31.08.2026
NEUGRÜNDUNG

Neue KI-Beratung aus Wien: KI Schmiede setzt auf Organisationsentwicklung statt reinen Tool-Rollout

Mathias Lipp-Rosenthal hat im Juni die KI Schmiede gegründet. Statt Tools auszurollen, will er Unternehmen so weit bringen, dass sie KI selbst beherrschen. Denn wer mit KI sparen will, so seine These, wird zum Technologieunternehmen.
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Mathias Lipp-Rosenthal hat mit der KI Schmiede eine eigene KI-Beratung gegründet | Foto: Lipp Rosenthal

Viele Unternehmen wollen KI nutzen. Viele bleiben in der Pilotphase stecken. Diese Beobachtung hat Mathias Lipp-Rosenthal zur Gründung bewogen. Der Kärntner ist im Thema kein Neuling: Er bringt 20 Jahre Erfahrung an der Schnittstelle von Wirtschaft, Technologie und Politik mit, unterrichtet Responsible AI an der DPU in Berlin und hat nach seiner Zeit als stellvertretender Klubdirektor im Neos-Parlamentsklub mit AI Empowered Politics bereits ein KI-Startup gegründet, dessen Plattform Voter AI politische Prozesse transparenter machen sollte (brutkasten berichtete Anfang 2025).

Seit Juni ist seine KI Schmiede am Markt, er ist alleiniger Eigentümer. Je nach Projekt holt er Expert:innen dazu: Thomas Reisinger-Lederer, Berater für Datenschutz, Informationssicherheit und Compliance, verantwortet die AI-Act-Compliance und Datenschutzfragen. Dima Rubanov und Matthias Neumayer, Gründer des Wiener Startup-Studios Run Labs, das mit der Gute-Nacht-Geschichten-App Oscar Stories bekannt wurde (brutkasten berichtete), übernehmen die technische Bewertung und Machbarkeitsanalyse der Use Cases sowie die Produktentwicklung.

Die Beratung richtet sich an Unternehmen im DACH-Raum und begleitet sie von der Analyse ihrer Prozesse bis zu dem Punkt, an dem die Belegschaft KI selbstständig im Alltag einsetzt. KI-Beratung und KI-Schulung sind für Lipp-Rosenthal deshalb keine getrennten Produkte, sondern zwei Etappen desselben Wegs. „Die wollen ja nicht ewig abhängig werden“, sagt er über seine Kund:innen zu brutkasten.

Erst die Daten, dann die KI

Ein Großteil seiner Projekte hat mit generativer KI zunächst wenig zu tun. Es geht um Datenmanagement, um das Aufräumen von Prozessen und das Schaffen von Strukturen. Erst wenn das erledigt ist, setzt Lipp-Rosenthal dort KI-Anwendungen auf, wo sie etwas bringen. „Jeder Prozess, wo die Daten nicht passen, da schaffst du es auch nicht, irgendwie KI darauf aufzubauen.“ Der zweite Baustein ist die Belegschaft: Wer Mitarbeiter:innen nicht einschult und mitnimmt, bekommt aus seiner Sicht die falschen Use Cases.

Von KMU bis zu Konzernen

Gestartet ist Lipp-Rosenthal mit dem Blick auf KMU. Inzwischen arbeitet er nach eigenen Angaben auch für Konzerne, wo es um die Integration von KI in Prozesse und um die Schulung von Mitarbeiter:innen geht. Als Referenz nennt er die Gruppe Hollenstein: Das Unternehmen macht er „KI ready“, unter anderem mit der DSGVO-konformen Plattform Langdock. Ziel ist, repetitive Prozesse zu automatisieren, ohne die Qualität für die Kund:innen zu opfern.

Auf eine Branche legt er sich nicht fest: „Es liegt an den Geschäftsführern, an den Entscheidern. Wenn der Wille zur Veränderung da ist, dann ist die Branche eigentlich nebensächlich.“

Was er bei seinen Kund:innen beobachtet, führt zu seiner zentralen These. Fragen nach Hosting, Lizenzkosten und Eigenentwicklung häufen sich. „Jedes Unternehmen wird viel mehr zu einem Technologie- und Software-Unternehmen werden“, sagt Lipp-Rosenthal.

