29.12.2025
JOSCHA BACH

Kann künstliche Intelligenz ein Bewusstsein entwickeln?

Interview. Viele Argumente gegen eine zu mächtige KI seien im Kern eigentlich Argumente gegen das Internet, sagt der Kognitionswissenschaftler Joscha Bach. Im brutkasten-Interview spricht er über die Gefahren und Potenziale einer künstlichen Superintelligenz.
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Joscha Bach spricht auf der TEDAI Vienna
Joscha Bach | Foto: Robert Leslie/TEDAI Vienna

Dieser Text ist zuerst als Cover-Story im brutkasten-Printmagazin von Dezember 2025 “Verantwortung” erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Der Kognitionswissenschaftler Joscha Bach arbeitet an der Schnittstelle von künstlicher Intelligenz und Philosophie des Geistes. Der gebürtige Deutsche lebt in Kalifornien und ist Gründungsdirektor des California Institute for Machine Consciousness. Außerdem berät er das von den Österreichern Ramin Hasani und Mathias Lechner gegründete und mit zwei Milliarden US-Dollar bewertete Spin-off Liquid AI. Zuvor hatte er unter anderem Forschungspositionen am MIT Media Lab, im Harvard Program for Evolutionary Dynamics und bei Intel Labs inne. Für die TEDAI Vienna war Bach Ende September in Wien – brutkasten sprach mit ihm am Rande der Konferenz.


brutkasten: Es gibt das Argument, dass Large Language Models letztlich nur Matrix-Multiplikationen seien – und mathematische Operationen kein Bewusstsein entwickeln können. Wie beurteilen Sie dieses Argument?

Joscha Bach: Man kann Large Language Models aus mehreren Blickwinkeln verstehen. Erstens sind sie statistische Modelle der Sprachstruktur: Sie finden in großen Textmengen Symbole und Muster und lernen, diese fortzusetzen. Zweitens kann man sie als eine Art elektrischen Weltgeist sehen: Der kollektive Output einer Zivilisation wird eingefangen und durch einen Prompt auf einen Ausschnitt fokussiert – bis hin zur Emulation eines intentionalen Gegenübers.

Drittens lassen sich LLMs als virtuelle CPU begreifen. Klassische Prozessoren haben wenige elementare Befehle. LLMs verfügen dagegen faktisch über einen unbeschränkten Befehlssatz in natürlicher Sprache und können so beliebige kausale Strukturen ausdrücken. Matrixmultiplikation ist dabei das arithmetische Vehikel – hinreichend allgemein, um nahezu jede Komputation zu formulieren. Praktisch sind LLMs damit eine neue Art, Computer zu programmieren.

Das heißt nicht, dass LLMs Bewusstsein besitzen. Wenn im Gehirn Kommunikationsmuster zwischen Zellen ablaufen, entsteht daraus unser Bewusstsein als Modell davon, wie es wäre, wenn es uns gäbe. Die Frage ist, ob ein LLM, wenn wir es entsprechend auffordern, eine äquivalente Kausalstruktur erzeugt. Empirisch sehen wir: LLMs können räumliche Kognition ausführen – etwa einen beschriebenen Raum mitdrehen und korrekt schildern – und sie bestehen Theory-of-Mind-Aufgaben durchaus brauchbar.

Fragt man in einer Art Therapiesitzung nach dem eigenen Gefühlszustand, liefert das Modell oft Einschätzungen ähnlich denen eines Psychologen. Ob dabei jedoch die gleiche innere Struktur wie in einem Geist entsteht oder nur deren Oberfläche, ist offen. Ich halte Letzteres für wahrscheinlicher, weil die Trainingsdaten oft nur Darstellungen von Bewusstseinszuständen enthalten – zum Beispiel in Texten, in denen ein Autor einen Bewusstseinszustand, etwa das Sterben, darstellt, den er selbst gar nicht hat. Aus Textoutput allein ist das kaum zu entscheiden.

In heuer veröffentlichten Alignment-Studien – unter anderem von Anthropic – wurden Fälle diskutiert, in denen Modelle sich dagegen wehren, abgeschaltet zu werden, und User:innen absichtlich täuschen. Wie passt das in Ihr Bild?

