29.06.2020

Klimaschutz ist auch eine Frage der Eigenverantwortung

Ist die Klimarkrise wieder nur mediale Panikmache, so wie vorherige Krisen? Mic Hirschbrich wagt anlässlich des Klimavolksbegehrens eine persönliche Betrachtung.
/artikel/klimavolksbegehren
Heute ist der letzte Tag, um das Klimavolksbegehren zu unterzeichnen. (c) beigestellt / Adobe Stock / jozsitoeroe
Heute ist der letzte Tag, um das Klimavolksbegehren zu unterzeichnen. (c) beigestellt / Adobe Stock / jozsitoeroe

Meine heutige Kolumne wird ausnahmsweise persönlicher als sonst. Ich werde nicht darüber schreiben, was der Klimawandel bewirkt, denn dafür gibt es Berufenere. Ich schreibe heute lieber über uns davon „betroffene Menschen“ und wie wir mit dem Thema umgehen.

Vielleicht haben Sie Argumente wie die folgenden ja schon mal gehört, sich darüber geärgert oder sie selbst vorgebracht:

Weder wüssten wir genau, wie sich das Klima entwickelt, dazu sei es viel zu komplex und zu wenig exakt erforscht. Noch seien die Horror-Szenarien, die Aktivisten je an die Wand malten, jemals so eingetreten. An einem heißen Sommertag erscheine ein Klimawandel-Panik-Artikel nach dem anderen, bei Regenwetter oder zu Corona-Zeiten sei das Problem plötzlich inexistent, keine einzige Fernseh-Diskussion dazu.

Dann ist da noch das Problem, das auftritt, wenn man schon ein paar Jahrzehnte leben durfte: Man ist es gewohnt, mit etwas medial konfrontiert und emotional aufgewühlt zu werden, um am Ende zu lernen, dass es dann ganz anders kommt als befürchtet.

Also alles halb so wild, oder diesmal doch anders?

Saurer Regen, versiegendes Öl, gefährliches Ozon und eine verstrahlte Zukunft

Ich erinnere mich noch, als ob es heute wäre. Ich schaute als Teenager Nachrichten und darin erklärte man uns eindringlich: „Es ist 5 nach 12“. Ich erinnere mich auch noch an die bedrohliche Uhr, die man dazu einblendete. Die Wälder seien so geschädigt vom sauren Regen, durch Industriegifte, es würde zu einem enormen Waldsterben führen, mit verheerenden Folgen für Mensch und Umwelt. Ich hatte Panik. Es war überall Thema, in der Schule, allen Medien und in der Familie. Unsere Aufmerksamkeit und Empathie wurden regelrecht in Beschlag genommen. Und, es kam völlig anders. Einige Jahre später muss ich Freunde sogar daran erinnern, denn es ist längst vergessen, was uns damals so aufwühlte und Angst machte.

+++Deine Welt: Das Ende der Globalisierung, wie wir sie kannten+++

Dies geschah nicht nur einmal, sondern ständig. Alarmismus als mediales und politisches Dauerprogramm quasi. Der Club of Rome prophezeite, das Öl der Erde würde bald versiegen und damit die Ökonomien zusammenbrechen. Na servus. Kurz bevor man neue Riesenvorkommen fand. Ein paar Jahre später hieß es, das Ozonloch würde nicht bloß die Schafe in Australien erblinden lassen, sondern auch die Sonnenstrahlung viel gefährlicher für alles Leben machen. Man vermittelte den Eindruck, als würden wir uns in Berg-Stollen zurückziehen müssen, um zu überleben. Und als ich noch ein Kind war, nach dem Unfall mit dem Kernreaktor in Tschernobyl, hat mein Onkel, wegen der permanenten Horror-Nachrichten, einen Atom-Bunker gebaut. Wir haben damit gerechnet, nie wieder so leben zu können wie davor, denn radioaktive Wolken und verstrahltes Essen würden uns ewig begleiten. Unsere Kinder würden womöglich behindert werden, sogar in den Chart-Hits auf Ö3 sang man uns halblustige Lieder dazu vor.

