09.03.2021

Jam: Ein „Clubhouse from the people for the people“

Vor einem Monat starteten drei Wiener mit Jam eine Open Source-Alternative zu Clubhouse, Twitter Spaces und Co. Seitdem hat sich einiges getan. Wir sprachen dazu mit einem der drei, Thomas Schranz, im Interview.
/artikel/jam-open-source-audio-space-interview
Jam:
(c) Jam: "Team-Foto" im Open Source-Audio Space - vlnr. Christoph Witzany, Thomas "Tosh" Schranz und Gregor Mitscha-Baude

Zumindest zu Beginn war die „Exklusivität“ eines der herausstechendsten Merkmale von Clubhouse. Schon vor etwa einem Monat, also als der Hype rund um die Audio-App noch frisch war, starteten drei Wiener mit einer Antithese: Jam. Wie der brutkasten berichtete bauten Thomas „Tosh“ Schranz, Christoph Witzany und Gregor Mitscha-Baude zunächst innerhalb eines eintägigen Hackathons diese Open Source-Audio Space-Anwendung.

Seitdem hat sich einiges getan und Jam will schon jetzt viel mehr sein, als „nur“ eine freie Version von Clubhouse oder Twitter Spaces. Welche Überlegungen im Hintergrund stehen und wie die große Vision für Jam aussieht, erzählte uns Thomas Schranz im Interview.


Was ist Jam?

Mit Jam kannst du einen „Audio Space“ starten, das ist ein bisschen wie ein Group-Phone-Call, oder wie ein Zoom-Call ohne video und ohne Chat. Du siehst, wer im Raum ist, wer spricht, wer sprechen möchte. Und das ganze glasklar. Leute verwenden Jam zum quatschen, für Brainstorming, Team-Meetings, Workshops, Sales-Calls bis hin zu Podiumsdiskussionen und Online-Veranstaltungen mit mehreren Themen und Räumen. Das ganze funktioniert super einfach. Du startest einen Raum, indem du auf einen Button klickst, /jam in Slack eingibst – die Slack-Integration kann als Early Preview bereits ausprobiert werden – oder auch indem du eine Room-„ID“ an https://jam.systems/ anhängst (Anm. zb https://jam.systems/brutkasten). Die erste Person, die da drauf klickt, startet den Raum und ist Moderator.

Das heißt, Jam ist sehr vielseitig einsetzbar, so wie Clubhouse und Twitter Spaces, aber auch so wie Zoom und Google Meet – und noch mehr. Es funktioniert gut, um mit einer Person zu reden, geht aber bis hin zu eigenen Event-Formaten.

Warum braucht es das neben den genannten Anwendungen?

Je wichtiger die Software für die Gesellschaft ist, desto wichtiger wird es, eine Open Source-Implementation in hoher Qualität zu haben. Gute Beispiele dafür sind WordPress, Wikipedia, Chromium, Firefox, Signal und die Datenbanken sqlite, postgresql und mysql.

Wie wirkt sich der Open Source-Aspekt auf User aus?

Jam ist als Open Source-Implementation von Audio Rooms, die gerade vor allem durch Clubhouse und Twitter Spaces populär werden, so wie WordPress frei verfügbar. Und zwar sowohl im Sinne von „libre“ als auch im Sinne von gratis. Man kann Jam erstens barrierefrei auf allen Browsern und Geräten ohne Invite, Installation und Registrierung online nutzen.

Man kann es zweitens aber auch selbst installieren und anpassen. Das betrifft Farben, Design, Logos, die Verwendung anderer Emojis für Reaktionen und die Nutzung der eigenen Domain. Man ist unabhängig davon, wie sich Clubhouse, Twitter Spaces oder Zoom weiterentwickeln, wo sie gehosted sind und welche Plattformen sie unterstützen.

Wie unterscheidet sich Jam in der Funktionalität von Clubhouse und Co?