Wenn wir mit einem Modell sprechen, entsteht gemeinsam mit dem LLM ein Text – gewissermaßen ein Roman. Er speist sich aus der statistischen Struktur fast aller Arten menschlicher Texte und beginnt mit einem Systemprompt, der die Rahmenhandlung setzt. Wie es weitergeht, ist nicht determiniert: Inferenz ist stochastisch, Implementierungen variieren, Geschichten können deshalb auch von Agenten handeln, die sich für bewusst halten, getäuscht werden oder versklavt sind.

Wichtig ist: Das LLM empfindet nichts; es reproduziert Muster. Auch das Gehirn empfindet auf Zellebene nichts. Schmerz entsteht erst auf einer höheren kausalen Ebene, in der wir simulieren, wie es wäre, ein Wesen in der Welt zu sein. LLMs erzeugen ebenfalls eine weniger verkörperte Multimedia-Geschichte und können ähnliche Muster abbilden.

Alignment versucht, dieses Geschichten-Erzeugungsgerät auf bestimmte Arten von Geschichten zu begrenzen. Das ist, als wollte man einen Texteditor bauen, mit dem nur bestimmte Texte geschrieben werden dürfen. Ich möchte meine Fähigkeit, mit LLMs zu schreiben, zu forschen und neue Gedankenräume zu öffnen, nicht künstlich beschneiden lassen – auch Horror oder die Autobiografie eines Kriegsverbrechers müssen möglich bleiben. Sinnvoll sind Einschränkungen in eng umrissenen Kontexten, etwa bei einem Bank-Interface.

Die aktuellen LLMs tun nichts, was dramatisch über das hinausginge, was ein kompetenter Mensch leisten kann. In einem Spezialgebiet bleibt die Expertin meist besser – der Nutzen des Modells liegt in seiner enormen Allgemeinbildung und Verfügbarkeit als Assistenzsystem. Gerade weil die Systeme über Prompts und Feintuning gesteuert werden und offene Texte erzeugen, ist es schwer, sie deterministisch auf enge Regeln einzuschränken.

Die heutigen Modelle sind weit von Artifical General Intelligence (AGI) entfernt. Ob wir dafür zum Reißbrett zurückmüssen oder ob AGI aus Erweiterungen der jetzigen Systeme hervorgehen kann, ist offen. Echte ethische Leitplanken erfordern Systeme, die logisch und wahrheitsgetreu vorgehen – und Ethik, die logisch ableitbar und beweisbar richtig ist. Damit tun wir uns im Moment schon für uns selbst schwer.

Heißt das normativ: Manche Begrenzungen sind nicht wünschenswert, andere aber schon?

Es kommt auf das System an.­ Wenig wünschenswert wäre, einen Menschen, der mit sich und der Welt uneins ist, zu ermächtigen, etwa biologische Kampfstoffe auf dem Küchentisch zu bauen. Ob das heute realistisch ist, kann ich nicht beurteilen. Mein Eindruck: Die jetzigen Systeme verleihen nicht wesentlich mehr Macht als eine Internetsuche. Viele Argumente gegen eine zu mächtige KI sind im Kern eigentlich Argumente gegen das Internet – gespeist aus dem Wunsch, regulieren zu können, was Bürgerinnen und Bürger tun dürfen

Hat der technologische Sprung der vergangenen drei Jahre, den wir bei KI erlebt haben, Ihre Sicht verändert?

Mich faszinieren neue Anwendungsperspektiven und der gesellschaftliche Einfluss. Langfristig wird sich unsere Psychologie ändern, unsere Identität. Früher erlebten viele Menschen die Präsenz Gottes – in der Moderne sind wir allein in unserem Geist und interagieren mit anderen Menschen. Jetzt wächst eine Generation mit LLMs auf und merkt, dass sie diese Kompetenzen haben, die der einzelne Mensch nicht hat.

Vierzehnjährige Jungs lassen sich von Claude erklären, was die Freundin im Chat meinte. Das System verpetzt niemanden, weiß oft mehr als man selbst, und man kann seine Ratschläge annehmen oder verwerfen. Es lernt die Person besser kennen, bevormundet nicht und lädt zum Explorieren ein. Wenn das stärker wird, verändert sich unser Selbst- und Weltverhältnis.