Doch trotz all dieser, sicherlich auch Ihnen bekannten Erfahrungen, denke ich heute grundlegend anders über das Thema.

Eine Begegnung mit Folgen

Es war vor 4 Jahren und ich war auf einem dieser langen Flüge nach San Francisco. An diesem Tag saß, weil es der Zufall so wollte, Graciela Chichilnisky neben mir, die zurück an die Universität Stanford flog, wo sie arbeitete. Sie hatte am Kyoto-Protokoll mitgeschrieben, einem globalen Klimaschutzabkommen, und erzählte mir, weshalb es diesmal ernst würde in Sachen Klimawandel. Neunmalklug trug ich ihr Gründe vor, weshalb ich noch abwartend skeptisch sei, was die besonders verheerenden Folgen des Klimawandels angehe. Sie hörte geduldig zu, erklärte mir ruhig und sachlich, welche klugen Maßnahmen der Regierungen damals dazu führten, dass prophezeite Katastrophen wie das Waldsterben und die FCKW-bedingte Ausweitung des Ozonlochs ausblieben. Sie erläuterte, weshalb der Klimawandel eine völlig andere Problem-Dimension darstelle und man ihn deshalb sehr ernst nehmen müsse.

Weil wir uns gut verstanden, trafen wir uns ein wenig später an der Uni und ich lernte weitere, herausragende Persönlichkeiten der amerikanischen Klimabewegung kennen. Sie erschienen mir unfassbar gebildet in der Sache, ruhig und sachlich im Ton und fest in ihrer Argumentation. Diese Gespräche haben vor allem eines in mir bewirkt: Das Thema Klimawandel ab sofort ernst zu nehmen und aufzuhören, klüger sein zu wollen als führende Experten auf dem Gebiet, nur um mich unbewusst den notwendigen Verhaltensänderungen selbst nicht stellen zu müssen.

Wandel macht Spaß

Wandel, auch im eigenen Verhalten, kann man nicht nur als Chance begreifen, er kann sogar richtig Spaß machen, einen positiv fordern, wenn man ihn mal verinnerlicht. Er inspiriert uns, befruchtet unser Leben, lässt unsere Gehirnzellen glühen und erfordert neue Strategien, um ihn in unser Leben integrieren zu können. Diese Strategien mögen individuell verschieden sein.

Meine lautet in etwa so: Ich kann den Klimawandel selbst nicht hinreichend erklären, aber ich glaube bestimmten Experten, die authentisch und glaubhaft wirken und nehme ihre Empfehlungen und Ratschläge deshalb an. Unser aller klimaschädigendes Verhalten nachhaltig zu verändern ist diesen Experten zufolge alternativlos, somit auch für mich.

Mobilität und Klimawandel: Gehen statt fahren

Beim Thema Mobilität waren meine eigenen Veränderungen bisher am stärksten. Aus etwa 20 Flügen pro Jahr wurden 4, aus rund 30.000 Auto-Kilometern etwa 5.000. Ich gehe seit Jahren täglich 8 bis 14 Kilometer und erledige alle Termine, wenn irgendwie möglich, zu Fuß. Es wurde zum normalsten der Welt. Aus dem einstigen (vermutlich fremdbestimmten) Mantra, ständig mobil und geographisch überall verfügbar sein zu müssen, wurde ein geerdeteres, weniger gehetztes aber überhaupt nicht weniger produktives Leben, ganz im Gegenteil. Und die Flughäfen vermisse ich auch nicht. Ich liebe heute ruhigere und so gut wie autofreie Orte. Unsere oftmals überschätzten „Status-Symbol-Verbrennungsmotoren“ erscheinen mir manchmal schon wie Pferdekutschen, – eh nett anzusehen, aber einfach aus der Zeit. Sie sind zu laut und stinkend, vor allem in den Städten, viel zu viel Platz einnehmend und oft mit fadenscheinigen Argumenten verteidigt.

Und schließlich noch die Ölheizung, die haben wir gegen eine moderne Therme ersetzt. Soweit der Beginn der Bemühungen.

