10.08.2021

Lebensmittelindustrie: Massiver Preisanstieg bei Agrarwaren und Verpackung

Der Fachverband der Lebensmittelindustrie schlägt Alarm: Die Branche sehe sich derzeit mit extremen Herausforderungen konfrontiert. Die aktuellen Preissteigerungen seien in zahlreichen Bereichen historisch hoch.
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Getreide Ernteausfälle
© Pixabay

Wetterkapriolen und Ernteausfälle, anhaltende Störungen in den weltweiten Logistikketten sowie stark steigende Transportpreise – all das sind Faktoren, die den produzierenden Lebensmittelbetrieben derzeit das Leben schwer machen. Die Preise für Agrarwaren wie z. B. Getreide, Früchte oder Pflanzenöle erreichen einen historischen Höchststand, ebenso treiben Lieferengpässe bei Verpackungen wie Kunststoff, Kartonagen, Aluminium und dergleichen die Kosten massiv. „Zusätzlich schießen die Transportpreise in die Höhe. Und das alles ziemlich gleichzeitig und in unglaublicher Geschwindigkeit“, erläutert Mag. Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie. Als Grund führt sie die steigende internationale Nachfrage und damit einhergehende erhöhten Produktionszuwächse im In- und Ausland ins Treffen.

Katharina Koßdorff FV Lebensmittelindustrie
Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie © WILKE

Herausforderungen auf vielen Ebenen

Im Detail seien rohstoffseitig vor allem Früchte wie Himbeeren, Marillen, Brombeeren oder Heidelbeere stark von den vorherrschenden Wetterextremen betroffen. Aber auch auf den Getreidemärkten kommt es wetterbedingt zur Beeinträchtigung der Qualität und in Folge zu geringeren Erntemengen oder gar Missernten. Die Landwirtschaftskammer Österreich prognostiziert derzeit ein Minus von sieben Prozent bei der Getreidemenge. Zusätzlich führen der Trend zu Glas und die Lage bei Aluminium zu Preissteigerungen bei Verpackungsglas, Blechdeckeln und Konservendosen. In der Schifffahrt haben die Frachtkosten um bis zu 300 % zugelegt. Beim Straßentransport fehlen zum Teil Fahrzeuge und Fahrer. Die Holzknappheit führt etwa dazu, dass Transport-Paletten doppelt so teuer sind wie zuletzt.

Lebensmittelindustrie bedeutender Wirtschaftszweig

Erst kürzlich hat Tiefkühlspezialist Iglo auf die aktuelle Situation aufmerksam gemacht und hinsichtlich des steigenden Kostendrucks auf vielen Ebenen zu einem fairen Umgang von Preisanpassungen in der gesamten Wertschöpfungskette aufgerufen – der brutkasten hat berichtet. Koßdorff möchte ebenfalls Bewusstseinsbildung betreiben und macht den Stellenwert der Lebensmittelindustrie in Österreich deutlich. Als eine der größten Branchen hierzulande mit rund 200 Unternehmen, 27.000 Beschäftigten und einem jährlichen Produktionsvolumen von deutlich über 9 Mrd. Euro stelle sie die Versorgung der heimischen Bevölkerung mit sicheren, qualitativen und leistbaren Lebensmitteln sicher. „Rund 7,6 Mrd. Euro davon werden in Form von Erzeugnissen der Lebensmittelindustrie im Export in über 180 Länder abgesetzt“, so Koßdorff weiter. Der Blick in die Zukunft fällt aus aktueller Sicht wenig rosig aus: „Eine Entspannung der Lage scheint aktuell nicht in Sicht zu sein“, so Koßdorff abschließend.

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Das Verenas-Team mit Gründerin Verena Nairz-Kapferer (3. v.r.). © Verenas

Die Ursprungsidee für Verenas entstand krisenbedingt: Während des ersten Corona-Lockdowns 2020 entwickelte Verena Nairz-Kapferer im eigenen Innsbrucker Café haltbare Rezepturen, um den Betrieb abzusichern. Was als Initiative für Café-Gäste begann, wird nun zum eigenständigen Geschäftsmodell. Im November 2026 gründen Verena Nairz-Kapferer und Jürgen Nairz eine eigene GmbH, um das Produktangebot im B2B-Bereich überregional zu skalieren.

Prozesssicherheit statt Spezialzutaten

Im Zentrum der Vertriebsstrategie steht der Premium-Gastrogroßhandel, über den Hotels, Cafés und Restaurants flächendeckend beliefert werden sollen. Aus mehr als 60 praxiserprobten Rezepturen konzentriert sich das Unternehmen für Großküchen auf rund 20 Varianten. Der wirtschaftliche Hebel liegt laut dem Gründungsteam dabei nicht nur beim Wareneinsatz von 0,80 bis 1,20 Euro pro fertig gebackener Portion. Standardisierte Mischungen reduzieren insbesondere den Arbeits- und Lageraufwand für Betriebe, die keine eigenen Spezialzutaten vorhalten wollen.

„Für einen Gastronomiebetrieb zählt nicht nur, was eine Portion an Zutaten kostet. Entscheidend sind auch Arbeitszeit, Einfachheit, Prozesssicherheit und eine Qualität, die unabhängig davon funktioniert, wer den Kuchen gerade zubereitet“, erklärt Jürgen Nairz, der den Vertriebsaufbau verantwortet.

Getrennte Produktion für Glutenfrei-Zertifizierung

Verena Nairz-Kapferer arbeitete ursprünglich im sozialen Bereich und verkaufte samstags selbst gebackene Kuchen. © Verenas

Die Backmischungen sind rein pflanzlich sowie zu großen Teilen zusätzlich glutenfrei formuliert. „Ich wollte nie einen Kuchen entwickeln, bei dem jemand sagt: Für vegan oder glutenfrei schmeckt der aber gut“, betont Produktentwicklerin Verena Nairz-Kapferer.

Um die geforderten Qualitätsstandards im B2B-Geschäft sicherzustellen, trennt das Startup laut eigenen Angaben die Fertigung. Vegane Varianten sollen ab November 2026 in einem Partnerbetrieb nahe Graz abgefüllt werden. Die glutenfreien Mischungen verbleiben in einer separaten Innsbrucker Produktionsstätte, um Kreuzkontaminationen auszuschließen. Damit bereitet sich das Unternehmen auf die Zertifizierung mit dem Glutenfrei-Symbol vor.

Absatzziel: 40.000 Einheiten im Jahr 2027

Flankiert von einem B2C-Onlineshop mit vorerst sieben Sorten setzt das Unternehmen auf wiederkehrende B2B-Bestellungen. Für das Geschäftsjahr 2027 peilt Verenas ein Absatzvolumen von rund 40.000 Einheiten an. Gespräche mit weiteren Partnern im Gastrogroßhandel laufen laut den Gründer:innen bereits, um die Distribution im kommenden Jahr überregional auszubauen.

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