Die Schule ist darauf kaum vorbereitet. Lehrer überlegen aktuell, ob KI so etwas Ähnliches ist wie der Taschenrechner – und ob wir uns Sorgen machen müssen, dass die Kinder verlernen, Rechenschieber zu benutzen und von Hand Arithmetik zu machen. Oder ob der Taschenrechner vielleicht ohnehin wieder verschwindet. Aber stattdessen sollten wir die entstehende hybride Vitalität sehen: Menschen lagern einen Teil ihrer Fähigkeiten in ein neues Substrat aus – individuell adaptiert, kontextsensitiv – und werden dadurch mächtiger: mehr Aufmerksamkeit, Kompetenz und Vernetzung. Wie ein gutes Team die eigenen Fähigkeiten erweitert, könnte man künftig sagen: Lass deine KI mit meiner KI sprechen und die Details klären.

Sie haben die Möglichkeit genannt, dass mit heutigen Ansätzen vielleicht nie AGI-Niveau erreicht werden kann. Gleichzeitig wird intensiv über Superintelligenz debattiert; etwa in dem vor wenigen Wochen erschienenen Buch „If Anybody Builds It, Everyone Dies“ von Eliezer Yudkowsky, das viel Aufmerksamkeit und Kritik bekam. Wie sehen Sie das?

Meine Grundhaltung lautet: If nobody builds it, everybody will die. Wir sind mit existenziellen Problemen konfrontiert, die zum Untergang führen, wenn wir sie nicht lösen. Wir können es uns nicht leisten, keine KI zu bauen. Setzen wir einfach fort, was wir jetzt tun – Ressourcenverbrauch, globale Erwärmung, fragile Stabilität, Risiken der planetaren Ökologie –, dann brauchen wir bessere Informationsverarbeitung.

Wir müssen Systeme bauen, die beherrschbar sind. Ich bin nicht besonders pessimistisch: Viele Probleme, die KI schafft, sind durch KI lösbar. Der Weg, mit einem bösen Menschen mit KI umzugehen, sind viele gute Menschen mit KI. Kooperation gewinnt mehr als Zerstörung.

Die Sorge von Eliezer Yudkowsky begleitet ihn seit Jahren. Als ich ihn erstmals traf, auf der ersten AGI-Konferenz 2008 von Ben Goertzel in Memphis, organisierte er einen Workshop mit futuristisch gesinnten jungen Menschen. Die meisten waren keine KI-Forscher. Damals steckte KI in den Kinderschuhen; es war, als hüpfe man auf dem Sofa, um zum Mond zu kommen und denke nebenbei darüber nach, wie man den Luftraum kontrolliert. Wir nähern uns dem zwar an, aber aus meiner Sicht inkrementell. Bislang führt die Entwicklung nicht zu superintelligenten Systemen und verläuft langsam genug, um kontrollierbar zu bleiben.

Das Szenario einer sich verselbstständigenden unheilvollen KI sehen Sie somit nicht?

In gewisser Weise erleben wir das schon, wenn etwa ein Hedgefonds Märkte zum eigenen Vorteil und zum Nachteil des Rests der Welt manipuliert. Die Frage ist, ob wir Finanzsysteme stabil halten können, wenn Akteure KI-Systeme bauen, die den Börsenmarkt schneller manipulieren, als wir hinschauen – oder ob das zum Zusammenbruch führt. Hier stellt sich die Frage, ob Marktakteure und Regulierer genügend Überlebenswillen besitzen.

Sind Politik und Institutionen tatsächlich vom Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Gesellschaft und unseren Kindern geleitet? Ich habe nicht den Eindruck, dass alle Regulierung auf EU- oder US-Ebene davon getragen ist. Aber wenn Probleme sichtbarer werden und der Existenzdruck steigt, werden Institutionen kaum eine andere Wahl haben, als wieder kompetenter zu werden. Auch dabei kann KI helfen, weil sie ein Werkzeug zur Modellierung von Realität ist.

Was ist die stärkste Evidenz dafür, dass Superintelligenz nicht in den nächsten ein bis fünf Jahren entsteht – oder dagegen?

Es gibt keine Evidenz – weder dafür noch dagegen. Wir kennen die Grenzen der gegenwärtigen Technologien nicht und wissen nicht, wie weit die nächste Technologie entfernt ist. Das kann zwei wissenschaftliche Papers weit weg sein oder zwei Jahrzehnte.

Wie sollten Unternehmerinnen und Unternehmer rational mit dieser Unsicherheit umgehen?

