Ketofabrik: Salzburger Snack-Startup gewinnt Testlistung bei Rewe in Deutschland
Ketofabrik konnte sich als eines von drei Startups bei der "Rewe Startup Lounge" des deutschen Supermarkt-Riesen durchsetzen. Nach einer Testlistung in 160 Filialen besteht die Chance auf eine reguläre Listung in sämtlichen mehr als 3.000 Märkten der Kette.
2020, nur ein Jahr nach seiner Gründung, sorgte das auf zuckerarme Snacks spezialisierte Salzburger Startup Ketofabrik für Aufsehen in der Show „2 Minuten 2 Millionen“. Mit dem Vorschlag, dass die Investor:innen bei Erreichen bestimmter Ziele Anteile zurückgeben müssten, habe man „hoch gepokert“, sagte Mitgründer Dusan Milekic damals gegenüber brutkasten.
Schließlich holte man nicht nur ein Investment (wobei Investor Martin Rohla die vorgeschlagenen Konditionen ablehnte), sondern auch das „Startup-Ticket“, das damals eine Listung in 200 Billa-, 150 Merkur- (heute Billa Plus) und 600 Bipa-Filialen bedeutete.
Bereits Listungen im gesamten DACH-Raum
Inzwischen ist Ketofabrik nicht nur bei Billa und Bipa flächendeckend in Österreich gelistet, sondern auch bei dm, Müller und OMV. Auch international konnten bereits Listungen erzielt werden, etwa bei der deutschen Supermarktkette Tegut oder den Schweizer Ketten Migros, k kiosk und Valora. Zudem komme der Großteil der Käufer:innen über Amazon aus Deutschland, heißt es vom Startup. Insgesamt habe man bislang rund sechs Millionen Riegel verkauft.
Testlistung: Ab Anfang 2026 in 160 Rewe-Filialen
Nun kommt ein weiterer bedeutender Partner in Deutschland hinzu – vorerst im Rahmen einer Testlistung. Ketofabrik setzte sich nämlich bei der „Rewe Startup Lounge“ der deutschen Billa- und Bipa-Mutter als eines von drei Startups durch. Das bedeutet zunächst eine Platzierung in 160 Rewe-Märkten in Deutschland ab Anfang 2026. Bei entsprechend gutem Absatz, könnte daraus eine reguläre Listung in allen mehr als 3.000 Märkten werden.
„Die Zusammenarbeit mit Rewe in Deutschland ist für uns ein bedeutender Schritt in unserer Expansion. Wir freuen uns sehr über die Chance, unsere Produkte in einem der wichtigsten Lebensmittelmärkte Europas zu platzieren,“ kommentieren die Ketofabrik-Gründer Slobodan Stojanovic und Nicola Di Loreto in einer Aussendung.
Para-Schwimmer Onea setzt sich für inklusive KI ein: neuer Datensatz für Unternehmen
Selbst zum Superhelden werden oder sich in eine Actionfigur verwandeln. KI macht es in Sekunden möglich, allerdings nicht für jeden. Menschen mit körperlicher Behinderung werden oftmals nicht korrekt dargestellt, unter anderem weil KI-Modelle bisher nicht genug Daten hatten. Auch Para-Schwimmer Andreas Onea ist davon betroffen. Künstliche Intelligenz sei noch nicht inklusiv genug, sagt er. Das soll sich nun ändern.
Para-Schwimmer Onea setzt sich für inklusive KI ein: neuer Datensatz für Unternehmen
Selbst zum Superhelden werden oder sich in eine Actionfigur verwandeln. KI macht es in Sekunden möglich, allerdings nicht für jeden. Menschen mit körperlicher Behinderung werden oftmals nicht korrekt dargestellt, unter anderem weil KI-Modelle bisher nicht genug Daten hatten. Auch Para-Schwimmer Andreas Onea ist davon betroffen. Künstliche Intelligenz sei noch nicht inklusiv genug, sagt er. Das soll sich nun ändern.
