17.10.2022

Kanye West kauft rechten Twitter-Klon Parler

Parler bezeichnet sich als "uncancelbare Freie-Rede-Plattform". Der Übernahmedeal mit Kanye West ist noch nicht umgesetzt.
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Kanye West kauft rechten Twitter-Klon Parler
Kanye West | (c) Cosmopolitan UK via Wikimedia Commons

Wegen antisemitischer Aussagen flog der umstrittene US-Rapper Kanye West – der sich nun „Ye“ nennt – kürzlich bei Instagram und Twitter raus. Es ist nur eine weitere Eskalationsstufe beim Musiker, der mit seinen Attacken gegen die „Political Correctness“ in den USA in rechts-konservativen Kreisen beliebt ist. Nun kauft er ein eigenes soziales Netzwerk, um nicht mehr gesperrt werden zu können: den rechten Twitter-Klon Parler. Der Deal soll laut einer Aussendung des Unternehmens noch dieses Jahr umgesetzt werden.

Martin Sellner, Trump-Anhänger:innen und der Sturm auf das Capitol

2018 gegründet, stieg Parler in der Coronakrise mit seiner „kompromisslosen Meinungsfreiheit“ – sprich: dem Fehlen jeglicher Moderation – zur beliebten Plattform nicht nur bei Rechtskonservativen bis Rechtsextremen, sondern auch bei Verschwörungstheoretiker:innen auf. Auch der österreichische Identitären-Führer Martin Sellner war dort zu finden, ebenso wie zahlreiche Anhänger:innen und Vertraute des damaligen US-Präsidenten Donald Trump. Schließlich spielte das Netzwerk auch bei der Organisation des „Sturms auf das Capitol“ Anfang 2021 eine zentrale Rolle. Deswegen wurde es damals auch kurzzeitig gesperrt – der brutkasten berichtete.

Parler CEO: Kanye West „wird nie wieder befürchten müssen, aus den sozialen Medien entfernt zu werden“

Bei der selbsternannten „uncancelbaren Freie-Rede-Plattform“ verspricht man sich nun durch die geplante Übernahme durch Kanye West „eine zukünftige Rolle bei der Schaffung eines uncancelbaren Ökosystems, in dem alle Stimmen willkommen sind“. Parler CEO George Farmer kommentiert: „Ye macht einen bahnbrechenden Schritt in den Medienbereich der freien Meinungsäußerung und wird nie wieder befürchten müssen, aus den sozialen Medien entfernt zu werden. Wieder einmal beweist Ye, dass er dem alten Medien-Narrativ einen Schritt voraus ist“. Man plane, den Deal im vierten Quartal abzuschließen, heißt es vom Unternehmen mit Sitz in Nashville, Tennessee. Ein Kaufpreis wird nicht genannt. Laut der US-Plattform TechCrunch hatte das Netzwerk zuletzt rund 250.000 monatlich aktive User.

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Fawks AI
© LinkedIn/Canva - Neha Agarwal, Co-Founderin Fawks AI.

Eigentlich geht es hier nicht um ein Startup aus Indien, aber dennoch muss es kurz erwähnt werden: über 86 Millionen US-Dollar Umsatz, eine geschätzte Firmenbewertung von 200 Millionen US-Dollar, 500 Mitarbeiter:innen. Und das gebootstrapped. Das ist die Geschichte des indischen Proptech Housiey. Gegründet wurde es 2016 von Neha Agarwal und ihrem Bruder Ankit.

Problem Intransparenz

Der Ausgangspunkt der Geschwister damals war ein Markt, in dem es zwar viele Immobilienportale gab, aber es aufgrund laxer Regulierung immer wieder zu Fällen kam, in denen Makler:innen Objekte zu Preisen anboten, die vom tatsächlichen Endpreis stark abwichen. Auch Angaben zu Steuern, Regulierung und Mindestpreisen fehlten und Käufer:innen zahlten häufig zu viel für Immobilien.

