28.08.2017

„Kreis-System“: Wie Anleger mit ICOs abgezockt werden

Gastbeitrag. Julian Hosp beschreibt für den Brutkasten eine neue Betrugs-Masche. Nach Schneeball- und Pyramiden-Systemen werden nun Initial Coin Offerings für "Kreis-Systeme" genutzt. Und die sind (noch) nicht illegal.
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(c) fotolia.com - weerapat1003

Wann war das letzte Mal, dass jemand dir geraten hat, in etwas zu investieren? Un du hast dann bald erkannt, dass du eine Provision erhältst, wenn du wiederum andere dazu bringst, zu investieren. In letzter Zeit ist ein neuer Trend entstanden, da immer weniger Menschen an die „Ich stelle es dir vor, damit du es weiteren vorstellst“-Systeme anbeißen. Nachdem ich die größte deutschsprachige Facebook-Gruppe, den größten deutschsprachigen Podcast und den größten YouTube-Kanal über Blockchain und Kryptowährungen habe, konnte ich feststellen, dass diese alarmierende Tendenz zunimmt: Dinge, die ich nicht anders nennen könnte als sogenannte „Kreis-Systeme“.

+++ Julian Hosp von TenX: “Zu viele Fälle, wo Token Sales missbraucht werden” +++

Die alte Masche mit den Investitionsrenditen…

Lug und Trug existieren schon so lange, wie die Menschheit selbst. Anstatt seine Energie dafür zu nutzen, etwas Produktives zu tun, nutzt man seine Kreativität für das Betrügen und das Stehlen von Geld von anderen. Mit der Modernisierung der Finanzsysteme wurden anspruchsvollere Strukturen zum Geldbetrug eingeführt. Charles Ponzi war der erste, der allgemein damit bekannt wurde, Menschen große Investitionsrenditen zu versprechen, doch dann tatsächlich einfach nur Geld von einer Person zur nächsten zu schieben. Er versorgte sich dabei selbst und hinterließ viele Geschädigte.

Betrüger wurden immer kreativer

Viele ähnliche Arrangements wie Kettenbriefe und Pyramidensysteme kamen daraufhin auf, und es dauerte immer eine Weile, bis die Regulierungsbehörden schließlich dazwischen gingen, um die Gründer dieser Systeme zu bestrafen. Die Betrüger wurden immer kreativer, um die illegale Struktur des Unternehmens zu verbergen. Dies taten sie, indem sie andere, scheinbar legale Geschäfte in den Vordergrund stellten. Trotzdem gab es immer noch das Risiko, ertappt zu werden, während man etwas Illegales macht.

… und die neue Masche mit dem ICO

Ihre neue Lösung? Das sogenannte Kreis-System. Statt Provisionen von anderen direkt zu bekommen, erreichen sie eine Gruppe von ahnungslosen Investoren um eine „Autoritätsperson“ herum. Diese Person kann der Betrüger selbst sein oder aber oftmals ein Social Media-Influencer, der eine Meinung über ein bestimmtes Produkt oder eine Investition vertritt. Man kombiniere das mit einem komplett unregulierten Markt wie bei Kryptowährungen und schon hat man ein Eldorado für Betrüger: Sie selbst oder eine vereinbarte Gruppe an Influencern erzeugt einen „Pump“ auf einen Coin oder einen ICO, nachdem sie eine beträchtliche Summe hinein investiert haben. Sie machen einige Marketing-Flusen, die ausreichend „Lemminge“ anziehen, die nicht wissen, dass das Konzept hinter dem Coin in Wirklichkeit Müll ist. An diesem Punkt haben die Betrüger bereits eine große Summe an Gewinn herausgezogen und die ahnungslose Masse verliert. Es ist genau gleich wie bei Pyramiden- oder Schneeballsystem, nur noch besser verschleiert.

