10.03.2025
HIREBUDDY

Job weiterleiten und Geld verdienen: Wiener Startup will Recruiting-Prozesse vereinfachen

Das Wiener Startup Hirebuddy könnte künftig den Recruiting-Prozess in Unternehmen effizienter und kostengünstiger gestalten. Durch ein Empfehlungssystem können mehrere Parteien finanziell profitieren.
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Das Hirebuddy-Gründerteam (l.n.r): Rafael Lerchster, Markus Dreier, Felix Klooss und Leon Neubeck. © Hirebuddy

Die Jobsuche verläuft selten reibungslos: Lange Wartezeiten, fehlende Stellenanzeigen oder Absagen gehören für viele Bewerber:innen zum Alltag. Gleichzeitig stehen Unternehmen vor der Herausforderung, offene Positionen zu besetzen. Besonders in Branchen wie der Pflege oder dem Handwerk ist es oft schwer, geeignete Fachkräfte zu finden. Für kleine und mittelständische Unternehmen sind herkömmliche Recruiting-Prozesse zudem oft zu teuer und zeitaufwendig.

Ein Wiener Startup will diese Hürden nun aus dem Weg räumen. Mit seiner Plattform Hirebuddy bietet es eine maßgeschneiderte Lösung für KMU, die den Recruiting-Prozess laut Produktversprechen effizienter und zugänglicher machen soll. Dank eines Empfehlungssystems profitieren nicht nur Unternehmen und Bewerber:innen, sondern auch Dritte, die passende Personen für die Stelle vorschlagen. Wie das genau funktioniert, erklären die Co-Founder Rafael Lerchster und Markus Dreier im Gespräch mit brutkasten.

Jede:r kann Recruiter werden

In vielen Unternehmen erhalten interne Mitarbeitende eine Prämie, wenn sie passende Kandidat:innen für eine offene Stelle empfehlen. Hirebuddy geht noch einen Schritt weiter: Über die Plattform können Nutzer:innen Jobangebote mit ihren Freund:innen und Bekannten teilen und so selbst zum Recruiter werden. Wird eine empfohlene Person eingestellt, gibt es eine finanzielle Belohnung. Man müsse einfach nur den Joblink weiterleiten, um bei erfolgreicher Vermittlung Geld zu verdienen, erklärt Co-Founder Markus Dreier.

Dabei muss die Empfehlung nicht direkt erfolgen. Auch wenn ein Job über mehrere Ecken weitergeleitet wird, profitieren alle Beteiligten. In einer solchen Empfehlungskette erhält jede Person anteilig eine Belohnung – unabhängig davon, wie lang die Kette ist.

Aktuell 20 Pilotkunden

Unternehmen hinterlegen bei Hirebuddy eine fixe Provision, die anteilig an die sogenannten „Hirebuddies“ ausgezahlt wird, sobald eine offene Stelle erfolgreich besetzt wurde. 50 Prozent der Provision erhält die Person, die den oder die eingestellte:n Kandidat:in direkt empfohlen hat. Weitere 20 Prozent gehen an die Person, die den direkten Empfehlenden eingeladen hat und 12,5 Prozent erhält die Person, die den oder die Einlader:in eingeladen hat. Dieser Prozess setzt sich entlang der gesamten Empfehlungskette fort, sodass jede beteiligte Person abhängig von ihrer Position einen Anteil erhält. Bei bisherigen Pilotkunden beobachtet das Team, „dass es so zwischen zwei und drei Empfehler gibt“, sagt Dreier im Gespräch mit brutkasten. „Wir kümmern uns dann um die sichere Kommunikation und Auszahlung an diese Personen“.

Hirebuddy selbst behält ein Honorar ein, das „ebenfalls erst dann ausbezahlt wird, wenn die Person gefunden wurde und eine definierte Probezeit überstanden hat“, so Co-Founder Rafael Lerchster. Aktuell arbeitet das Startup mit 20 Pilotkunden, davon elf aus dem Pflegebereich mit Schwerpunkt am Standort Wien. „Wir möchten das ganze geographisch und branchentechnisch mal sehr klein starten in einer Nische. So können wir vor allem unsere Community aufbauen und uns dann Schritt für Schritt ausweiten. Erstmal nach Ostösterreich, dann ganz Österreich, dann gesamter DACH-Raum und dann hoffen wir, dass unser Produkt so gut funktioniert, dass man es recht schnell auf unterschiedliche Länder ausweiten kann“, sagt Lerchster.

