KuCoin EU: Kryptobörse erhält MiCAR-Lizenz in Österreich
Das Europageschäft der ursprünglich in China gegründeten Kryptobörse wird von Oliver Stauber (CEO) und Christian Niedermüller (COO) aus Wien heraus geleitet. Nun hat das Unternehmen eine MiCAR-Lizenz der Finanzmarktaufsicht (FMA) erhalten. brutkasten hat bei Oliver Stauber nachgefragt.
Im Februar wurde es angekündigt (brutkasten berichtete), nun ist es Realität: Die von den beiden Österreichern Oliver Stauber (CEO) und Christian Niedermüller (COO) geführte EU-Gesellschaft der internationalen Kryptobörse KuCoin hat in Österreich die Lizenz für Crypto Asset Service Provider (CASP) nach der EU-Verordnung Markets in Crypto-Assets (MiCA) erhalten. Dies ermöglicht es der Börse nun, ihre Dienstleistungen im EWR-Raum zu vermarkten.
„Der Erhalt der Lizenz ist für uns ein riesiger Meilenstein, den wir uns hart erarbeitet haben“, sagte Stauber im Gespräch mit brutkasten. „Unser großartiges Team hat Tag und Nacht dafür gearbeitet. Unser COO Christian Niedermüller hat einen unfassbaren Job gemacht. In rechtlicher Hinsicht hatten wir großartige Unterstützung von Martin Hanzl und EY Law.“ Die Finanzmarktaufsicht habe er als „konstruktiv und professionell“ erlebt, sagt Stauber weiter.
Wie geht es nun weiter? „Wir wollen die Lizenz so bald wie möglich aktivieren und mit unserer Plattform sicheren und benutzerfreundlichen Handel in der EU anbieten“, erläutert der KuCoin-EU-CEO. Vertrauen zu gewinnen, sei zentral: „Vertrauen ist die Basis für alles“.
KuCoin-Europazentrale in Wien eröffnet
KuCoin hat seine Europazentrale ebenfalls dieses Jahr in Wien eröffnet. Ihren globalen Sitz hat die 2017 in China gegründete Börse auf den Seychellen. Bekannt wurde sie vor allem für ihr Angebot im Altcoin-Bereich. Nach eigenen Angaben hat sie über 39 Millionen Nutzer:innen weltweit.
Stauber und Niedermüller waren auch vor ihrem Engagement bei KuCoin viele Jahre in der heimischen Blockchain-Szene unterwegs: Stauber war unter anderem Chief Legal Officer (CLO) des Wiener Krypto-Unicorns Bitpanda und der auf Blockchain-Daten spezialisierten deutsch-schweizerischen Firma Glassnode.
Niedermüller wiederum hatte vor seinem Einstieg bei KuCoin von Februar 2022 bis Juni 2024 die Kryptobörse Blocktrade mit Sitz in Luxemburg geleitet. Er war außerdem unter anderem Co-Founder der Investmentfirma SMAPE Capital sowie des Blockchain-Infrastrukturunternehmens DAIC. Sowohl Stauber als auch Niedermüller waren zudem Gründungsmitglieder der Digital Assets Association Austria (DAAA).
KuCoin folgt bei FMA-MiCAR-Lizenz auf Bitpanda, Bybit u.a.
KuCoin ist nicht der erste Krypto-Anbieter, der in Österreich eine MiCAR-Lizenz erhält. Die FMA hat sie unter anderem bereits Bitpanda, Bybit, CryptoNow und 21bitcoin erteilt. Auch ByBit hat – wie KuCoin – seine Europa-Zentrale in Wien eröffnet.
Ebenso wie KuCoin hatte sich auch Bybit schon entschieden, Malta als einziges EWR-Land vom Lizenz-Antrag auszunehmen – die Lizenz gilt somit für alle restlichen 29 EWR-Staaten.
Malta hatte bereits vor MiCAR ein eigenes weitreichendes Krypto-Regulierungsregime. Der Regulator steht jedoch mittlerweile in der Kritik, so hat etwa die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) im Juli 2025 in einem Peer-Review festgestellt, dass der maltesische Regulator MFSA bei mindestens einer CASP-Lizenz „nur teilweise“ MiCAR-konform gearbeitet hat. Dass diese Situation beim Opt-out für Malta eine Rolle gespielt hat, ist zu vermuten. Offiziell als Grund angeführt wurde es weder von KuCoin noch zuvor von Bybit.
