21.07.2020

Labor für schönes Scheitern: „Widersprüchliches integrieren“

Das "Labor für schönes Scheitern" möchte Entscheidungsträgern einen lockereren Umgang mit dem "Versagen" aufzeigen. Gründerin Felicia Fuchs weist dabei auf die "Vuca-Welt" hin und erklärt, warum diese einen innovativen Zugang mit Fehlern benötigt.
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Labor für schönes Scheitern, Felicia Fuchs, Scheitern, Covid-19, Corona-Krise, Hilfe, Scheiterkultur, Startups
(c) Konstantin Reyer - Das "Labor für schönes Scheitern" möchte die Fehlerkultur und dessen Umgang damit positiver gestalten.

Die Corona-Krise scheint auf den ersten Blick in der Startup-Szene eine Dualität der Entwicklung zu erzwingen. Manche Startups und Unternehmer stürzen sich auf die Digitalisierung, ändern die Firmenstruktur, bauen den Online-Vertrieb aus und ergründen neue Geschäftsfelder. In diesem Beispiel gilt tatsächlich das Credo von der „Krise als Chance„. Andere wiederum scheinen weniger glücklich oder geschickt zu sein und stehen vor den Trümmern ihrer Unternehmen. Felicia Fuchs widmet sich bereits seit 2016 dieser Thematik und hat im Sinne eines positiveren Umgangs mit dem „Versagen“ das „Labor für schönes Scheitern“ erschaffen.

Die Founderin war vor der Gründung ihrer eigenen Beratungsfirma, „featuring Consulting“ 2016 in internationalen Konzernen, wie der Constantia Industries AG oder der PORR AG tätig. Und sie kann heute auf Kunden wie die Universität Wien, Manner, die WKO Wien, Speedinvest oder PORR verweisen.

Anderer Zugang zum Scheitern

Sie sagt: „Das Labor für schönes Scheitern ist aus meinem persönlichen Bedürfnis nach einem anderen Zugang entstanden: Statt vieles kontrollieren zu wollen, auch mal locker mit Unvorhersehbarem umzugehen, Fehler und Scheitern zuzulassen und die Widersprüche, die in unserer Welt aktuell mehr denn je zu bestehen scheinen, leichter integrieren.“

Die Vuca-Welt

Ihre Sichtweise der aktuelle Zeit fasst sie in der Bezeichnung „Vuca-Welt“ zusammen. Die einzelnen Buchstaben stehen dabei (eingedeutscht) für „hohe Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität“. Bereits vor der Pandemie habe sich die Welt in einem hohen Maß durch Unvorhersehbarkeit und Unplanbarkeit ausgezeichnet, wie sie sagt. Durch die Covid-19-Rahmenbedingungen hätten jene Herausforderungen noch einen weiteren Boost erhalten.

Unvorhersehbares und Widersprüchliches

„Diese Kombination lässt uns mehr denn je nach Planbarkeit und Kontrolle streben, Unvorhergesehenes und Fehler sind jedoch ein fixer Bestandteil unseres Lebens. Das Labor für schönes Scheitern ermöglicht einen neuen Umgang mit Unvorhersehbarem und
Widersprüchlichem. Unter schönem Scheitern verstehen wir, annehmen und in der Folge damit umgehen zu können, dass die Dinge nicht immer nach Plan laufen“, heißt es vom Labor.

Methodenmix

Daher arbeitet das „Labor“ mit einem Methodenmix aus „Angewandter Improvisation“, Achtsamkeit und positiver Psychologie. Improvisation zu beherrschen – also mit dem arbeiten zu können, was da ist und aus allem etwas machen zu können – sei einer der wichtigsten Schlüssel zur Steigerung der persönlichen Resilienz.

Labor für schönes Scheitern als Experimentierfeld

Fuchs‘ „Labor für schönes Scheitern“ dient dabei als Experimentierfeld, das einen sicheren Rahmen für das Experimentieren mit aktivierenden Übungen der Angewandten Improvisation bieten soll.

Fuchs: „Zu kopflastig“

„Konkret geht es bei unseren Übungen, die von Trainern in hoher Geschwindigkeit absolviert werden, darum, zu merken, wie kopflastig wir eigentlich sind und keine Fehler machen wollen“, erklärt Fuchs. Dabei haben Teilnehmer bei dem spielerischem Zugang oft wenige Augenblicke Zeit, um zu reagieren, und scheiden aus.

Dadurch soll das Erfahren des Unvorhersehbaren erlebt und dann in den Alltag umgesetzt werden, um die Handhabung mit Fehlern, Widersprüchen und die Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit im Umgang mit schwierigen Situationen bereits „vorab trainiert“ zu haben.

Die ersten Module werden ab dem 17. September angeboten.

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Bild: KI-generiert / Google Gemini

Die europäischen NATO-Länder werden ihre Verteidigungsausgaben in den kommenden zehn Jahren massiv erhöhen. Neben den direkten Verteidigungsausgaben, die auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen sollen, sind weitere 1,5 Prozent des BIP für sicherheitsrelevante Investitionen vorgesehen: etwa für die Anpassung der Verkehrsinfrastruktur, für den Bevölkerungsschutz oder für Cyber- und Netzwerksicherheit. Europaweit entspricht das jährlich rund 320 Mrd. Euro.

Auch für Österreich als Nicht-NATO-Staat hat das Folgen. Legt man das 1,5-Prozent-Ziel als Referenzmaßstab zugrunde, ergibt sich ein potenzieller jährlicher Investitionsbedarf von rund 7,5 Mrd. Euro. Das geht aus der Studie „Verteidigungsrelevante Infrastruktur als Rückgrat souveräner Sicherheitsvorsorge“ von EY und der deutschen DekaBank hervor.