„Das ist meine große Chance“

Lass uns hier ein Szenario durchspielen. Vielleicht bist du eines Tages überrascht, wenn ein Freund dir die neuesten und besten „Kryptoinvestitionen“ vorstellt. Vielleicht liest du auch davon in einer Gruppe oder auf einem Blog. Wenn du fragst, ob man irgendwelche Provisionen bekommt, bekommst du als Antwort: „Nein, natürlich nicht, dieses Projekt ist zu 100 Prozent legitim „. Du denkst: „Wow, das sieht ja richtig gut aus.“ Es ist kein Multi Level Marketing-System, das Projekt hat eine interessante Webseite – alles tip top. Der Coin ist noch dazu auf www.coinmarketcap.com gelistet oder den ICO findet man auf verschiedenen Tracking-Sites. Selbst YouTuber reden über das Projekt positiv. „Das ist meine große Chance!“ Also machst du dich bereit und investierst in etwas, das aussieht als wärst du zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

+++ byte heroes: Erster komplett österreichischer ICO noch im September +++

Auf den „Pump“ folgt der „Dump“

Der Preis steigt darauf hin sogar und gerade als du darüber nachdenkst, ein bisschen was auszuzahlen, fällt der Preis leicht. Du fragst deinen Freund und er sagt dir, er hat bereits Gewinne ausgezahlt bekommen, aber du sollst besser warten, denn das steigt sicher wieder. Du wartest und wartest, dass der Preis wieder steigt. Aber das tut er nicht mehr. Auf den „Pump“ folgt der „Dump“. Irgendwann verkaufst du in Panik, nimmst einen großen Verlust in Kauf und denkst dir nur: „Gott sei Dank, diesmal bin ich nicht auf ein Pyramidenspiel hinein gefallen… Dieses Mal war es anders. Das war eine legitime Investition, nur das Timing hat nicht gepasst.“ Richtig?

Absolut falsch! Die Wahrheit? Es geschieht jeden Tag in unterschiedlichsten Arten und Weisen.

Ein paar Beispiele…

  • Ein eigentlich wertloser ICO, der eine öffentlich breit bekannte Person hat, die ihn unterstützt. Die Öffentlichkeit weiß nicht, was die wahren Absichten dieser Person sind und was sie davon hat. Glaubt diese Person wirklich an die Firma oder kümmert sie sich nur um ihren 90 Prozent-Rabatt, der sie innerhalb weniger Wochen zum Millionär macht?
  • YouTuber, Podcaster und Blogger, die ihre Kanäle starten indem sie wirklich wertvolle Inhalte liefern, aber dann aufgrund von „Bestechungsgeldern“ ihren Kanal in einem ganz neuen Licht darstellen – alles zu Gunsten eines Unternehmens oder einer Dienstleistung.
  • Berater werden in ein Projekt aufgenommen, damit sie sehr positiv darüber sprechen.

Betrug, aber legal

Zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Blogartikels im August 2017 ist dieser eigentliche Betrug (noch) nicht illegal. In einer dezentralisierten Welt wie von Blockchain und Kryptowährungen bin ich nicht einmal sicher, wie man solche Aktionen richtig regulieren kann. Deshalb ist es noch wichtiger, Menschen zu zeigen, dass diese Dinge häufiger passieren als eigentlich vermutet.

Unmoralische Angebote

Woher ich das weiß? Ich vermute nicht nur oder nehme an – ich erlebe es tagtäglich am eigenen Leibe. Ich erhalte tatsächlich regelmäßig Angebote dieser Art:

Als wir einen Token-Sale mit TenX gemacht hatten, erhielten wir mehrere Angebote von großen Investoren, die investieren und im Gegenzug einen sehr großen Rabatt erhalten wollten, um dadurch unseren Token zu „pumpen“. Wir haben abgelehnt. Aber wenn diese Angebote an uns gemacht wurden, werden sie auch anderen Firmen, die einen Token-Sale machen, gemacht. Und die werden diese Angebote eventuell akzeptieren. Also, beim nächsten Mal, wenn du einen großen Namen hörst, der eine Firma unterstützt, verstehe den eigentlichen Deal, der vielleicht gerade im Hintergrund abläuft.

Ist die Meinung wirtschaftlich beeinflusst?

