✨ AI Kontextualisierung
Eine Social App, in der man mit seinen Freund:innen Aktivitäten „im echten Leben“ – also „in real life“ organisieren kann – das war das (definitiv nicht einzigartige) Konzept des US-Startups IRL. Was das Unternehmen wohl in den Augen der Investmentgesellschaften einzigartig machte, war die große Zahl an User:innen. Stolze zwölf Millionen monatlich aktive Nutzer:innen präsentierte man vor zwei Jahren potenziellen Investor:innen.
Insgesamt 200 Millionen Dollar Investment für IRL
Einer der weltgrößten Fonds, der Softbank Vision Fund 2 ließ sich davon überzeugen und übernahm den Lead in einer 170 Millionen schweren US-Dollar-Finanzierungsrunde, die das Startup mit einer Bewertung von 1,2 Milliarden US-Dollar zum Unicorn machte. Insgesamt hatte IRL somit 200 Millionen US-Dollar an Investorengeldern eingesammelt.
19 von 20 Millionen User:innen waren Bots
Danach stieg die Anzahl der monatlich aktiven User:innen laut Unternehmensangaben sogar noch auf 20 Millionen an – davon sprach CEO Abraham Shafi vergangenes Jahr wiederholt. Doch wie sich nun herausstellte, waren der überwiegende Großteil davon keine Menschen, sondern Bots – das US-Investigativ-Journal the information berichtete zuerst darüber. Ganze 95 Prozent, also 19 von 20 Millionen, waren demnach Fake-User:innen, wie das Startup selbst nach einer durch das Board of Directors eingeleiteten internen Ermittlung mitteilte. Auch die Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) ermittelt gegen IRL wegen möglicher Verstöße gegen das Wertpapiergesetz in Zusammenhang mit den Bots.
CEO versprach „authentischere und organischere Gemeinschaften“
Skurril: CEO Shafi hatte es immer als erklärtes Ziel von IRL ausgegeben, „authentischere und organischere Gemeinschaften“ zu schaffen. Schon vor einigen Monaten behauptete dann ein Ex-Mitarbeiter öffentlich, herausgeworfen zu sein, weil er Bedenken bezüglich der Fake-User:innen geäußert habe. Bereits im April räumte Shafi dann den CEO-Posten. Nun hieß es vom Unternehmen, die Zukunftsaussichten seien im Lichte der neuen Erkenntnisse nach Ansicht der Aktionär:innen nicht nachhaltig. IRL sperrt also zu – die App wurde bereits gestern abgeschaltet.





