07.03.2024

kamuh: Neues Tool aus Salzburg soll Privatvermieter:innen entlasten

Mit Alexander Planitzer als CTO und Martin Macheiner als COO hat sich Gründerin Simone Jutte nun IT-Expertise ins kamuh-Team geholt.
/artikel/kamuh-neues-tool-aus-salzburg-soll-privatvermieterinnen-entlasten
Das kamuh-Team präsentiert sich erstmals dreiköpfig. (c) kamuh

Eine Anfrage für ein zusätzliches Kinderbett auf Booking.com, anti-allergische Bezüge für Airbnb-Gäste, eine Stornierung für eine Person – und das alles neben Job und Familie: Das zu jonglieren, ist der Alltag für viele Privatvermieter:innen. An sie richtet sich die Salzburger Gründerin Simone Jutte mit ihrer Plattform kamuh, die bis Ende April gelauncht werden soll.

Dabei handelt es sich um eine Plattform, in der sämtliche Buchungen von verschiedenen Portalen in einem Kalender synchronisiert werden. Darüber hinaus können Gästenachrichten und Rechnungen zentral verwaltet werden – auch vom Smartphone aus. Eine KI-Assistenz soll Nachrichten an Gäste formulieren und übersetzen und automatisch To-Do-Listen erstellen. Durch die Anbindung von Reiseagenturen sollen die Vermieter:innen, die die Gäste oft in ihrem eigenen Haus beherbergen, außerdem mehr Kontrolle darüber haben, welche Gäste zu ihnen kommen.

Ferienvermietung für nebenbei

Etwa 20 Tester:innen nutzen die Plattform seit Mitte Jänner. Eigentlich wäre für Anfang 2024 bereits der Launch der Plattform vorgesehen, der sich jedoch aufgrund des sperrigen Zertifizierungsprozesses von Booking.com, Airbnb und feratel noch verzögert hat. In weiterer Folge sollen noch mehr Channels wie Holidu angebunden werden.

Bestehende vergleichbare Systeme sind für große Hotelbetriebe ausgelegt und dementsprechend teuer und kompliziert; kamuh hingegen will sich mit Abo-Preisen ab 25 Euro und einer intuitiven Handhabe an Leute richten, die Vermietung im kleinen Stil nebenbei betreiben. Ausgelegt ist die Plattform zunächst nur auf den DACH-Raum – das langfristige Ziel ist jedoch, den weltweiten Markt zu bedienen.

„kamuh ist weiblich“

Die Idee dafür stammt aus Juttes eigenen Erfahrungen: Gemeinsam mit ihrem Mann vermietet sie seit vier Jahren ein Ferienapartment im eigenen Haus. Wie oft der Fall, blieb das entsprechende Management bei ihr als Frau liegen – zusammen mit der Organisation des Lebens der vierköpfigen Familie. „Das Problem ist nicht das, sondern alles, was an einer Frau hängen bleibt. Dass es unbezahlt ist, bin ich eh schon gewohnt. Aber man muss immer alles im Kopf haben und das ist einfach eine totale Belastung.“

Dementsprechend richtet sich kamuh vor allem an Frauen, die sich in dieser strapazierenden Situation wiederfinden; die App sollte ihnen laut Jutte diese zusätzliche Belastung aus den Köpfen nehmen. „kamuh ist weiblich, angelehnt an die Freiheitsstatue“, so Jutte. Das passt zu dem Claim der Plattform: „Freiheit für deine Vermietung“. Selbst das Kuh-Maskottchen trägt eine entsprechende grüne Krone.

Eigeninvestition und Networking

kamuh ist mit etwa 110.000 Euro bootstrapped, hinzu kommt ein Investment von Juttes Vater über weitere 100.000 Euro. Dieser stieg in das Unternehmen ein, nachdem ein anderer Investor sein Angebot nach langen Gesprächen am Tag der Vertragsunterzeichnung zurückzog – Work for Equity plus 60.000 Euro, die Jutte bereits in ihre Planung miteinberechnet hatte. „Dann stehst du da und denkst dir ‘scheiße, ich brauche das Geld so dringend‘. Das mache ich nie wieder. Ich möchte einfach nicht mehr erpressbar sein“, sagt Jutte.

