28.08.2017

„Kreis-System“: Wie Anleger mit ICOs abgezockt werden

Gastbeitrag. Julian Hosp beschreibt für den Brutkasten eine neue Betrugs-Masche. Nach Schneeball- und Pyramiden-Systemen werden nun Initial Coin Offerings für "Kreis-Systeme" genutzt. Und die sind (noch) nicht illegal.
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(c) fotolia.com - weerapat1003

Wann war das letzte Mal, dass jemand dir geraten hat, in etwas zu investieren? Un du hast dann bald erkannt, dass du eine Provision erhältst, wenn du wiederum andere dazu bringst, zu investieren. In letzter Zeit ist ein neuer Trend entstanden, da immer weniger Menschen an die „Ich stelle es dir vor, damit du es weiteren vorstellst“-Systeme anbeißen. Nachdem ich die größte deutschsprachige Facebook-Gruppe, den größten deutschsprachigen Podcast und den größten YouTube-Kanal über Blockchain und Kryptowährungen habe, konnte ich feststellen, dass diese alarmierende Tendenz zunimmt: Dinge, die ich nicht anders nennen könnte als sogenannte „Kreis-Systeme“.

+++ Julian Hosp von TenX: “Zu viele Fälle, wo Token Sales missbraucht werden” +++

Die alte Masche mit den Investitionsrenditen…

Lug und Trug existieren schon so lange, wie die Menschheit selbst. Anstatt seine Energie dafür zu nutzen, etwas Produktives zu tun, nutzt man seine Kreativität für das Betrügen und das Stehlen von Geld von anderen. Mit der Modernisierung der Finanzsysteme wurden anspruchsvollere Strukturen zum Geldbetrug eingeführt. Charles Ponzi war der erste, der allgemein damit bekannt wurde, Menschen große Investitionsrenditen zu versprechen, doch dann tatsächlich einfach nur Geld von einer Person zur nächsten zu schieben. Er versorgte sich dabei selbst und hinterließ viele Geschädigte.

Betrüger wurden immer kreativer

Viele ähnliche Arrangements wie Kettenbriefe und Pyramidensysteme kamen daraufhin auf, und es dauerte immer eine Weile, bis die Regulierungsbehörden schließlich dazwischen gingen, um die Gründer dieser Systeme zu bestrafen. Die Betrüger wurden immer kreativer, um die illegale Struktur des Unternehmens zu verbergen. Dies taten sie, indem sie andere, scheinbar legale Geschäfte in den Vordergrund stellten. Trotzdem gab es immer noch das Risiko, ertappt zu werden, während man etwas Illegales macht.

… und die neue Masche mit dem ICO

Ihre neue Lösung? Das sogenannte Kreis-System. Statt Provisionen von anderen direkt zu bekommen, erreichen sie eine Gruppe von ahnungslosen Investoren um eine „Autoritätsperson“ herum. Diese Person kann der Betrüger selbst sein oder aber oftmals ein Social Media-Influencer, der eine Meinung über ein bestimmtes Produkt oder eine Investition vertritt. Man kombiniere das mit einem komplett unregulierten Markt wie bei Kryptowährungen und schon hat man ein Eldorado für Betrüger: Sie selbst oder eine vereinbarte Gruppe an Influencern erzeugt einen „Pump“ auf einen Coin oder einen ICO, nachdem sie eine beträchtliche Summe hinein investiert haben. Sie machen einige Marketing-Flusen, die ausreichend „Lemminge“ anziehen, die nicht wissen, dass das Konzept hinter dem Coin in Wirklichkeit Müll ist. An diesem Punkt haben die Betrüger bereits eine große Summe an Gewinn herausgezogen und die ahnungslose Masse verliert. Es ist genau gleich wie bei Pyramiden- oder Schneeballsystem, nur noch besser verschleiert.

