07.07.2023

Künstliche Intelligenz: ChatGPT ist gut, aber hast du diese KI-Tools schon ausprobiert?

Im aktuellen Kampf um den Titel der beliebtesten KI-Lösung hat der brutkasten eine Liste von KI-Tools erstellt, die dir bei deiner Arbeit helfen können.
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Diese KI-Tools können dir die bei deiner Arbeit helfen. (c) Peshkov von Getty Images.

Vor mehr als sieben Monaten launchte OpenAI ChatGPT. Seitdem sind die Menschen überwältigt von den schier unendlichen Möglichkeiten, die Künstliche Intelligenz bietet. Jeden Tag scheint eine neue Technologie oder ein neues Tool auf den Markt zu kommen, das noch schneller, besser und innovativer ist. Dem Wettlauf rund um die KI-Entwicklung haben sich bereits viele Großunternehmen angeschlossen. Jene, die noch nicht auf den KI-Zug aufgesprungen sind, haben mit sehr großer Wahrscheinlichkeit bereits ihre Chance verpasst. 

Google Bard und Microsoft Bing haben sich bereits als KI-gesteuerte Suchmaschinen etabliert – auch wenn erstere in Europa noch nicht verfügbar ist. Dennoch dominiert OpenAI’s ChatGPT den Markt für generative KI-Lösungen. Aber die Eigenschaften vieler anderer KI-Tools gehen über die Funktionen des bekanntesten Chatbots hinaus. Anlässlich des aktuellen KI-Hypes rund um ChatGPT und Co. hat der brutkasten eine Liste mit weiteren KI-Tools zusammengestellt, die bei der Umsetzung verschiedener Aufgaben helfen können.

Fireflies.ai

Wer kennt ihn nicht, den Stress des ewigen Notizenmachens während einer wichtigen Besprechung. Während man sich auf den Inhalt und das Gespräch konzentrieren möchte, verpasst man ungewollt wichtige Informationen, weil man noch dabei ist, die letzten wichtigen Sätze zu tippen. Dazu kommt noch der Aufwand von Meeting-Zusammenfassungen, die man seinen Gesprächspartner:innen zukommen lassen möchte. Um dieses Problem ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen, hat das Startup Fireflies.ai aus San Francisco ein KI-Tool entwickelt, das eigenständig Notizen von virtuellen Gesprächen anfertigt. Der Meeting-Assistent namens “Fred” läuft dabei im Hintergrund mit und zeichnet Meetings auf. 

Innerhalb kurzer Zeit nach Ende des Austauschs erhalten die Meetingteilnehmer:innen so die mit künstlicher Intelligenz generierten Besprechungsnotizen. Zudem macht Fireflies.ai die Notizen durchsuchbar und transkribiert auf Wunsch auch das Gespräch. Kompatibel mit den gängigsten Webkonferenz-Anbietern wie beispielsweise Google Meet, Zoom oder Microsoft Team, sendet das Tool knapp eine Stunde vor dem Termin Teilnehmer:innen eine E-Mail, um sie darüber zu informieren, dass das Gespräch für Notizzwecke aufgezeichnet wird. Gegründet im Jahr 2016 von Krish Ramineni, Co-Founder und CEO von Fireflies.ai, verfolgt die als kostenlose Version verfügbare Plattform das Ziel, Angestellte dabei zu unterstützen, sowohl Zeit zu sparen, als auch den Workflow unter Teams zu stärken. 

DeepL Write

Viele Menschen können sich den DeepL Translator aus der Arbeitswelt nicht mehr wegdenken. Das im Jahr 2017 gegründete Kölner Startup hat erst Anfang des Jahres nach einer Finanzierungsrunde den Unicorn-Status erreicht. Kaum eine Woche später verkündete DeepL die Neuigkeiten über ein neues Feature. DeepL Write heißt der neue Helfer, der Nutzer:innen Unterstützung beim Schreiben anbietet. Neben Grammatik-, Zeichensetzungs- und Stilprüfung bietet DeepL Write auch alternative Formulierungsvorschläge an.

