25.10.2021

Kern Tec: Obstkern-Startup kooperiert mit Rewe & setzt ersten Schritt in den Einzelhandel

Das österreichische Startup Kern Tec hat eine vollautomatisierte Technologie zur Aufspaltung, Sortierung und Veredelung von Steinobstkernen entwickelt. Die durch den Upcycling-Prozess gewonnen Öle bringt das Startup nun erstmalig in den österreichischen Einzelhandel.
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Kerntec
© Christian Landl

Kerntec hat sich auf das Upcycling von Steinobstkernen spezialisiert, die in Europa für die Industrie größtenteils noch immer ein Abfallprodukt darstellen. Jährlich fallen etwa 550.000 Tonnen Steinobstkerne an, die entsorgt oder bestenfalls als Heizgut dienen.

Doch der Rohstoff „Kern“ hat noch viel mehr zu bieten. Sofern eine Aufspaltung in Weichkern und Hartschale erfolgt, lässt sich das „Abfallprodukt“ zu hochwertigen Rohstoffen verarbeiten, die in weiterer Folge zu Genuss- und Kosmetiköle oder Proteinmehle weiter veredelt werden.

Mittlerweile betreibt Kern Tec im niederösterreichischen Herzogenburg in der Nähe der Wachau eine eigene Produktionsanlage. Die Maschinen für die „Kernspaltung“ wurden von Kern Tec teilweise selbst entwickelt und können bis zu einer Tonne Rohstoff pro Stunde verarbeiten. 2020 hat das Startup rund 1000 Tonnen Kerne verarbeitet.

Der Schritt in den Einzelhandel

Insgesamt arbeitet das Startup bereits seit vier Jahren an seinen Öl-Kreationen, die aus Kernen von Marillen und Zwetschken entstehen. Bisher wurden die Öle nur an europäische Firmen und Spitzenköche verkauft. Wie Kern Tec am Montag bekannt gab, ging das Startup nun eine Kooperation mit Rewe ein, um die Öle unter der Billa Eigenmarke auch in den österreichischen Einzelhandel zu bringen.

Das Marillen- & Zwetschkenkernöl kann nun in ganz Österreich im sogenannten „Festtags Sortiment“ bei allen Billa und Billa + Supermärkten erworben werden. Dabei handelt es sich um einen begrenzten Verkaufszeitraum.

Auf Rückfrage des Brutkastens bestätigt eine Sprecherin von Kern Tec, dass die Öle bis Ende des Jahres gelistet sind, solang der Vorrat reicht. Ob es eine dauerhafte Listung gibt, ist bis lang noch nicht bekannt. Die 100ml Flaschen sind mit rund sechs Euro bepreist.

© Christian Landl

Kern Tec Finanzierung und Plug & Play Teilnahme

Die bisherige Finanzierung erfolgte laut Co-Founder Luca Fichtinger vorwiegend aus dem eigenen Cashflow und über einen Betriebsmittelkredit. Zudem konnte das Startup für Forschung und Entwicklung Förderungen für sich verbuchen. Aktuell befindet sich das Startup auf Investorensuche, um das weitere Wachstum voranzutreiben.

Im Frühling diesen Jahres sorgte das Startup mit seiner Teilnahme am renommierten US-Food Accelerator von Plug & Play für Schlagzeilen. Dabei handelt es sich um eines der bedeutendsten Programme für Startups aus dem Food & Beverage Bereich. Für das Programm bewarben sich rund 1000 Startups. Kern Tec wurde dabei als eines von zehn Unternehmen ausgewählt, das drei Monate lang eng mit Mentor:innen aus der Lebensmittelindustrie zusammenarbeiten durfte.


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Lagebold.one
© elements.envato - Beispielfoto.

Besonders in den letzten Sommerjahren häuften sich global Bilder von verheerenden Waldbränden und evakuierten Personen. Man las von Griechenland, den USA, Spanien, Frankreich oder Italien. Doch auch hierzulande waren Brände ein großes Thema. Die Landesfeuerwehrkommandanten aus der Steiermark, Oberösterreich, Niederösterreich und Tirol haben am gestrigen Mittwoch in Wien Bilanz über die heurige Waldbrandsaison gezogen.

Lagebild.one: Joint Venture von DroneCorps und Joanneum Research

Laut Bundesfeuerwehrverband waren heuer österreichweit rund 55.000 Feuerwehrmitglieder bei etwa 3.500 Wald- und Vegetationsbränden im Einsatz. In der Steiermark zählte der Waldbrand in Eisbach-Rein zu den größten Einsätzen. Mehr als 2.600 Kräfte leisteten dort rund 26.000 Arbeitsstunden. Die Einsatzkosten lagen bei mehreren Millionen Euro.

