scaleups hebeln. „Wir wollen Quantentechnologie nicht nur erforschen, sondern in Österreich entwickeln, produzieren und vermarkten. Unser Ziel ist klar: Aus Spitzenforschung soll Spitzenindustrie werden“, kommentiert Hattmannsdorfer. Dabei setze man auf „Fokus statt Gießkanne“.

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