13.03.2026
WIRTSCHAFTSSTANDORT

IT:U präsentiert neues Konzept für mehr akademische Spinoffs in Österreich

Ein aktuelles Positionspapier der Interdisciplinary Transformation University (IT:U) analysiert internationale Best Practices für geistiges Eigentum. Ziel ist es, universitäre Forschung schneller in wirtschaftliche Wertschöpfung zu übersetzen.
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(c) IT:U

Im Rahmen der Erarbeitung der österreichischen Hochschulstrategie 2040 rückt die Verwertung akademischer Forschung in der Innovationspolitik zunehmend in den Fokus. Obwohl österreichische Universitäten zentrale Quellen für technologische Innovationen darstellen, schöpft die Anzahl der akademischen Ausgründungen ihr Potenzial derzeit noch nicht voll aus. Ein wesentliches Problem bei heimischen Spinoffs ist die fehlende Transparenz: Laut dem BMFWF-Ausgründungsrahmen 2024 geben 69 Prozent der befragten Ausgründungen an, keine definierten Richtlinien ihrer jeweiligen Hochschule zu kennen.

Neues Positionspapier

Die in Linz ansässige Interdisciplinary Transformation University (IT:U) hat nun ein Positionspapier veröffentlicht, das internationale Modelle zum Umgang mit geistigem Eigentum (IP) und akademischen Spinoffs analysiert. Ziel des Berichts ist es, aufzuzeigen, wie Forschung künftig systematischer in wirtschaftliche und gesellschaftliche Wertschöpfung transformiert werden kann.

„Universitäten werden künftig stärker daran gemessen werden, ob aus Ideen auch Unternehmen entstehen können“, erklärt Daniel Cracau, Director Outreach & Startups an der IT:U. Als noch junge Universität wolle die IT:U diese Chance nutzen, um von Beginn an klare und gründungsfreundliche Rahmenbedingungen zu etablieren. Die IT:U ist eine der ersten öffentlichen Universitäten in Europa, die sich ausschließlich der digitalen Transformation widmet. Mit einem integrativen, projektbasierten Ansatz sollen Studierende interdisziplinär ausgebildet werden, um später Wirtschaft und Industrie voranzutreiben.

Drei Ansätze für effizienteren Technologietransfer

Um Forschung wirksamer in Gründungen zu überführen, definiert das Papier drei komplementäre Kernansätze: eine offene Diffusion von Technologien, schlanke sowie investorenkompatible Standardregelwerke für IP und Beteiligungen, sowie umfassende Ökosystem-Ansätze. Bei letzteren sollen Venture Builder, Fonds und Universitäten gemeinsam an der Entwicklung von Ausgründungen arbeiten. Als internationale Referenzmodelle nennt der Bericht unter anderem die ETH Zürich sowie den Venture Builder Chalmers Ventures.

Markus Wanko, Managing Director von XISTA, betont in diesem Zusammenhang, dass neue Einrichtungen wie die IT:U den Umgang mit Gründern neu denken können. Dabei müsse das Rad nicht neu erfunden werden; vielmehr gehe es darum, aus internationalen Erfahrungen zu lernen und diese auf den institutionellen Kontext zu übertragen.

Neben spezifischen Regelwerken sei laut der IT:U vor allem der Aufbau einer sichtbaren Entrepreneurship-Kultur entscheidend. Dazu zählen frühe Gründungserfahrungen für Studierende und Forschende sowie die Vernetzung mit bestehenden Startup- und Venture-Ökosystemen.

Die IT:U selbst plant bis zum Jahr 2027 die Entwicklung einer eigenen IP-Policy und eines institutionellen Rahmens für Spinoffs. Das veröffentlichte Positionspapier soll dabei als Diskussionsgrundlage für diesen Prozess und als Beitrag zur Weiterentwicklung des österreichischen Innovationssystems dienen.

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(v.l.) Antonia Riva-Frizberg, Theresa Kohl, Johanna Marie Reinedahl und Sara Kapeller sind für den Bierlein-Preis 2026 nominiert.

Der Brigitte-Bierlein-Frauenpreis geht 2026 in die zweite Runde. Er zeichnet Frauen unter 35 für unternehmerische oder innovative Leistungen mit Österreichbezug aus. Aus rund 100 Bewerbungen haben das Wirtschaftsministerium (BMWET) und die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) 35 junge Frauen in die Shortlist aufgenommen, darunter Gründerinnen, Forscherinnen und Führungskräfte.

