23.01.2026
AUS DER SZENE

KINN: Wo sich Tirols neue KI-Community wöchentlich trifft

KINN bringt Tirols KI-Szene zusammen. brutkasten hat mit Initiator Thomas Seiger über die wachsende Community, Ablauf der Treffen und weiteren Pläne gesprochen.
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Erst unlängst fand das Community-Treffen erstmals auch in Wattens statt | (c) Sofie Steinmetz

Jeden Donnerstagmorgen trifft sich in Innsbruck eine wachsende Gruppe von KI-Interessierten, um sich über konkrete Anwendungen auszutauschen. Was im November 2025 mit vier Personen begann, ist heute ein fester, wöchentlicher Treffpunkt der Tiroler KI-Szene: KINN bringt mittlerweile zwischen 30 und 50 Teilnehmer:innen zusammen – von Entwickler:innen über Marketer bis hin zu Unternehmer:innen.

„So ein KI-Stammtisch war in Innsbruck noch nicht da“, sagt Initiator Thomas Seiger. Der Wunsch nach Austausch sei aber groß gewesen – bei ihm selbst ebenso wie bei anderen. Beruflich ist Seiger Chief Innovation Officer bei Mission Solar sowie Chief Technology Officer bei seinem eigenen Startup Libra Innovation. Dort arbeitet er an KI-gestützten Automatisierungslösungen für österreichische Unternehmen.

Rotation in verschiedenen Co-Working-Spaces

Das Format ist bewusst einfach gehalten. KINN ist weder Verein noch Institution, sondern eine offene Community. Die Treffen finden jeden Donnerstag von 8 bis 9 Uhr statt und rotieren durch Innsbrucker Co-Working-Spaces. Gearbeitet wird an sogenannten Thementischen, an denen jeweils bis zu sechs Personen zu einem konkreten KI-Thema diskutieren. Welche Themen das sind, entscheiden die Teilnehmer:innen im Vorfeld per Voting bei der Anmeldung. „So hat jeder die Möglichkeit, wirklich in die Tiefe zu gehen zu einem Thema, das einen interessiert“, erklärt Seiger.

(c) Sofie Steinmetz

KI-Use-Cases aus der Praxis

Im Zentrum stehen dabei keine abstrakten Zukunftsvisionen, sondern konkrete Erfahrungen aus der Praxis. Entsprechend sammelt KINN verifizierte KI-Use-Cases von Tiroler KMU und Startups und bringt jene zusammen, die Lösungen entwickelt haben, mit jenen, die sie anwenden wollen.

Aus dem Austausch entstehen zunehmend auch konkrete Kooperationen. „Es kommen immer öfter Leute zusammen, die dann auch gemeinsam Projekte machen“, sagt Seiger. Gerade zwischen Marketing und Entwicklung ergäben sich dabei natürliche Anknüpfungspunkte.

Kostenlose Teilnahme

Die Teilnahme an KINN ist kostenlos, finanziert wird die Community aktuell auf Spendenbasis. Unterstützt wird das Format von Partnern wie der WKO Tirol und der Standortagentur Tirol, die bei Vernetzung, Sichtbarkeit und Organisation unterstützen – ohne eine formale Trägerschaft zu übernehmen. KINN selbst sei bewusst keine Institution, sagt Seiger, sondern „pure Community“.

Mittlerweile blickt die Initiative auch über Innsbruck hinaus. Ein erstes Treffen fand bereits in Wattens statt, weitere Termine sind unter anderem in Schönwies am Casablanca Campus sowie in Kitzbühel geplant. „Ich habe gesehen, dass es nicht nur Innsbruck sein muss“, sagt Seiger. Das Interesse sei auch außerhalb der Stadt groß. „KI betrifft Unternehmen im ganzen Land – und genau dort wollen wir den Austausch ermöglichen.“

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MyPilz Team mit Gründern Wolfgang Hinterdobler (l.) und René Lux (r.) © MyPilz

Das vor vier Jahren gegründete Startup MyPilz hat es sich zum Ziel gesetzt, das wirtschaftliche und ökologische Potenzial von Pilzen in die industrielle Anwendung zu bringen. Ermöglicht wird dies laut Unternehmen durch den technologischen Fortschritt der letzten Jahre: Dank gesunkener Kosten in der DNA-Sequenzierung lassen sich Pilzstämme heute präzise bis auf die Ebene des Individuums bestimmen, erklärt Gründer René Lux im brutkasten-Interview.

Angewandte Mykologie für die Kreislaufwirtschaft

Das biologische Reich der Fungi bietet laut Gründer Rene Lux enorme, bisher kaum genutzte Potenziale für die Wirtschaft. Die Anwendungsmöglichkeiten reichen von Verpackungsmaterialien und Plastikersatz über den Einsatz in der Bau- und Textilbranche bis hin zur gezielten Bodenentgiftung und dem Biomassemanagement.

Pilze agieren hierbei als essenzielle Zersetzer im Ökosystem. Um die Vernetzung zwischen internationaler Wissenschaft und Wirtschaft zu fördern, veranstaltet das Startup zudem die biennale Eventreihe „Pilzfestspiele“, die auch 2027 wieder in Wien über die Bühne gehen werden.

Das Geschäftsmodell: Drei Säulen im Untergrund

Das Geschäftsmodell von MyPilz ruht laut Lux im Wesentlichen auf drei Säulen:

  • Consulting & IP: Das siebenköpfige Team unterstützt etablierte Unternehmen und Startups bei der Entwicklung von Innovationen und begleitet sie bei Förderprojekten.
  • Laboranalytik: Mittels DNA-Metabarcoding bietet das Startup standardisierte Boden- und Schadbildanalysen an. Diese Daten nutzen unter anderem NGOs, staatliche Organisationen sowie die Landwirtschaft.
  • Education: Neben Ausbildungsprogrammen und Initiativen im Bereich Bildung vertreibt MyPilz ein ökologisches Brettspiel im deutschsprachigen Raum.

„Wir produzieren nicht ein Produkt und suchen uns dann einen Markt, sondern wir finden ein Problem und einen Partner und lösen dann dieses Problem durch Innovation“, erklärt Lux den strategischen Ansatz des Unternehmens. Zu den Kund:innen und Projektpartner:innen zählen unter anderem, das für sein Fungi Pad bekannte Startup Hermann.Bio und das Entsorgungsunternehmen öKlo. Für das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft erstellte das Startup zudem eine Potenzialstudie.

Gründer René Lux mit dem „Pilzfest“ Brettspiel

Cashflow-Stabilität und AWS-Wachstumsfinanzierung

Nach einer ersten Seed-Finanzierung durch Family and Friends sowie strategische Mentoren-Investoren trägt sich die operative Basis des Startups seit dem elften Monat selbst. Im ersten Geschäftsjahr erwirtschaftete MyPilz einen sechsstelligen Umsatz, der laut Angaben des Unternehmens seither jährlich annähernd verdoppelt werden konnte.

Da die Grundkosten über den eigenen Cashflow gedeckt sind, verzichten die Gründer aktuell auf die Abgabe weiterer Unternehmensanteile. Um das geplante Wachstum, darunter die Erweiterung des Teams und der Ausbau eines größeren Labors an einem neuen Standort, zu finanzieren, setzt MyPilz auf Fremdkapital. Dieses wurde unter anderem durch das Double-Equity-Programm der Förderbank AWS mit 250.000 Euro vor einigen Wochen erfolgreich gehebelt und durch langjährige Nachrangdarlehen der bestehenden Gesellschafter:innen auf 400.000 Euro erhöht.

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