Da ich eine der größten Krypto-Communities da draußen habe, werden mir regelmäßig 5- oder sogar 6-stellige Dollarsummen und zweistellige Token-Prozentsätze angeboten, wenn ich einen Service in einem positiven Licht erscheinen lasse bzw. erwähne. Meine Assistentin lehnt diese Angebote ohne zu Zögern sofort ab. Aber ich bin sicher, nur weil ich sie nicht akzeptiere, heißt das nicht, dass es viele andere gleich tun. Also, frage dich immer: Wenn ein YouTuber oder Social Media Influencer positiv oder negativ über ein Produkt oder eine Dienstleistung spricht, verstehe, warum diese Person das tut. Es bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein solcher Influencer dafür bezahlt wird. Doch es ist wichtig zu verstehen, ob eine negative Aussage oder ein positives Feedback legitim und nicht wirtschaftlich beeinflusst ist.

Der Lockvogel

Ich werde zu unzähligen Events eingeladen, teilweise alles bezahlt – nur um dann herauszufinden, dass die Teilnehmer mit einem Angebot oder Produkt betrogen werden sollen und ich als „Lockvogel“ hingestellt werde. Wir machen viele Checks, um genau solche Szenarien zu vermeiden, aber ich nehme an, dass viele andere das nicht tun.

Mir wird kostenloses Geld angeboten, nur um auf der Website einer Firma zu erscheinen. Anstrengung? 0 Minuten. Freies Geld, richtig? Nein, denn es gibt immer Kosten zu zahlen – während ich nicht bereit bin, diese potenziellen Kosten für den Verlust meines Ansehens & meines Rufes zu bezahlen, tun das andere eventuell schon.

Es gibt immer wieder Leute, die mich bitten, ihnen Insider-Informationen über TenX zu geben, wann es Sinn macht zu kaufen, wann zu verkaufen. Ich verneine das immer. Jeder in unserem Team weiß, dass wir NICHT „Insider Trading“ betreiben. Ob das jedes andere Unternehmen auch so macht, weiß ich nicht.

„Kreis-System“: Je näher am Zentrum, desto höher der Gewinn

All dies sind Beispiele für Kreis-Systeme. Will ich mich oder unsere Firma als Helden und Retter zu zeigen? Nein, aber ich möchte das Bewusstsein für das Geschehen aufzeigen:

Statt Top-down-Gewinne wie in Ponzi- oder Pyramidensystemen sehen wir ein Innen-Außen-Muster: Je näher man am Mittelpunkt des „Pumpers“ ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass man vor dem „Dump“ rauskommt. Die Gewinne werden nicht in einer Pyramidenform gemacht, sondern in einer Kreisform – je näher, desto mehr Gewinne. Daher Kreis-System. Genau wie in Pyramidensystemen werden Menschen dazu gebracht, zu glauben, dass sie an der Spitze sind, die Menschen im Kreis sind in der Illusion, sie wären in der Nähe des Zentrums des Kreises. Zum Beispiel werden sie zu Telegrammgruppen eingeladen, in denen Coins „gepumpt“ werden. Schlussendlich passiert immer dasselbe: Die Masse verliert, während einige wenige gewinnen. Die Leute glauben, dass sie die ersten sind, die davon wissen, aber wenn sie das erfahren, ist es eigentlich schon zu spät. Die Betrüger sind schon dabei zu „dumpen“.

Die Gier macht Leute irrational

Ist diese Information der Öffentlichkeit absolut unbekannt? Definitiv nicht! Die meisten Leute sind sich dessen bewusst, aber genau wie in Ponzi- oder Pyramidensystemen haben die Leute Hoffnungen, reich zu werden ohne viel dafür tun zu müssen. Gier nimmt die Oberhand und macht Leute irrational. Ich habe es schon oft genug selbst miterlebt – und ich bin mir sicher, du auch. Doch für manche gibt es kein anderes Heilmittel, als dass sie Geld verlieren bis sie erkennen, dass sie keine Chance haben, einen wahren Gewinn in Kreis-System zu machen.

Es heißt Aufpassen!

