26.01.2026
KI

ISTA: Uber-Co-Founder spendet 5 Millionen Euro an österreichisches Institut

Das Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Klosterneuburg hat vom kanadischen Unternehmer Garrett Camp, ein Mitbegründer der Fahrdienst-App Uber, eine Spende in Höhe von fünf Millionen Euro erhalten.
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ISTA
© Peter Rigaud - ISTA-Präsident Martin Hetzer.

Mit der 5-Mio.-Spende von Uber-Co-Founder Garrett Camp soll KI als „vertrauenswürdige, menschenzentrierte Technologie zum Wohle der Gesellschaft“ weiter erforscht werden.

ISTA: „Investition in eine Gemeinschaft brillanter Köpfe“

Camp besuchte vor wenigen Tagen den ISTA-Campus, um die Spendenvereinbarung mit ISTA-Präsident Martin Hetzer und Managing Director Georg Schneider zu unterzeichnen. Es handelt sich dabei um die erste Spende des kanadischen Unternehmers an ein europäisches Institut. Mit der Spende „kann das ISTA seine Grundlagenforschung im Bereich der künstlichen Intelligenz weiter ausbauen“, erklärt Hetzer, der in diesem Zusammenhang auf die Stärken des ISTA in den Bereichen Computerwissenschaften, Mathematik und Naturwissenschaften verweist.

Camp wiederum bezeichnet die Unterstützung des ISTA als „eine Investition in eine Gemeinschaft, die brillante Köpfe aus der ganzen Welt zusammenbringt, um vertrauenswürdige KI im Sinne der Menschheit weiter voranzutreiben und dafür zu sorgen, dass Innovationen wachsen, dies aber gemeinsam mit Integrität, Transparenz und Respekt für menschliche Werte“.

„Mission Nobelpreis“

Für Landeshauptfrau Mikl-Leitner ist die Spende des Uber-Mitbegründers „ein weiterer Beweis dafür, dass die exzellente Arbeit der Forscherinnen und Forscher am ISTA weltweite Anerkennung erfährt“. Niederösterreich habe sich von einem weißen Fleck auf der Wissenschaftslandkarte „zum Hotspot von Wissenschaft, Forschung und Innovation“ entwickelt.

Mit der „Mission Nobelpreis“ wolle man weiter konsequent in Forschung und Wissenschaft investieren: „Nicht, um irgendwann eine Medaille ins Regal stellen zu können, sondern um die besten Rahmenbedingungen für die besten Köpfe zu schaffen“. Denn, „nur dort, wo Wissenschaft und Forschung sind, siedeln sich moderne Betriebe an und entstehen die Arbeitsplätze der Zukunft“, so die Landeshauptfrau.

LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf, der auch für die Wissenschaft in Niederösterreich zuständig ist, kommentiert: „Investitionen in Wissenschaft und Forschung sind ein Weg, um Niederösterreich wieder an die Spitze zu bringen. Die großzügige Spende hilft dabei und wird vor allem helfen, Künstliche Intelligenz zum Wohl der Gesellschaft einzusetzen. Das passt gut zu unserem Schwerpunkt, den ich in diesem Bereich in der niederösterreichischen Wissenschaft bereits gesetzt habe und in den wir sechs Millionen Euro investiert haben. Denn wir dürfen KI nicht nur den USA und China überlassen, sondern brauchen selbst Themenführerschaft, für die Sicherheit, für Innovation und als Hilfe, nicht Hürde.“

ISTA mit neuem Laborgebäude

Das ISTA in Klosterneuburg wurde 2009 eröffnet. Im Zentrum stehen die Grundlagenforschung sowie das Bestreben, wissenschaftliche Erkenntnisse durch technologischen Transfer und Wissensvermittlung in die Gesellschaft zu tragen. Aktuell hat das Institut rund 90 Forschungsgruppen und 1.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bis 2036 soll es auf 150 Gruppen und 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anwachsen. Dazu läuft seit 1. Jänner die dritte Ausbaustufe (2026-2036), heuer erfolgt ein weiterer Ausbauschritt mit dem Baustart für das siebte Laborgebäude. „Lab7“ soll Platz für rund 30 Forschungsgruppen sowie weitere gemeinsam genutzte Labore bieten.

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Das sonnnig-Gründerteam: Roman Öfferlbauer, Jonathan Buchinger und Lukas Hückel © sonnnig

Dort, wo Technik und Unternehmertum zusammenkommen, kann Großes entstehen. So auch an der TU Wien im „Extended Study on Innovation“-Programm, wo sich das Gründer-Trio, bestehend aus Roman Öfferlbauer, Lukas Hückel und Jonathan Buchinger, zum ersten Mal begegnete. Parallel dazu gründete Öfferlbauer 2023 in seinem Heimatort in Niederösterreich eine Energiegemeinschaft, zu einem Zeitpunkt, an dem das Thema noch jung und „technisch schwierig abzuwickeln“ war, so Öfferlbauer.

Aus improvisierten Tools und selbst geschriebenen Mini-Scripts für den Eigenbedarf wurde ein Jahr später sonnnig. Eine White-Label-Lösung für Abrechnung, Mitgliedermanagement und Datenanalyse von mittlerweile 30 Energiegemeinschaften in ganz Österreich.

