13.05.2025
DIALEKT

KI-Note: Die KI vasteht di a, wennst gschert redst

Das Linzer Startup KI-Note bietet automatische Protokolle und Zusammenfassungen von Meetings. Die Besonderheit: Das Sprachmodell versteht auch Dialekt.
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Die KI-Note-Gründer Alexander Schurr und Josef Birklbauer | (c) Gerry Frank Photography 2024
Die KI-Note-Gründer Alexander Schurr und Josef Birklbauer | (c) Gerry Frank Photography 2024

Ein Meeting zu protokollieren ist mühsam. Doch zum Glück ist die Zeit, in der händisch Protokolle und Zusammenfassungen erstellt werden mussten, vorbei. Heute macht das alles die KI. Zumindest theoretisch. Denn gerade hierzulande in Österreich bemüht man sich bekanntlich nicht immer, Hochdeutsch zu reden. Und wenn die Kolleg:innen dann so richtig im Dialekt loslegen, kann die KI-Transkription mitunter zwar amüsante, aber leider auch unbrauchbare Ergebnisse liefern. Hier kommt das Linzer Startup KI-Note ins Spiel.

Auf Agentur-Business folgt SaaS-Tool

Noch befindet sich das Unternehmen von Alexander Schurr und Josef Birklbauer laut Website in Gründung. Mit KI Company betreiben die beiden aber bereits seit Anfang 2024 ein Agentur-Business mit KI-Beratung für Unternehmen. Nun folgt mit KI-Note ein klassisches SaaS-Angebot.

Das Angebot liest sich dabei zunächst nicht außergewöhnlich: Das Startup hat ein Sprachmodell so trainiert, dass es automatisiert Meetings transkribiert und dabei Protokolle und Zusammenfassungen erstellt. Dazu kommt von KI-Note das in der EU obligatorische Versprechen, hundertprozentig DSGVO-konform zu arbeiten.

KI-Note: „Aktuell höhere Genauigkeit bei regionaler Sprache im zentralen und nördlichen Bereich von Österreich“

Spannend wird es bei einem Feature, das auf der Startseite eher beiläufig erwähnt wird: „Fokus auf regionale Sprache“. Konkret heißt es dazu vom Startup: „Eine der Eigenschaften von KI-note ist, dass wir ein Sprachmodell verwenden, welches speziell auf das Verständnis regionaler Sprache (Dialekte) trainiert wird. Aktuell können wir dadurch eine höhere Genauigkeit bei regionaler Sprache im zentralen und nördlichen Bereich von Österreich erzielen. Wir arbeiten stetig daran weitere Dialekte zu trainieren.“

Deutsche und Schweizer Dialekte auch im 2min2mio-Pitch

Auch deutsche und schweizerische Dialekte will man künftig abdecken, heißt es von KI-Note im Vorfeld eines Auftritts in der Show „2 Minuten 2 Millionen“. Dieser wird diesen Dienstag ausgestrahlt. Dort wollen Alexander Schurr und Josef Birklbauer auch die Investor:innen von ihrem Konzept überzeugen.

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Foto: A1 Telekom Austria/APA-Fotoservice/Martin Hörmandinger

Bei Energie und bei Verteidigung hat Europa spät und teuer gelernt, was strategische Abhängigkeit kostet. Im Digitalen – bei Betriebssystemen, Cloud und Künstlicher Intelligenz – ist die Abhängigkeit von wenigen außereuropäischen Anbietern mindestens genauso groß. Genau dort will eine neue Allianz heimischer Leitbetriebe gegensteuern.

Getragen wird die „Initiative Digitale Souveränität“ von A1 Telekom, Anexia, Erste Bank, Keba Group, Spar ICS, Umdasch Group und der Vienna Insurance Group – sieben Unternehmen aus sieben Branchen. Gemeinsam wollen sie Initiativen und Pilotprojekte vorantreiben, um den Digitalstandort Österreich und Europa zu stärken, mit besonderem Fokus auf den Schutz kritischer Infrastruktur.

Die Stoßrichtung ist dabei ausdrücklich keine defensive. „Digitale Souveränität bedeutet nicht Abschottung, sondern Wahlfreiheit und europäische Alternativen — besonders bei kritischen Daten“, sagte A1-Deputy-CEO Thomas Arnoldner. Souveränität sei kein Schutzwall, sondern ein Sprungbrett – und man müsse sie aufbauen, bevor man sie brauche.

Vorschlag: ein Gütesiegel für die öffentliche Beschaffung

Der konkreteste Vorschlag steht im Positionspapier selbst: ein „Gütesiegel für Souveränität“ für die öffentliche Beschaffung. Es soll verlässliche Qualitätsstandards im Cloud-Bereich sichtbar machen, Transparenz schaffen und sogenanntem „Sovereign-Washing“ vorbeugen – also dem bloßen Etikett „souverän“ ohne echte Substanz. Zugleich soll digitale Souveränität in den Bewertungskriterien öffentlicher Vergaben verankert werden; für besonders sensible Daten aus Verwaltung, Gesundheit oder Bildung schlägt die Initiative europäische beziehungsweise österreichische „Souveränitätszonen“ vor.

Foto: A1 Telekom Austria/APA-Fotoservice/Martin Hörmandinger

Keba-CEO Christoph Knogler führte den Gedanken bei der Pressekonferenz aus Industriesicht aus: Ein solches Siegel müsse nachvollziehbar ausweisen, wo Daten gespeichert und verarbeitet werden, wer die Infrastruktur betreibt und in welchem Rechtsraum das geschieht. Berücksichtige die öffentliche Hand Souveränität bei ihren Vergaben, sei das kein bürokratisches Zusatzmerkmal, sondern ein Qualitätskriterium. Zusätzlich warb Knogler dafür, nicht jede Anwendung in der Cloud zu betreiben: On-Device- und On-Edge-KI könnten sensible Daten direkt an Gerät oder Maschine verarbeiten.

Hinter der Debatte steht ein juristischer Kern. Auf Nachfrage aus dem Publikum verwiesen die Initiatoren auf den US Cloud Act als zentrales Problem bei der Frage, welchem Rechtsraum in Europa verarbeitete Daten unterliegen. Fertige Kriterien für das Gütesiegel gebe es noch nicht – die Arbeit laufe auf europäischer wie nationaler Ebene.

Anexia-CEO Alexander Windbichler brachte einen regulatorischen Vergleich ins Spiel: Wie einst im Telekom- und Energiemarkt die Netze geöffnet wurden, ohne Produkte vorzuschreiben, könnte im Cloud-Bereich eine klare Trennung zwischen Software und Betrieb – samt offener Schnittstellen – für fairen Wettbewerb sorgen.

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