Boutique statt Beratungskonzern

Die KI Schmiede ist bewusst als Boutique-Beratung angelegt. Lipp-Rosenthals Anspruch ist, „so klein wie möglich und so impactvoll wie möglich“ zu bleiben und im eigenen Betrieb so früh wie möglich zu automatisieren. Skaliert wird über das Expertennetzwerk, nicht über eigenes Personal. Neben der KI Schmiede bleibt Lipp-Rosenthal in der Lehre aktiv, mit Lehraufträgen an der Quadriga Hochschule, der FH Wiener Neustadt und dem ARS Institut in Wien.

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Das Verenas-Team mit Gründerin Verena Nairz-Kapferer (3. v.r.). © Verenas

Die Ursprungsidee für Verenas entstand krisenbedingt: Während des ersten Corona-Lockdowns 2020 entwickelte Verena Nairz-Kapferer im eigenen Innsbrucker Café haltbare Rezepturen, um den Betrieb abzusichern. Was als Initiative für Café-Gäste begann, wird nun zum eigenständigen Geschäftsmodell. Im November 2026 gründen Verena Nairz-Kapferer und Jürgen Nairz eine eigene GmbH, um das Produktangebot im B2B-Bereich überregional zu skalieren.

Prozesssicherheit statt Spezialzutaten

Im Zentrum der Vertriebsstrategie steht der Premium-Gastrogroßhandel, über den Hotels, Cafés und Restaurants flächendeckend beliefert werden sollen. Aus mehr als 60 praxiserprobten Rezepturen konzentriert sich das Unternehmen für Großküchen auf rund 20 Varianten. Der wirtschaftliche Hebel liegt laut dem Gründungsteam dabei nicht nur beim Wareneinsatz von 0,80 bis 1,20 Euro pro fertig gebackener Portion. Standardisierte Mischungen reduzieren insbesondere den Arbeits- und Lageraufwand für Betriebe, die keine eigenen Spezialzutaten vorhalten wollen.

„Für einen Gastronomiebetrieb zählt nicht nur, was eine Portion an Zutaten kostet. Entscheidend sind auch Arbeitszeit, Einfachheit, Prozesssicherheit und eine Qualität, die unabhängig davon funktioniert, wer den Kuchen gerade zubereitet“, erklärt Jürgen Nairz, der den Vertriebsaufbau verantwortet.

Getrennte Produktion für Glutenfrei-Zertifizierung

Verena Nairz-Kapferer arbeitete ursprünglich im sozialen Bereich und verkaufte samstags selbst gebackene Kuchen. © Verenas

Die Backmischungen sind rein pflanzlich sowie zu großen Teilen zusätzlich glutenfrei formuliert. „Ich wollte nie einen Kuchen entwickeln, bei dem jemand sagt: Für vegan oder glutenfrei schmeckt der aber gut“, betont Produktentwicklerin Verena Nairz-Kapferer.

Um die geforderten Qualitätsstandards im B2B-Geschäft sicherzustellen, trennt das Startup laut eigenen Angaben die Fertigung. Vegane Varianten sollen ab November 2026 in einem Partnerbetrieb nahe Graz abgefüllt werden. Die glutenfreien Mischungen verbleiben in einer separaten Innsbrucker Produktionsstätte, um Kreuzkontaminationen auszuschließen. Damit bereitet sich das Unternehmen auf die Zertifizierung mit dem Glutenfrei-Symbol vor.

Absatzziel: 40.000 Einheiten im Jahr 2027

Flankiert von einem B2C-Onlineshop mit vorerst sieben Sorten setzt das Unternehmen auf wiederkehrende B2B-Bestellungen. Für das Geschäftsjahr 2027 peilt Verenas ein Absatzvolumen von rund 40.000 Einheiten an. Gespräche mit weiteren Partnern im Gastrogroßhandel laufen laut den Gründer:innen bereits, um die Distribution im kommenden Jahr überregional auszubauen.

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