30.01.2024

136 Jahre alte deutsche Molkerei setzt bei veganen Alternativen auf Kern Tec

Die Privatmolkerei Bauer aus Oberbayern setzt bei seiner neuen pflanzlichen Marke "Zum Glück!" auf die Upcycling-Technologie des niederösterreichischen Startups Kern Tec. Zum Einsatz kommen aufbereitete Marillenkerne.
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Das Gründerteam von Kern Tec | (c) Kern Tec
Das Gründerteam von Kern Tec | (c) Kern Tec

Mit einem Jahresumsatz von mehr als 600 Millionen Euro pro Jahr zählt die Privatmolkerei Bauer zu den führenden Molkereiunternehmen Deutschlands. Das familiengeführte Unternehmen wurde 1887 als das sogenannte „Bauerschweizer Käsewerk“ im oberbayrischen Wasserburg am Inn gegründet. Der Boom nach pflanzlichen Milchalternativen machte allerdings auch vor dem 136 Jahre alten Familienunternehmen nicht halt. Seit 2021 bietet die Traditionsmolkerei vegane Alternativen zu Joghurt und Käse an.

Kooperation mit Kern Tec

2024 startet Bauer nun mit seiner neuen Marke „Zum Glück!“, die vegane Joghurts, Pudding und Pflanzendrinks umfasst. Für die Produktion der Produkte, die unter der neuen Marke angeboten werden, setzt Bauer auf das Upcycling von Marillenkerne und kooperiert dafür mit dem niederösterreichischen Startup Kern Tec. Dafür werden bislang ungenutzte Marillenkerne aus der Fruchtindustrie für die Produktion von veganen Alternativprodukten wie Joghurt, Milch und Pudding eingesetzt. Wie Kern Tec in einem LinkedIn-Posting schreibt, sollen die neuen Produkte ab März im deutschen Handel erhältlich sein.

Insgesamt soll es zum Start acht unterschiedliche Produkte geben | (c) Bauer

„Mit ‚Zum Glück!‘ bieten wir exklusiv ein pflanzliches Top-Sortiment, das geschmacklich auf einer innovativen Basis durch Upcycling gerettete Marillenkerne beruht. Hierzu arbeiten wir mit dem Startup Kern Tec GmbH aus Österreich zusammen, die unser strategischer Partner sind“, so Tim Schwertner, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing und Chief Commercial Officer der Bauer Gruppe.

Unter anderem wirbt die Molkerei damit, dass Kern Tec 2023 im Zuge der Anuga – führende Lebensmittelmesse in Europa – als eine der Top-10-Innovationen ausgezeichnet wurde. Insgesamt haben sich 689 Unternehmen mit mehr als 2.200 Ideen um die Aufnahme beworben.

Expansion soll über B2B-Schiene erfolgen

2023 launchte das niederösterreichische Startup Kern Tec unter seiner eigenen B2C-Marke Wunderkern bereits einen veganen Käse, der ebenfalls aus geretteten Obstkernen hergestellt wird. Seither komplementiert der Käse das Sortiment rund um den Wunderkern Drink und die Schoko-Creme aus Marillenkernen sowie Delikatess-Öle.

Mit der Marke Wunderkern möchte sich das Startup vorwiegend auf den österreichischen Markt konzentrieren, wie uns Co-Founder Sebastian Jeschko in einem brutkasten-Talk erläuterte. Sie soll als Showcase dienen, wofür die Technologie zur Aufbereitung von Steinobstkernen in der Lage ist. Die Expansion soll demnach vorwiegend im B2B-Bereich erfolgen, wofür sich das Startup im letzten Jahr eine Finanzierungsrunde in Höhe von zwölf Millionen Euro abgeschlossen hat.


Video-Tipp: Kern Tec zu Gast im brutkasten-Talk

Erst im April 2023 sorgte Kern Tec mit einer selbst ausgerufenen Bewertung von 20 Millionen Euro bei „2 Minuten 2 Millionen“ für einen TV-Eklat. Vor laufenden Kameras verglich Hans-Peter Haselsteiner die Bewertung als “Missbrauch an den Investoren” und verließ verärgert das Studio. Im September folgte das zwölf Millionen Euro Investment. Wir haben mit Kern Tec Co-Founder Sebastian Jeschko über die Hintergründe gesprochen.