Für diejenigen, die sich dessen nicht wirklich bewusst waren, sollte dieser Beitrag ein Weckruf sein, was leider oft (nicht immer) hinter den Kulissen geschieht. Also, achte darauf, wenn Investoren oder Berater einen Coin stark „pumpen“. Werde vorsichtig, wenn ein YouTuber oder Blogger sehr positiv über ein Unternehmen spricht. Achte immer auf „Pump- und Dump-Gruppen“, wo dir glaubhaft gemacht wird, dass du in der Mitte des Kreis-Systems bist. In einigen Fällen kann alles passen und korrekt ablaufen, in vielen anderen aber nicht.

Wie kannst du so gut es geht vermeiden, auf einen Betrug hineinzufallen? Es gibt kein Patentrezept, aber es gibt ein paar Dinge, die du tun kannst:

  • Überprüfe die Grundlagen eines Coins oder eines Tokens
  • Frage dich, ob es tatsächlich eine tolle Idee hinter dem Unternehmen gibt
  • Wer sind die Gründer / Schöpfer? Wer ist das Team dahinter?
  • Sind die Leute, die einen Coin gerade hypen, dafür bekannt, dass sie in der Vergangenheit gepumpt haben?
  • Ist ein Preisanstieg gerechtfertigt?
  • Was sind die Anreize für jemanden, der positiv über etwas spricht?

Bottom-up statt Top-Down

Ich versuche immer, für mich und die Leute um mich herum den höchsten Ansprüchen gerecht zu werden. Nicht weil ich es muss, sondern weil ich niemals der Person, die ich hätte sein können, begegnen möchte. Ich bin nicht im Wettbewerb mit anderen außer mit mir selbst. Das gilt für uns alle und wir sollten uns jeden Tag daran erinnern. Andere, die das nicht machen, sollten nicht die Ausrede sein, warum wir unser eigenes Niveau sinken lassen können. Die Regulatoren werden nur langsam vorankommen, doch wir als Community können zusammenarbeiten und anstelle eines Top-down-Ansatzes in diesem Fall eine Bottom-up-Lösung haben.

Also, lasst uns dieses Wissen verbreiten und gemeinsam die Welt #cryptofit machen! Das ist es, was unser Krypto-Ökosystem wachsen und positiv herausstechen lassen wird.

+++ Event: “The Rise of ICO” – Zukunft der Startup-Finanzierung? +++


Der Autor

Dr. Julian Hosp ist Co-Founder und Präsident von TenX. Davor war er einer der weltbesten Kitesurfer und später Chirurg. TenX (www.tenx.tech) ist eine in Singapur ansässige FinTech-Firma, die Kryptowährungen jederzeit und überall ausgebbar machen will. Dazu bietet das Unternehmen ein Debitkarten-Zahlungssystem für seine Benutzer auf dem Frontend an und ein Backend, wo Blockchains durch das COMIT-Protokoll miteinander verbunden werden. COMIT ist ein Open Source Project, das jegliche Blockchains miteinander verknüpft, ohne einen eigenen Token zu kreieren. Hosp hat das Whitepaper (www.comit.network) dazu verfasst. TenX brachte mit seinem eigenen ICO im Juni 2017 rund 80 Millionen US-Dollar in Kryptogeld herein. Hosp ist momentan einer der begehrtesten Speaker auf einschlägigen Events.

Homepage: www.julianhosp.com

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Auch dieses Jahr schafften wieder einige heimische Unternehmen den Schritt vom Startup zum Scaleup und legten beeindruckende Wachstumsstorys vor. Und einige bereits etablierte Scaleups zeigten eindrücklich, dass ihre Wachstumsambition ungebrochen ist.

Zehn davon holen wir als Nominierte für den Innovator of the Year in der Kategorie Scaleups vor den Vorhang. Der Preis wird heuer zum 6. Mal vergeben. Am 5. November findet die feierliche Award Ceremony im Rahmen des brutkasten-Jahresevents Momentum im Wiener Palais Berg statt. Neben der Kategorie Scaleups wird der Award dieses Jahr in den Kategorien Startups und Corporate Innovation vergeben. Als Preis in allen drei Kategorien winkt jeweils ein brutkasten-Medienpaket im Wert von 4.100 Euro.


Die „Innovator of the Year“-Kategorie Scaleups wird durch Polestar unterstützt.


