01.07.2021

kyddo: Von 10.000 Euro Bootstrapping zu zweistelligem Millionen-Umsatz

Christian und Marina Schwarzott haben mit kyddo ein Unternehmen erschaffen, das nachhaltige und ästhetische Babyausstattung an einem Ort vereint. Und mittlerweile über zehn Millionen Euro Umsatz generiert.
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(c) kyddo - Das Gründer-Paar Schwarzott setzt bei ihrer Produktauswahl auf Nachhaltigkeit.

Das Gründerpaar Christian und Marina Schwarzott erwartete vor einigen Jahren ein Baby. Soweit nichts Außergewöhnliches. Auch die Suche nach hochwertigen, nachhaltigen und schönen Sachen für das Neugeborene fällt in die Kategorie normales Verhalten von Jungeltern. Der Unterschied aber, der das Gründertum definiert, ist die eine einschießende Idee, wo man ein Problem erkennt. Dies war bei den kyddo-Gründern der Fall.

Kein zentrales Shopping für Babyausstattung

„Damals gab es zwar vielfältige Labels, die unsere Ansprüche erfüllt haben, aber wir bemerkten, dass es keinen Shop gibt, wo diese Marken zentral angeboten werden. Gezieltes Shopping für nachhaltige und gleichzeitig ästhetische Babyausstattung an einem Ort war kaum möglich. Das wollten wir ändern. Somit nahm die Idee zu kyddo Ende 2016 an unserem Wohnzimmertisch erste Formen an“, erklärt Christian Schwarzott.

Fünf Jahre später ist kyddo ein heimischer „Hidden Champion“ der österreichischen e-Commerce-Szene, startete mit 10.000 Euro Eigenkapital und macht nun mit Premium-Kinderausstattung in der gesamten DACH-Region einen zweistelligen Millionen-Umsatz. Mit dem Plan 2023 die 100-Millionen Euro Umsatzmarke zu knacken. Im Juni 2021 bezog das Wiener Startup ein neues Office am Wiener Austria Campus. In Gesellschaft mit anderen Startup-Größen wie Bitpanda und Refurbed wuchs man und hat nun auf 650 Quadratmeter Raum für das ebenfalls angewachsene Team.

Die kyddo-learnings

Der Weg von einem bescheidenen Start-Kapital zu einem großen Player der Branche liegt laut dem Gründer daran, dass das Team schnell auf seine „learnings“ reagierte: „Es braucht zuerst einen starken Produkt-Market-Fit. Den hatten wir von Beginn an. Wenn dann die Margen noch hoch sind, und die Akquisitionskosten niedrig, lässt sich mit ‚Bootstrapping‘ im Online-Handel eine selbstverstärkende ‚Acquisition Loop‘ bauen“, erklärt Schwarzott.

Konkret ging es um eine Premium-Positionierung in einem Nischenmarkt, der hohe Margen liefert. „Wir konnten uns von Anfang leisten ‚Google Ads‘ zu kaufen. Dies hat uns zusätzlichen Umsatz gebracht und wiederum mehr Google Ads. Seitdem erzielten wir jedes Jahr dreistellige Prozent-Umsatzraten. Zusätzlich wurde durch Corona das Kaufverhalten vom klassischen Einzelhandel zum Online-Shopping enorm beschleunigt, was nicht nur den großen Konzernen zugutekam“, so Schwarzott weiter.

Fail fast and move on

Für so eine derart rasante Umsatzsteigerung, wie es das Startup erlebt hat, braucht es Risikofreude und eine Anzahl parallel laufender Experimente. Ideen unter realen Bedingungen zu testen, um die wichtigen „learnings“ daraus zu ziehen. „Wir haben beispielsweise sehr schnell gelernt, dass der Fokus auf das Kundenwachstum einen massiv höheren Hebel hat und damit Cashflow generiert, als beispielsweise unsere limitierten Ressourcen für Optimierungen der Warenkörbe zu verwenden. Funktioniert eine Idee gar nicht, wird sie sofort aussortiert; funktionierende Ideen skalieren wir hingegen sofort“, präzisiert der Gründer seine Erfolgsformel.