Für die nächsten Schritte könne sie die Fixkosten so anpassen, dass ihr Unternehmen nicht von weiteren Investments abhängig sei. Trotzdem befindet sie sich ständig in Gesprächen, baut ihr Netzwerk aus und besucht Messen. Alleine in dieser Woche ist kamuh auf der ITB Berlin und der Salz21 in Salzburg vertreten, danach folgt noch die Bewerbung für Startup World Cup Austria. Für Jutte ist Networking sehr wichtig: Bereits in jungen Jahren hat ihr Vater sie auf Tourismusmessen mitgenommen.

Tech-Startup ohne Tech-Leute oder Startup-Erfahrung

Als gebürtige Flachauerin sei Jutte der Tourismus „quasi in die Wiege gelegt worden.“ Außerdem, erzählt die 37-Jährige, sei sie die Letzte in ihrer Unternehmer-Familie gewesen, die sich selbstständig gemacht hat. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass sie in nur zwei Jahren aus einer Idee für eine Plattform zur Privatvermietung ein Startup gemacht hat – und das ohne Founder-Erfahrung. „Vom Startup-Bereich habe ich keinen Schimmer gehabt“, sagt sie.

Ein Tech-Unternehmen ohne Tech-Expert:innen zu gründen, würden viele als unmöglich bezeichnet – Jutte hingegen bezeichnet es lediglich als „schwierig“. 2021 bewarb sie sich als Single-Founderin ohne Tech-Erfahrung initiativ für das Salzburger „SHAPE“-Pre-Incubation-Programm mit ihrem Konzept: eine App für touristische Kleinvermieter:innen. „Irgendwo musste ich anfangen. Ich wollte es unbedingt und hab nicht lockergelassen.“ Ihre Lösung: viel Networking und Teilnahme an Inkubationsprogrammen. „Dann habe ich mit externer Tech-Entwicklung angefangen und irgendwann die richtigen Leute kennengelernt. Und jetzt ist alles anders, gottseidank.“

kamuh auf der Salz21

Mit „die richtigen Leute“ sind Alexander Planitzer und Martin Macheiner gemeint. Vor etwa einer Woche wurde öffentlich, dass die beiden privat als CTO und COO bei kamuh eingestiegen sind, nachdem ihre Firma VIABIRDS die Software für kamuh entwickelte. Auf der Salz21, dem Technologie- und Innovationsforum, hat Jutte die beiden vor einem Jahr erst flüchtig kennengelernt. Nun, nur ein Jahr später, stellen die drei am 06. und 07. März genau dort Besucher:innen ihr gemeinsames Startup vor.

Deine ungelesenen Artikel:
29.05.2026

MyPilz: Startup macht Wien zur Pilzhauptstadt und sammelt 400.000 Euro frisches Kapital ein

Das Wiener Startup MyPilz nutzt DNA-Sequenzierung, um die Mykologie für die Kreislaufwirtschaft anwendbar zu machen. Über ein mehrsäuliges Geschäftsmodell aus Consulting, Laboranalysen und Bildungsformaten ist das Unternehmen seit dem elften Monat operativ cashflow-positiv.
/artikel/mypilz-startup-macht-wien-zur-pilzhauptstadt-und-sammelt-400-000-euro-frisches-kapital-ein
29.05.2026

MyPilz: Startup macht Wien zur Pilzhauptstadt und sammelt 400.000 Euro frisches Kapital ein

Das Wiener Startup MyPilz nutzt DNA-Sequenzierung, um die Mykologie für die Kreislaufwirtschaft anwendbar zu machen. Über ein mehrsäuliges Geschäftsmodell aus Consulting, Laboranalysen und Bildungsformaten ist das Unternehmen seit dem elften Monat operativ cashflow-positiv.
/artikel/mypilz-startup-macht-wien-zur-pilzhauptstadt-und-sammelt-400-000-euro-frisches-kapital-ein
MyPilz Team mit Gründern Wolfgang Hinterdobler (l.) und René Lux (r.) © MyPilz

Das vor vier Jahren gegründete Startup MyPilz hat es sich zum Ziel gesetzt, das wirtschaftliche und ökologische Potenzial von Pilzen in die industrielle Anwendung zu bringen. Ermöglicht wird dies laut Unternehmen durch den technologischen Fortschritt der letzten Jahre: Dank gesunkener Kosten in der DNA-Sequenzierung lassen sich Pilzstämme heute präzise bis auf die Ebene des Individuums bestimmen, erklärt Gründer René Lux im brutkasten-Interview.