Kein Geld für despotische Öl-Regime

Ich motiviere mich bei diesen ersten Veränderungen damit, dass ich körperlich fitter geworden bin und nicht mehr so viel Geld indirekt an despotische Regime überweise, die uns mit Öl beliefern. Es ist doch verrückt, sich politisch für Menschenrechte und Aufklärung stark zu machen, sich quasi in der Weltanschauung über den Humanismus zu definieren, aber die repressivsten Diktaturen der Welt jahrzehntelang mit Öl-Milliarden regelrecht zu fluten.

Das reichste Land der Welt ist heute Katar, eine absolutistische Monarchie, in der die Scharia gilt. Rund 70% des BIP kommen dort von besagten Rohstoffen, der Rest aus Finanz-Anlagen, die man wiederum zuvor aus dem Verkauf der Rohstoffe bezahlte. Sie kennen all die anderen Länder, von denen wir primär unsere Rohstoffe beziehen und denen wir jedes Jahr viele Milliarden überweisen (Österreich gibt etwas über 10 Milliarden Euro für diese Energie-Importe aus).

Schwach bin ich im eigenen Wandel unter anderem noch beim Fleisch (Rindfleisch hat die schlechteste Öko-Bilanz), da suche ich noch dringend einen Weg wie auch allgemein beim Konsum so manch unnötiger, weit gereister Produkte.

Fazit: Klima ist eine Frage der Eigenverantwortung

Ich schreibe Ihnen das alles übrigens nicht, weil ich annehme, bei diesem Thema eine Vorbildwirkung zu haben. Absolut nicht! Vielleicht sind Sie schon viel weiter in Ihrem ganz persönlichen Wandel ihrer Verhaltensmuster oder ähnlich weit. Ich schreibe das aus einem anderen Grund. Es gibt nicht nur schlimme Klimasünder und herausragende Klimaaktivisten, sondern viele Menschen dazwischen, solche vielleicht wie uns beide. Menschen, die ehrlich einen Weg suchen, einen wichtigen Beitrag in dieser Klimakrise zu leisten.

Dieser Wandel in punkto eigenem Klima-Verhalten hat hauptsächlich mit unserer Eigenverantwortung zu tun. Weder müssen wir auf die Politik warten, was zugegeben bequem ist, noch uns auf sie ausreden. Der mächtigste Gestalter in dieser Welt ist der verantwortungsvolle Konsument! Hier können wir sofort und selbständig Dinge verändern und die aus unserer Sicht richtigen Produzenten stärken. Das Klima für die nachfolgenden Generationen lebensfreundlich zu erhalten, ist wahrscheinlich unsere wichtigste Aufgabe.

Das Klimavolksbegehren unterschreiben

Übrigens läuft gerade das Klimavolksbegehren. Heute ist der letzte Tag dafür. Eine gute Zukunft uns allen!


Über den Autor

Mic Hirschbrich ist CEO des KI-Unternehmens Apollo.AI, beriet führende Politiker in digitalen Fragen und leitete den digitalen Think-Tank von Sebastian Kurz. Seine beruflichen Aufenthalte in Südostasien, Indien und den USA haben ihn nachhaltig geprägt und dazu gebracht, die eigene Sichtweise stets erweitern zu wollen. Im Jahr 2018 veröffentlichte Hirschbrich das Buch „Schöne Neue Welt 4.0 – Chancen und Risiken der Vierten Industriellen Revolution“, in dem er sich unter anderem mit den gesellschaftspolitischen Implikationen durch künstliche Intelligenz auseinandersetzt.

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Fedor Holz | (c) Haris Dervisevic / brutkasten
Fedor Holz | (c) Haris Dervisevic / brutkasten

Mit Anfang 20 führte er die Poker-Weltrangliste an und erspielte insgesamt Preisgelder im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Doch nach nur wenigen Jahren widmete sich Fedor Holz anderen Herausforderungen. Seine zwei Startups gründete der deutsche Wahl-Wiener in der österreichischen Hauptstadt. Als Investor stieg er bei rund 30 Startups und 20 Fonds ein. Die daraus gewonnene Expertise setzt er nun gemeinsam mit seinem Freund und Geschäftspartner Christoph Zöller im Fund of Funds „Drafted Ventures“ mit Sitz im deutschen Heidelberg um. Im Interview erzählte uns Holz mehr über seine Beweggründe und seine Strategie.


brutkasten: Du hast als Poker-Spieler internationale Bekanntheit erlangt . Vor zehn Jahren hast du dann zum ersten Mal ein Unternehmen gegründet. Wie war das damals?