Die Preisträgerinnen werden mit je 5.000 Euro in drei Kategorien prämiert: „Entrepreneurship, Führungskräfte & Nachfolge“, „Forschung, Innovation & Transfer“ sowie mit dem „Maria-Rauch-Kallat-Ehrenpreis für gesellschaftlichen Impact & Role Model“. Beim Ehrenpreis kommt zusätzlich ein Mentoring-Platz im „WoMentoring“-Programm des club alpha hinzu.

Unter den Nominierten sind auch mehrere Startup-Gründerinnen:

Antonia Riva-Frizberg (Lumetry): Lungenmonitoring für zu Hause

Riva-Frizberg gründete im März 2022 gemeinsam mit Christian Neubauer das Grazer Medtech Lumetry Diagnostics. Das Startup entwickelt Geräte, mit denen Patient:innen mit chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen oder Asthma ihre Lungenvitalität zu Hause messen können. Langfristig will man auch Menschen mit Lungenentzündungen oder Long Covid helfen. 2023 sammelte das Team ein sechsstelliges Investment „weit über eine halbe Million“ ein. Prototypen gibt es bereits, gelauncht soll das Produkt laut Website noch 2026 werden.

Vor der Gründung war Riva-Frizberg unter anderem bei der Innovations-Beratung Pioneers als auch beim Zyklustracker-Startup breathe ilo beschäftigt, das 2023 Konkurs anmeldete.

Das Produkt soll noch 2026 gelauncht werden. © Lumetry

Theresa Kohl (DiLT Analytics): Energie sparen mit Gebäude-Software

Kohl ist Mitgründerin und CEO von DiLT Analytics, einem 2021 gegründeten Spin-off der TU Graz. Die Software soll Ineffizienzen in Gebäuden sowie in Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen erkennen und den Energieverbrauch senken. Aktuell entwickelt das Team sein neues Produkt „FaciliMind“, eine KI-basierte Softwareplattform zur datenbasierten Optimierung von Energieeffizienz und Betriebskosten in Gebäuden. Das System benötigt laut eigenen Angaben keine neuen Sensoren, sondern dockt an bestehende Leitsysteme an und deckt dort Fehlsteuerungen auf.

Unterstützt wurde das Startup unter anderem durch FFG-Förderungen und konnte bereits Pilotprojekte mit Partnern wie der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) umsetzen. Vor der Gründung war Kohl unter anderem bei AEE – Institut für Nachhaltige Technologien und als Projekt- und Innovationsmanagerin bei der Energie Agentur Steiermark tätig.

Johanna Marie Reinedahl (WeGait): Exoskelett für die Reha

Reinedahl ist Gründerin und Geschäftsführerin der WeGait FlexCo. Das Robotik-Startup entwickelt ein Exoskelett für die Gangrehabilitation nach Schlaganfall oder Rückenmarksverletzung, das Abläufe in Rehazentren effizienter machen soll. Unter dem ehemaligen Namen Nexo Skeleton wurde das Startup als eine der ersten beiden Beteiligungen von WU Ignite Ventures aufgenommen.

Im Juli 2026 benannte man sich in WeGait um. Reinedahl war vor der Gründung außerdem ein Jahr als Venture Capital Investment Analyst bei Arax Capital Partners tätig.

Sara Kapeller (twistor): Schneeräumung per System

Kapeller gründete 2025 die twistor GmbH im Vorarlberger Bludenz. Den Anstoß dazu gab eine persönliche Erfahrung: Eine tonnenschwere Dachlawine ging direkt von dem Haus ihres Großvaters ab. Daraufhin entwickelte sie ein automatisiertes Schneeräumungssystem für Gebäude und Photovoltaikanlagen, das laut Unternehmensangaben seit 2024 patentiert ist.

Die Lösung richtet sich vor allem an Eigentümer:innen von PV-Anlagen in schneereichen Regionen. Der doppelte Vorteil: Die kontrollierte Räumung beugt nicht nur gefährlichen Personen- und Sachschäden vor, sondern sichert auch in den Wintermonaten den Stromertrag der Solarmodule. Das System ist nach Firmenangaben bereits serienreif und unter anderem auf dem Dach der Aletsch Arena auf der Schweizer Riederalp im Einsatz.

Der twistor befreit Dächer und PV-Anlagen von Schneemassen. © twistor

Die Preisverleihung findet am 7. Dezember 2026 statt.

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