30.04.2026
STUDIE

„Kettenreaktion“: Nahostkonflikt treibt weltweite Insolvenzen auf Rekordhoch

Der anhaltende Nahostkonflikt belastet die globale Wirtschaft schwer und treibt die weltweiten Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2026 deutlich stärker in die Höhe als bislang erwartet, wie eine aktuelle Studie von Acredia Group und Allianz Trade zeigt.
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Frachtschiff auf offener See im Sonnenuntergang
(c) Anastasios Antoniadis via unsplash

Die weltweiten Unternehmensinsolvenzen werden 2026 voraussichtlich um sechs Prozent steigen, wie aus einer aktuellen Studie der Acredia Group in Zusammenarbeit mit Allianz Trade hervorgeht. Ursprünglich war für dieses Jahr lediglich ein Wachstum von drei Prozent prognostiziert worden. Als maßgeblicher Treiber für diese Korrektur nach oben wird der Nahostkonflikt identifiziert, der den Studienautor:innen zufolge für rund 15.000 zusätzliche Insolvenzen in den Jahren 2026 und 2027 verantwortlich sein wird.

„Kein kurzfristiger Ausschlag, sondern eine Kettenreaktion“

Gestörte Lieferketten, volatile Energiemärkte und erhöhte Transportkosten setzen demnach insbesondere margenschwache und energieintensive Branchen wie die Chemie-, Metall- und Logistikindustrie stark unter Druck. Gudrun Meierschitz, Vorstand der Acredia Group, ordnet die Lage ein: „Die Dynamik hat sich spürbar verschärft. Was wir sehen, ist kein kurzfristiger Ausschlag, sondern eine Kettenreaktion entlang der globalen Wirtschaft“.

Weitere Verschlechterung steht im Raum

Für das Jahr 2027 rechnen die Kreditversicherer nicht mit einem Rückgang der Pleitewelle, sondern prognostizieren eine Stabilisierung auf hohem Niveau. Die Situation könnte sich allerdings weiter verschlechtern: In einem formulierten Worst-Case-Szenario – etwa bei einer längeren Blockade der Straße von Hormus – gehen die Experten von einem globalen Insolvenzanstieg von bis zu zehn Prozent im Jahr 2026 aus. Diese makroökonomische Entwicklung hat auch gravierende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Nach Einschätzung der Studienautoren sind weltweit rund 2,2 Millionen Arbeitsplätze direkt durch Unternehmensinsolvenzen gefährdet, wovon allein 1,3 Millionen auf den europäischen Kontinent entfallen.

Österreich überdurchschnittlich stark betroffen

In Österreich spiegelt sich dieser angespannte internationale Trend nahtlos wider. Mit über 6.800 Unternehmensinsolvenzen verzeichnete das Land im Jahr 2025 den höchsten Wert seit 2009. Als stark exportorientierte Volkswirtschaft mit einer Exportquote von 55 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leidet Österreich der Analyse zufolge überdurchschnittlich stark unter der gedämpften globalen Nachfrage und den hohen Energiekosten.

Gudrun Meierschitz | (c) Acredia Group

Für 2026 gehen die Prognosen von einem anhaltend hohen Niveau mit rund 6.750 Fällen aus, bevor im Jahr 2027 ein leichter Rückgang auf etwa 6.300 Insolvenzen eintreten könnte. „Die Kombination aus schwacher Konjunktur, strukturellem Druck in der Industrie und externen Unsicherheiten hält viele Unternehmen unter Spannung“, fasst Meierschitz die angespannte Lage für heimische Betriebe zusammen.

