20.06.2018

Mehr als 1/4 der Wiener Jungunternehmer erwägt Abwanderung

Die Junge Wirtschaft Wien (JWW) führte im Zuge ihrer PR-Aktion "Wiener Mauerfall" eine Umfrage unter ihren Mitgliedern zum Standort Wien durch. Trotz Verbesserungen im Vergleich zum Vorjahr fällt das Ergebnis durchmischt aus.
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JWW Junge Wirtschaft Wien
(c) Elmas Libohova: Jürgen Tarbauer (Vorsitzender der Jungen Wirtschaft Wien), Susanne Metz (Geschäftsführerin der Jungen Wirtschaft Wien), Walter Ruck (Präsident der Wirtschaftskammer Wien) bei der PR-Aktion "Wiener Mauerfall"

140 Mitglieder der Jungen Wirtschaft  Wien (JWW) folgten einem Umfrage-Aufruf. Die Teilorganisation der Wirtschaftskammer wollte dabei ergründen, wie der Standort Wien beurteilt wird. Das Ergebnis: gemischt. Denn prinzipiell wird der Bundeshauptstadt ein positives Zeugnis ausgestellt. 70 Prozent der Befragten geben an, dass sich die Gesamtsituation aus ihrer Sicht verbessert hat. Rund zwei Drittel beurteilen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als „gut“ bzw. „eher gut“. Etwas weniger als die Hälfte sieht Wien auch im internationalen Vergleich im „guten Mittelfeld“, rund 20 Prozent sogar besser.

+++ Junge Wirtschaft Wien-Chef Tarbauer: 5 Fehler beim Networking +++

Gutes Urteil für Image und Lage

„Internationale Studien geben ein etwas bescheideneres Urteil zum Wiener Standort ab. Es freut uns aber sehr, dass die Stimmung positiver ist“, kommentiert JWW-Vorsitzender Jürgen Tarbauer in einer Aussendung zur Umfrage. Als die größten Stärken werden das gute internationale Image der Stadt (55,6 Prozent) sowie die günstige geografische Lage (54,2 Prozent) genannt. Fast die Hälfte der Befragten (45,8 Prozent) plant, in nächster Zeit neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufzunehmen, mehr als ein Drittel (35,2 Prozent) hat vor, größere Investitionen zu tätigen.

Galerie: Ergebnisse der JWW-Umfrage

Steuern und Abgaben als größtes Problem

Das Ergebnis fällt aber nicht nur positiv aus. Besonders herausstechend: Mehr als ein Viertel der Befragten zieht in Erwägung, den Standort Wien zu verlassen – für Tarbauer „besorgniserregend“. Eine große Mehrheit der Befragten (78,9 Prozent) sieht Steuern und Abgaben als eine große Belastung, für 54,9 Prozent sind sie sogar die größten Hürden. Ihnen folgen bürokratische Hürden, die mit 66,9 Prozent am zweithäufigsten als die aktuell größten Belastungen genannt wurden. Fast ein Viertel der Befragten sieht den Fachkräftemangel als Problem. „Image und Lage sind top. Jetzt muss die Politik nachziehen und die Rahmenbedingungen weiter verbessern“, resümiert der JWW-Chef.

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Gruppenfoto bei den Circular Innovation Awards | (c) Rafael Haider_Circular Economy Forum Austria

Am 28. Oktober wurde im Wiener Haus der Industrie erstmals der Circular Innovation Award Austria verliehen. Aus 57 Einreichungen wählte eine internationale Jury fünf Kategoriesieger und zwei Sonderpreisträger aus. Der Innovationspreis steht unter der Patronanz des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft und soll Unternehmen sichtbar machen, die mit neuen Technologien und Geschäftsmodellen die Kreislaufwirtschaft vorantreiben.

refurbed und Vetropack unter den Gewinnern

In der Kategorie „Circular Business Model Innovation“ wurde das Wiener Scaleup refurbed ausgezeichnet. Der Marktplatz für generalerneuerte Elektronik ist mittlerweile in 24 Ländern aktiv und nach eigenen Angaben seit 2024 profitabel. Insgesamt sollen durch das Geschäftsmodell bereits rund 474.000 Tonnen CO₂ eingespart worden sein. Zuletzt erweiterte das Unternehmen sein Trade-In-Programm, über das nun auch gebrauchte Gaming-Konsolen und Tablets zurückgekauft werden.

Den Preis für „Circular Industry Innovation“ erhielt Vetropack Austria. Das Unternehmen entwickelte mit „Rezon“ nach eigenen Angaben die weltweit erste Mehrweg-Glasflasche in gehärteter Leichtbauweise. Sie benötigt weniger Material und soll gleichzeitig mehr Umläufe ermöglichen. Damit will Vetropack den Ressourcenverbrauch reduzieren und Mehrwegsysteme attraktiver machen.

Fünf weitere Auszeichnungen vergeben

Das Grazer Startup byeagain erhielt den Titel „Circular Startup of the Year“ für seine KI-gestützte Aufbereitung von Retourwaren. Brantner Green Solutions wurde für seine GLASY-Technologie mit dem „Technological Circularity Breakthrough Award“ ausgezeichnet. Damit kann Glas aus der Restmüllverwertung zurückgewonnen und erneut für Verpackungen verwendet werden.

Der „Circular Collaboration Award“ ging an GzG Gipsrecycling, ein Gemeinschaftsunternehmen von PORR, Saint-Gobain Austria und Saubermacher. Dessen Anlage verarbeitet alte Gipskartonplatten zu wiederverwendbarem Gips und kann damit bis zu 40 Prozent Naturgips ersetzen.

Zwei Sonderpreise gingen an BauKarussell für die Verbindung von zirkulärem Gebäuderückbau mit sozialer Beschäftigung sowie an den Textildienstleister Salesianer für sein auf Langlebigkeit, Reparatur und Recycling ausgerichtetes Mietmodell.

Fortsetzung für 2027 geplant

Hinter dem Award stehen das Circular Economy Forum Austria, Schiefer Rechtsanwälte und die Raiffeisen-Landesbank Steiermark. „Wir holen Unternehmen vor den Vorhang, die mit konkreten Lösungen zeigen, dass Kreislaufwirtschaft wirtschaftlich tragfähig und wettbewerbsrelevant ist“, sagt Karin Huber-Heim, Präsidentin Circular Economy Forum Austria.

Der Circular Innovation Award soll auch 2027 wieder vergeben werden. Unternehmen können ihre Projekte ab April kommenden Jahres einreichen.

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