31.01.2025
FINTECH

Keine AG mehr: Neobank N26 wird zur Europäischen Gesellschaft

Die Neobank N26 hat einen strategischen Schritt mit Wachstumsambition getätigt. Am heutigen Freitag kommuniziert sie die Umwandlung in die europäische Gesellschaftsform "Societas Europaea".
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N26-Founder Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf Onlinebank neobank n26
N26-Founder Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf (v.li.) | Foto: N26

In den letzten Monaten gab es einige Entwicklungen rund um die Berliner Neobank N26. Nicht zuletzt verzeichnete man im vergangenen November, elf Jahre nach der Gründung, erstmals ein „positives Quartal“. Die von den beiden Wienern Maximilian Thayenthal und Valentin Stalf gegründete digitale Bank schaffte es damit, über einen längeren Zeitraum profitabel zu wirtschaften. Das operative Ergebnis belief sich indes auf einen Betrag von 2,8 Millionen Euro im Plus – brutkasten berichtete.

Ein knappes Monat später launchte man den „Sofort-Fonds“ – eine Erweiterung des bestehenden Trading-Angebotes zum Handel mit Aktien und ETFs. Am heutigen Freitag kommuniziert die Neobank seine Umwandlung von einer deutschen Aktiengesellschaft (AG) zur Europäischen Gesellschaft, die unter ihrem lateinischen Namen Societas Europaea fungiert sowie unter der Bezeichnung SE bekannt ist.

N26 stärkt europäische Position

Die Gesellschaftsform ermöglicht es Aktiengesellschaften, ihre „Geschäftstätigkeit in verschiedenen europäischen Ländern mit einem einheitlichen Regelwerk zu betreiben“, so die Definition auf der offiziellen Website der Europäischen Union. Die Gesellschaftsform soll unter anderem grenzübergreifende Geschäftstätigkeiten vereinfachen sowie die Mobilität im Binnenmarkt stärken.

Voraussetzungen zur Gründung umfassen unter anderem den Sitz sowie die Hauptverwaltung der Organisation im selben EU-Land sowie die Präsenz des Unternehmens in anderen EU-Ländern – sei es über Tochtergesellschaften oder Zweigniederlassungen. Zudem muss ein Mindestkapital von 120.000 Euro vorhanden sein.

„Langfristige Wachstumsambitionen in Europa“

Laut N26 steht dieser strategische Schritt für „das Engagement des Unternehmens, seine Corporate Governance systematisch weiterzuentwickeln und seine Struktur mit den langfristigen Wachstumsambitionen in Europa in Einklang zu bringen“.

N26-Gründer und CEO Valentin Stalf sagt dazu: „Die Umwandlung in eine SE ist nach dem Erreichen der Gewinnschwelle im vergangenen Jahr ein weiterer wichtiger Meilenstein für die Weiterentwicklung von N26. Durch die internationale Anerkennung einer SE stärken wir das Vertrauen in N26 und verbessern nachhaltig den Zugang zum Kapitalmarkt.“

Mit dem Wechsel zur europäischen Rechtsform will man nun die Voraussetzung schaffen, um „unter einem einheitlichen, in der gesamten Europäischen Union geltenden Regelwerk zu operieren“. Man peile indes operative Effizienz sowie mehr Flexibilität an, um die Kundenbasis des Unternehmens in ihren einzelnen europäischen Märkten „besser bedienen zu können“.

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Die Dæly-Gründer v.l.: Paul Truffner, Florian Ritter und Alexander Walliser | (c) Dæly
Die Dæly-Gründer v.l.: Paul Truffner, Florian Ritter und Alexander Walliser | (c) Dæly

„Es ist so ein bisschen der iPhone-Moment für das Familien-Whiteboard“, sagt Florian Ritter, Co-Founder des Grazer Startups Dæly, im Gespräch mit brutkasten. Gemeinsam mit Paul Truffner und Alexander Walliser hat der 26-Jährige ein digitales Wandgerät entwickelt, das die traditionelle Zettelwirtschaft in Haushalten ersetzen soll. Der 15,6 Zoll große Touchscreen fungiert als zentrales Organisationsmedium und soll verstreute Kalender, Einkaufslisten und To-Do-Anwendungen vereinen.

