14.08.2025
UMFRAGE

Trotz Personalnot: 70 Prozent der Unternehmen besetzen Stellen nicht nach – IT als Ausnahme

Laut KSV1870-Umfrage leidet mehr als jedes zweite Unternehmen unter Fachkräftemangel. Trotzdem werden offene Stellen meist nicht nachbesetzt.
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(c) AdobeStock

Der österreichische Arbeitsmarkt steht weiter unter Druck: Laut der aktuellen Austrian Business Check-Umfrage des KSV1870 sind 54 Prozent der Unternehmen vom Fachkräftemangel betroffen, 23 Prozent sogar stark. Besonders prekär ist die Lage in Gastronomie/Beherbergung (85 Prozent), Bauwirtschaft (65 Prozent) und im Gesundheits- und Sozialwesen (60 Prozent). Die häufigsten Folgen sind steigende Kosten für bestehende Mitarbeiter:innen, hohe Zusatzbelastungen in den Teams und Umsatzeinbußen.

Unternehmen stehen bei Neueinstellungen auf Bremse

Trotz des offensichtlichen Bedarfs bleiben viele Betriebe bei Neueinstellungen zurückhaltend – vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Rund 70 Prozent besetzen offene Stellen nicht vollständig nach. In 30 Prozent der Fälle werden überhaupt keine Nachbesetzungen vorgenommen, 39 Prozent nur „absolut notwendige“ Stellen. Besonders restriktiv agieren Unternehmen im Grundstücks- und Wohnungswesen (84 Prozent), in der Bauwirtschaft (75 Prozent), in der Produktion (73 Prozent) und im Handel (71 Prozent).

IT-Branche zeigt sich resilienter

Im Gegensatz dazu zeigt sich die IT-Branche robuster: Der Bereich „Information und Kommunikation“ zählt zu den wenigen, in denen offene Stellen am ehesten vollständig nachbesetzt werden. Auch bei den Personalplanungen liegt dieser Sektor vorne – 32 Prozent der Unternehmen planen hier 2025 eine Aufstockung des Personals, gefolgt vom Gesundheits- und Sozialwesen (30 Prozent).

Die unsichere Auftragslage und sinkenden Umsätze sorgen branchenübergreifend dafür, dass viele Betriebe zusätzliche Personalkosten scheuen. Lediglich 18 Prozent der befragten Unternehmen wollen ihre Mitarbeitendenzahl im laufenden Jahr erhöhen. Wo es zu Aufstockungen kommt, betrifft dies vor allem Service/Produktion, Vertrieb und IT.

Ein weiterer Aspekt der Umfrage: 20 Prozent der Unternehmen haben ihr Weiterbildungsangebot in den letzten fünf Jahren ausgebaut, weitere 45 Prozent nicht reduziert. Neben fachspezifischer Fortbildung (82 Prozent) setzen 40 Prozent auf die Aneignung digitaler Fähigkeiten. Damit gewinnt die IT-Kompetenz auch außerhalb des eigentlichen Technologiesektors an Bedeutung. Besonders aktiv sind dabei die Finanz- und Versicherungsbranche sowie die IT-Dienstleister.

KSV1870-Chef: Personalkosten müssen sinken

KSV1870-CEO Ricardo-José Vybiral macht deutlich, dass der eingeschränkte Stellenaufbau nicht allein ein wirtschaftliches Problem der Betriebe ist, sondern gemeinsames Handeln von Politik und Wirtschaft erfordert. Zwar ließen sich durch Einsparungen beim Personal kurzfristig Kosten senken, doch diese Strategie könne langfristig die Wettbewerbsfähigkeit mindern.

„Damit Unternehmen wieder mehr Mitarbeiter einstellen können, ist ein enges Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft notwendig. Denn es ist nun einmal die Realität, dass der Hebel bei den Personalkosten vielfach am größten ist, um Kosten zu senken. Langfristig drückt diese Strategie aber auf die Wettbewerbsfähigkeit“, so Vybiral.

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Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher
Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher / brutkasten

Er ist seit vielen Jahren einer der obersten Punkte auf der politischen Wunschliste der heimischen Startup-Szene: der Beteiligungsfreibetrag. Das Prinzip ist schnell erklärt: Man kann mit ihm Startup-Investments bis zu einem gewissen jährlichen Betrag von der Steuer absetzen. Das soll einen starken Anreiz schaffen, Risikokapital anderen Veranlagungsformen vorzuziehen und somit mehr privates Kapital für Startups mobilisieren.

Die genaue Ausgestaltung wäre bei einer möglichen Umsetzung Gegenstand politischer Verhandlungen. Die Forderungen aus dem Ökosystem gehen bis zu einem Betrag von 500.000 Euro pro Jahr, wie etwa in der „Vision 2030“ von invest.austria, AustrianStartups, Junge Wirtschaft und StartupNOW aus dem Jahr 2024. Großes internationales Vorbild ist das Vereinigte Königreich, das unter anderem dank eines solchen Modells konstant die mit Abstand höchsten Startup-Investment-Volumina Europas vorweist.

Bei der SPÖ nicht durchzubringen

Doch im Gegensatz zur anderen großen Forderung des heimischen Startup-Ökosystems, dem Dachfonds, der mittlerweile im Entstehen ist, schaffte es der Beteiligungsfreibetrag 2025 nicht ins schwarz-rot-pinke Regierungsprogramm. Hinter vorgehaltener Hand wird der Grund dafür in ÖVP-Kreisen klar benannt: Der Vorschlag sei beim Koalitionspartner SPÖ nicht durchzubringen. Im Frühling 2024, also noch in der Opposition, äußerte sich SPÖ-Chef Andreas Babler, konkret auf das Thema angesprochen, gegenüber brutkasten knapp, aber deutlich: „Steuerbegünstigungen für private Investoren, die in der Regel zu den Top 1 Prozent der Einkommens- und Vermögensverteilung zählen, sind keine Priorität der SPÖ.“

Für Zehetner „nächster logischer Schritt“

On the record ging man dem Thema in der ÖVP seit der Regierungsbildung 2025 dagegen mit Verweis auf die Koalitionsvereinbarung lieber aus dem Weg. Bis jetzt. Denn Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner forderte den Beteiligungsfreibetrag nun via LinkedIn-Posting offen ein. Nach dem Dachfonds wäre dieser, „der nächste logische Schritt“, schreibt sie und führt eine EcoAustria-Studie und internationale Vorbilder ins Treffen.

Unverhoffte Schützenhilfe in der Diskussion

Doch woher kommt der plötzliche Mut zur offenen Forderung entgegen dem koalitionären Konsens? Zehetner bekam Anfang dieser Woche eine Steilvorlage aus Deutschland, über die auch brutkasten berichtete. Dort war es nicht etwa CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, sondern mit Lars Klingbeil der amtierende SPD-Chef, Vizekanzler und Finanzminister, der Steuererleichterungen für Startup-Beteiligungen aufs Tapet brachte.

„Deutschland will mehr privates Kapital für Startups mobilisieren. Österreich sollte das auch tun“, schreibt Zehetner und verweist direkt auf die Ankündigung des SPD-Chefs. Das argumentative Kalkül dahinter liegt auf der Hand: Gegen den Vorstoß des deutschen Parteigenossen, dessen Schützenhilfe für Zehetner wohl unverhofft kam, lässt sich in der österreichischen Sozialdemokratie deutlich schwerer argumentieren, als gegen die Dauerforderung aus der liberalen Ecke. Ob dadurch tatsächlich eine offene Diskussion innerhalb der Koalition angestoßen wird, ist freilich zu bezweifeln.

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