Jeder Euro löst 2,45 Euro aus

Die Investitionen stoßen laut Studie in den europäischen NATO-Ländern eine Produktion von insgesamt 822 Mrd. Euro pro Jahr an, 17 Mrd. Euro davon entfallen auf Österreich. Jeder investierte Euro führt demnach zu einem gesamtwirtschaftlichen Impuls von etwa 2,45 Euro. Profitieren dürften vor allem Bauunternehmen, Informations- und Kommunikationsunternehmen, Logistikfirmen sowie die Elektronik- und Elektrotechnikbranche.

Dazu kommen die Beschäftigungseffekte: Sofern die Infrastrukturinvestitionen wie vorgesehen zu ohnehin geplanten Projekten erfolgen, entstehen europaweit 4,4 Millionen Arbeitsplätze. Knapp 1,8 Millionen davon direkt in der Infrastrukturindustrie, ähnlich viele bei Zulieferern. In Österreich wären es rund 75.000 Jobs.

„Investitionen in Infrastruktur, von Mobilität über Energie bis zu Häfen, Flughäfen, Schutzräumen und Cyber-Sicherheit, bilden das Rückgrat militärischer Fähigkeiten“, sagt Axel Preiss, Partner bei EY Österreich und Defence Leader Europe. Die Effekte gingen über den Rüstungssektor hinaus: Solche Investitionen könnten die Konjunktur stärker ankurbeln als Rüstungsinvestitionen im engeren Sinn und bieten zugleich die Chance auf eine Modernisierung von Logistik, Verkehr und Energie.

Investitionsstau und knappe Kassen

Der Bedarf trifft allerdings auf strukturelle Engpässe. In Österreich wie in ganz Europa besteht bereits heute ein hoher Investitionsstau, die zugesagten Mittel müssten zusätzlich und möglichst kurzfristig aufgebracht werden.

Für Matthias Danne, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der DekaBank, führt daran kein Weg vorbei: „Der Staat wird die hohen Kosten der militärischen Infrastrukturinvestitionen nicht allein schultern können, ohne privates Kapital ist eine ausreichende Resilienz nicht erreichbar.“ Er verweist auf ÖPP-Modelle, die bei deutschen Behörden unbeliebt, international aber etabliert seien. Besonders bei Dual-Use-fähiger Infrastruktur in den Bereichen Energie, Netze, Logistik und Kommunikation ermögliche privates Kapital eine zügigere Skalierung. Auch in Österreich werde verstärkt diskutiert, wie sich privates Kapital für öffentliche Zukunftsprojekte mobilisieren lässt, ergänzt Preiss.

Als weitere Hürden nennt der EY-Partner lange Vorlaufzeiten, komplexe Genehmigungsverfahren und begrenzte kurzfristige Skalierbarkeit. Nötig seien daher beschleunigte Genehmigungen, eine koordinierte zivil-militärische Planung und eine stärkere europäische Abstimmung bei grenzüberschreitender Infrastruktur.

Was das für die heimische Szene bedeutet

Für Österreichs Technologieunternehmen trifft der erwartete Investitionsschub auf ein Feld, das sich gerade erst öffnet. Reine DefenseTech-Startups gibt es hierzulande kaum, die meisten agieren im Dual-Use-Bereich, also mit Produkten, die sich zivil wie militärisch einsetzen lassen. Genau dort setzt auch die Studie an, wenn sie Dual-Use-fähige Infrastruktur in Energie, Netzen, Logistik und Kommunikation als bevorzugtes Feld für privates Kapital nennt. Bewegung kommt zusätzlich von politischer Seite: Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer hat angekündigt, gesetzliche Hürden für die heimische Rüstungs- und DefenseTech-Branche abzubauen, unter der Bedingung, dass die Neutralität gewahrt bleibt.

Erste Finanzierungsrunden zeigen, dass das Thema auch bei Investor:innen ankommt. Das 2025 gegründete Grazer Startup GuardAero, dessen Systeme Drohnenbedrohungen an Militärfahrzeugen autonom erkennen und neutralisieren, holte sich zuletzt ein Seed-Investment im niedrigen Millionenbereich von Angels United und der Beteiligungsgesellschaft von Bernhard Klemen. Zuvor hatte das Team die „Austrian Defence Innovation Garage 2025“ gewonnen und kooperiert bei Entwicklungstests mit dem Bundesheer. Ob die von EY skizzierten Milliarden tatsächlich auch bei heimischen Startups landen, wird weniger von den Zusagen abhängen als von Genehmigungsverfahren, Vergabepraxis und der Frage, wie schnell Österreich seinen eigenen regulatorischen Rahmen nachschärft.

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Labor für schönes Scheitern: „Widersprüchliches integrieren“

  • Die Corona-Krise scheint auf den ersten Blick in der Startup-Szene eine Dualität der Entwicklung zu erzwingen. Chance und Scheitern.
  • Felicia Fuchs widmet sich bereits seit 2016 dieser Thematik und hat im Sinne eines positiveren Umgangs mit dem „Versagen“ das „Labor für schönes Scheitern“ erschaffen.
  • Das Labor für schönes Scheitern ermöglicht einen neuen Umgang mit Unvorhersehbarem und Widersprüchlichem.
  • Daher arbeitet das „Labor für schönes Scheitern“ mit einem Methodenmix aus „Angewandter Improvisation“, Achtsamkeit und positiver Psychologie.
  • Dadurch sollen neue Wege der Handhabung mit Fehlern, Widersprüchen und der Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit im Umgang mit Unvorhersehbarem und schwierigen Situationen erfahren und erlernt werden.

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