„Das ist meine große Chance“

Lass uns hier ein Szenario durchspielen. Vielleicht bist du eines Tages überrascht, wenn ein Freund dir die neuesten und besten „Kryptoinvestitionen“ vorstellt. Vielleicht liest du auch davon in einer Gruppe oder auf einem Blog. Wenn du fragst, ob man irgendwelche Provisionen bekommt, bekommst du als Antwort: „Nein, natürlich nicht, dieses Projekt ist zu 100 Prozent legitim „. Du denkst: „Wow, das sieht ja richtig gut aus.“ Es ist kein Multi Level Marketing-System, das Projekt hat eine interessante Webseite – alles tip top. Der Coin ist noch dazu auf www.coinmarketcap.com gelistet oder den ICO findet man auf verschiedenen Tracking-Sites. Selbst YouTuber reden über das Projekt positiv. „Das ist meine große Chance!“ Also machst du dich bereit und investierst in etwas, das aussieht als wärst du zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

+++ byte heroes: Erster komplett österreichischer ICO noch im September +++

Auf den „Pump“ folgt der „Dump“

Der Preis steigt darauf hin sogar und gerade als du darüber nachdenkst, ein bisschen was auszuzahlen, fällt der Preis leicht. Du fragst deinen Freund und er sagt dir, er hat bereits Gewinne ausgezahlt bekommen, aber du sollst besser warten, denn das steigt sicher wieder. Du wartest und wartest, dass der Preis wieder steigt. Aber das tut er nicht mehr. Auf den „Pump“ folgt der „Dump“. Irgendwann verkaufst du in Panik, nimmst einen großen Verlust in Kauf und denkst dir nur: „Gott sei Dank, diesmal bin ich nicht auf ein Pyramidenspiel hinein gefallen… Dieses Mal war es anders. Das war eine legitime Investition, nur das Timing hat nicht gepasst.“ Richtig?

Absolut falsch! Die Wahrheit? Es geschieht jeden Tag in unterschiedlichsten Arten und Weisen.

Ein paar Beispiele…

  • Ein eigentlich wertloser ICO, der eine öffentlich breit bekannte Person hat, die ihn unterstützt. Die Öffentlichkeit weiß nicht, was die wahren Absichten dieser Person sind und was sie davon hat. Glaubt diese Person wirklich an die Firma oder kümmert sie sich nur um ihren 90 Prozent-Rabatt, der sie innerhalb weniger Wochen zum Millionär macht?
  • YouTuber, Podcaster und Blogger, die ihre Kanäle starten indem sie wirklich wertvolle Inhalte liefern, aber dann aufgrund von „Bestechungsgeldern“ ihren Kanal in einem ganz neuen Licht darstellen – alles zu Gunsten eines Unternehmens oder einer Dienstleistung.
  • Berater werden in ein Projekt aufgenommen, damit sie sehr positiv darüber sprechen.

Betrug, aber legal

Zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Blogartikels im August 2017 ist dieser eigentliche Betrug (noch) nicht illegal. In einer dezentralisierten Welt wie von Blockchain und Kryptowährungen bin ich nicht einmal sicher, wie man solche Aktionen richtig regulieren kann. Deshalb ist es noch wichtiger, Menschen zu zeigen, dass diese Dinge häufiger passieren als eigentlich vermutet.

Unmoralische Angebote

Woher ich das weiß? Ich vermute nicht nur oder nehme an – ich erlebe es tagtäglich am eigenen Leibe. Ich erhalte tatsächlich regelmäßig Angebote dieser Art:

Als wir einen Token-Sale mit TenX gemacht hatten, erhielten wir mehrere Angebote von großen Investoren, die investieren und im Gegenzug einen sehr großen Rabatt erhalten wollten, um dadurch unseren Token zu „pumpen“. Wir haben abgelehnt. Aber wenn diese Angebote an uns gemacht wurden, werden sie auch anderen Firmen, die einen Token-Sale machen, gemacht. Und die werden diese Angebote eventuell akzeptieren. Also, beim nächsten Mal, wenn du einen großen Namen hörst, der eine Firma unterstützt, verstehe den eigentlichen Deal, der vielleicht gerade im Hintergrund abläuft.

Ist die Meinung wirtschaftlich beeinflusst?