Publikumsvoting zum Innovator of the Year | Kategorie „Scaleups“

Nun ist, wie jedes Jahr, deine Stimme gefragt. Bis zum 1. November (23:59 Uhr) kannst du für deine:n Favorit:in abstimmen! Jede:r User:in hat pro Tag und Kategorie genau eine Stimme – es lohnt sich also, die eigene Community zu aktivieren.

(Hinweis: Bei mehrfacher Stimmabgabe pro Tag erfolgt zwar keine gesonderte Fehlermeldung im Voting-Tool, Mehrfachvotes werden vom System jedoch automatisiert erkannt und ausgefiltert).

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Emerald Horizon

Das Emerald-Horizon-Management (vl.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf
Das Emerald-Horizon-Management (v.l.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf

Auffallen ist gewiss eine der Stärken des Grazer Scaleups Emerald Horizon – sei es mit ausgerechnet diesem Produkt, Small Modular Reactors, im traditionell extrem atomkraftkritischen Österreich, mit Personalentscheidungen wie Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer oder mit dem dieses Jahr erfolgten ungewöhnlich frühen Börsengang. An der Wiener Börse wird das Unternehmen jedenfalls mittlerweile seit Monaten jenseits der Milliarden-Euro-Grenze bewertet und kann damit – je nach Definition – als Österreichs jüngstes Unicorn gesehen werden. Für die Entwicklung des Unternehmens gewiss noch entscheidender: Im August verkündete man, gemeinsam mit dem niederländischen Partner VDL Groep in die nächste Entwicklungsstufe des Small Modular Reactors zu gehen.

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Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion
Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion

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fiskaly

fiskaly - das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly
fiskaly – das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly

Das 2019 gegründete Wiener Unternehmen fiskaly von Johannes Ferner, Simon Tragatschnig und Patrick Gaubatz macht Kassentransaktionen cloudbasiert und gesetzeskonform. Die Zahlen sprechen für sich: 60 Prozent Wachstum im vergangenen Geschäftsjahr, profitabel, mehr als 150 Mitarbeitende, rund 1.900 B2B-Kund:innen mit über einer Million POS-Systemen in acht EU-Ländern und Marktführerschaft in Deutschland. Im September folgte der nächste Schritt vom Scaleup zum Infrastrukturanbieter: Mit David Feichter holte fiskaly den Ex-CEO von orderbird als Co-CEO an Bord, ausgerechnet jenen Mann, der 2019 als allererster Kunde den Deal mit Ferner verhandelt hatte. Feichter verantwortet den operativen Betrieb, Ferner konzentriert sich auf Partnerschaften und weitere Akquisitionen in Europa.

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Das 2023 gegründete Scaleup von Gründer Markus Müller entwickelt eine KI-gestützte Software, die regulatorische und qualitative Prozesse für MedTech- und Pharmaunternehmen automatisiert. Im Februar 2026 sorgte das Unternehmen mit einem Series-A-Investment von 20 Millionen Dollar für Aufsehen. Mit dem frischen Kapital treibt das Scaleup in diesem Jahr die gezielte Expansion auf dem US-Markt voran, um sich weltweit als Standard für regulatorische KI-Prüfungen im Gesundheitsbereich zu etablieren. Zudem plant man eine erste eigene Kund:innenkonferenz, die über 200 internationale MedTech-Entscheider:innen nach Wien bringen soll.

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fonio.ai-Co-Founder Daniel Keinrath (CEO, l.) und Matthias Gruber (CTO) | (c) fonio.ai

Wenn bei einem KMU niemand ans Telefon geht, übernimmt fonio.ai: Die KI-Agenten des erst 2024 gegründeten Wiener Startups von Daniel Keinrath und Matthias Gruber führen inzwischen rund zwei Millionen Anrufe pro Monat für über 7.000 Kund:innen. Im Juni schloss man eine Seed-Runde über 14,6 Millionen Euro ab, angeführt vom Londoner Fonds 20VC bei einer Bewertung von 120 Millionen Euro, ohne offiziellen Fundraise und ohne Pitch Deck. Im August knackte fonio.ai die Marke von zehn Millionen Dollar ARR – später folgte im Oktober die Marke von 15 Millionen Dollar. Mehr als die Hälfte des Umsatzes kommt laut Keinrath inzwischen von außerhalb der DACH-Region, im September eröffnete das Startup unter anderem sein Büro in Barcelona als Hub für Südeuropa.