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easy-connect, mamdani, Metropolitan Opera, Met, NY
© Laura Böhler - Gerald Stockinger (l.)(Co-Founder & CTO) und Wolfgang Graf (Co-Founder & CEO).

Die Metropolitan Opera und New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani kündigten Ende September eine Initiative an: In der Saison 2026/27 gibt die Met jeden Monat 10.000 Karten an New Yorker:innen frei, die seit 2019 kein Met-Ticket gekauft haben. Das sind rund zehn Prozent aller Tickets der Saison. Das Unternehmen easy-connect aus Wien liefert dafür die Technologie, wie dieses heute bekanntgab.

easy-connect in New York

Die Tickets werden über die bestehende digitale Lotterie in der App vergeben: Dazu müssen Nutzer:innen ihren Ausweis für die Berechtigungsprüfung in der App hochladen und sich für eine Vorstellung zur Lotterie anmelden. Von einem möglichen Gewinn erfahren sie per Push-Nachricht – und erhalten das Ticket direkt am Handy. Das Besondere daran: So kann die Met auch jene Teilnehmer:innen erneut ansprechen, die bei der Lotterie nicht gewinnen.

„Mit Opera for All wollten wir es New Yorker:innen in allen fünf Stadtbezirken leicht machen, die Met zu entdecken – und sie persönlich bei uns willkommen heißen. Weil Lotterie und Ausweisprüfung bereits in der App, die wir auch für unsere Rush-Tickets nutzen, verfügbar waren, ging es bemerkenswert schnell von der Idee zum Start – und das in der Größenordnung, die diese ambitionierte Initiative gebraucht hat. Möglich war das dank unserer Zusammenarbeit mit dem innovativen und flexiblen Team von easy-connect, das uns bei jedem Schritt begleitet hat, vom Design bis zur Umsetzung“, sagt Gillian Brierley, Chief Audiences, Marketing, and Communications Officer der Metropolitan Opera.

Bürgermeister Mamdani über „Opera for All“

Das Modell lässt sich auf viele Kulturbetriebe übertragen. Seit 2024 vergibt die Met über eine Lotterie in der App vergünstigte Tickets für 25 Dollar. Mehr als 550.000-mal haben Menschen seither bei der Verlosung mitgemacht, mehr als die Hälfte der App-Nutzer:innen ist unter 40 Jahren alt – und trotzdem sind rund vier von fünf Tickets, die in der App gekauft werden, ganz reguläre (Vollpreis-)Karten. Für viele Menschen stelle die Lotterie den ersten Schritt ins Haus dar.

Denn wer sich in der App anmeldet, sei für die Met kein:e Unbekannte:r mehr. Wer bei der Lotterie nicht gewinnt, bekommt automatisch ein passendes Angebot für ein reguläres Ticket. Im deutschsprachigen Raum gibt es ebenfalls solche Modelle und Initiativen, um kulturelle Teilhabe über alle Besuchergruppen hinweg zu ermöglichen, unabhängig von Herkunft oder finanziellen Möglichkeiten. Zum Beispiel am Opernhaus Zürich mit einer Ticket-Lotterie und der digitalen Prüfung der „KulturLegi-Berechtigung“ für Menschen mit geringem Einkommen, direkt in der App.

„Stammpublikum entwickeln“

„Kultur einfacher zugänglich zu machen, war von Anfang an unser Anspruch. Nun macht es uns besonders stolz, dass die Technologie hinter einem Programm dieser Größenordnung aus Wien kommt“, sagt Wolfgang Graf, Co-Founder & CEO von easy-connect, der das Unternehmen gemeinsam mit Gerald Stockinger gegründet hat. „Drei von vier Erstbesucher:innen kommen nie wieder. Mit einer eigenen App können Häuser das ändern: Menschen zum ersten Mal hereinholen, sie persönlich ansprechen und daraus Stammpublikum entwickeln. Am Ende des Tages geht es darum, möglichst viele Menschen für Kunst und Kultur zu begeistern. Und was in New York funktioniert, funktioniert genauso in Wien, Zürich oder Berlin.“

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