29.03.2023

Italiens Regierung will Laborfleisch verbieten

Die nationalistische italienische Regierung sorgt sich um die heimische Lebensmittelproduktion. Die Argumentation ist zweifelhaft.
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Laborfleisch bzw. kultiviertes Fleisch kann schon bald eine große Rolle in der Lebensmittelversorgung spielen - Orbillion
Laborfleich bzw. kultiviertes Fleisch kann schon bald eine große Rolle in der Lebensmittelversorgung spielen | (c) Orbillion

Laborfleisch, bzw. – wie es die daran arbeitenden Unternehmen lieber nennen – kultiviertes Fleisch, könnte schon bald eine bedeutende Rolle in der globalen Lebensmittelversorgung spielen. Denn die Technologie ist in der Forschung und Entwicklung sehr weit fortgeschritten. Tatsächlich am Markt ist weltweit erst ein einziges Produkt: Synthetische Chicken Nuggets in Singapur. Doch zwei Unternehmen haben bereits weitreichende Fortschritte im Bewilligungsprozess der US-Lebensmittelbehörde FDA erlangt, und haben damit eine Perspektive zum baldigen Markteintritt in den Vereinigten Staaten. Auch in den immer etwas vorsichtigeren EU-Behörden ist der Bewilligungsprozess im Gange. Ein EU-Land will dem Fleisch aus dem Reagenzglas nun aber schon einmal vorsorglich den Riegel vorschieben: Italien.

Bis zu 60.000 Euro Strafe vorgesehen

Die neue postfaschistisch-nationalistische Regierung benannte kürzlich das Landwirtschaftsministerium in „Ministerium für die Ernährungssouveränität“ um und will nun ernst machen. Ein gestern eingebrachter Gesetzesentwurf sieht ein Verbot von Herstellung, Verkauf, Import und Export von sämtlichen Lebensmitteln aus Zellkultur vor. Betroffen wäre also nicht nur Laborfleisch, sondern eine potenzielle Palette an weiteren Lebensmitteln. Dabei sind Geldstrafen zwischen 10.000 und 60.000 Euro und die Beschlagnahme der Waren vorgesehen.

Italienischer Bauernverband ortet „präzise Strategie der multinationalen Konzerne“

„Laborprodukte bieten unserer Meinung nach keine Garantie für Qualität, Wohlbefinden und den Schutz unserer Kultur und unserer Tradition“, argumentiert der zuständige Minister Francesco Lollobrigida, wie Reuters berichtet. Zustimmung gab es dafür vom Bauernverband, wie u.a. der ORF berichtet. Dessen Präsident Ettore Prandini spricht in Zusammenhang mit dem geplanten Laborfleisch-Verbot über „Lügen über Lebensmittel aus dem Reagenzglas“, die eine „präzise Strategie der multinationalen Konzerne mit geschickten Marketingmaßnahmen“ bestätigen würden.

„Die Wahrheit ist, dass es sich nicht um Fleisch handelt, sondern um ein synthetisches, technisch hergestelltes Produkt, das die Umwelt nicht schont, weil es mehr Wasser verbraucht als herkömmliche Viehzuchtbetriebe“, so Prandini. „Das hilft der Gesundheit nicht, weil es keine Garantie dafür gibt, dass die verwendeten Chemikalien für den Verzehr in Lebensmitteln unbedenklich sind. Und außerdem ist es nicht für alle zugänglich, weil es in den Händen der multinationalen Konzerne liegt.“

Argumente für Laborfleisch-Verbot halten Prüfung nicht stand

Diese Aussagen halten freilich zumindest teilweise keiner objektiven Prüfung stand, wie auch Kritiker:innen anmerken. Tatsächlich gehen Forscher:innen von einem erheblich niedrigeren Wasserverbrauch von Laborfleisch in Massenproduktion im Vergleich zu Fleisch aus konventioneller Tierzucht aus. Gesundheitlich entsprechen die beiden Produkte einander laut aktueller Forschung, da es sich um die selben chemischen Verbindungen handelt. Und die relevanten Akteure im Bereich kultiviertes Fleisch sind zumindest momentan nicht multinationale Konzerne, sondern hauptsächlich Startups – darunter übrigens auch das Unternehmen Orbillion der Grazer Gründerin Patricia Bubner.