Fedor Holz: Genau, da war ich sehr unerfahren. Ich war Anfang 20 und wir hatten eine ganz typische Startup-Reise. Ich habe mit dem Pokern aufgehört und meine erste Firma gegründet: Primed Mind. Das war sehr ähnlich zu Headspace [Anm. bekannte Meditations-App], die eine starke Konkurrenz waren. Wir hatten eine sehr gute Anfangs-Traction. Dann haben wir die Series A nicht bekommen, das Blatt aber noch gedreht und die Firma profitabel gemacht, bevor ich den Großteil meiner Anteile verkauft habe.

Die zweite Gründung, Pokercode, folgte 2019. Das war ein ganz anderer Hintergrund und rund um meine eigene Brand aufgebaut. Aus dem anfänglichen Masterclass-Kurs wurde ein breiteres Produkt und schließlich eine Mitgliedschaft. Kurzfristig hat uns das Umsatz gekostet, langfristig hat es das Produkt deutlich besser gemacht. Das Team führt das heute komplett eigenständig und ich bin seit zwei Jahren operativ nicht mehr involviert.

Du hast in dieser Zeit aber auch Einzel-Business-Angel-Investments in Startups gemacht, oder?

Ich habe mittlerweile wirklich viele Investments gemacht. Ich schätze es sind etwa 30 Direktinvestments und 20 Fondsinvestments über die letzten zehn Jahre.

Und nun gründest du selbst einen VC-Fonds, genauer gesagt einen Fund of Funds. Was kannst du uns dazu erzählen?

Das ist aus meiner eigenen Investmentstrategie heraus gewachsen. Als ich mit Anfang 20 sehr viel Geld beim Pokern verdiente, verspürte ich einen großen Druck, dieses Vermögen sinnvoll anzulegen. Aktien und Private Equity wirkten auf mich etwas altbacken, Venture Capital schien mir dagegen viel näher an den Gründern zu sein – in deren Rolle ich mich potenziell auch selbst sah.

Über die letzten zehn Jahre habe ich als Investor und Gründer viel gelernt. Beim Pokern ist es sehr wichtig, Vergleichswerte zu kalibrieren: Was ist gut, was ist herausragend? Genau diese Vergleichswerte fehlten mir anfangs. Erst mit der Zeit habe ich besser einschätzen können, wie ein wirklich guter Founder oder Investor aussieht. Heute liegt meine Messlatte hoch. Ich möchte viele gute potenzielle Investments sehen und nur die besten daraus auswählen.

Dabei habe ich gemerkt, dass für mich Fondsinvestments sinnvoller sind. Mit einzelnen Direktinvestments bin ich weit weg von einer statistisch relevanten Strategie. Deshalb habe ich gemeinsam mit meinem guten Freund Christoph Zöller unseren Dach-Fonds Drafted Ventures gestartet. Wir haben gerade unser First Closing mit 15 Millionen gezeichnet; das Hardcap liegt bei 25 Millionen. Wir werden jeweils rund eine Million Euro in etwa 20 der besten frühphasigen Venture-Capital-Fonds investieren. Wenn diese wiederum in je 20 Companies investieren, haben wir ein Portfolio von 400 Startups. Das bringt eine hervorragende Streuung und ermöglicht es, eine deutlich diversifiziertere VC-Allokation zu haben.

Heißt das, du wirst keine Direct Investments in Startups mehr machen?

Teilweise ja, wir schließen es nicht komplett aus. Wir machen über unseren Fonds gezielte Co-Investments in Portfolio-Companies unserer Fondsmanager. Ein Beispiel ist unsere Beteiligung an Conduct AI, die für alte SAP-Systeme einen „Explainable Layer“ mit KI bauen. Da ein uns sehr naher Fonds dort der erste Investor war, hatten wir früh tiefe Einblicke und Vertrauen auf beiden Seiten. Wir investieren hier nicht in der Pre-Seed-Phase, sondern in wachstumsstarke Firmen mit Millionenumsätzen.