Darin sahen die beiden eine Marktlücke. So bauten sie eine Plattform, auf der Bauträger direkt vertreten sind. Ihr Bruder übernahm als CEO den Vertrieb, Agarwal verantwortete die gesamte Technik. Dazu gehörte die Suchmaschinenoptimierung, die die heute in Wien lebende Gründerin als einen der Eckpunkte für den investorenlosen Erfolg nennt. „Housiey sollte bei Google gut ranken, ohne viel Geld für Werbung auszugeben. Das war noch vor dem KI-Zeitalter“, sagt sie. Außerdem entwickelte Agarwal den Anmeldeprozess für Nutzer:innen und setzte zu Beginn auf YouTube-Kanäle, um Immobilien zu präsentieren.

Der andere zentrale Faktor für Erfolg war die Transparenz: Nutzer:innen sollen alle Informationen zu einer Immobilie in einem durchgängigen Ablauf sehen können, vollständig und korrekt. „Das schafft Vertrauen und sie tappen nicht in eine Falle“, so Agarwal.

Von Indien nach Österreich: Fawks AI entsteht

2012 endete das Kapitel Indien und die Founderin kam für einen Job bei den Vereinten Nationen nach Österreich (IAEA). Eigentlich war ein Aufenthalt von sechs Monaten geplant, doch sie blieb, wechselte danach in einen Job bei einem anderen Unternehmen und kündigte dort schließlich, um gemeinsam mit COO Arun Gaurav Fawks AI in Wien zu gründen.

© zVg – Neha Agarwal und Arun Gaurav.

Das Wiener KI-Startup entwickelt eine eigene Speech-Engine zur Kundenkommunikation: eine KI, die Telefonanrufe im Kundensupport wie ein Mensch führen soll und sich an Unternehmen richtet. Erste Tests mit zahlenden Kund:innen laufen bereits.

aws-Förderung

Dafür erhielt das Startup eine Förderung in Höhe von 300.000 Euro von der Austria Wirtschaftsservice (aws) im Rahmen des Förderprogramms aws Preseed | Deep Tech. Damit soll die Kerntechnologie mit dem Codenamen HIVE vom Konzept zu einem produktionsreifen Prototyp weiterentwickelt werden. Im vergangenen Jahr wurde Fawks AI zudem für den ersten Venture-Cake-Jahrgang von weXelerate, dem Wiener Startup-Accelerator, als eines von acht Startups bei 150 Bewerbungen ausgewählt. Ein möglicher Grund dafür: eine sprachliche Besonderheit von Fawks AI.

„Wir haben festgestellt“, präzisiert Agarwal, „dass es bei der deutschen Sprache auf den Dialekt ankommt, etwa Vorarlbergerisch oder Wienerisch. Im Benchmarking lag die Erkennungsrate nur bei 68 Prozent. Wir haben überall gesucht, aber kein Spracherkennungsmodell gefunden, auch nicht in Europa, sondern nur US-Modelle. Wenn ein Anruf zum Beispiel eine Bankangelegenheit betrifft und eine IBAN genannt wird, wird die Nummer nicht korrekt erkannt, und der nächste Workflow wird nicht ausgelöst. Viele große Unternehmen können KI deshalb nicht richtig einsetzen, weil die Spracherkennung nicht gut genug ist.“

Deswegen deckt Fawks AI Standarddeutsch, Wienerisch und Österreichisch-Bairisch ab, und adressiert auch Menschen, die Deutsch nicht als Muttersprache, sondern in der Schule gelernt haben. Künftig möchte man noch Schweizerdeutsch in die Anwendung implementieren.

Damit ist Fawks AI nicht allein und bewegt sich hierzulande in einem Feld, mit großer Konkurrenz wie fonio, KI-Note oder NeedNect. Doch es gibt einen Grund, warum man sich für Wien entschieden hat.

„Ernst genommen“

„Österreich hat uns ernst genommen, bevor es andere taten“, sagt Agarwal. „Die Förderung ist ein Signal, dass die aws bereit ist, anspruchsvolle Ingenieursprobleme zu unterstützen, nicht nur Anwendungen. Europäische KI-Infrastruktur lässt sich nicht mit amerikanischen Standardwerkzeugen aufbauen. Das hat die aws verstanden, und ihre Jury ebenso. Wir sind dankbar für das Vertrauen.“

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