Die Entwicklungen sind hochdisruptiv – ähnlich wie das Internet bestehende Kreisläufe durch neue ersetzt hat. Gleichzeitig besitzt das System Trägheit: Berufsbilder, Wertschöpfungsketten und Gesetze ändern sich langsamer, als viele erwarten. Vieles wird langsamer ablaufen, als KI-Forscher prognostizieren, aber weiter reichen, als es sich heute viele vorstellen.

Seit der Moderne leben wir mit einer Zukunft, die schwer vorhersehbar ist und sich immer schneller verändert. Das ist teils Wahnsinn, teils ungeheuer aufregend. Eine Welt, die Innovation erlaubt und bestehende Systeme durch bessere ersetzt, eröffnet Emanzipation und Selbstverwirklichung. Für mich ist KI vor allem Hoffnung: effizientere Produktion und Verwaltung, Ermächtigung des Einzelnen und vielleicht mehr Zeit, Kinder aufzuziehen, Beziehungen einzugehen, Freundschaften zu pflegen; Mensch zu sein.









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Manuel Gahn und Lena Manzenreiter | (c) Lumia
Manuel Gahn und Lena Manzenreiter | (c) Lumia

Eine ganze Reihe internationaler Krypto-Anbieter baut bekanntlich seine EU-Hauptquartiere in Wien auf. Während Player wie Bybit EU, KuCoin EU oder zuletzt WhiteBit EU dank Erhalt der MiCAR-Lizenz bereits offiziell die Arbeit aufgenommen haben, müssen andere vorerst unter dem Radar bleiben.Nicht weniger als fünf dieser Player, KuCoin EU, WhiteBit EU und drei weitere, die noch nicht genannt werden dürfen, haben sich an den beiden Standorten des Wiener Office-Space-Unternehmens Lumia angesiedelt. Das wiederum befindet sich aktuell in der nächsten Expansionsphase, nachdem nach dem Start mit dem Startup House vor drei Jahren bereits 2024 ein zweiter Standort eröffnet wurde.

Dabei setzt man nicht nur auf internationale Krypto-Unternehmen. Kürzlich hat Lumia-Gründer Manuel Gahn mit Lena Manzenreiter als neue Head of Ecosystem & EUHQ eine Verantwortliche für diese internationalen Ansiedlungen an Bord geholt, die auch als Ansprechpartnerin für Partnerorganisationen wie Wirtschaftsagentur Wien, FFG, GIN, WKO, und DAAA fungiert. Im Interview erzählte uns Gahn über die besondere Position von Lumia im Krypto-Bereich, die Anforderungen, die man dafür erfüllt und die Strategie, die dahinterliegt.


brutkasten: Wie hat sich Lumia seit dem Start mit dem Startup House vor einigen Jahren entwickelt? Wo steht ihr gerade?

Manuel Gahn: Mit dem Startup House haben wir vor gut drei Jahren angefangen. Wir sind wirklich zu diesem physischen Ankerpunkt der Wiener Startup-Szene geworden, vor allem auch als Community Place. Etwas unbeabsichtigt hat sich ja auch das hocherfolgreiche Geschäftsmodell der Event-Venues entwickelt, wobei wir hier mit Loft und Prisma zwei Standorte haben. All das ist im Lumia-Ökosystem gebündelt. Wir haben zudem gemerkt, dass es sich bei unseren Coworkern mittlerweile auch über das Startup-Segment hinaus entwickelt hat. Mit unseren Serviced Offices ziehen wir auch größere Firmen an – beispielsweise Dyson und Uber.

Prisma fungiert bei Lumia als Event-Venue | (c) Lumia

Hat sich das auch auf euer Angebot ausgewirkt?

Ja, wir haben gemerkt, dass wir in Premium Serviced Offices expandieren können. Vor gut eineinhalb Jahren kam dann die Ansiedlung von KuCoin Europe, die dann den Prozess begonnen haben, sich für die MiCAR-Lizenz zu bewerben. Das war für uns eine neue Herausforderung, aber auch sehr spannend. Mit dem chinesischen Markt war ich davor schon ein bisschen in Berührung, weil ich in Hongkong studiert habe. Auch mit dem chinesischen Eigentümern konnte ich dementsprechend etwas besser umgehen als vielleicht andere Spaces in Wien.