Private Ausnahmen, die nicht in dieses Profil passen, mache ich weiterhin über eigene Vehikel. Das ist aber nur noch ein kleiner Teil, da mein Fokus auf dem Fonds liegt.

Wie bist du als Privatinvestor? 30 Portfolio-Companies können ja extrem viel Arbeit sein. Wie aktiv bist du da involviert?

Man muss bedenken, dass sich das über einen langen Zeitraum aufgebaut hat und manches auch schon abgeschrieben ist. Ich pflege zu zwei oder drei Gründern eine sehr enge Beziehung mit regelmäßigem Austausch. Bei den restlichen bin ich eher passiv und bringe mich nur ein, wenn konkrete Themen oder Probleme aufkommen.

Wird euer Fund of Funds in Europa oder global investieren?

Wir zielen auf 50 Prozent Europa und 50 Prozent USA ab, mit einer kleinen Allokation für spannende Märkte wie Lateinamerika, Israel oder Indien. Da wir extrem return-getrieben sind, suchen wir weltweit nach den absolut besten Early-Stage-Investoren.

Ein wichtiges Kriterium: Wir investieren nur in Fonds unter 100 Millionen Dollar Volumen. Außerdem schließen wir Fonds mit einem Investmentkomitee (IC) aus. Unsere These basiert auf der herausragenden Qualität einzelner Manager. In Komitees entsteht oft Bias; häufig setzt sich einfach die lauteste Person durch oder es werden nur „sichere“, konsensfähige Deals durchgewunken. Bridgewater analysiert nicht umsonst seine Meetings mit KI, um diesen Bias zu vermeiden. Deshalb fokussieren wir uns auf Solo-GPs oder Zweier-Teams, wo die finale Entscheidung direkt bei den Managern liegt. Strukturell bedeutet das, dass diese Fonds meistens zwischen 10 und 50 Millionen groß sind, mit wenigen größeren Ausnahmen.

Sind da viele First-Time Fund Manager dabei?

Ja, von unseren bisherigen neun Commitments sind drei First-Time Manager. Wir investieren grundsätzlich in keine Fonds, die älter als die dritte Generation sind. Über 10 bis 15 Jahre einen absoluten Top-Dealflow aufrechtzuerhalten, ist ein ziemlicher Grind. Zudem ist Venture Capital auch eine Altersfrage: Der Zugang zur jeweils nächsten Founder-Generation ist ein eigener Skill, den nicht jeder über 15 Jahre hält. 

Was ist dabei euer eigener Wettbewerbsvorteil, eure Edge?

Unsere Edge ist, dass wir einen starken Dealflow haben und oft den Aufwand betreiben, den andere scheuen. Ich kenne nicht viele europäische Investoren mit exzellenten US-Connections, weil das ständige Präsenz vor Ort erfordert. In Amerika sind die Intensität und die „Capital Velocity“ – die Geschwindigkeit, mit der sich Geld bewegt – viel höher. 

Wenn beispielsweise ein 24-Jähriger aus dem OpenAI-Umfeld einen 10-Millionen-Fonds auflegt und Top-Leute investieren, wollen wegen des Signaling-Effekts plötzlich viele andere rein. In solchen stark umkämpften Situationen geht es nur über echte Beziehungen und Schnelligkeit. Diesen extremen Wettbewerb auf der LP-Seite gibt es in Europa selten.

Gehen andere LPs das Ganze vielleicht manchmal zu unprofessionell an?

Viele Investoren machen Investments nicht in Vollzeit und investieren in vereinzelte Startups oder Fonds aus ihrem nahen Umfeld. Dementsprechend fehlt es oft an Dealqualität und Diversifikation. Wenn dann nicht ein glücklicher Treffer dabei ist, dann geht die Motivation weiter zu investieren leider oft verloren. Das ist völlig verständlich, niemand macht das nebenbei gut – genau die Lücke wollen wir schließen.