Mit kyddo baute Schwarzott bereits zum vierten Mal ein Business auf. Ein Erfahrungsschatz, der natürlich enorm geholfen hat Anfängerfehler zu vermeiden. Er sagt: „Es braucht ein starkes Gründer-Führungsteam, das sich in seinen Skills ergänzt. Bei uns sind die Rollen klar verteilt. Marina zeichnet sich für das Kreative, Marketing und Lieferantenmanagement verantwortlich, während ich den analytischen Part, die ‚Operations‘ und die Unternehmensführung übernehme. Wir holen uns auch gezielt hochmotivierte Mitarbeiter ins Team, die den Onlinehandel bereits durch ihre Erfahrungen kennen und wissen, worauf es ankommt.“

kyddo und das Luxusproblem

Mit so einem Wachstum kommen auch Luxusprobleme daher. Schwarzott musste mit seinem Lager seit Bestehen bereits fünfmal umziehen. „Begonnen hatten wir bei uns zu Hause, wo wir alles selbst gemacht haben. Jetzt haben wir mittlerweile knapp 20.000 Artikel im Sortiment, die ausreichende Lagerfläche, aber auch genug Platz für den Versand brauchen. Bis Jahresende werden wir weit über 500.000 Pakete verschickt haben. Die neuen Flächen wollen wir langfristiger nutzen, weshalb wir uns für ein Lager entschieden haben, das wir bis auf 50.000 Quadratmeter ausbauen können“, sagt er und fügt verschmitzt an: „Mit dem Office ziehen wir glücklicherweise nur alle zwei Jahre um. In den neuen Räumlichkeiten ist Platz für bis zu 80 Mitarbeiter, die diese besondere Atmosphäre genießen: modernstes Büroequipment, Wuzzel-Tisch, Boxsack, kostenlose Fahrräder und E-Scooter zum Ausleihen, Obst und Barista-Kaffee. Wie der Zufall es will, befindet sich im gleichen Gebäude auch ein Kindergarten. Somit haben wir erfahrene Produkttester in direkter Nachbarschaft.“

Der Fokus von kyddo lag von Beginn an auf dem DACH-Markt. Über 80 Prozent des Umsatzes generiert das Startup mit Kunden in Deutschland, mit Berlin als umsatzstärkster Stadt. Aus diesem Grund bleibt der nächste logische Schritt, das Startup mit einem Büro vor Ort anzusiedeln: „Mit einem Team in Berlin können wir schneller auf Trends reagieren und unser Angebot auf die Bedürfnisse unserer Käufer anpassen. In der europäischen Startup-Hochburg Berlin ist der Austausch mit anderen e-Commerce-Unternehmen außerdem deutlich einfacher als in Österreich“, erklärt Schwarzott.

Nächster Schritt: Vollsortimenter

Aktuell liegt aber der Fokus auf den Heimmarkt. Mit einem riesigen Potential, das das Team in drei Schritten angeht. kyddo soll zum Vollsortimenter ausgebaut werden. Als ein Ort für die Zielgruppe gelten, die alles, was im täglichen Leben mit Kindern gebraucht wird, auch an einem Fleck findet. Dafür soll in nächster Zeit das Angebot auf mehrere hundert Marken erweitert werden, um alle Produktgruppen abzudecken.

Als zweiter Schritt werden Growth-Maßnahmen umgesetzt, denen bisher noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Die Rede ist vom Ausbau diverser Marketing-Instrumente, ohne sich explizit auf einen Kanal zu fokussieren. Der letzte Plan in der Potential-Erfassung des DACH-Marktes liegt bei der „Customer Experience“: „Neben der konstanten Weiterentwicklung der UX in unserem Shop konzentrieren wir uns in diesem Jahr auf die Optimierung unseres ‚Fulfillments‘. Das klare Ziel für DACH lautet dabei, Zustellung von über 95 Prozent der Bestellungen innerhalb von zwei Werktagen zu schaffen. Nach erfolgreicher Umsetzung unserer diesjährigen Pläne für den Heimmarkt, konzentrieren wir uns auf den Ausbau neuer Märkte. Welche das sein werden, evaluieren wir gerade in laufenden Tests“, betont Schwarzott.