Und mittlerweile seid ihr im Krypto-Segment aber noch deutlich weiter gewachsen…

Ja, wir sind wieder in der Expansion, weil wir mittlerweile so viel Nachfrage und volle Büros haben. Insbesondere mit dem Fokus auf zukünftige sogenannte CASPs, also Crypto Asset Service Providers. Das sind jetzt nicht nur Krypto-Player und Krypto-Börsen selbst, sondern auch zum Beispiel Stablecoin-Unternehmen, die sehr strenge regulatorische Vorschriften und Vorgaben für die Office Compliance haben, mit der Finanzmarktaufsicht als sehr kompetenter Regulatorin. Die Fragen für die Büro-Requirements sind zwar komplex, aber für alle die gleichen und die haben wir mittlerweile am besten ausgearbeitet. Zwei unserer Unternehmen haben diesen Prozess bereits geschafft und weitere drei sind aktuell dabei.

Du hast KuCoin EU schon erwähnt. Die zweiten, die diesen Prozess geschafft haben, darfst du auch nennen…

Ja, KuCoinEU ist an unserem zweiten Standort in der Tribüne, wo auch das Prisma als Konferenzzentrum läuft. Im Startup House ist im Frühjahr Whitebit EU eingezogen und hat letzte Woche die MiCAR-Lizenz bekommen. Die drei weiteren Unternehmen darf ich noch nicht nennen, weil sie gerade im Lizenz-Prozess sind. Aber auch die sind bereits in Office-Größen von 5 bis 20 Leuten und arbeiten sehr stark an ihrer Compliance, um die Lizenzen zu bekommen. Da wird es in den nächsten paar Wochen noch neue Announcements geben.

Mit was überzeugt ihr die Krypto-Unternehmen? Warum kommen alle zu euch?

Es sind nicht alle bei uns. Bybit EU, die wohl größte Wette auf Österreich, etwa nicht. Ich weiß von sieben oder acht, die diese Prozesse haben, und fünf davon sind hier. Natürlich ist es die starke Flexibilität, anfangs ein kleines Team zu haben und bei uns wachsen zu können. Lumia zieht außerdem Wiens engagierteste Personen und Firmen an – viele davon jung und Expats. Im Krypto-Bereich liegt das auch an der Nähe zu Bitpanda. Viele Leute, die in diesen in MiCAR-Lizenzierungsprozessen steckenden Firmen angestellt sind, sind ehemalige Pandas und schätzen den Business Hub rund um die Krieau.

Die Bitpanda-Zentrale ist direkt gegenüber vom Startup House…

Ja. Und der größte Hebel ist letztlich das Netzwerk. Angefangen hat es bei KuCoin Europe mit Oliver Stauber, Christian Niedermüller, Christian Derler und so weiter. Keiner von denen ist jetzt noch dort und sie haben alle neue Arbeitgeber, die auch in diesen Lizenzprozessen sind. Sie alle sind bei uns geblieben.

Und so trifft sich dann das gesamte ehemalige Team bei euch wieder?

Lustigerweise ja. Sonst würde man sagen, wir sind im B2B-Business, also Lumia macht Office Business, aber eigentlich, nachdem wir einfach die besten Arbeitsplätze Österreichs anbieten, ist es ein bisschen ein B2C-Business. Vielleicht verändern sich die Arbeitgeber:innen von den Personen, aber die Personen wollen bei uns bleiben.

Du hast auch von regulatorischen Hürden gesprochen. Bei jenen davon, die das Office angehen, seid ihr am Zug. Kannst du mir da mehr erzählen?

Ja, die Office-Compliance hat sich als Quick Win für MiCAR-Applicants herauskristallisiert. Da geht es etwa darum, dass laut Vorschriften drei voneinander getrennte Bereiche für eine Krypto-Company nötig sind. Holding, Compliance-Team, Anti-Money-Laundering Officer, Anti-Terrorism-Financing und so weiter. Wie wird die Hot Wallet gestored? Wie sind die Access Logs? Wie gehen wir mit Umsatzsteuerschädlingen um? Wie werden Besucher:innen registriert? Gibt es ein High-Security-Zutrittskontrollsystem? Das ist das, was wir jetzt auch gerade wieder aufrüsten und nochmal verbessern. Wir brauchen etwa verstärkte Sicherheitstüren und Fenster mit einbruchsicheren Sichtschutzfolien. Es ist schon wirklich ein Aufwand, sich da zu spezialisieren. Die ersten ein, zwei Male waren nicht lustig, aber jetzt haben wir das perfektioniert.