In der Startup-Szene ist vor allem das Münchner Scaleup Ororatech bekannt, das von den beiden Österreichern Martin Langer und Thomas Grübler geführt wird. Es liefert mittels eigener Satellitenkonstellation erhobenen Waldbrand-Daten mittlerweile an Kunden auf der ganzen Welt.

Nun tritt Lagebild.one, ein österreichisches Technologieunternehmen und ein Joint Venture von DroneCorps — das im April mit drei Millionen Euro für 89 Prozent der Anteile eingestiegen ist — und Joanneum Research vor den Vorhang. Gegründet wurde es im Februar des heurigen Jahres. Das Unternehmen entwickelt ein bei Joanneum Research entstandenes Forschungsprojekt weiter und überführt die daraus hervorgegangenen Technologien schrittweise in eine Lösung für den Einsatz in der Praxis.

Start 2027

Im Zentrum steht eine herstellerunabhängige Plattform für die digitale Lageführung, die Integration von Drohnen sowie die KI-gestützte Unterstützung von Einsatzorganisationen. Daten und Informationen aus Drohnen, Sensoren, Kartenmaterial und von Einsatzkräften werden hierbei in einem gemeinsamen digitalen Lagebild zusammengeführt und für die operative Nutzung aufbereitet. Ab 2027 soll die Plattform Feuerwehren, Katastrophenschutz und andere Rettungs- und Einsatzorganisationen dabei unterstützen, schneller einen Überblick über komplexe Situationen zu erhalten.

Konkret können aus der Luft schwer zugängliche Gebiete erfasst werden. Live- und Wärmebilder an allen Leitständen und Einsatzstandorten sollen einen umfassenden Überblick über das Einsatzgebiet ermöglichen und dabei helfen, hartnäckige Brandherde oder Glutnester effizient zu bekämpfen.

Partner aus Spanien

Bezüglich der automatisierten Drohnenmissionen bringt das spanische Partnerunternehmen Drone Hopper seine Erfahrung bei der Entwicklung von Schwerlastdrohnen für die Waldbrandbekämpfung in das Projekt ein. Im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts „Wildhopper“ wurde beispielsweise eine Drohnenplattform entwickelt, die bis zu 600 Liter Löschmittel transportieren und gezielt über Brandgebieten ausbringen kann.

Bei der Einbindung weiterer Drohnen-, Sensor- und Einsatzsysteme sei Lagebild.one herstellerunabhängig konzipiert und grundsätzlich offen für unterschiedliche Technologien und Anbieter, liest man per Aussendung.

„Unser Ziel ist es, bestehende Informationen und Systeme so miteinander zu verbinden, dass daraus ein tatsächlich nutzbares Lagebild entsteht“, erklärt Raffael Dreiher, Geschäftsführer der Lagebild.one GmbH. „Gerade in zeitkritischen Situationen kann es entscheidend sein, relevante Informationen schnell und übersichtlich dort zur Verfügung zu stellen, wo sie von den Einsatzkräften benötigt werden.“

Lagebild.one mit weiteren Use-Cases

Neben Waldbränden soll die Technologie künftig unter anderem auch bei Hochwasser, Suchaktionen sowie weiteren Katastrophen- und Großschadenslagen eingesetzt werden können.

„Wald- und Vegetationsbrände sind längst keine Herausforderung einzelner Regionen mehr. Auch in Europa werden extreme Wetterlagen und großflächige Brände zunehmend zu einem Thema für Einsatzorganisationen. Österreich verfügt über hervorragendes technologisches und wissenschaftliches Know-how. Mit Lagebild.one wollen wir einen Beitrag dazu leisten, dieses Wissen in konkrete Lösungen zu übersetzen, die auch international eingesetzt werden können“, sagt Stephen Grimm, Geschäftsführer von DroneCorps.

Und Matthias Rüther von Joanneum Reserach ergänzt: „Auf Basis der bisherigen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten von Joanneum Reserach entsteht gemeinsam mit Lagebild.one nun eine Lösung mit hohem Praxisbezug. Wir werden Anfang kommenden Jahres ein Produkt zur Verfügung haben, das insbesondere für die Bekämpfung von Waldbränden einen konkreten Mehrwert bietet und gleichzeitig das Potenzial für den internationalen Markt hat.“ Damit soll der Übergang von einem Forschungsprojekt hin zu einer praxistauglichen und skalierbaren Plattform gelingen.

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