Da ich eine der größten Krypto-Communities da draußen habe, werden mir regelmäßig 5- oder sogar 6-stellige Dollarsummen und zweistellige Token-Prozentsätze angeboten, wenn ich einen Service in einem positiven Licht erscheinen lasse bzw. erwähne. Meine Assistentin lehnt diese Angebote ohne zu Zögern sofort ab. Aber ich bin sicher, nur weil ich sie nicht akzeptiere, heißt das nicht, dass es viele andere gleich tun. Also, frage dich immer: Wenn ein YouTuber oder Social Media Influencer positiv oder negativ über ein Produkt oder eine Dienstleistung spricht, verstehe, warum diese Person das tut. Es bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein solcher Influencer dafür bezahlt wird. Doch es ist wichtig zu verstehen, ob eine negative Aussage oder ein positives Feedback legitim und nicht wirtschaftlich beeinflusst ist.

Der Lockvogel

Ich werde zu unzähligen Events eingeladen, teilweise alles bezahlt – nur um dann herauszufinden, dass die Teilnehmer mit einem Angebot oder Produkt betrogen werden sollen und ich als „Lockvogel“ hingestellt werde. Wir machen viele Checks, um genau solche Szenarien zu vermeiden, aber ich nehme an, dass viele andere das nicht tun.

Mir wird kostenloses Geld angeboten, nur um auf der Website einer Firma zu erscheinen. Anstrengung? 0 Minuten. Freies Geld, richtig? Nein, denn es gibt immer Kosten zu zahlen – während ich nicht bereit bin, diese potenziellen Kosten für den Verlust meines Ansehens & meines Rufes zu bezahlen, tun das andere eventuell schon.

Es gibt immer wieder Leute, die mich bitten, ihnen Insider-Informationen über TenX zu geben, wann es Sinn macht zu kaufen, wann zu verkaufen. Ich verneine das immer. Jeder in unserem Team weiß, dass wir NICHT „Insider Trading“ betreiben. Ob das jedes andere Unternehmen auch so macht, weiß ich nicht.

„Kreis-System“: Je näher am Zentrum, desto höher der Gewinn

All dies sind Beispiele für Kreis-Systeme. Will ich mich oder unsere Firma als Helden und Retter zu zeigen? Nein, aber ich möchte das Bewusstsein für das Geschehen aufzeigen:

Statt Top-down-Gewinne wie in Ponzi- oder Pyramidensystemen sehen wir ein Innen-Außen-Muster: Je näher man am Mittelpunkt des „Pumpers“ ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass man vor dem „Dump“ rauskommt. Die Gewinne werden nicht in einer Pyramidenform gemacht, sondern in einer Kreisform – je näher, desto mehr Gewinne. Daher Kreis-System. Genau wie in Pyramidensystemen werden Menschen dazu gebracht, zu glauben, dass sie an der Spitze sind, die Menschen im Kreis sind in der Illusion, sie wären in der Nähe des Zentrums des Kreises. Zum Beispiel werden sie zu Telegrammgruppen eingeladen, in denen Coins „gepumpt“ werden. Schlussendlich passiert immer dasselbe: Die Masse verliert, während einige wenige gewinnen. Die Leute glauben, dass sie die ersten sind, die davon wissen, aber wenn sie das erfahren, ist es eigentlich schon zu spät. Die Betrüger sind schon dabei zu „dumpen“.

Die Gier macht Leute irrational

Ist diese Information der Öffentlichkeit absolut unbekannt? Definitiv nicht! Die meisten Leute sind sich dessen bewusst, aber genau wie in Ponzi- oder Pyramidensystemen haben die Leute Hoffnungen, reich zu werden ohne viel dafür tun zu müssen. Gier nimmt die Oberhand und macht Leute irrational. Ich habe es schon oft genug selbst miterlebt – und ich bin mir sicher, du auch. Doch für manche gibt es kein anderes Heilmittel, als dass sie Geld verlieren bis sie erkennen, dass sie keine Chance haben, einen wahren Gewinn in Kreis-System zu machen.

Es heißt Aufpassen!

Für diejenigen, die sich dessen nicht wirklich bewusst waren, sollte dieser Beitrag ein Weckruf sein, was leider oft (nicht immer) hinter den Kulissen geschieht. Also, achte darauf, wenn Investoren oder Berater einen Coin stark „pumpen“. Werde vorsichtig, wenn ein YouTuber oder Blogger sehr positiv über ein Unternehmen spricht. Achte immer auf „Pump- und Dump-Gruppen“, wo dir glaubhaft gemacht wird, dass du in der Mitte des Kreis-Systems bist. In einigen Fällen kann alles passen und korrekt ablaufen, in vielen anderen aber nicht.