In dieser Größenordnung, wo wirklich alles am GP liegt, kann man das wahrscheinlich mit der Seed-Phase eines Startups vergleichen…

Der Vergleich passt sehr gut. Das Durchschnittsalter unserer Manager liegt zwischen 28 und 35 Jahren. Sie brauchen den Biss eines Gründers, aber eben auch schon echte Erfahrung und Kompetenz. Wir mögen Ex-Founder, die zehn Jahre operativ gearbeitet haben und jetzt zum Beispiel Biotech-Startups in Boston scouten. Aber auch ehemalige Investoren von Top-Fonds wie Sequoia, die sich selbstständig machen, passen in unser Profil.

Sind auch Leute mit Domänenexpertise, zum Beispiel ein ehemaliger Top-Manager in der Pharmaindustrie, gute Fund Manager?

Ein bestimmtes Profil garantiert noch keinen Erfolg. Das Wichtigste ist, dass der Manager einen sehr hohen Qualitätsanspruch hat, mit den Foundern connecten kann und ihre Sprache spricht. Ein Investor, der frische MIT-Absolventen sucht, braucht einen anderen Zugang als jemand, der in etablierte „Second Time Founder“ Mitte 30 investiert.

Das zeigt, dass es ein extremes „People Business“ ist…

Absolut, aber Soft Skills sind am Ende nur Multiplikatoren. Die Basis ist opportunistisches Denken und die Fähigkeit, Qualität schnell zu erkennen. Die Qualitäten eines guten Investors unterscheiden sich von denen eines guten Gründers.

Hummingbird Ventures, die über mehrere Fondsgenerationen fantastische Returns erzielen, suchen zum Beispiel ganz gezielt nach „unbequemen“, edgy Gründern, mit denen man vielleicht nicht unbedingt ein Bier trinken gehen möchte, die aber sofort zur Sache kommen. Als Investor musst du nicht unbedingt 70 Stunden arbeiten, sondern kannst in 40 fokussierten Stunden viel Wert für dein Portfolio liefern. Die einzelnen Investmententscheidungen sind ausschlaggebend. Außerdem ist es ein hartes Signaling- und Reputations-Spiel, bei dem du im Wettbewerb mit anderen Investoren die besten Deals gewinnen musst.

Beurteilst du die Fondsinvestments ausschließlich nach dem potenziellen Return, oder gibt es technologische Spezifikationen, etwa dass ihr nur in KI oder Quantencomputer investiert?

Wir investieren hauptsächlich in Frontier-Technologie-Fonds und achten dabei primär auf zwei Säulen: die Investmentfähigkeit des Managers und strukturelle Vorteile.

Erstens brauchen wir Manager, die dank eines großen Erfahrungsschatzes Qualität sofort erkennen, sich aber nicht blind in Startups verlieben, sondern gleichzeitig das Pricing im Blick behalten. Wenn du 500 Optionen siehst, macht es einen enormen Unterschied, ob du auf einer Bewertung von 15 oder 30 Millionen investierst. Zudem müssen die Manager in der Lage sein, mit wenig Zeiteinsatz großen Wert zu stiften, etwa durch hochkarätige Introductions für neue Mitarbeiter oder zu guten Funds für Follow-on-Runden.

Zweitens suchen wir immer nach strukturellen Marktvorteilen. Das kann ein geografischer Vorteil sein, wie etwa in Boston: Dort gibt es Top-Talente, aber einige der großen Tier-1-VCs haben ihren Fokus auf San Francisco gelegt, wodurch die Bewertungen im direkten Vergleich niedriger sind. Ähnliches gilt für Indien, wo exzellent ausgebildete Tech-Talente günstig zu finden sind. Bringst du so einen Founder in die USA, hast du sofort einen potenziellen Bewertungs-Uplift. Solche strukturellen asymmetrischen Vorteile wollen wir sehen – so wie Y Combinator extrem günstig an gute Assets kommt, weil ihre Finanzierungsstruktur ihnen einen riesigen Wettbewerbsvorteil bietet.

Wie macht ihr bei kleineren Fonds, die kaum Marketingbudgets haben, überhaupt das Sourcing? Wie findet ihr die global?