Fokus auf „Effizienzgedanke und Unterstützung der Kleinen“

Besonders kleine Unternehmen würden von Hirebuddy profitieren, behaupten die Gründer. Da sie sich den klassischen Hiring-Prozess oft nicht leisten können und über weniger Ressourcen als große Unternehmen verfügen, bietet die Plattform eine effiziente und kostengünstige Alternative. Im Mittelpunkt stehe der „Effizienzgedanke und die Unterstützung der Kleinen“, sagt Dreier. „Man kann sich das so vorstellen, dass der KFZler ums Eck mit 15 Mitarbeitern oder das Pflegeheim in Niederösterreich mit 30 Mitarbeitern eine Stelle bei uns postet und dadurch tausende Recruiter bekommt, die durch die Provision die Stelle teilen.“

Dank dieses Ansatzes sei es möglich, innerhalb weniger Stunden nach Veröffentlichung eine passende Person für die offene Stelle zu finden. „Unser System nutzt die Kraft von Mitarbeiterempfehlungen und kombiniert diese mit einem einzigartigen Anreizsystem, das den Recruiting-Prozess nicht nur effizienter, sondern auch kostengünstiger macht“, heißt es seitens des Startups. Zudem sei die Plattform nicht auf Österreich beschränkt, wodurch auch Fachkräfte aus dem Ausland auf offene Stellen aufmerksam gemacht werden können – ein möglicher Beitrag zur Bekämpfung des Fachkräftemangels in Österreich.

Hirebuddy setzt auf Bootstrapping

Während seines Masterstudiums sammelte Rafael Lerchster selbst Erfahrung im Recruiting und stellte schnell fest: „20 oder 30 Prozent meiner täglichen Arbeitszeit oder vielleicht noch mehr, war Active Sourcing.“ Das ständige Anschreiben potenzieller Bewerber:innen über verschiedene Kanäle empfand er als „bisschen nervig, muss ich sagen, wenn man die ganze Zeit Leute aus dem Nichts anschreibt. Und dann habe ich mir überlegt, ob es nicht bessere Variante geben könnte, Kandidaten zu finden.“ Diese Überlegungen führten schließlich zur Idee, eine eigene Hiring-Plattform zu entwickeln, die genau diese „nervigen Tasks“ automatisiert.

Vor einem Jahr gründete er das Startup schließlich gemeinsam mit Markus Dreier, Leon Neubeck und Felix Klooss. Das Gründerteam bringt jahrelange Erfahrung aus der Personalvermittlung, dem HR-Tech-Bereich und der Softwareentwicklung mit. „Da waren irrsinnig viel Learnings dabei, einfach weil wir schnell rausgegangen sind und weil wir schnell getestet haben“, erzählt Lerchster.

Als Spin-off der Universität Wien hat das Hirebuddy-Team in den vergangenen Monaten intensiv an der Plattform gearbeitet, unterstützt vom Digital iLab (Marco Masia), dem WU Gründungszentrum und der Wirtschaftsagentur Wien. „Unsere Grundstrategie jetzt mal für 2025 ist Bootstrapping. Also wir versuchen jetzt mal keine externen Investoren reinzuholen“, sagt Dreier. „Was wir alle glauben, ist, dass das System an sich extrem schnell wachsen kann, eben durch diese Netzwerkeffekte. Wir glauben, dass sich Hirebuddy auch selbst finanzieren kann.“

Erste Erfolge: Jobs wurden schon erfolgreich besetzt

Dennoch verbergen sich hinter den ersten Schritten oft herausfordernde Zeiten. „Was wir schon jetzt auch gemerkt haben die letzten Monate, ist vor allem die Bekanntheit und dann auch das Vertrauen der Menschen in etwas zu gewinnen, was noch nicht bekannt ist, ist extrem schwierig“, so Lerchster. „Ich würde jetzt mal sagen, 90 Prozent der Unternehmen waren auch wirklich begeistert von der Idee. Teilweise scheitert es dann an verschiedenen festgefahrenen Prozessen, Budgets, was auch immer. Aber was wir sehen auf der B2B-Seite ist, dass das Produkt an sich sehr gut angenommen wird. Wo wir aktuell noch etwas größere Probleme sehen, ist die B2C-Seite, der Community-Aufbau.“

Trotz dieser Hürden kann Hirebuddy bereits erste Erfolge verbuchen: Die Plattform wächst laut eigenen Angaben stetig mit immer mehr Stellenanzeigen, Empfehler:innen und Bewerber:innen. Zudem konnten bereits erste offene Positionen erfolgreich mit passenden Kandidat:innen besetzt werden. „Unsere Vision ist es bei Hirebuddy, dass wir einen Jobpost veröffentlichen und dass dieser Jobpost innerhalb von 24 Stunden über unsere Community, über die Netzwerkeffekte zur passenden Person kommt“, sagt Markus Dreier im Gespräch mit brutkasten.

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Bild: KI-generiert / Google Gemini

Die europäischen NATO-Länder werden ihre Verteidigungsausgaben in den kommenden zehn Jahren massiv erhöhen. Neben den direkten Verteidigungsausgaben, die auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen sollen, sind weitere 1,5 Prozent des BIP für sicherheitsrelevante Investitionen vorgesehen: etwa für die Anpassung der Verkehrsinfrastruktur, für den Bevölkerungsschutz oder für Cyber- und Netzwerksicherheit. Europaweit entspricht das jährlich rund 320 Mrd. Euro.