Wie kannst du so gut es geht vermeiden, auf einen Betrug hineinzufallen? Es gibt kein Patentrezept, aber es gibt ein paar Dinge, die du tun kannst:

  • Überprüfe die Grundlagen eines Coins oder eines Tokens
  • Frage dich, ob es tatsächlich eine tolle Idee hinter dem Unternehmen gibt
  • Wer sind die Gründer / Schöpfer? Wer ist das Team dahinter?
  • Sind die Leute, die einen Coin gerade hypen, dafür bekannt, dass sie in der Vergangenheit gepumpt haben?
  • Ist ein Preisanstieg gerechtfertigt?
  • Was sind die Anreize für jemanden, der positiv über etwas spricht?

Bottom-up statt Top-Down

Ich versuche immer, für mich und die Leute um mich herum den höchsten Ansprüchen gerecht zu werden. Nicht weil ich es muss, sondern weil ich niemals der Person, die ich hätte sein können, begegnen möchte. Ich bin nicht im Wettbewerb mit anderen außer mit mir selbst. Das gilt für uns alle und wir sollten uns jeden Tag daran erinnern. Andere, die das nicht machen, sollten nicht die Ausrede sein, warum wir unser eigenes Niveau sinken lassen können. Die Regulatoren werden nur langsam vorankommen, doch wir als Community können zusammenarbeiten und anstelle eines Top-down-Ansatzes in diesem Fall eine Bottom-up-Lösung haben.

Also, lasst uns dieses Wissen verbreiten und gemeinsam die Welt #cryptofit machen! Das ist es, was unser Krypto-Ökosystem wachsen und positiv herausstechen lassen wird.

+++ Event: “The Rise of ICO” – Zukunft der Startup-Finanzierung? +++


Der Autor

Dr. Julian Hosp ist Co-Founder und Präsident von TenX. Davor war er einer der weltbesten Kitesurfer und später Chirurg. TenX (www.tenx.tech) ist eine in Singapur ansässige FinTech-Firma, die Kryptowährungen jederzeit und überall ausgebbar machen will. Dazu bietet das Unternehmen ein Debitkarten-Zahlungssystem für seine Benutzer auf dem Frontend an und ein Backend, wo Blockchains durch das COMIT-Protokoll miteinander verbunden werden. COMIT ist ein Open Source Project, das jegliche Blockchains miteinander verknüpft, ohne einen eigenen Token zu kreieren. Hosp hat das Whitepaper (www.comit.network) dazu verfasst. TenX brachte mit seinem eigenen ICO im Juni 2017 rund 80 Millionen US-Dollar in Kryptogeld herein. Hosp ist momentan einer der begehrtesten Speaker auf einschlägigen Events.

Homepage: www.julianhosp.com

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Biogena, Börse, Aktien
Albert Schmidbauer, Gründer und CEO von Biogena | (c) Biogena.

Biogena-Gründer Albert Schmidbauer setzte sich jüngst gegen das Ende der Sachbezugsbefreiung für E-Dienstwagen ein – brutkasten berichtete. Nun beschleunigt der Salzburger Mikronährstoff-Hersteller seinen Weg in Richtung Kapitalmarkt. Über die Biogena Good Vibes AG läuft derzeit eine außerbörsliche Kapitalerhöhung mit einem geplanten Volumen von bis zu 25 Millionen Euro.

Biogena und die Unternehmensbewertung

Der Ausgabepreis für neue Aktien liegt bei 4,803 Euro. Insgesamt sollen rund vier bis fünf Millionen neue Aktien ausgegeben werden. Die Gesellschaft positioniert die Maßnahme als zentralen Baustein ihrer langfristigen Kapitalmarktstrategie und bereitet parallel die Handelbarkeit im Direct Market Plus der Wiener Börse vor. Im Zuge der Kapitalmaßnahme rückt auch die Unternehmensbewertung stärker in den Fokus und soll bei rund 475 Millionen Euro liegen.