Wenn Strom aus der Nachbarschaft kommt

„Unser Blick war eigentlich immer auf Endverbraucher und Verbraucherinnen fokussiert. Also Privatpersonen, Unternehmen, Gemeinden“, erklärt Öfferlbauer im Interview. Eine Mission, die über die letzten zwei Jahre tausende Haushalte in ganz Österreich erreicht hat. Mittlerweile kann man über sonnnig den generierten Strom auch als Mitarbeiter:innen-Benefit oder Spende abgeben. „Im letzten halben Jahr hat sich da aber auch ziemlich viel auf der anderen Seite, also bei den Energieversorgungsunternehmen, getan“, verrät der Co-Founder.

Energieversorgungsunternehmen stünden zunehmend vor einem Einkaufs- und Prognoseproblem. In der Regel verbraucht die Kundschaft ihren Strom nach einem Standardprofil, mit dem der jeweilige Versorger seine Stromeinkäufe prognostiziert. Sind die Abnehmer:innen aber Teil einer Energiegemeinschaft, verschiebt sich dieses Profil radikal: Ein großer Teil des Energiebedarfs wird jetzt von der Energiegemeinschaft gedeckt und nur noch die Restmengen werden durch den Energieversorger geliefert. „Der Energieversorger hat die Energiemenge aber schon im Vorhinein eingekauft“ – und müsse sie kurzfristig wieder verkaufen, erklärt Öfferlbauer. Ein teures Ausgleichsenergie-Problem, das mit wachsendem Energy-Sharing-Anteil immer größer wird.

Sonnnig als potenzieller Partner für Energieversorger

Genau hier setzt das neue Produkt an, für das sonnnig gerade die dritte Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) erhalten hat: eine White-Label-Lösung zum Energy Sharing, die Energieversorger direkt in ihr eigenes Kund:innenportal einbinden können. Im Hintergrund liefert sonnnig die Restlastprognose auf 15-Minuten-Basis, damit Versorger gezielter am Großhandel einkaufen können.

Möglich macht das die Prognosefähigkeit, die sonnnig über Jahre mit echten Energiegemeinschaften aufgebaut hat. Ziel ist es, Versorgern einen besseren Einblick in ihre Stromverläufe zu geben und ihnen zu helfen, selbst ein Geschäftsmodell rund um Energy Sharing aufzubauen, auch als Beitrag zur Kund:innenbindung, erklärt Öfferlbauer. Am Markt kommt das gut an: „Energieversorgungsunternehmen spüren das Problem und sind zunehmend auf der Suche nach Lösungen und neuen Geschäftsmodellen im Energy-Sharing-Bereich, deshalb reden sie auf einmal mit uns“, sagt der Co-Founder. Davor sei die Beziehung eher einseitig gewesen. Zwei Pilotbetriebe hat sonnnig für das geförderte Projekt bereits akquiriert und zeigt sich offen für weitere Kooperationen.

Von First bis Seed: Der aws-Weg

Möglich wurde diese Entwicklung durch drei aufeinanderfolgende aws-Förderungen. Mit aws First Incubator, einem Programm für sehr junge Teams, teils noch vor der Firmengründung, kam das Startup zu ersten Beratungsleistungen und Mentoring. Mit aws Preseed – Innovative Solutions wurde zunächst die inhaltliche und wirtschaftliche Machbarkeit des Vorhabens überprüft und der Proof of Concept entwickelt. Darauf aufbauend unterstützt aws Seedfinancing – Innovative Solutions die Weiterentwicklung bis zum Markteintritt sowie die ersten Skalierungsschritte. In diesem Rahmen werden nun der Aufbau und der Launch des neuen B2B-Produkts finanziert.

Erwarteter Boom durch neues Elektrizitätswirtschaftsgesetz

Als besondere Meilensteine nennt Öfferlbauer Referenzprojekte mit bekannten Unternehmen wie Hartl Haus, der Nationalbank-Tochter IG Immobilien oder der Volkshilfe Wien sowie die wiederholte Verdopplung des Jahresumsatzes. Im ersten Halbjahr 2026 hat sich die geteilte Energiemenge, die über sonnnig abgewickelt wurde, laut eigenen Angaben gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Investor:innen hat das fünfköpfige Team bislang bewusst keine an Bord geholt, da laufende Umsätze und eine halbe Million Euro an lukrierten Entwicklungsförderungen das Team organisch tragen.

Rückenwind kommt bald auch auf politischer Ebene: Im Oktober tritt das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) in Kraft, das Energy Sharing über bilaterale Peer-to-Peer-Verträge statt über eine juristische dritte Instanz wie einen Verein oder eine GmbH erlaubt. Für sonnnig eine freudige Entwicklung: „Das baut natürlich extrem viele Hürden ab. Und deswegen erwarten wir auch einen ziemlichen Boom an neuen Mitgliedern und das nehmen auch Energieversorgungsunternehmen wahr.“


Disclaimer: Der Artikel entstand in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws).

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