kyddo-Gründer: „Haben Ware auch wieder zurückgesendet“

Auch in Sachen Nachhaltigkeit hat das Gründerpaar Prinzipien und möchte das Thema in allen Facetten auch leben, wie sie sagen. „Wir sind definitiv noch nicht zu 100 Prozent dort angekommen, wo wir sein wollen. Wir arbeiten daran, ständig besser zu werden. An erster Stelle stehen die Prüfung und Auswahl unserer Marken und Labels. Neben einigen externen Zertifizierungen haben wir unseren eigenen Kriterienkatalog, welche die Hersteller erfüllen müssen, um bei uns gelistet zu werden. Dazu zählen unter anderem faire Arbeitsbedingungen und das Ziel der Nachhaltigkeit in den Produktionsabläufen. Die Einhaltung der Kriterien überprüfen wir in unserer Qualitätskontrolle. Es ist auch schon vorgekommen, dass wir Ware wieder zurückgesendet haben, weil wir feststellen mussten, dass unsere Kriterien nicht erfüllt werden. Meist arbeiten wir jedoch mit kleinen, familiengeführten Labels, denen das ökologische Bewusstsein genauso am Herzen liegt wie uns“, erklärt Schwarzott die nachhaltige Firmenphilosophie.

Dort wo kein Händler zu nachhaltigen Bedingungen liefern kann, wird das Unternehmen künftig mit Eigenmarken die Lücken füllen, um den Herstellungsprozess unter Kontrolle zu haben. Demnächst wird auch die erste undyed-Kollektion gelauncht: „Die Textilien werden nicht gefärbt – das spart Wasser, Energie und verringert die Schadstoffbelastung. In der Logistik achten wir darauf, nicht in zu großen Kartons zu versenden und arbeiten deshalb mit deutlich mehr verschiedenen Kartonagen als sonst im Fulfillment üblich. Überflüssiges Füllmaterial und die Parfümierung der Pakete, wie es so manch anderer macht, kommt für uns sowieso nicht infrage. Mit CO2-neutralem Versand, Verwendung von recycelter Verpackung und der Vermeidung von Plastik, das wir sukzessive auf null reduzieren werden, setzen wir ein Zeichen, um unseren Anspruch auch im Versand aufrechtzuerhalten“, so der Gründer weiter, der in dieser Hinsicht noch auf einen Punkt hinweisen will.

Er sagt: „Der Online-Handel ist schon jetzt deutlich fortschrittlicher in der CO2-Bilanz als der stationäre Handel. Als erster Kinder-Online-Shop haben wir den Fokus auf Nachhaltigkeit gesetzt und werden mit einem wachsenden Kundenstamm für diese Idee belohnt. Umso schöner ist es zu sehen, dass eine Vision, die uns persönlich am Herzen liegt, so viele Menschen anspricht und begeistert.“

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Die diesjährigen Nominierten des "Innovator of the Year" in der Kategorie Scaleups. | © brutkasten

Erfolgreiche Skalierung ist das Ziel jedes Startups. Bekanntlich schaffen das bei weitem nicht alle, doch auch hierzulande wird die Gruppe jener, denen der Sprung zum starken Wachstum gelungen ist, immer größer – und das auch unter bekanntlich teils widrigen Bedingungen.

Auch dieses Jahr schafften wieder einige heimische Unternehmen den Schritt vom Startup zum Scaleup und legten beeindruckende Wachstumsstorys vor. Und einige bereits etablierte Scaleups zeigten eindrücklich, dass ihre Wachstumsambition ungebrochen ist.

Zehn davon holen wir als Nominierte für den Innovator of the Year in der Kategorie Scaleups vor den Vorhang. Der Preis wird heuer zum 6. Mal vergeben. Am 5. November findet die feierliche Award Ceremony im Rahmen des brutkasten-Jahresevents Momentum im Wiener Palais Berg statt. Neben der Kategorie Scaleups wird der Award dieses Jahr in den Kategorien Startups und Corporate Innovation vergeben. Als Preis in allen drei Kategorien winkt jeweils ein brutkasten-Medienpaket im Wert von 4.100 Euro.


Die „Innovator of the Year“-Kategorie Scaleups wird durch Polestar unterstützt.


Publikumsvoting zum Innovator of the Year | Kategorie „Scaleups“

Nun ist, wie jedes Jahr, deine Stimme gefragt. Bis zum 1. November (23:59 Uhr) kannst du für deine:n Favorit:in abstimmen! Jede:r User:in hat pro Tag und Kategorie genau eine Stimme – es lohnt sich also, die eigene Community zu aktivieren.

(Hinweis: Bei mehrfacher Stimmabgabe pro Tag erfolgt zwar keine gesonderte Fehlermeldung im Voting-Tool, Mehrfachvotes werden vom System jedoch automatisiert erkannt und ausgefiltert).