„Die im Prospekt genannte Bewertung basiert nicht auf einer losgelösten Marketingannahme, sondern auf einer internen Unternehmensbewertung nach den Grundsätzen des Fachgutachtens KFS/BW“ (Anm.: zentrales Fachgutachten des Fachsenats für Betriebswirtschaft und Organisation der Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen – KSW – zur Unternehmensbewertung in Österreich), erklärt Schmidbauer. „Zusätzlich wurde diese Bewertung mit branchenspezifischen Transaktionsdaten für Nahrungsergänzungsmittel in Österreich und Deutschland plausibilisiert. Wichtig ist die genaue Einordnung: Der Angebotspreis beträgt 4,803 Euro je Aktie. Auf dieser Basis wird die Emittentin aktuell mit rund 450 Mio. Euro bewertet. Die oft genannten rund 470 bis 475 Mio. Euro lassen sich wirtschaftlich als Größenordnung nach vollständiger Kapitalerhöhung erklären: 450 Mio. Euro bestehende Bewertung plus bis zu 25 Mio. Euro Bruttoemission ergibt rund 475 Mio. Euro.“

Bewertungsfaktoren

Die Bewertung stützt sich aus Sicht von Schmidbauer auf mehrere Faktoren: Biogena erzielte im Geschäftsjahr 2024/2025 einen Umsatz von rund 124,9 Mio. Euro. Das operative Ergebnis (EBITDA) lag bei rund 19,1 Mio. Euro, was einer EBITDA-Marge von etwa 15,3 Prozent entspricht. In der bereinigten Pro-Forma-Betrachtung steigt das EBITDA auf rund 19,8 Mio. Euro, die Marge liegt dann bei rund 15,9 Prozent.

„Dazu kommt eine sehr starke Substanz. Das im Konzernabschluss ausgewiesene Eigenkapital beträgt (laut Prospekt) rund 298,9 Mio. Euro. Das ist für die Kapitalmarkteinordnung wesentlich, weil Biogena nicht nur über Wachstumsfantasie, sondern auch über eine bereits erhebliche Eigenkapitalbasis verfügt“, so Schmidbauer weiter. „Ein weiterer entscheidender Bewertungsfaktor ist die bereits vorhandene Skalierungsfähigkeit. Die bestehenden Fertigungskapazitäten in Koppl und am neuen Spezialproduktionsstandort Liefering reichen bereits für rund 500 Mio. Euro Umsatz. Die Anlage ist aktuell zu weniger als 25 % ausgelastet. Das heißt: Ein wesentlicher Teil der industriellen Basis für das geplante Wachstum ist bereits vorhanden und muss nicht erst vollständig neu aufgebaut werden.“

Somit erklärte sich die Bewertung – zusammenfassend gesagt – aus dem Zusammenspiel von „heutiger Ertragskraft, hoher Eigenkapitalbasis, bestehender Produktionskapazität für rund 500 Mio. Euro Umsatz und einer klaren Wachstumsplanung“.

In anderen Worten: Der Konzernumsatz von Biogena soll von 156,65 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2025/2026 auf 502,0 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2029/2030 steigen. Diese Zahlen sind ausdrücklich Planwerte des Managements, keine Garantie und keine bindende Prognose, wie Schmidbauer betont.

E-Commerce und D2C

Die Planung verteilt sich im Kern auf folgende steuerbare Wachstumskanäle: E-Commerce und D2C: E-Commerce soll laut Prospekt von 96,4 Mio. Euro Umsatz 2025/2026 auf 233,2 Mio. Euro 2029/2030 wachsen. Getragen werden soll das durch Performance-Marketing, CRM, Subscription-Modelle, höhere Wiederkaufraten und eine stärkere Fokussierung auf Deutschland.

„Das ist ein zentraler Punkt: Biogena will nicht nur über Handel wachsen, sondern über die direkte Kundenbeziehung. Über 70 % der Umsätze werden bereits heute über das Web abgewickelt, und Biogena zählt laut Prospekt rund 1 Mio. Kundinnen und Kunden aus 70 Ländern sowie mehr als 500.000 registrierte Nutzer im Biogena Club“, präzisiert Schmidbauer.

Biogena mit Apothekenkanal

Zudem soll der neu aufzubauende Apothekenkanal in der DACH-Region laut Planung bis 2029/2030 einen Umsatzbeitrag von 163,3 Mio. Euro leisten, davon 129,0 Mio. Euro in Deutschland. „Das ist strategisch wichtig, weil Biogena damit neben dem starken D2C-Geschäft einen zweiten großen Skalierungskanal aufbaut: Apotheken schaffen Reichweite, Vertrauen und Zugang zu gesundheitsbewussten Kunden“, so der Founder weiter.