Vorbei sind damit die Zeiten, in denen wichtige E-Mails mit Rechtschreib- oder Grammatikfehlern verschickt wurden. Das neue KI-gesteuerte Feature scannt Texte, E-Mails und Reports auf Fehler. Mit dem neuen Launch möchte das deutsche Startup nicht nur sein Portfolio erweitern, sondern auch User:innen bei der Textgenerierung unterstützen.

Pi, der freundliche Chatbot

Kaum sind die Nachrichten über die Schwierigkeiten von ChatGPT mit den Mental-Health-Empfehlungen bekannt, kündigt nun ein ehemaliger DeepMind-Gründer, Mustafa Suleyman, den Launch von Pi an. Entwickelt von Inflection AI mit Sitz in Palo Alto im Silicon Valley, ist Pi ein freundlicher Chatbot, der aktiv zuhört und gesprächiger ist als andere Chatbots. Obwohl Pi Ähnlichkeiten mit ChatGPT aufweist, ist das Modell laut Suleyman, CEO und Co-Founder von Inflection AI, persönlicher und ein “echter KI-basierter persönlicher Assistent”. Der Name Pi stehe dabei für “persönliche Intelligenz”, erklärt der CEO in einem Interview mit Forbes. “Ich denke, das ist genau das, was eine KI ist. Es ist eine neue Klasse von verschiedenen Funktionen, die Coach, Vertrauter und Berater ist, ein digitaler persönlicher Assistent, alles in einem“, sagt Suleyman. 

Anders als andere Chatbots sei Pi in der Lage, sich 100 Gespräche mit registrierten Nutzer:innen zu merken und sei über verschiedene Plattformen wie die eigene Website, die iOS-App sowie über SMS-, WhatsApp- und Instagram-Nachrichten kontaktierbar. So sei Pi auch in der Lage, in einem weiteren Gespräch nachzufragen, wie die Party vor ein paar Tagen gelaufen sei. Die vorerst kostenlose Plattform bietet Funktionen wie die Vorbereitung auf ein wichtiges Gespräch, Planunghilfe und virtuelle Spielpartner an. Es gibt aber auch Funktionen, die sich mit dem Thema Mental Health beschäftigen, indem Pi mit einfühlsamen Fragen behutsam nach den Gefühlen der Nutzer.innen fragt. Suleyman versichert, dass als gefährdet eingestufte Gesprächspartner:innen, die sich offensichtlich in einer psychischen Krise befinden, an eine psychologische Fachkraft verwiesen werden.

Auto-GPT

Wie die Entwickler:innen von Auto-GPT auf ihrer Website verkünden, “ist Auto-GPT eine experimentelle Open-Source-Anwendung, die die Fähigkeiten des GPT-4-Sprachmodells demonstriert. Nach der Eingabe eines Prompts verarbeitet das Tool die Ergebnisse wiederholt und verwendet seinen eigenen Output als Input, um die Ergebnisse kontinuierlich zu verbessern. Auto-GPT entscheidet selbstständig, was als nächstes mit dem gelieferten Output geschehen soll. Diese KI-Lösung gilt als eine der ersten vollständig autonomen künstlichen Intelligenzen, die in der Lage ist, zunehmend komplexere Aufgaben ganz alleine zu lösen.

Auto-GPT ist zudem ein Open-Source-Programm und somit ein Tool, das von einer Gemeinschaft von Developer:innen entwickelt wird. Jede Person mit Programmierkenntnissen kann die KI-Lösung verbessern und um weitere Funktionen ergänzen. Erst im März dieses Jahres gestartet, hat Auto-GPT bereits 306 Mitwirkende. Da es sich bei AutoGPT um einen Code-Skript und nicht um eine mobile Anwendung handelt, sind grundlegende Programmierkenntnisse erforderlich, um das Tool auf dem eigenen Computer zu nutzen.