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Martin Huber und Hans Schlick
Die Amrax-Gründer Martin Huber und Hans Schlick | (c) Metaroom by Amrax

Amrax, bekannt für seine Plattform Metaroom, verkündete heute eine Finanzierungsrunde im mittleren siebenstelligen Bereich. Leadinvestoren sind der aws Gründungsfonds und SymbiaVC, unter Beteiligung des Bestandsinvestors ArborEleven Ventures sowie mehrerer Business Angels. SymbiaVC mit Sitz in Tirol bringe neben Kapital vor allem industrielle Expertise und ein starkes Industrienetzwerk ein. Amrax operiert im Bereich der Spatial Intelligence, also der 3D-Erfassung von Räumen.

„Wir freuen uns sehr, mit dem aws Gründungsfonds und SymbiaVC zwei so starke und regionale Partner an Bord zu haben. Beide teilen unseren Anspruch, konsequent und nachhaltig Wert aufzubauen – als eines der innovativsten KI-Unternehmen für Spatial Intelligence weltweit“, sagt Martin Huber, CEO und Co-Founder von Amrax.

Mit dem Kapital möchte Amrax sein Wachstum beschleunigen und die Produktentwicklung ausbauen. So sollen etwa der Vertrieb und Partnerschaften in der DACH-Region und international verstärkt werden.

Das Flaggschiff: Metaroom

Im Fokus des Investments steht aber auch die Weiterentwicklung der Digitalisierungsplattform Metaroom. Die KI-getriebene Plattform kann physische Räume erfassen, verstehen und in planungsreife Daten übersetzen (brutkasten berichtete). Innerhalb weniger Minuten wird so ein Raum mit dem Smartphone erfasst und als 3D-Modell samt 2D-Grundriss abgebildet. Diese KI-Modelle entwickelt und trainiert Amrax auf Basis eines Datensatzes realer Räume und Gebäude. Die 3D-Daten lassen sich in mehr als 40 Formaten exportieren und direkt in gängigen Planungswerkzeugen, wie etwa Bluebeam, Graphisoft oder DDScad, weiterverwenden.

„Amrax hat gezeigt, dass sich hochpräzise 3D-Gebäudedaten mit dem Smartphone erfassen lassen – und dass daraus ein skalierbares Software- und OEM-Geschäft entsteht. Überzeugt haben uns die technologische Tiefe, die internationale Traktion und vor allem das Gründerteam“, sagt Markus Jandrinitsch, Geschäftsführer des aws Gründungsfonds.

Senior Investment Manager von SymbiaVC, Alex Burger, ergänzt: „Spatial Intelligence wird zu einem Schlüssel für die Digitalisierung von Bau, Handwerk und Industrie. Amrax verbindet exzellente Technologie mit einem klaren Geschäftsmodell und starken Industriepartnern.“

Genutzt in über 175 Ländern

Die Einsatzgebiete von Metaroom sind etwa Architektur, Bauwesen, Facility Management und Energieberatung. Gelauncht wurde die Plattform 2020, mittlerweile ist man in mehr als 175 Ländern tätig. Zuletzt hat Amrax in Süddeutschland ein 60.000 Quadratmeter großes Krankenhaus mit Smartphones digitalisiert – und zwar bei laufendem Betrieb.

Neben der eigenen Plattform entwickle Amrax auf Basis seiner Technologie OEM-Anwendungen für Industrieunternehmen. Die Partner integrieren dabei die Raumerfassung von Amrax direkt in ihre eigenen Planungs- und Verkaufsprozesse. Auch diese OEM-Lösungen sollen durch das frische Kapital ausgebaut werden.

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