„Wer nicht sichtbar ist, existiert nicht. Ganz einfach“, sagt Onea im brutkasten-Gespräch. Menschen mit körperlicher Behinderung lägen laut dem ORF-Moderator in der Gesellschaft unter der Wahrnehmungsgrenze, und diese Unsichtbarkeit verhindere die Teilhabe. Auch die KI trage dazu bei: Derzeit stellten KI-Modelle Menschen mit körperlicher Behinderung nicht richtig dar. Auf manchen generierten Bildern hat der Para-Schwimmer, der mit fünf Jahren seinen linken Arm verlor, einen halben Arm zu viel oder einen falsch dargestellten Stumpf. „Manche sagen vielleicht, das ist banal. Aber im Endeffekt geht es um Teilhabe. Und Teilhabe heißt, ich bin dabei“, sagt Onea. Dass Bildmodelle Behinderung verzerrt darstellen, ist auch wissenschaftlich dokumentiert. Eine im Juli veröffentlichte Untersuchung der Universität Utrecht, bislang als Preprint, zeigt, dass Text-zu-Bild-Modelle Menschen mit Behinderung etwa überwiegend als alt und weiß darstellen.
An dieser Teilhabe arbeitete einer der erfolgreichsten Para-Schwimmer Österreichs zusammen mit Microsoft und dem Prothesenhersteller Ottobock. Gemeinsam erstellten sie Trainingsmaterial, mit dem KI-Modelle lernen können. Das Ergebnis, zwei Datensätze mit jeweils rund 400 Bildern und bis zu 100 Videos, wurde für alle frei zugänglich auf der Open-Source-Plattform Hugging Face veröffentlicht. Es liegt nun an den KI-Unternehmen, sie zu nutzen. Onea hat eine eindeutige Vision für die Zukunft: „Wenn man eine Menschenmenge generiert, dann sollten da auch repräsentativ Rollstuhlfahrer, Amputierte und Blinde drinnen sein. Das wäre eben adäquate Sichtbarkeit.“
„Innovationsgeist aus Europa heraus fördern“
Das Projekt berührt die Debatte um digitale Souveränität. Laut Onea darf sich Europa nicht damit zufriedengeben, die Entwicklungen aus den USA und dem asiatischen Raum einfach nur zu regulieren. „Das darf nicht unser USP sein. Wir müssen den Innovationsgeist aus Europa heraus fördern, anstiften und ermöglichen. Ich glaube, dass wir wahnsinniges Potential haben“, sagt der Moderator. Aktuell sind US-Tech-Giganten wie Google und Microsoft federführend in der KI-Entwicklung. Von ihnen wünscht sich Onea mehr Rücksichtnahme in der Produktentwicklung. Für Menschen mit Behinderung kann es etwa schon ein Problem darstellen, eine Tastenkombination aus drei Tasten gleichzeitig zu drücken.
KI.Bilder zeigen Menschen mit Prothese oft falsch oder gar nicht | Foto: Microsoft
Die Möglichkeiten für Unternehmen
Der ORF-Moderator sieht wirtschaftliches Potential in inklusiver KI. „Wenn du deine Produkte, deine Services, deine KI-Wrapper so baust, dass sie von allen nutzbar sind, kannst du mehr Menschen damit erreichen“, erklärt er. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt die Zahl der Menschen mit erheblicher Behinderung weltweit auf 1,3 Milliarden. Gleichzeitig biete ein inklusiver Zugang zum Arbeitsmarkt auch Chancen für Unternehmen. Firmen, die auch Menschen mit Behinderung anstellen, hätten in ihren Teams laut Onea eine höhere Resilienz. „Ich muss seit meinem sechsten Lebensjahr jeden Tag Lösungen finden in einer Welt, die nicht darauf vorbereitet ist, dass ich einarmig da durchspaziere. Das heißt, ich habe eine irrsinnige Lösungsorientiertheit und Frustrationsschwelle“, sagt der 34-Jährige.
In Österreich gibt es bereits Firmen, die gezielt Menschen mit Beeinträchtigungen einstellen, etwa das Startup Responsible Annotation Services. Das Unternehmen annotiert Daten, das heißt, es fügt ihnen Informationen und Kennzeichnungen hinzu. Mit den annotierten Daten können KI-Systeme trainiert und verbessert werden. Wie der brutkasten im März des Vorjahres berichtete, besteht das Team nach eigenen Angaben großteils aus neurodivergenten Expert:innen, viele davon im Autismus-Spektrum, die außergewöhnliche Fähigkeiten in Mustererkennung, Konzentration und Konsistenz mitbringen. „Diese Menschen haben hier irrsinnige Fähigkeiten, weil sie wahnsinnig konzentriert sein können und wirklich auf die kleinsten Details Wert legen. Also solche Sachen, bei denen wir einfach im Regelspektrum die Nerven wegschmeißen“, sagt Onea.
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