Auf Jam kannst du den Namen und die Beschreibung von deinem Room jederzeit ändern und auch Sachen verlinken, etwa Notizen, Slide Decks, Ebooks oder auch zu Patreon, Ko-fi, Paypal und Bitcoin & Ethereum-Zahlfunktionen. Das heißt, als Creator kannst du mit Jam auch recht einfach Workshops organisieren und es ist für Participants super einfach, zu bezahlen oder ein etwa ein Ebook von dir zu kaufen. Auf Clubhouse und Twitter Spaces kannst du derzeit in den Rooms, die du organisierst, nichts verlinken – weder Sachen über die du gerade sprichst, noch auf deinen Youtube-Channel oder auf Spende- oder Payment-Funktionen.

Warum machen Clubhouse und Twitter Spaces das nicht auch?

Ich gehe davon aus, dass sie es absichtlich super umständlich machen, außerhalb der eigenen Anwendung Geld zu verdienen, weil sie die Geldströme auf der eigenen Plattform halten wollen – die Pläne, wie das genau aussehen wird, sind aber jeweils noch nicht bekannt. Das ist etwas, wo wir uns als Open Source-Projekt viel leichter tun.

Wenn du so erzählst, klingt das nach großen Möglichkeiten. Wo wollt ihr mit Jam hin? Was ist die große Vision?

Wenn man so will ist Jam das „Clubhouse by the people for the people“. So wie Wikipedia zu Beginn die „Microsoft Encarta by the people for the people“ oder WordPress das „Xpedio by the people for the people“ waren. An diesen Beispielen sieht man, was passieren kann, wenn eine Open Source-Implementation sich viel stärker verbreitet als die proprietäre Lösung. Die Encarta wurde 2009 eingestellt, Xpedio kennt heute kaum noch jemand.

Zwei Drittel aller Websites basieren laut Schätzungen auf WordPress. Aber auf den wenigsten Pages steht drauf: „This is WordPress“. Man kann es als Tool verwenden, um das zu machen was man möchte. Egal, ob es der brutkasten, BBC, Reuters oder eine Website über Minecraft oder ein Blog über meine Lieblings-Pizzateig-Rezepte ist. Man kann es zu seinem eigenen Ding machen und das ist, was wir mit Jam auch ermöglichen wollen.

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Die re:Marc 2026 fand im Museum of Ethnography Budapest statt | (c) egressyorsifoto
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„Ihr pitcht nicht um euer eigenes Überleben, ihr pitcht um unser Überleben als Gesellschaft.“ Mit diesen Worten richtet sich Uli Grabenwarter vom European Investment Fund in seiner Keynote bei der Konferenz re:Marc an das Publikum. Er bringt damit eine Kernbotschaft des Events auf den Punkt: Kreative Lösungen für marginalisierte Gruppen müssen in das Zentrum der Wirtschaft rücken.

Ein grenzüberschreitendes Ökosystem

Die re:Marc ist der Höhepunkt des „Marc Impact Programme“, einer gemeinsamen Initiative von ERSTE Stiftung, ERSTE Social Finance Holding, IFUA Nonprofit Partner und SIMPACT. Die Partner riefen dieses internationale Programm ins Leben, um wirkungsorientierte Unternehmen zu unterstützen. Radován Jelasity, CEO der Erste Bank Hungary, vergleicht in seiner Eröffnungs-Keynote die Kernidee mit jener der Erste Bank selbst und gibt den Teilnehmer:innen mit: „Glaub an dich, denn am Ende gewinnt immer das Gute!“

Und Ana Cretu, Director Social Impact Investment der ERSTE Stiftung, stellt klar: „Das Programm wurde designt, um von einer Gemeinschaft getragen zu werden, nicht nur von einer kleinen Gruppe von Leuten.“ Sie betont eine zentrale Überzeugung der Initiator:innen: „High-Impact-Entrepreneure sind entscheidend für resiliente Gesellschaften.“

Radován Jelasity, CEO der Erste Bank Hungary, auf der Bühne bei der re:Marc 2026 | (c) egressyorsifoto

Marc startete 2024 und begleitet Gründer:innen aus mittlerweile sechs Ländern langfristig. Radka Novotná, COO des tschechischen Social Startups Nepanikař, gibt im Gespräch mit brutkasten einen konkreten Einblick: „Das Programm hat uns die Augen geöffnet. Als NGO haben wir oft die Einstellung, mit so wenig Geld wie möglich auszukommen. Die Mentorinnen und Mentoren haben uns beigebracht, dass es in Ordnung ist, nach Geld zu fragen, weil es für einen wirklich guten Zweck ist.“