Instahelp-Rebranding: Sechs Learnings für die eigene Marke
Die Plattform für psychologische Online-Beratung Instahelp hat sich eine neue Markenidentität gegeben. Gegenüber brutkasten erklären Projektleiter Nino Groß und Designerin Marie Pierer von Studio Furore, wie der Prozess ablief und was andere Unternehmen daraus mitnehmen können.
Instahelp-Rebranding: Sechs Learnings für die eigene Marke
Die Plattform für psychologische Online-Beratung Instahelp hat sich eine neue Markenidentität gegeben. Gegenüber brutkasten erklären Projektleiter Nino Groß und Designerin Marie Pierer von Studio Furore, wie der Prozess ablief und was andere Unternehmen daraus mitnehmen können.
Bunt, warm, lebendig und offen: So beschreibt Instahelp seinen neuen Auftritt. Die 2015 gegründete Plattform für Online-Therapie und psychologische Beratung hat gemeinsam mit Studio Furore Logo, Typografie, Farbwelt, Fotografie und Illustration neu entwickelt. Entstanden ist laut Aussendung alles in Graz.
Der Auftritt soll laut Aussendung ein Gegenentwurf zur häufig cleanen und zurückhaltenden Ästhetik des Gesundheitsbereichs sein. Das in der Aussendung als „schnell“ beschriebene Logo rückt ein Kernattribut der Plattform ins Zentrum: den garantierten Erstkontakt mit Psycholog:innen binnen 24 Stunden.
Nino Groß, seit Jänner Head of Brand & Communications bei Instahelp, formulierte laut Aussendung den Markenauftrag, das Thema in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.
Über sein Netzwerk kam er laut Aussendung mit Marie Pierer in Kontakt, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore. brutkasten hat bei beiden nachgefragt, was Gründer:innen und Marketingverantwortliche aus dem Projekt lernen können.
1. Die Marke laufend hinterfragen
„Man sollte wohl nie damit aufhören, seine Marke kritisch zu betrachten. Auch, wenn man etwas Ikonisches geschaffen hat“, sagt Groß. Spätestens wenn Markenelemente nicht mehr praktikabel oder im Kontext des Zeitgeists nicht mehr zielführend seien, sei es an der Zeit, etwas zu verändern.
Bei Instahelp sei die Ausgangssituation ideal gewesen: ein starkes Fundament und zehnjähriges Bestehen. „Die Grundidee war von Beginn weg, auf dem Bestehenden aufzubauen und es in die Zukunft zu tragen“, so Groß. Die Marke solle Strahlkraft über den Health-Bereich hinaus bekommen.
Als erste Best Practice nennt Groß die strategische Annäherung mit den wichtigsten W-Fragen: „Wozu machen wir das, wo wollen wir damit hin, welche Ziele soll die Marke erreichen, die sie bislang noch nicht erreicht hat?“
Pierer beschreibt den Ausgangspunkt ihrer Arbeit so: „Am Anfang steht für uns immer die Frage: Was wollen wir eigentlich vermitteln, wen wollen wir erreichen und was sollen Menschen fühlen, wenn sie mit der Marke in Berührung kommen?“
Darauf aufbauend entwickle Studio Furore ein Konzept mit einer klaren Herleitung. Daraus entstehe Schritt für Schritt die Brand Identity, von Logo, Farben, Typografie und Bildwelt bis hin zu Layoutsystem, Gestaltungselementen und Tonalität. Ziel sei ein Aha-Moment, „bei dem man versteht, warum etwas genau so gestaltet ist“.
3. Innen- und Außenperspektive zusammenbringen
Groß steuerte das Projekt in Abstimmung mit der Geschäftsführung und entwickelte das markenstrategische Konzept. Eingebunden waren außerdem die internen Design-Verantwortlichen, die den bisherigen Markenauftritt verantwortet hatten, sowie der CTO.