Github Copilot

Github Copilot ist eine KI-Lösung, die User:innen auf ihrer Reise der Code-Erstellung begleitet und hauptsächlich auf Programmierer:innen und Entwickler:innen abzielt. Copilot wurde von Github, einem der führenden Unternehmen auf dem Markt für Open-Source-Code-Repository-Software, entwickelt und kürzlich von Microsoft übernommen. Man hört oft, dass Programmierer:innen und Entwickler:innen einen Großteil ihrer Zeit mit der Behebung von Problemen und Bugs verbringen, anstatt tatsächlich Code zu schreiben. Während das Generieren von neuem Code nicht unbedingt die spannendste Aufgabe sein kann, stellt das Erstellen von sauberem Code, der keine Probleme für Benutzer:innen verursacht, eine ziemlich große Herausforderung dar. Normalerweise kann es Stunden oder sogar Tage dauern, bis bestimmte Probleme gelöst sind.

Aus diesem Grund dient Github Copilot als Unterstützung für Entwickler:innen, die im Code-Editor ihre Probleme und Wünsche, wie ihr Code laufen sollte, schildern. Das Programm generiert daraufhin ein neues Code-Snippet oder geht über einen bestehenden Code-Abschnitt und modifiziert ihn so, dass das Problem gelöst wird. Dank seiner großen Zeichenkapazität kann es in Sekunden den Entwicklungsprozess von Tagen auf Stunden reduzieren. Copilot scannt auch vorhandenen Code auf gängige Schwachstellen und macht den Developer:innen Vorschläge, wie diese auf sichere Weise behoben werden können.

Runway

Das in New York ansässige Startup Runway war bereits an der Entwicklung des bekannten Text-to-Image-Generators von Stable Diffusion AI beteiligt. Kürzlich hat Runway ein weiteres KI-Modell auf den Markt gebracht, das innerhalb von Sekunden ein Video auf Basis von Text-to-Video generiert. Von Text-to-Video, über Text- and-Image-to-Video bis hin zu Image-to-Video verfügt das Startup über ein breites Portfolio an KI-Modellen.

Runway hat eines der ersten Text-to-Video-Modelle auf den Markt gebracht und gezeigt, was mit einer einfachen Textaufforderung möglich ist. Über seine App bietet Runway auch die Möglichkeit, mit der Smartphone-Kamera aus selbst aufgenommenen Videos KI-modifizierte Clips zu erstellen.

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Der Startup-Hub Tabakfabrik in Linz © Tabakfabrik Linz Peter Hofstaetter

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Jung, zufrieden und KI-affin

Ein Blick auf die Ergebnisse des Austrian Startup Monitor 2025 zeigt: Mit seinen 442 Startup-Gründungen seit 2015 liegt Oberösterreich mit 12 Prozent aller Gründungen österreichweit zwar weit hinter dem dominanten Hub Wien (46,5 Prozent), aber nahezu gleichauf mit der zweitplatzierten Steiermark (12,4 Prozent). Während das Bundesland beim Anteil an Scaleups (9,1 Prozent) oder Spinoffs (15,9 Prozent) an sämtlichen Gründungen und noch mehr beim Gründerinnen-Anteil (7,4 Prozent) nicht an die heimischen Spitzenreiter herankommt, stechen drei Statistiken positiv hervor:

  • 37% – Oberösterreich hat laut Austrian Startup Monitor 2025 mit 37 Prozent der Gründer:innen, die bei der erstmaligen Gründung unter 25 Jahre alt waren, eine im Vergleich (Österreich-Schnitt: 25,6 Prozent) sehr junge Founder-Community.
  • 74% – 74 Prozent der oberösterreichischen Startups nennen KI als für sie wichtigste Schlüsseltechnologie — auch das ist ein Spitzenwert innerhalb Österreichs, knapp vor Wien (72,7 Prozent).
  • 7,2 Punkte – Kein anderes Bundesland kommt in der Frage nach dem Standort auf eine so hohe Weiterempfehlungsrate: Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt Oberösterreich mit durchschnittlich 7,2 Punkten österreichweit auf Platz eins und deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,2.