Angewandte Mykologie für die Kreislaufwirtschaft

Das biologische Reich der Fungi bietet laut Gründer Rene Lux enorme, bisher kaum genutzte Potenziale für die Wirtschaft. Die Anwendungsmöglichkeiten reichen von Verpackungsmaterialien und Plastikersatz über den Einsatz in der Bau- und Textilbranche bis hin zur gezielten Bodenentgiftung und dem Biomassemanagement.

Pilze agieren hierbei als essenzielle Zersetzer im Ökosystem. Um die Vernetzung zwischen internationaler Wissenschaft und Wirtschaft zu fördern, veranstaltet das Startup zudem die biennale Eventreihe „Pilzfestspiele“, die auch 2027 wieder in Wien über die Bühne gehen werden.

Das Geschäftsmodell: Drei Säulen im Untergrund

Das Geschäftsmodell von MyPilz ruht laut Lux im Wesentlichen auf drei Säulen:

  • Consulting & IP: Das siebenköpfige Team unterstützt etablierte Unternehmen und Startups bei der Entwicklung von Innovationen und begleitet sie bei Förderprojekten.
  • Laboranalytik: Mittels DNA-Metabarcoding bietet das Startup standardisierte Boden- und Schadbildanalysen an. Diese Daten nutzen unter anderem NGOs, staatliche Organisationen sowie die Landwirtschaft.
  • Education: Neben Ausbildungsprogrammen und Initiativen im Bereich Bildung vertreibt MyPilz ein ökologisches Brettspiel im deutschsprachigen Raum.

„Wir produzieren nicht ein Produkt und suchen uns dann einen Markt, sondern wir finden ein Problem und einen Partner und lösen dann dieses Problem durch Innovation“, erklärt Lux den strategischen Ansatz des Unternehmens. Zu den Kund:innen und Projektpartner:innen zählen unter anderem, das für sein Fungi Pad bekannte Startup Hermann.Bio und das Entsorgungsunternehmen öKlo. Für das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft erstellte das Startup zudem eine Potenzialstudie.

Gründer René Lux mit dem „Pilzfest“ Brettspiel

Cashflow-Stabilität und AWS-Wachstumsfinanzierung

Nach einer ersten Seed-Finanzierung durch Family and Friends sowie strategische Mentoren-Investoren trägt sich die operative Basis des Startups seit dem elften Monat selbst. Im ersten Geschäftsjahr erwirtschaftete MyPilz einen sechsstelligen Umsatz, der laut Angaben des Unternehmens seither jährlich annähernd verdoppelt werden konnte.

Da die Grundkosten über den eigenen Cashflow gedeckt sind, verzichten die Gründer aktuell auf die Abgabe weiterer Unternehmensanteile. Um das geplante Wachstum, darunter die Erweiterung des Teams und der Ausbau eines größeren Labors an einem neuen Standort, zu finanzieren, setzt MyPilz auf Fremdkapital. Dieses wurde unter anderem durch das Double-Equity-Programm der Förderbank AWS mit 250.000 Euro vor einigen Wochen erfolgreich gehebelt und durch langjährige Nachrangdarlehen der bestehenden Gesellschafter:innen auf 400.000 Euro erhöht.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

kamuh: Neues Tool aus Salzburg soll Privatvermieter:innen entlasten

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

kamuh: Neues Tool aus Salzburg soll Privatvermieter:innen entlasten

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

kamuh: Neues Tool aus Salzburg soll Privatvermieter:innen entlasten

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

kamuh: Neues Tool aus Salzburg soll Privatvermieter:innen entlasten

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

kamuh: Neues Tool aus Salzburg soll Privatvermieter:innen entlasten

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

kamuh: Neues Tool aus Salzburg soll Privatvermieter:innen entlasten

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

kamuh: Neues Tool aus Salzburg soll Privatvermieter:innen entlasten

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

kamuh: Neues Tool aus Salzburg soll Privatvermieter:innen entlasten

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

kamuh: Neues Tool aus Salzburg soll Privatvermieter:innen entlasten