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Wolfgang Hattmannsdorfer | (c) drehwerk / Peter Mayr
Wolfgang Hattmannsdorfer setzt mit „Made in Europe and Partner Countries“ den nächsten Umsetzungsschritt der Industriestrategie 2035. | (c) drehwerk / Peter Mayr

Die Industriestrategie 2035 nimmt immer klarere Formen an (brutkasten berichtete). Durch den nächsten Umsetzungsschritt „Made in Europe and Partner Countries“ soll mit rund 70 Milliarden Euro öffentlicher Kaufkraft nun die europäische Wertschöpfung gestärkt werden. „Nur 0,6 Prozent aller Aufträge stehen für 50 Prozent des gesamten Beschaffungsvolumens, und genau da müssen wir ansetzen. Dort wo die großen Summen, dort wo die Milliarden bewegt werden“, sagt Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, der sich auf eine vom Lieferketteninstitut ASCII erstellte Analyse bezieht.

Startups werden in diese vergleichsweise kleine Zahl großer Aufträge nicht fallen. Auf Nachfrage von brutkasten hieß es vom Wirtschaftsministerium: „Diesen Beschaffungen kommt eine besondere strategische Hebelwirkung zu. Wenn bei diesen großen Aufträgen neben dem Anschaffungspreis auch Qualität, Lebenszykluskosten, Innovation, Versorgungssicherheit und europäische Wertschöpfung stärker berücksichtigt werden, kann bereits bei wenigen Verfahren eine große wirtschaftspolitische Wirkung erzielt werden.“ Die Frage, ob Startups in Zukunft stärker in der Beschaffung berücksichtigt werden sollen, wurde nicht beantwortet.

„Startups können Lösungen für zentrale Zukunftsaufgaben liefern“

Ganz unberücksichtigt sollen Startups aber nicht bleiben. „Der öffentliche Sektor ist ein großer Hebel, um Innovationen schneller in die Anwendung zu bringen. Startups können Lösungen für zentrale Zukunftsaufgaben liefern, von Digitalisierung über Klima bis Mobilität, Gesundheit und Verwaltung“, erklärt das Wirtschaftsministerium. Konkrete Beispiele, inwiefern das Innovationspotential von Startups besser nutzbar gemacht werden soll, gibt es noch nicht. Das Wirtschaftsministerium verweist auf den Aktionsplan „Strategische Beschaffung“, der bis zum Ende des Jahres ausgearbeitet wird.

Losteilungen und Local-Content-Bezug als Unterstüzung

Im Zuge der Innovationsförderung setzt Hattmannsdorfer auf Losteilung. „Es gibt eine extrem hohe Anzahl von Einzelaufträgen, wo ein Kleiner oft gar keine Chance hat, dass er wettbewerbsfähig teilnehmen kann. Wenn man Lose teilt, gibt es hier, glaube ich, eine konkrete Chance“, sagt der Wirtschaftsminister. Das soll Klein- und Mittelbetrieben den Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen erleichtern. Das Wirtschaftsministerium betont die Wichtigkeit eines „breiten Bieterwettbewerbs“ für eine wirtschaftliche öffentliche Beschaffung.

Junge Unternehmen sollen durch einen „Local-Content-Bezug“ eine faire Möglichkeit erhalten, sich bei der Beschaffung gegen etablierte und gegen große Unternehmen durchsetzen zu können. „Das fängt bei der Ausschreibung bzw. bei der Beschaffung der Gemeinde an, unter dem Aspekt von ,Local-Content‘ Betriebe auch vor Ort entsprechend zu berücksichtigen“, sagt Hattmannsdorfer.

„Made in Europe and Partner Countries“ ist keine starre Präferenzregel

Der durchschnittliche Einzelbieteranteil, jene Verfahren ohne Wettbewerb, liegt bei 40 Prozent. Durch „Made in Europe and Partner Countries“, bei dem man sich auf den europäischen Standort fokussieren will, soll dieses Problem aber nicht verstärkt werden. „‚Made in Europe and Partner Countries‘ ist nicht als starre Präferenzregel zu verstehen“, erklärt das Wirtschaftsministerium und ergänzt: „Strategische Beschaffung und ein breiter Bieterwettbewerb sind dabei keine Gegensätze, sondern müssen gemeinsam gedacht werden.“

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