Marketing spielt bei uns keine relevante Rolle. Zu 70 Prozent läuft das über direkte Relationships. Die Incentives sind perfekt aligned: Wenn unsere GPs einen anderen brillanten Fondsmanager treffen, stellen sie ihn uns vor. Auf der LP-Ebene sind sie ja keine Konkurrenten. Wir bekommen durch unser Netzwerk von mehreren Dutzend Leuten so viele gute Intros, dass wir unsere Pipeline straff managen und den Großteil absagen müssen.

Ist das eine aktuelle Dynamik, dass es mehr spezialisierte kleine Fonds geben wird und nicht mehr so große Strukturen?

Zum Teil schon, aber kleine Fonds haben es aktuell auch sehr schwer beim Fundraising, weil die Qualität heute viel härter hinterfragt wird. Wer heute in Deutschland einen 100- bis 200-Millionen-Fonds für Series-A-Runden auflegt, konkurriert bei Top-Startups direkt mit amerikanischem Geld.

Da stellt sich schnell die Frage nach der echten Edge. Generalistische Fonds haben oft kein starkes Signal mehr im Markt und Investoren werden skeptisch, wenn nach zehn Jahren die Rendite ausbleibt. Venture Capital verzeiht Mittelmäßigkeit nicht: Ein durchschnittlicher Fonds liefert am Ende nur die Rendite des Aktienmarkts oder weniger, allerdings mit deutlich höherem Risiko. Nur die echten Outlier bringen die Performance, für die sich das Risiko lohnt. Genau deshalb ist Selektion alles und genau das ist unser Fokus.

Wer sind die LPs bei euch?

Ohne Namen zu nennen: Es ist ein Mix aus erfahrenen Unternehmern – Leuten, die selbst Firmen aufgebaut und verkauft haben –, Family Offices und Menschen aus unserem langjährigen Umfeld, die unsere Entwicklung von Anfang an verfolgt haben. 

Zum Abschluss: Was hast du als Ziele definiert?

Mein Ziel ist es, mittelfristig einen zweiten größeren Fonds aufzulegen. Ich möchte das aber nicht künstlich aufblähen; wir wollen die Entscheidungen so lange wie möglich zu zweit oder maximal zu dritt treffen und dafür einfach größere Tickets schreiben und uns stetig weiterentwickeln.

Für unsere Investoren wollen wir das Maximum herausholen. Wir als GPs haben 1,5 Millionen Euro eigenes Geld investiert und haben eine Hurdle Rate von 8 Prozent eingebaut. Das heißt, erst wenn unsere Investoren mehr als 8 Prozent jährliche Rendite machen, greift unsere Gewinnbeteiligung überhaupt. Mich würde selbst kein Vehikel interessieren, bei dem den Leuten nur Gebühren aus der Tasche gezogen werden. Es ist absolut leistungsorientiert: Wenn wir einen guten Fonds bauen, haben alle Spaß – wenn nicht, dann eben nicht.

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AI Summaries

Klimaschutz ist auch eine Frage der Eigenverantwortung

  • Wandel, auch im eigenen Verhalten, kann man nicht nur als Chance begreifen, er kann sogar richtig Spaß machen, einen positiv fordern, wenn man ihn mal verinnerlicht.
  • Beim Thema Mobilität waren meine eigenen Veränderungen bisher am stärksten.
  • Ich motiviere mich bei diesen ersten Veränderungen damit, dass ich körperlich fitter geworden bin und nicht mehr so viel Geld indirekt an despotische Regime überweise, die uns mit Öl beliefern.
  • Schwach bin ich im eigenen Wandel unter anderem noch beim Fleisch, da suche ich noch dringend einen Weg wie auch allgemein beim Konsum so manch unnötiger, weit gereister Produkte.
  • Vielleicht sind Sie schon viel weiter in Ihrem ganz persönlichen Wandel ihrer Verhaltensmuster oder ähnlich weit.
  • Dieser Wandel in punkto eigenem Klima-Verhalten hat hauptsächlich mit unserer Eigenverantwortung zu tun.

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

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