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Emerald Horizon

Das Emerald-Horizon-Management (vl.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf
Das Emerald-Horizon-Management (v.l.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf

Auffallen ist gewiss eine der Stärken des Grazer Scaleups Emerald Horizon – sei es mit ausgerechnet diesem Produkt, Small Modular Reactors, im traditionell extrem atomkraftkritischen Österreich, mit Personalentscheidungen wie Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer oder mit dem dieses Jahr erfolgten ungewöhnlich frühen Börsengang. An der Wiener Börse wird das Unternehmen jedenfalls mittlerweile seit Monaten jenseits der Milliarden-Euro-Grenze bewertet und kann damit – je nach Definition – als Österreichs jüngstes Unicorn gesehen werden. Für die Entwicklung des Unternehmens gewiss noch entscheidender: Im August verkündete man, gemeinsam mit dem niederländischen Partner VDL Groep in die nächste Entwicklungsstufe des Small Modular Reactors zu gehen.

Enpulsion

Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion
Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion

Das niederösterreichische SpaceTech-Scaleup Enpulsion rund um Gründer Alexander Reissner liefert Antriebssysteme für Nano- und Mikrosatelliten. Zu Jahresbeginn sicherte sich das Unternehmen eine 22,5 Millionen Euro schwere Series-B-Finanzierung, um die Produktionskapazitäten am Standort Wiener Neustadt deutlich zu erhöhen. Im August 2026 verkündete Enpulsion zudem die geplante strategische Übernahme der britischen Lift Me Off Ltd, um das eigene Produkt-Portfolio um chemische Antriebe für besonders agiles Manövrieren im Weltraum zu erweitern. Zusätzlich steht für diesen Herbst ein zentraler Meilenstein an: ein Orbit-Test der neuartigen Antriebstechnik an Bord des heimischen Satelliten AT-Astra.

fiskaly

fiskaly - das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly
fiskaly – das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly

Das 2019 gegründete Wiener Unternehmen fiskaly von Johannes Ferner, Simon Tragatschnig und Patrick Gaubatz macht Kassentransaktionen cloudbasiert und gesetzeskonform. Die Zahlen sprechen für sich: 60 Prozent Wachstum im vergangenen Geschäftsjahr, profitabel, mehr als 150 Mitarbeitende, rund 1.900 B2B-Kund:innen mit über einer Million POS-Systemen in acht EU-Ländern und Marktführerschaft in Deutschland. Im September folgte der nächste Schritt vom Scaleup zum Infrastrukturanbieter: Mit David Feichter holte fiskaly den Ex-CEO von orderbird als Co-CEO an Bord, ausgerechnet jenen Mann, der 2019 als allererster Kunde den Deal mit Ferner verhandelt hatte. Feichter verantwortet den operativen Betrieb, Ferner konzentriert sich auf Partnerschaften und weitere Akquisitionen in Europa.

Flinn AI

Das Founder-Team von Flinn | © Flinn
Das Founder-Team von Flinn | © Flinn

Das 2023 gegründete Scaleup von Gründer Markus Müller entwickelt eine KI-gestützte Software, die regulatorische und qualitative Prozesse für MedTech- und Pharmaunternehmen automatisiert. Im Februar 2026 sorgte das Unternehmen mit einem Series-A-Investment von 20 Millionen Dollar für Aufsehen. Mit dem frischen Kapital treibt das Scaleup in diesem Jahr die gezielte Expansion auf dem US-Markt voran, um sich weltweit als Standard für regulatorische KI-Prüfungen im Gesundheitsbereich zu etablieren. Zudem plant man eine erste eigene Kund:innenkonferenz, die über 200 internationale MedTech-Entscheider:innen nach Wien bringen soll.

fonio.ai

fonio.ai-Co-Founder Daniel Keinrath (CEO, l.) und Matthias Gruber (CTO) | (c) fonio.ai

Wenn bei einem KMU niemand ans Telefon geht, übernimmt fonio.ai: Die KI-Agenten des erst 2024 gegründeten Wiener Startups von Daniel Keinrath und Matthias Gruber führen inzwischen rund zwei Millionen Anrufe pro Monat für über 7.000 Kund:innen. Im Juni schloss man eine Seed-Runde über 14,6 Millionen Euro ab, angeführt vom Londoner Fonds 20VC bei einer Bewertung von 120 Millionen Euro, ohne offiziellen Fundraise und ohne Pitch Deck. Im August knackte fonio.ai die Marke von zehn Millionen Dollar ARR – später folgte im Oktober die Marke von 15 Millionen Dollar. Mehr als die Hälfte des Umsatzes kommt laut Keinrath inzwischen von außerhalb der DACH-Region, im September eröffnete das Startup unter anderem sein Büro in Barcelona als Hub für Südeuropa.