Startups und Scaleups: Die Aushängeschilder

Oberösterreich brachte schon eine ganze Reihe großer Startups und Scaleups hervor. Bei manchen liegt der Exit mittlerweile lange zurück, etwa bei Dynatrace oder Runtastic, bei anderen wie Agilox ein paar Jahre, bei Tractive ist er erst kürzlich (in Rekordhöhe) erfolgt. Wieder andere, etwa der von Analysten milliardenbewertete Spezialist für Sicherheitslösungen Loxone oder das Spacetech Peak Technology, sind der Scaleup-Phase bereits entwachsen und haben sich endgültig als große Player am Weltmarkt etabliert. Es gibt aber auch einige aktive „heiße Eisen“ — rechts vier herausragende Beispiele.

Storyblok

Die Storyblok-Founders Alexander Feiglstorfer und Dominik Angerer. © Storyblok

Mit mehreren Mega-Investments, zuletzt einer 80-Millionen-US-Dollar-Runde im Jahr 2024, steht Storyblok aus Linz auf der exklusiven Liste der heimischen „Soonicorns“ und ist damit das Scaleup-Aushängeschild Oberösterreichs. Mit seinem Headless-CMS kann das Scaleup Referenzen wie Netflix, Tesla und Adidas vorweisen.

neoom

Zu den herausstechenden Scaleups Oberösterreichs zählt auch das auf Energielösungen spezialisierte Unternehmen neoom aus Freistadt. Auf sich aufmerksam machte es mit mehreren achtstelligen Investmentrunden, darunter eine 25-Millionen-Euro-Series-B-Runde 2023. Der Außenumsatz ist laut Unternehmensangaben indes neunstellig.

Walter Kreisel ©neoom

hello again

Entstanden im Runtastic-Umfeld ist hello again aus Leonding längst selbst eine Größe. Das Scaleup ist Marktführer im DACH-Raum bei Kundenbindungs-Apps und erreicht über diese mehr als 16 Millionen Endnutzer:innen. Unter den mehr als 1.000 Unternehmenskunden sind etwa Deichmann, Müller und Klipp.

Franz Tretter © hello again

Blockpit

Und noch einmal Linz: Blockpit hat mit seinem Steuer-Tool erfolgreich eine Nische im gigantischen Krypto-Markt besetzt, die vor allem in der EU von Bedeutung ist. Das Linzer Scaleup ist in seinem Bereich Marktführer im DACH-Raum und hat seine Lösung bei Playern wie Bitpanda und Bybit EU integriert.

Florian Wimmer © Blockpit

Vielseitiges Ökosystem

Wer in Oberösterreich ein Startup gründet, kann neben den bundesweiten Angeboten auf eine ganze Reihe von landesspezifischen Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen.

Viele davon, etwa der Tech-Inkubator tech2b, der Co-Working-Anbieter Tech Harbor, der auch umfassende Werkstattflächen bereitstellt, und der Kreativwirtschafts-Spezialist creative region, haben gemeinsam mit den oberösterreichischen Unis und FHs, der Wirtschaftskammer und weiteren Playern eine zentrale Anlaufstelle geschaffen: hub’ert. Dort können Startups die passende Unterstützung bzw. die passenden Unterstützungen für ihr Business finden.

Oberösterreichische Startups profitieren nicht nur von der Fülle an einzelnen Angeboten, sondern auch von der Vernetzung zwischen diesen. Dabei spielt — wie sollte es anders sein? — auch die Industrie eine entscheidende Rolle, zum Beispiel über Pier4 von tech2b, das Startups mit etablierten Unternehmen vernetzt. Und wer etwa im MedTech-Inkubator von tech2b ist, findet damit bereits Anschluss an den Medizintechnik-Cluster Oberösterreich.

Teil dieses Ökosystems, wenn auch nicht Teil von hub’ert, ist auch die Startrampe der Sparkasse Oberösterreich mit Sitz in der Linzer Tabakfabrik. Sie bietet unter anderem einen Accelerator, Workspace und Beratung bei Businessplänen und Finanzierung.