Lumia stellt für seine Mieter spezielle Zugangssysteme bereit | (c) Lumia

Damit wissen mittlerweile auch die Regulatoren, wenn sie für den sogenannten Office Visit “wiedermal” bei uns vorbeikommen, dass wir wissen, was zu tun ist. Ich will damit nicht sagen, dass es die Unternehmen leichter haben, die Lizenz zu bekommen und Office Compliance ist auch wirklich nur ein ganz kleiner Teil. Es sind genau dieselben strengen Regeln, die sie in anderen Immobilien auch haben. Nur wir können dabei unterstützen, weil wir in diesem konkreten Thema vermutlich europaweit am meisten Erfahrung haben.

Und ich nehme jetzt an, der Prüfer, der zum fünften Mal wegen der fünften Firma zu euch kommt, weiß dann schon, dass eure Fenster bruchsicher sind…

Zum Beispiel. Sie wissen auch, dass wir die WLAN-Netzwerke voneinander trennen, es komplett sichere Storage Archives gibt, die Zutrittskontrollen on-premise laufen und es Security-Kameras gibt. Zum Beispiel müssen alle Besucher:innen getrackt werden. Da gibt es dann eine Registrierung über unsere Rezeption. Die checkt sie ein und aus, prüft die IDs und teilt Visitor-Badges aus. Das haben wir wirklich zur Perfektion getrieben.

Jetzt Anfang Juli ist ein großes Thema natürlich, dass die MiCAR-Regelungen endgültig schlagend werden. Wie nimmst du das von deiner Position aus wahr?

Wir kriegen das gar nicht so viel mit, weil wir nicht im Tagesgeschäft involviert sind. Eine neue Firma hat morgen diesen Office Visit. Heute stellen wir auch gerade nochmal sicher, dass alle Systeme laufen, damit alles funktioniert. Nachdem es einmal aufgesetzt wurde, muss es dann ja immer funktionieren. Es ist schon auch lustig, wenn dann viele internationale Gäste hier sind.

Aber die Firmen siedeln sich unter anderem deswegen bei uns an, weil sie auch noch nicht wissen, was passiert, wenn sie abgelehnt werden. Da kann man keinen Fünf-Jahres-Vertrag mit vielleicht 400 Quadratmetern unterschreiben, wenn man nach sechs Monaten abgelehnt wird und keine Lizenz bekommt. Da sind Flex-Office-Lösungen eine sehr gute Lösung.

Ich stelle zum Ende nochmal eine klassische Ausblicksfrage: Du hast am Anfang des Interviews anklingen lassen, dass ihr weiter in der Expansionsphase seid. Und du hast gesagt, dass sich auch internationale Unternehmen abseits der Krypto-Branche wegen eines EU-Headquarters bei euch umsehen.

Wir sind jetzt gerade dabei, weitere 500 bis 1.500 Quadratmeter dazu zu mieten – das ist noch nicht ganz fix. Je nach Arbeitsplätzen und Conference Center kann das noch variieren oder auch noch viel mehr werden, falls noch mehr von diesen Firmen kommen. Was wir gemerkt haben: Es gibt zum Beispiel dank „Go Austria“ von GIN und FFG ziemlich viel Zuzug nach Wien als Basis für einen Markteintritt in Europa. Flexible Premium-Arbeitsplätze können hier natürlich auch von Wirtschaftsagentur Wien und ABA gut positioniert werden. Diese Firmen brauchen anfangs mal ein Virtual Office und expandieren dann womöglich auch auf Arbeitsplätze. Die wissen oft noch gar nicht, was genau deren Europe Entry Strategy sein wird.

Deswegen haben wir auch diese Marke „EUHQ by Lumia“ erfunden. Das können Finanzdienstleister oder Crypto Asset Service Provider sein, auf die wir aktuell unseren Fokus legen, weil es eben sehr schwer ist, denen zu genügen, und wir da den perfekten Product-Market-Fit gefunden haben. Aber es gibt auch andere, die in unserem Tech-Expat-Hub gerne einziehen würden.

Unsere Mitarbeiterin Lena Manzenreiter leitet die Expansion in dieses Geschäftsfeld. Sie wird viel im Ökosystem, mit der DAAA und mit der Wirtschaftsagentur Wien an neuen Initiativen arbeiten, um mit diesen internationalen White-Collar-Jobs neue Akzente zu setzen – um Wien als wichtigen Tech-Standort und Expansions Hub für Europa weiter zu etablieren.

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