Außerdem sollen Stores, Labs und Plaza-Konzepte laut Prospekt von 37,2 Mio. Euro 2025/2026 auf 86,5 Mio. Euro 2029/2030 wachsen. Sie werden von Biogena als Beratungs-, Erlebnis- und Vertrauenszentren verstanden und mit Diagnostik-, Biohacking- und Longevity-Angeboten verbunden. „Hier liegt der Unterschied zu reinen Online-Supplement-Marken: Biogena baut physische Orte, an denen Gesundheit messbar, beratbar und erlebbar wird.“

Deutschland als wichtigster Markt

Deutschland bleibt dabei der wichtigste Wachstumsmarkt. Der Umsatz dort soll von 58 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2025/2026 auf 335,5 Mio. Euro bis 2029/2030 steigen. Nach der Planung des Managements soll der Marktanteil in Deutschland von derzeit rund 0,7 Prozent auf etwa drei Prozent ebenfalls wachsen.

Dieses Wachstumspotenzial ergibt sich auch aus der noch vergleichsweise geringen Markenbekanntheit, wie Schmidbauer beschreibt. Während der gestützte Bekanntheitsgrad in Österreich bei 42 Prozent liege, betrage er in Deutschland erst acht Prozent. Der deutsche Markt sei damit nicht nur größer, sondern biete auch beim Markenaufbau noch deutliches Potenzial.

Wie Schmidbauer erklärt, ist Biogenas Internationalisierung somit vor allem über diesen Markt konkretisiert. Dazu kommen bestehende internationale Grundlagen: Die bereits erwähnten Kunden aus 70 Ländern, D2C als zweiter großer Hebel und die starke Web-Abwicklung, was den Umsatz betrifft.

Biogena als Health-Ökosystem mit starker Vertikalisierung

„Das zeigt, dass Biogena schon heute eine direkte Kundenbeziehung hat und nicht ausschließlich vom stationären Handel abhängig ist. Digitale Gesundheitsservices sind der strategische Differenzierungshebel. Die Mittel aus der Kapitalerhöhung sollen unter anderem in Webshop 3.0 bzw. World of Biogena, Wellbeing Checks & Longevity-Systemlösungen, Biogena ONE, E-Commerce-Marketing Deutschland sowie den weiteren Ausbau der Plaza-Konzepte fließen“, sagt Schmidbauer. „Damit wird deutlich: Biogena verkauft nicht nur Nahrungsergänzungsmittel. Das Modell entwickelt sich in Richtung eines integrierten Health-Ökosystems aus Produkt, Diagnostik, Beratung, Biohacking, digitalen Services, Club-Modell und stationärer Erlebniswelt.“

Zwischen Consumer Health, Supplement Brand und Longevity-Plattform

Zur Frage der Positionierung zur Konkurrenz meint Schmidbauer, dass Biogena im Vergleich zu vielen Consumer-Health-Unternehmen stärker vertikal integriert sei. „Die Gruppe entwickelt, produziert und vertreibt selbst“, erklärt er. „Gleichzeitig verfügt sie über ein eigenes Wissenschafts- und Entwicklungsteam mit rund 20 akademischen Expertinnen und Experten sowie über mehr als 729 geschützte Marken, vor allem in der Europäischen Union.“

Im Vergleich zu jungen Longevity- oder Supplement-Startups habe Biogena bereits eine „substanzielle Umsatzbasis“, ein positives hohes EBITDA, eine starke Eigenkapitalbasis, eigene Produktionskapazitäten, rund 30.000 Partnerärzte und Therapeuten im B2B-Bereich sowie eine große B2C-Kundenbasis, zieht Schmidbauer sein Fazit: „Biogena steht zwischen klassischem Consumer Health, Premium Supplement Brand und moderner Longevity-Plattform. Der Unterschied liegt in der Kombination aus Wissenschaft, eigener Produktion, direkter Kundenbeziehung, ärztlichem Partnernetzwerk, digitalen Gesundheitsservices. Und physischen Gesundheitsorten.“

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