01.07.2024
WACHSTUMSKAPITAL

Gebootstrappt auf 40 Mio. Euro Jahresumsatz: Jetzt will Lamie aus Linz ein Investment

Das Linzer InsurTech Lamie überschritt kürzlich die Eine-Million-Kund:innen-Marke. Nun will das bislang eigenfinanzierte Scaleup noch mehr.
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Das Lamie-Management-Team (vlnr.) Christian Pedak, Thomas Aumayr und Roland Pedak | (c) Lamie
Das Lamie-Management-Team (vlnr.) CEO Christian Pedak, Head of Procut Management Thomas Aumayr, CRO Roland Pedak | (c) Lamie

Ein B2B2C-Modell als “Embedded Insurance Provider” – was zunächst etwas sperrig klingt, ist schnell erklärt: Das Linzer InsurTech-Scaleup Lamie bietet Cyber-, Reise- und Handyversicherungen über Vertriebspartner wie A1 und Drei an. Und das ziemlich erfolgreich. Kürzlich verkündete das Scaleup, die Eine-Million-Endkund:innen-Marke überschritten zu haben, wie brutkasten berichtete. Das bedeutet in Euros: „Wir werden dieses Jahr mit 40 Millionen Umsatz abschließen“, wie Co-Founder Thomas Aumayr gegenüber brutkasten sagt.

„Sind wohl eines der erfolgreichsten InsurTechs der Welt“

Die Besonderheit daran: „Wir sind bis jetzt zu 100 Prozent eigenfinanziert und operieren cashflow-positiv“, betont Aumayr einmal mehr. Lamie bootstrappt seit dem Start 2015. Und das, obwohl das Scaleup eine eigene Versicherung betreibt, also in einem ziemlich kapitalintensiven Feld unterwegs ist. „Damit sind wir wohl eines der erfolgreichsten InsurTechs der Welt“, meint der Gründer. Er spielt damit wohl auch auf einige andere bekannte Startups und Scaleups aus der Branche an, die hohe Finanzierungsrunden abgeschlossen haben und zuletzt dennoch in finanzielle Bedrängnis gerieten.

Strategie-Schwenk bei Lamie: Nach neun Jahren Bootstrapping zum Investment

Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, plant Lamie jetzt einen Strategie-Schwenk. Nach neun Jahren Bootstrapping will das Scaleup Kapital aufnehmen, um den nächsten Wachstumsschritt zu machen. „Wir sind in Sondierungsgesprächen mit mehreren Investoren und sondieren momentan den Markt. Wir freuen uns, dass aktuell Investoren auf uns zukommen und sind auch offen für Verhandlungen“, sagt Aumayr.

„Wird von Investoren äußerst positiv bewertet“

Für die potenziellen Kapitalgeber sei gerade die bisherige Eigenfinanzierung attraktiv. „Es ist sehr erfreulich zu sehen, wird dies nun auch von Investoren äußerst positiv bewertet wird. Früher war der Blick ja nur auf Wachstum gerichtet, egal wie viel Cashburn das bedeutet hat“, sagt der Lamie-Gründer. Wann es mit der Finanzierungsrunde soweit sein wird und was dann mit dem zusätzlichen Kapital geplant ist, verrät er aktuell aber noch nicht.

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Die Entrahmungsanlage und Michael Altrichter | (c) 2nd Cycle

Anfang 2024 ist 2nd Cycle mit dem Ziel gestartet, gebrauchte Photovoltaikmodule automatisiert zu prüfen und wiederzuverwerten. Nun meldet das Amstettner Startup den ersten Verkauf einer Anlage: Die DAKA Entsorgungsunternehmen GmbH & Co. KG hat als erster Kunde eine vollautomatische Entrahmungsanlage für PV-Module erworben. Die Anlage ist laut Aussendung bereits in Betrieb.

Die Anlage erkennt unterschiedliche Modulformate und entfernt die Aluminiumrahmen automatisch. Sowohl intakte als auch bereits gebrochene, gerahmte Module können ohne mechanische Umrüstung verarbeitet werden. Das Unternehmen betont, dass die Anlage besonders materialschonend arbeite. Das soll zu einer hohen Reinheit der verwertbaren Rohstoffe Glas und Aluminium führen und damit den Wert der recycelten Materialien steigern. Nach eigenen Angaben handelt es sich um die erste vollautomatische Entrahmungsanlage für PV-Module am Markt.

Baustein einer vollautomatischen Recyclingstraße

Die Entrahmungsanlage ist eine zentrale Komponente einer von 2nd Cycle entwickelten vollautomatischen Recyclingstraße für gebrauchte PV-Module. Die Prozesskette ist auf Zero-Touch-Betrieb, hochreine Wertstofffraktionen und einen Durchsatz von bis zu 90 Modulen pro Stunde ausgelegt. Weitere Module für Reinigung, Entfernung der Anschlussdose und Delamination seien teilweise bereits entwickelt oder stünden kurz vor dem Abschluss, heißt es in der Aussendung. DAKA kann die Entrahmungsanlage eigenständig betreiben und später um weitere Komponenten ergänzen.

(c) 2nd Cycle

„Mit der ersten Kundenanlage zeigen wir, dass sich die automatisierte Aufbereitung von PV-Modulen in den industriellen Betrieb eines Entsorgungsunternehmens integrieren lässt. Entscheidend sind ein stabiler Prozess, definierte Fraktionen und ein planbarer Durchsatz“, sagt Simon Prüller, CEO und Co-Founder von 2nd Cycle.

Als Argument für den Bedarf verweist das Startup auf Zahlen des Joint Research Centre der Europäischen Kommission. Dieses erwartet für die EU-27 ein kumuliertes Aufkommen von sechs bis 13 Millionen Tonnen PV-Abfall bis 2040 und 21 bis 35 Millionen Tonnen bis 2050.

Altrichter: „Dieser Stein ist ein massives Gebirge“

2nd Cycle wurde im Jänner 2024 von einem fünfköpfigen Team um Simon Prüller als FlexCo gegründet. Bereits bei der Gründung sollen Business Angel Michael Altrichter und die Amstettner Müller Gutenbrunn Group mit jeweils sechsstelligen Beträgen eingestiegen sein. Im Oktober 2025 folgte eine Finanzierungsrunde über rund eine Million Euro, unter anderem mit eQventure, Angels United und Buzzard Energy. Damals erwirtschaftete das Startup bereits erste Umsätze mit der automatisierten Prüfung von PV-Modulen, etwa mit einem Auftrag der EVN zum Test des beim Hochwasser 2024 überfluteten Photovoltaik-Kraftwerks Dürnrohr.

Altrichter ordnet den ersten Verkauf entsprechend ein: „Das erste verkaufte Produkt ist für jedes Startup ein Meilenstein. Im Falle von 2nd Cycle ist dieser Stein ein massives Gebirge: Das Produkt ist riesig, der Sales-Prozess komplex, der Markt entwickelt sich dynamisch. Umso beeindruckender ist dieser Erfolg!“

Zuletzt wurde 2nd Cycle auch mehrfach ausgezeichnet. Im September gewann das Startup beim Generali SME EnterPRIZE 2026 die Startup-Kategorie, die mit 10.000 Euro dotiert ist. Beim Riz up Genius Ideen- und Gründerpreis hatte das Projekt schon vor der Gründung den zweiten Platz in der Kategorie ökologisch genial belegt, bei der heurigen Jubiläumsverleihung war 2nd Cycle als Alumni vertreten.

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