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Es ist eine Geschichte, wie sie nur die Startup-Welt schreiben kann: Vor mehr als zehn Jahren gegründet, konnte Helferline über lange Zeit zwar eine ganze Zahl namhafter Referenzen vorweisen, der wirtschaftliche Durchbruch blieb aber aus. Das änderte sich im Laufe der vergangenen Monate drastisch: Vor etwas mehr als einem Jahr stieg Hansi Hansmann als Investor ein. Seitdem holte man Großaufträge vom deutschen Telekom-Riesen O2, von Asus, von Starlink und weiteren. Aktuell befindet sich das Wiener Scaleup auf einem steilen Wachstumskurs und macht nach eigenen Angaben monatliche sechsstellige Gewinne.

Neoh

v.l.n.r.:  Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh
v.l.n.r.: Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh

Das Wiener Scaleup von Manuel Zeller konnte mit Süßigkeiten, die auf dem selbst entwickelten, kalorienarmen Zuckerersatzstoff Zero+ basieren, mittlerweile eine große Fangemeinde aufbauen, die auch über die Grenzen Österreichs hinausgeht. Auch machte, Stand April 2026, das B2B-Geschäft bereits rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus, mit steigender Tendenz, wie Zeller erklärte. Dies und auch die Entwicklung einer gelungenen Bueno-Alternative sorgten dafür, dass eine Investmentgesellschaft aus Luxemburg namens Teseo Capital ins Scaleup einstieg. Dahinter steht die italienische Familie Ferrero, die mit Marken wie Nutella, Kinder und Ferrero Rocher den Süßigkeitenmarkt dominiert.

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Das Innsbrucker Quantenunternehmen ParityQC von Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser hat allein im heurigen Jahr einen 35-Mio.-Deal für den Bau eines mobilen Quantencomputers für das deutsche Verteidigungsministerium ergattert und im Rahmen der „EUREKA-Ausschreibung Deutschland-Israel“ eine Kooperation mit dem israelischen Quantensoftware-Spezialisten Classiq gestartet. Zudem lieferte es im April einen deutlichen Beleg dafür, dass europäisches Quantencomputing den Sprung aus dem Labor in die Industrie geschafft hat. Gemeinsam mit IBM stellte man einen neuen Weltrekord bei der Quanten-Fourier-Transformation (QFT) auf. Konkret wurde dabei die bislang größte jemals gemessene QFT auf einem IBM-Quantum-Heron-Prozessor realisiert, mit 52 supraleitenden Qubits statt der bisherigen 27 Ionenfallen-Qubits.

Reploid

Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz
Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz

Kein anderes heimisches Scaleup schaffte es dieses Jahr, in einer derartigen Regelmäßigkeit für Schlagzeilen zu sorgen. Das seit 2025 an der Wiener Börse gelistete Welser Insektenzucht-Unternehmen baute seine Führungsebene aus, eröffnete neue Expansionsmärkte, präsentierte neue Kund:innen, verkündete eine Übernahme und holte sich einen achtstelligen Wachstumskredit. Wiewohl die Geschäftszahlen bei genauerer Betrachtung etwas komplexer sind, als vom Scaleup dargestellt, steht fest: Reploid ist weiter voll auf Wachstumskurs. 

waterdrop

Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop
Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop

Das Wiener Scaleup waterdrop von Henry Murray, Martin Murray und Christoph Hermann holte sich im Mai ein 100-Millionen-Euro-Investment. Zu den Investor:innen dieser Runde zählten Aspeya, Atlantic Grupa und der alpine Ski-Weltcup-Champion Aleksander Aamodt Kilde. Schon im Jänner dieses Jahres verkündete das Scaleup seine Profitabilität. Zudem übernahm Jristian Cruz Limsico die Rolle des Global Creative Director, der seit 2017 die visuelle Identität des Modehauses Karl Lagerfeld prägte. Er verantwortet nun die weltweite Markenidentität des Unternehmens.

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