Diesen Mix zählt Groß zu den Best Practices des Projekts. Es gehe darum, jene, die den Markenkern gebaut haben, mit jenen zusammenzubringen, die ihn weiterentwickeln werden. „Diesen Wissenstransfer braucht es.“ Ebenso wichtig sei, offen und ohne Tabus zu diskutieren, was bleiben darf und was gehen muss. „Greift man die gesamte Identität an, ist das ein schmaler Grat.“
Dass die Entscheidungen im Unternehmen schnell fielen, hat Groß nach eigenen Angaben beeindruckt. Die Marke habe in ihrer Erscheinungsform seit zehn Jahren bestanden. „Von daher ist das keine kleine Intervention, wenn man an die gesamte Identität geht.“
4. Bei der Agentursuche das eigene Netzwerk nutzen
„Wir haben mehrere Angebote eingeholt, das sollte man immer“, sagt Groß. Ausschlaggebend sei im Endeffekt der persönliche Kontakt gewesen. Er kenne die Köpfe hinter Studio Furore schon lange und habe von ihnen nie etwas gesehen, das ästhetisch und handwerklich nicht auf sehr hohem Niveau gewesen sei.
Bei einem Mittagessen mit Pierer und Fotograf Kurt Bauer, der für die Bildwelt verantwortlich zeichnete, sei ihm nach ein paar Sätzen klar gewesen: „Die spüren die Marke.“
Startups und kleineren Unternehmen rät Groß, nach Möglichkeit persönliche Kontakte anzuzapfen, also Personen mit Erfahrung und guten Drähten in die Kreativwirtschaft. „Das spart einerseits Zeit und schützt vor Leerläufen. Andererseits ist es enorm wichtig für die qualitative Einschätzung.“
5. Konventionen brechen, wenn sie dem Ziel im Weg stehen
Die neue Marke tritt bunt und warm statt klinisch auf. „Ich sehe das eigentlich weniger als Mut, sondern vielmehr als Notwendigkeit“, sagt Pierer dazu. Psychische Themen seien gesellschaftlich schon stark mit Schwere und Unsicherheit behaftet. „Wie soll man Hoffnung vermitteln oder ein Gefühl des Aufatmens schaffen, wenn die Gestaltung genau diese Schwere noch verstärkt?“
Verharmlosen dürfe man das Thema dadurch nicht. „Aber ernst zu nehmen bedeutet nicht automatisch, dass etwas klinisch, kühl oder schwer aussehen muss.“ Dabei müsse jedes Element eine klare Bedeutung haben. „Es geht nicht einfach darum, ein schönes Logo oder eine bestimmte Farbe zu wählen. Die Gestaltung muss in sich stimmig sein und eine Geschichte erzählen.“
Für Pierer hat das Projekt auch eine persönliche Seite. In der Aussendung schildert sie, nach der Geburt ihres ersten Kindes selbst schwierige psychische Phasen erlebt zu haben. „Wenn ich damals von einem Angebot wie Instahelp gewusst hätte, wäre mir der Weg zur Unterstützung mit Sicherheit leichter gefallen.“
6. Mit kleinem Budget: wenige Dinge richtig machen
Startups mit kleinem Budget rät Pierer, sich am Anfang klar darüber zu werden, wofür man steht und was man vermitteln möchte. „Man braucht nicht sofort ein riesiges Branding oder unzählige Gestaltungselemente. Man braucht ein gutes Konzept.“
Ein durchdachtes Logo, eine passende Farb- und Typografiewelt und eine konsistente Bildsprache könnten schon viel bewirken. Pierer rät davon ab, Trends oder andere Marken zu kopieren, nur weil sie gerade gut funktionieren. Man solle herausfinden, was einen selbst besonders macht, und das konsequent sichtbar machen.
Außerdem solle das Erscheinungsbild flexibel bleiben und mit dem Unternehmen wachsen können. „Eine gute Markenidentität muss nicht von Anfang an riesig sein. Sie muss vor allem eine klare Idee haben.“
Die neue Markenidentität von Instahelp ist laut Aussendung inzwischen vollständig ausgerollt. Die Plattform arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 400 Psycholog:innen und hat bis dato rund 450.000 Beratungen durchgeführt.
Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.