Finanzierung

Wer in Oberösterreich Kapital für sein Startup braucht, wird sowohl bei öffentlichen als auch privaten Geldgebern fündig. Mit Business Upper Austria hat auch Oberösterreich eine landeseigene Förderstelle; und mit dem OÖ Gründerfonds und dem Landes-VC OÖ HightechFonds zwei weitere Finanzierungsvehikel.

Auf privater Seite sind es vor allem erfolgreiche Gründer:innen, die über ihre Vehikel als Investor:innen agieren. Heraus stechen hier die Runtastic-Gründer mit ihrer gemeinsamen Investmentgesellschaft 8eyes, aber etwa auch Tractive-Gründer Michael Hurnaus, der schon vor seinem Rekord-Exit (siehe Abschnitt zu Exits) als Business Angel agierte. Mit startup300 nahm zudem das bislang wohl ambitionierteste heimische Angel-Netzwerk seinen Ausgang in Linz, zog sich aber bereits vor einigen Jahren schrittweise wieder zurück.

Auch Österreichs nach Assets under Management größter Private-Equity-Investor hat seinen Sitz in Oberösterreich: die Invest AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Sie hat ein breites Portfolio unterschiedlicher Unternehmen, wobei Startup-Finanzierungen in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle spielen.

Der monumentale Knotenpunkt

Was hub’ert auf der organisatorischen Ebene ist, ist die Tabakfabrik Linz auf der physischen: Nicht alle, aber viele Fäden des oberösterreichischen Startup-Ökosystems laufen in der ehemaligen Fabrik zusammen — wo sonst in der Industriestadt? Auf den nicht weniger als 80.000 Quadratmetern Nutzfläche haben nicht nur zahlreiche Ökosystem-Player, sondern auch eine große Zahl an Startups ihren Sitz. Auch das einstmals denkbar ambitionierte Projekt startup300 wählte die Tabakfabrik als Hauptquartier — und betreibt hier heute unter anderem noch den Co-Working-Bereich factory300.

© Tabakfabrik Linz Peter Hofstätter

Spinoff-Schmieden und Österreichs jüngste Uni

Mit der IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) hat Österreichs jüngste öffentliche Universität ihren Sitz in Linz. Neben einem neuen inhaltlichen Fokus auf digitaler Transformation und neuen Wegen in der Lehre setzt die IT:U von Beginn an auch auf eine Spinoff-Strategie. Dabei kann sie in Oberösterreich durchaus auf ein starkes Ökosystem aufbauen: Sowohl die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) als auch die FH Oberösterreich können jeweils eine ganze Reihe erfolgreicher Spin-offs vorweisen. Außerdem setzen beide stark auf die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft. Besonders deutlich wird das im Softwarepark Hagenberg: Dort betreibt die JKU Forschungsinstitute und die FH OÖ ihren IT-Lehr-Standort und den Coworking- und Inkubationsspace Bytewerk. Dabei werden Synergien mit dem außeruniversitären Comet-Zentrum Software Competence Center Hagenberg und mehreren Konzernen und großen Playern am Standort gelebt.

KI-Forschung von Weltrang

Wer die oberösterreichische Universitätslandschaft durch die Innovationsbrille betrachtet, kommt an KI-Koryphäe Sepp Hochreiter nicht vorbei. Der gebürtige Bayer gilt mit seiner Arbeit über Long Short-Term Memory (LSTM) als einer der globalen Wegbereiter der modernen KI. Bereits seit 2006 lehrt er an der JKU und leitet dort das Institut für Machine Learning. Bei der Lehre belässt Hochreiter es aber nicht: Mit dem Spinoff NXAI arbeitet er an der nächsten KI-Grundlage „xLSTM“ (Extended Long Short-Term Memory). Die ist wiederum Basis für spezialisierte KI-Modelle, die die globalen Größen in der jeweiligen Nische übertreffen. Der Schwerpunkt ist dabei — auch hier zeigt sich das oberösterreichische Ökosystem — Industrial AI. In diesem Feld bewegt sich auch das NXAI-Spinout Emmi AI, das mit seinem Exit an den französischen KI-Riesen Mistral dieses Jahr für Aufsehen sorgte.