Helferline

v.l.: Die Helferline-Gründer Clemens Schmidgruber und Alexander Niederhofer mit CTO Janko Glavić | (c) Helferline

Es ist eine Geschichte, wie sie nur die Startup-Welt schreiben kann: Vor mehr als zehn Jahren gegründet, konnte Helferline über lange Zeit zwar eine ganze Zahl namhafter Referenzen vorweisen, der wirtschaftliche Durchbruch blieb aber aus. Das änderte sich im Laufe der vergangenen Monate drastisch: Vor etwas mehr als einem Jahr stieg Hansi Hansmann als Investor ein. Seitdem holte man Großaufträge vom deutschen Telekom-Riesen O2, von Asus, von Starlink und weiteren. Aktuell befindet sich das Wiener Scaleup auf einem steilen Wachstumskurs und macht nach eigenen Angaben monatliche sechsstellige Gewinne.

Neoh

v.l.n.r.:  Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh
v.l.n.r.: Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh

Das Wiener Scaleup von Manuel Zeller konnte mit Süßigkeiten, die auf dem selbst entwickelten, kalorienarmen Zuckerersatzstoff Zero+ basieren, mittlerweile eine große Fangemeinde aufbauen, die auch über die Grenzen Österreichs hinausgeht. Auch machte, Stand April 2026, das B2B-Geschäft bereits rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus, mit steigender Tendenz, wie Zeller erklärte. Dies und auch die Entwicklung einer gelungenen Bueno-Alternative sorgten dafür, dass eine Investmentgesellschaft aus Luxemburg namens Teseo Capital ins Scaleup einstieg. Dahinter steht die italienische Familie Ferrero, die mit Marken wie Nutella, Kinder und Ferrero Rocher den Süßigkeitenmarkt dominiert.

ParityQC

Die beiden CEOs von ParityQC: Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser. | © Günther Egger

Das Innsbrucker Quantenunternehmen ParityQC von Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser hat allein im heurigen Jahr einen 35-Mio.-Deal für den Bau eines mobilen Quantencomputers für das deutsche Verteidigungsministerium ergattert und im Rahmen der „EUREKA-Ausschreibung Deutschland-Israel“ eine Kooperation mit dem israelischen Quantensoftware-Spezialisten Classiq gestartet. Zudem lieferte es im April einen deutlichen Beleg dafür, dass europäisches Quantencomputing den Sprung aus dem Labor in die Industrie geschafft hat. Gemeinsam mit IBM stellte man einen neuen Weltrekord bei der Quanten-Fourier-Transformation (QFT) auf. Konkret wurde dabei die bislang größte jemals gemessene QFT auf einem IBM-Quantum-Heron-Prozessor realisiert, mit 52 supraleitenden Qubits statt der bisherigen 27 Ionenfallen-Qubits.

Reploid

Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz
Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz

Kein anderes heimisches Scaleup schaffte es dieses Jahr, in einer derartigen Regelmäßigkeit für Schlagzeilen zu sorgen. Das seit 2025 an der Wiener Börse gelistete Welser Insektenzucht-Unternehmen baute seine Führungsebene aus, eröffnete neue Expansionsmärkte, präsentierte neue Kund:innen, verkündete eine Übernahme und holte sich einen achtstelligen Wachstumskredit. Wiewohl die Geschäftszahlen bei genauerer Betrachtung etwas komplexer sind, als vom Scaleup dargestellt, steht fest: Reploid ist weiter voll auf Wachstumskurs. 

waterdrop

Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop
Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop

Das Wiener Scaleup waterdrop von Henry Murray, Martin Murray und Christoph Hermann holte sich im Mai ein 100-Millionen-Euro-Investment. Zu den Investor:innen dieser Runde zählten Aspeya, Atlantic Grupa und der alpine Ski-Weltcup-Champion Aleksander Aamodt Kilde. Schon im Jänner dieses Jahres verkündete das Scaleup seine Profitabilität. Zudem übernahm Jristian Cruz Limsico die Rolle des Global Creative Director, der seit 2017 die visuelle Identität des Modehauses Karl Lagerfeld prägte. Er verantwortet nun die weltweite Markenidentität des Unternehmens.

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