08.07.2015

Karrierefrauen sollen anstrengend sein und nicht zu schnell aufzugeben

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Wissenschaftlerin Renee Schröder glaubt, dass oft die nicht offensichtlichen Wege die erfolgreicheren sind.

Acht Uhr früh. Generalversammlung im Beratungsunternehmen. Fünf Männer und eine Frau sitzen am runden Tisch. Alltag für die Businessfrau, die bereits eine steile Karriere hinter sich hat. Auch die Wissenschaftlerin Renée Schröder ist es gewohnt, etwa bei Diskussionsrunden einer Handvoll Männern gegenüberzusitzen – als einzige Frau. Erst recht in ihrer Welt, der Wissenschaft. Die Molekularbiologin der Universität Wien ist eine der führenden Wissenschaftlerinnen auf ihrem Gebiet. Eine leidenschaftliche obendrein. Leidenschaftlich wird die 62-Jährige aber auch, wenn man sie zu Karrieretipps, Aufstiegshürden oder Männerseilschaften befragt. Sie ist der Überzeugung, dass oft nicht die offensichtlichen Wege die erfolgreicheren sind und rät speziell Frauen, auf dem Karriereweg öfter mal abzubiegen.

Schröders Tipps in Kurzform: Nicht auf Ratschläge hören. Einfach tun und bloß keine Hemmungen haben. Bei Gehaltsverhandlungen etwa ist sie auch gern mal eine halbe Stunde „wie ein Fels in der Brandung“ dagesessen. Schröder hält es für wichtig, sich gut vorzubereiten und mit offenen Karten zu spielen: Das biete ich. Das kann ich. Das will ich dafür haben. „Ich war eine beinharte Verhandlerin. Ich muss mir überlegen, unter welchen Bedingungen ich einen Job machen will, was ich opfern will. Auf keinen Fall darf ich mich unter Wert verkaufen.“

Kam die berühmte Frage: „Wo wollen Sie in fünf Jahren stehen?“, lautete ihre Antwort: „Das will ich gar nicht wissen!“ Einfach tun hält sie für den besseren Weg. „Ich würde nie einen Plan machen und ihn verfolgen. Was möglich ist, mache ich. Da gehört viel Trial and Error dazu-Error darf man nicht als Niederlage sehen.“ Wer nur einen Weg sieht, schaut nicht nach rechts und links. Oft sind aber die nicht offensichtlichen Wege die erfolgreicheren. „Wenn Lösung A nicht geht, dann nehme ich Lösung B oder C. Die meisten glauben, sie sind ein Loser, wenn der eine Weg nicht geht. Aber vielleicht ist der Umweg attraktiver. Es gibt so viele Möglichkeiten.“

Frauen empfiehlt sie, anstrengend zu sein und nicht zu schnell aufzugeben. „Männer suchen sich aus, wen sie als Opfer auswählen. Rollt der Zug einmal, gibt es nämlich keinen Widerstand mehr.“ Sie selbst ist in einigen Netzwerken drin, aber nicht, um ihre Karriere zu pushen, sondern weil es Spaß macht. „Da ticken Frauen anders.“ Auch Mobilität ist für sie keine Voraussetzung, um Karriere zu machen. „Mobilität ist kein Qualitätskriterium“, sagt sie rigoros. „Das ist ein typisches Kriterium, wenn es enger wird und man etwas sucht, wo Frauen vielleicht nicht so fit sind.“ Wer nur ins Ausland will, um im Lebenslauf Mobilität vorzuweisen, sollte es lassen.

Ähnlich sieht sie das Thema Kind(er). Ja oder nein? „Diese Frage stellt sich nicht. Ich wollte sechs und habe zwei. Es ist leichter mit Familie.“ Warum? „Man ist ausgeglichener und man setzt nicht alles auf die Karrierekarte.“ Und wer nur auf die Karriere schielt, schaut auch gern und oft auf diverse Rankings. Diese hält Schröder für Schwachsinn. „Wen interessiert es, wer die Nummer eins ist? Vielleicht die Nummer eins“, sagt sie, die in Rankings ganz oben steht.

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Elias und Matthias Bohun von Traivelling bei der Prämierung der besten Geschäftsidee Niederösterreichs 2019 (c) Daniela Matejschek

Interkontinentale Zugreisen einfach und nachhaltig zu ermöglichen, dafür wurde Traivelling vor gut fünf Jahren gegründet. Ursprünglich war das Unternehmen im B2C-Bereich tätig. Privatpersonen sollten ohne großartige Recherche weite Strecken mit dem Zug zurücklegen können. Zuletzt wollte man sich im B2B-Bereich verstärken, doch nun ist das Unternehmen insolvent. Ein Konkursverfahren am Handelsgericht Wien wurde eröffnet.

„Wir arbeiten in einem knappen Margenbereich“

Zuletzt arbeitete Traivelling daran, eine Softwareschnittstelle im B2B-Bereich anzubieten, über die Tickets weitervermittelt werden sollten. Das Wiener Startup hätte dafür monatliche Fees von B2B-Partnern und eine Provision von Bahnfirmen erhalten. Aus einer Aussendung des Kreditschutzverbands KSV1870 geht hervor, dass Traivelling dadurch Umsätze in einer Größenordnung generieren wollte, die für einen langfristigen Unternehmenserfolg entscheidend sein sollten. Im Endeffekt war laut KSV 1870 eben diese Softwareschnittstelle für die Nutzung durch Unternehmenskunden, also der B2B-Bereich, die Ursache für die Insolvenz.

Die Entwicklung dieser Schnittstelle konnte nämlich bis dato nicht fertiggestellt werden. Auch ein Rettungsversuch durch Verhandlungen mit Investoren scheiterte. „Es waren unüberbrückbare vertragliche Differenzen zwischen den Investoren und uns“, erklärt Geschäftsführer Elias Bohun, der die Namen der Investoren nicht nennen möchte.

„Wir arbeiten in einem knappen Margenbereich. Am Ende ist uns leider das Geld ausgegangen, obwohl wir jeden Tag Buchungen hatten. Wir hätten aber ein Vielfaches gebraucht“, sagt Bohun. Bereits gebuchte Tickets würden ihre Gültigkeit behalten. Das Unternehmen hatte zwei Mitarbeiter.

Die Verbindlichkeiten betragen laut Kreditschutzverband 435.000 Euro, rund 200 Gläubiger seien betroffen. Die Zahl der Gläubiger sei so groß, weil Traivelling sich unter anderem mittels Crowdfunding finanzierte.

Crowdfunding und FFG-Förderung

Das Startup konnte im Jahr 2025 über eine Crowdfunding-Aktion 200.000 Euro einsammeln (brutkasten berichtete). Um diese Summe zu erreichen, habe es laut Geschäftsführer Elias Bohun nur zehn Tage gebraucht. Zusätzlich erhielt das Wiener Startup eine FFG-Basisförderung. Insgesamt konnten man eine Finanzierung in Höhe von rund 600.000 Euro aufstellen.

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