Die Organisation in vielen Familien sei nämlich auf bis zu acht verschiedene, teils digitale und teils analoge Werkzeuge verteilt, erklärt Ritter. Kinder besäßen oft noch kein Smartphone, weshalb Eltern Termine zwar digital im Google- oder Apple-Kalender pflegten, parallel aber einen analogen Wandkalender führten, damit der Nachwuchs sehe, wann etwa das Fußballtraining stattfinde. Diese fragmentierte Organisation führe zu mangelndem Überblick, ständigen Missverständnissen und Koordinationsstress im Alltag.

„Wir bringen diese ganzen Tools in ein einziges System“

Um Abhilfe zu schaffen, führt das System verschiedene Datenquellen zusammen. „Wir bringen diese ganzen Tools in ein einziges System, das für alle funktioniert“, erläutert Ritter. Die Gründer haben das Gerät systemagnostisch aufgebaut, sodass Nutzer Google-, Outlook- oder Apple-Kalender synchronisieren können. Dies löse ein häufiges Problem in Partnerschaften, in denen die Beteiligten oft unterschiedliche Kalendersysteme nutzten. Über eine kostenlose Begleit-App für iOS und Android lassen sich Einträge auch von unterwegs verwalten.

Neben der Terminplanung bietet das Gerät eine Aufgabenverwaltung, ein Punktesystem für Kinder sowie eine Einkaufs- und Essensplanung. Für Ritter ist klar: „Unser Ziel ist es, das beste Familienhaushalts-Managementsystem zu bauen, das es gibt.“ Die kontinuierliche Weiterentwicklung erfolge auf Basis des Feedbacks einer engagierten Nutzerschaft, wobei das System Software-Updates automatisch und kostenfrei aufspiele.

Hardware-Entwicklung ohne Investorengelder

Im konkreten Segment, in dem es mehrere internationale Player gibt, ist man bereits Marktführer im DACH-Raum. „Wir sind bereits bei mehreren Tausend Familien im Einsatz“, sagt Ritter. Dabei setzt so ein Hardware-Startup bekanntlich eine stabile finanzielle Basis voraus. Hier unterscheidet sich der Weg des Unternehmens von einigen im Technologiesektor üblichen Mustern: Dæly ist vollständig eigenfinanziert und bereits profitabel. Für die Entwicklung und den Start investierten die Gründer einen sechsstelligen Betrag aus eigenen Mitteln, die sie unter anderem durch ihr bestehendes E-Commerce-Unternehmen „Tassenliebling“ erwirtschaftet hatten. Der weitere Aufbau erfolge primär über eine Vorbestellungskampagne sowie den laufenden operativen Cashflow. „Wir können das richtig gut aus dem eigenen Cashflow heraus stemmen“, sagt Ritter.

Er sieht in diesem „Finance Based Scaling“ eine zentrale Stärke des jungen Unternehmens. Auf Risikokapital wolle das Team vorerst verzichten, um die Unabhängigkeit zu wahren. Die Bildschirme lässt das Startup wie branchenüblich in China fertigen. Ritter räumt dabei ein, dass eine Produktion in Europa wünschenswert wäre, dass jedoch die Kosten für das Endgerät, das aktuell 300 Euro kostet, massiv steigern würde.

Fokus auf den DACH-Raum und europäische Sicherheitsstandards

Trotz der Hardware-Fertigung in Asien legt das Unternehmen großen Wert auf europäische Sicherheitsstandards. Ein zentraler Aspekt des Produkts ist die bewusste Abgrenzung von US-amerikanischen Cloud-Diensten. Um die Privatsphäre der Familien zu schützen, betreibt das Unternehmen seine Server ausschließlich in Deutschland. Synchronisierte Kalenderdaten speichert das System laut Herstellerangaben nicht zwischen. Die technische Infrastruktur verzichtet bei der Datenspeicherung auf US-Anbieter wie Google Firebase, um die Einhaltung der DSGVO und europäischer Sicherheitsstandards zu gewährleisten.

Beim physischen Produkt setzt das Startup auf Nachhaltigkeit: Das Gerät verfügt über keinen Akku. Ritter begründet dies mit der höheren Energieeffizienz eines direkten Stromanschlusses und dem Umweltschutz durch die Vermeidung seltener Rohstoffe. Der feste Standort an der Steckdose sichere, dass das Gerät stets für alle Familienmitglieder auffindbar bleibe. In den kommenden Monaten liege der strategische Fokus des Teams ganz auf dem DACH-Markt. Eine weitere geografische Expansion behalte man sich für einen späteren Zeitpunkt vor.

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