Der Pitch um den größten Impact

Das Event in Budapest bringe diese internationale Community zusammen. Zwölf Startups aus Österreich, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien und Tschechien traten dabei auch in drei Runden beim Pitch-Wettbewerb gegeneinander an. Sie zeigten eine enorme Bandbreite an Lösungen. Die Ideen reichten von Drohnen, die Samenbomben zur Wiederaufforstung abwerfen, über mobile Konzertbühnen in Lastenfahrrädern bis hin zu leistbaren Recyclingmaschinen für Plastikmüll aus dem Meer. Die Teams pitchten um Preisgelder von bis zu 20.000 Euro.

Andrew Gray von Tilia Impact Ventures (am Mikrofon) war eines der Jury-Mitglieder | (c) egressyorsifoto

Entscheidend war dabei aber nicht nur der Impact selbst, sondern auch die Frage nach einem tragfähigen und nachhaltigen Geschäftsmodell, das diesen Impact finanzieren kann. Entsprechend genau fragte die Jury nach. Jury-Mitglied Andrew Gray von Tilia Impact Ventures erklärt im brutkasten-Gespräch: „Wir sehen uns an, welche Startups den größtmöglichen Impact für so viele Menschen wie möglich erzielen. Wer wird das Preisgeld nutzen, um den tiefgreifendsten sozialen Impact in der sinnvollsten Weise zu generieren?“

Die Sieger der re:Marc 2026

Letztlich musste sich die Jury für die Gewinner der drei Hauptpreise entscheiden. Neben diesen wurden noch mehrere Zusatzpreise vergeben. Diese drei Startups überzeugten die Jury besonders:

Grand Impact Award: Nepanikař

Den „Grand Impact Award“ und damit den Hauptpreis von 20.000 Euro holte sich das tschechische Social Startup Nepanikař – zu Deutsch: “Keine Panik!” Die gleichnamige App bietet psychologische Hilfe und Suizidprävention. Sie verzeichnet täglich rund 500 Nutzer:innen und unterstützt diese auch gezielt in akuten psychischen Krisensituationen. „Wir wollen das Preisgeld nutzen, um die App mit Smartwatches und Ringen zu verbinden und so Krisen besser vorherzusagen“, schildert Radka Novotná ihre Pläne. Das Geld fließt parallel in die Übersetzung der App in vier weitere Sprachen.

Nepanikař rund um Radka Novotná (2.v.r.) holte sich den Grand Imppact Award | (c) egressyorsifoto

Innovation Champion Award: Origin BCI

Der „Innovation Champion Award“ im Wert von 15.000 Euro ging nach Rumänien an Origin BCI. Das Team rund um Gründer und CEO David-Alexandru Popescu entwickelt bionische Handprothesen, die leistbar und leicht zu warten sind. Im Interview verrät Popescu den nächsten Schritt: „Die gewonnenen 15.000 Euro werden dazu beitragen, unser finales, konformes Produkt zu bauen – mit zugelassenen Materialien und Elektronik für Medizinprodukte.“

Origin BCI rund um David-Alexandru Popescu (2.v.l.) erhielt den Innovation Champion Award | (c) egressyorsifoto

Scalable Champion Award: TalentsLounge

Den „Scalable Champion Award“ sicherte sich Anna Gawin mit der österreichischen Plattform TalentsLounge (DaVinciLab). Die Plattform befähigt Lehrkräfte, Künstliche Intelligenz und Zukunftskompetenzen zu unterrichten. Gawin hat ein klares Ziel für die 15.000 Euro Preisgeld: „Wir werden unsere Plattform ins Polnische und Ungarische übersetzen und erste Pilotprojekte mit rund 500 Schülerinnen und Schülern an polnischen und ungarischen Schulen in Wien umsetzen.“

TalentsLounge rund um Anna Gawin holte sich den Scalable Champion Award | (c) egressyorsifoto
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