Doch auch abseits der JKU entstehen in Oberösterreich KI-Startups, etwa das Linzer Unternehmen Straion, das dieses Jahr eine Seed-Finanzierungsrunde im Millionenbereich abschloss. Die Plattform des Startups stellt sicher, dass KI-generierter Code interne Standards, Sicherheitsanforderungen und Architekturvorgaben von Unternehmen einhält und damit „enterprise-ready“ ist.

Katrin Freihofner, Straion

Das Exit-Bundesland

Der oben erwähnte Verkauf von Emmi AI an Mistral um kolportierte mehr als 300 Millionen Euro war spektakulär — ist aber bei Weitem nicht der einzige große oberösterreichische Startup-Exit. Ebenfalls dieses Jahr gelang dem Paschinger Haustier-Tracking-Scaleup Tractive mit dem Verkauf an die italienische Bending Spoons um kolportierte 900 Millionen US-Dollar der vermutlich größte Übernahmedeal der heimischen Startup-Geschichte. Mehr als ein Jahrzehnt zuvor hatte der Exit von Runtastic an Adidas um 220 Millionen Euro maßgeblich zum ersten großen Startup-Hype in Österreich beigetragen. Die vier Runtastic-Gründer — Florian Gschwandtner, René Giretzlehner, Christian Kaar und Alfred Luger — wurden danach nicht nur über ihre Beteiligungsgesellschaft 8eyes selbst zu wichtigen Ökosystem-Playern: Tractive etwa wurde von Gschwandtner mitgegründet; bei Scaleups wie hello again waren die vier Gründer von Beginn an als Investoren an Bord.

  • 300 Mio. € – Verkauf von Emmi AI an Mistral
  • 900 Mio. $ – Verkauf von Tractive an Bending Spoons
  • 220 Mio. € – Exit von Runtastic an Adidas

Alte, neue und große Player

Als Industrie-Bundesland beheimatet Oberösterreich bekanntlich Größen wie voestalpine, Miba, KTM, FACC, Lenzing, Greiner oder Engel — um nur ein paar zu nennen. Einige davon sind längst ins Ausland verkauft, haben aber nach wie vor ihren Sitz in Oberösterreich. Hinzu kommen internationale Riesen wie BMW und Siemens, die im Bundesland konzernweit wichtige Standorte betreiben.

Doch auch Tech-Größen sind in Oberösterreich zu finden. In der Schnittmenge zwischen Industrie- und Tech-Unternehmen befindet sich Keba, das mit seinen Lösungen für industrielle Automatisierung zu den globalen Playern im Feld zählt und dabei massiv auf KI setzt — mehr dazu in der Coverstory mit Keba-CEO Christoph Knogler. So wie Keba stammt ebenfalls aus Linz das international erfolgreichste IT-Unternehmen mit Wurzeln in Österreich: Dynatrace. Seinen formellen Sitz hat der Observability-Weltmarktführer, bei dem Co-Founder Bernd Greifeneder nach wie vor CTO ist, zwar schon lange in den USA; der weltweit größte Standort ist jedoch in der Stahlstadt und wurde erst dieses Jahr mit einem neuen Campus erheblich ausgebaut.

Über Industrie und IT hinaus hat Oberösterreich noch ein drittes Aushängeschild: die Ars Electronica. Was 1979 als Festival an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft begann, ist heute eine vierteilige Institution aus Festival, Prix, dem Museum Ars Electronica Center und dem Futurelab. Letzteres ist für das Innovationsökosystem das relevanteste Element: Das Labor entwickelt gemeinsam mit Unternehmen Prototypen und Zukunftskonzepte und schlägt damit die Brücke zurück zur Industrie. Linz trägt seit 2014 den Unesco-Titel „City of Media Arts“.

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