Auch für Österreich als Nicht-NATO-Staat hat das Folgen. Legt man das 1,5-Prozent-Ziel als Referenzmaßstab zugrunde, ergibt sich ein potenzieller jährlicher Investitionsbedarf von rund 7,5 Mrd. Euro. Das geht aus der Studie „Verteidigungsrelevante Infrastruktur als Rückgrat souveräner Sicherheitsvorsorge“ von EY und der deutschen DekaBank hervor.

Jeder Euro löst 2,45 Euro aus

Die Investitionen stoßen laut Studie in den europäischen NATO-Ländern eine Produktion von insgesamt 822 Mrd. Euro pro Jahr an, 17 Mrd. Euro davon entfallen auf Österreich. Jeder investierte Euro führt demnach zu einem gesamtwirtschaftlichen Impuls von etwa 2,45 Euro. Profitieren dürften vor allem Bauunternehmen, Informations- und Kommunikationsunternehmen, Logistikfirmen sowie die Elektronik- und Elektrotechnikbranche.

Dazu kommen die Beschäftigungseffekte: Sofern die Infrastrukturinvestitionen wie vorgesehen zu ohnehin geplanten Projekten erfolgen, entstehen europaweit 4,4 Millionen Arbeitsplätze. Knapp 1,8 Millionen davon direkt in der Infrastrukturindustrie, ähnlich viele bei Zulieferern. In Österreich wären es rund 75.000 Jobs.

„Investitionen in Infrastruktur, von Mobilität über Energie bis zu Häfen, Flughäfen, Schutzräumen und Cyber-Sicherheit, bilden das Rückgrat militärischer Fähigkeiten“, sagt Axel Preiss, Partner bei EY Österreich und Defence Leader Europe. Die Effekte gingen über den Rüstungssektor hinaus: Solche Investitionen könnten die Konjunktur stärker ankurbeln als Rüstungsinvestitionen im engeren Sinn und bieten zugleich die Chance auf eine Modernisierung von Logistik, Verkehr und Energie.

Investitionsstau und knappe Kassen

Der Bedarf trifft allerdings auf strukturelle Engpässe. In Österreich wie in ganz Europa besteht bereits heute ein hoher Investitionsstau, die zugesagten Mittel müssten zusätzlich und möglichst kurzfristig aufgebracht werden.

Für Matthias Danne, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der DekaBank, führt daran kein Weg vorbei: „Der Staat wird die hohen Kosten der militärischen Infrastrukturinvestitionen nicht allein schultern können, ohne privates Kapital ist eine ausreichende Resilienz nicht erreichbar.“ Er verweist auf ÖPP-Modelle, die bei deutschen Behörden unbeliebt, international aber etabliert seien. Besonders bei Dual-Use-fähiger Infrastruktur in den Bereichen Energie, Netze, Logistik und Kommunikation ermögliche privates Kapital eine zügigere Skalierung. Auch in Österreich werde verstärkt diskutiert, wie sich privates Kapital für öffentliche Zukunftsprojekte mobilisieren lässt, ergänzt Preiss.

Als weitere Hürden nennt der EY-Partner lange Vorlaufzeiten, komplexe Genehmigungsverfahren und begrenzte kurzfristige Skalierbarkeit. Nötig seien daher beschleunigte Genehmigungen, eine koordinierte zivil-militärische Planung und eine stärkere europäische Abstimmung bei grenzüberschreitender Infrastruktur.

Was das für die heimische Szene bedeutet

Für Österreichs Technologieunternehmen trifft der erwartete Investitionsschub auf ein Feld, das sich gerade erst öffnet. Reine DefenseTech-Startups gibt es hierzulande kaum, die meisten agieren im Dual-Use-Bereich, also mit Produkten, die sich zivil wie militärisch einsetzen lassen. Genau dort setzt auch die Studie an, wenn sie Dual-Use-fähige Infrastruktur in Energie, Netzen, Logistik und Kommunikation als bevorzugtes Feld für privates Kapital nennt. Bewegung kommt zusätzlich von politischer Seite: Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer hat angekündigt, gesetzliche Hürden für die heimische Rüstungs- und DefenseTech-Branche abzubauen, unter der Bedingung, dass die Neutralität gewahrt bleibt.

Erste Finanzierungsrunden zeigen, dass das Thema auch bei Investor:innen ankommt. Das 2025 gegründete Grazer Startup GuardAero, dessen Systeme Drohnenbedrohungen an Militärfahrzeugen autonom erkennen und neutralisieren, holte sich zuletzt ein Seed-Investment im niedrigen Millionenbereich von Angels United und der Beteiligungsgesellschaft von Bernhard Klemen. Zuvor hatte das Team die „Austrian Defence Innovation Garage 2025“ gewonnen und kooperiert bei Entwicklungstests mit dem Bundesheer. Ob die von EY skizzierten Milliarden tatsächlich auch bei heimischen Startups landen, wird weniger von den Zusagen abhängen als von Genehmigungsverfahren, Vergabepraxis und der Frage, wie schnell Österreich seinen eigenen regulatorischen Rahmen nachschärft.

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