04.02.2020

Iowa Caucus: Erste Demokraten-Vorwahl scheitert an mangelhafter App

Trotz im Vorfeld geäußerter Sicherheitsbedenken entschied man sich bei der ersten Vorwahl der US-Demokraten im Präsidentschaftswahlkampf für die Nutzung einer App. Medienberichten zufolge lassen die Ergebnisse des Iowa Caucus nun aufgrund von Bugs auf sich warten.
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Iowa Caucus - mangelhafte App sabotiert Demokraten-Vorwahl zur US-Präsidentschaftswahl 2020
(c) Adobe Stock: Семен Саливанчук

Wer tritt bei der US-Präsidentschaftswahl im November 2020 auf Seiten der Demokraten gegen Amtsinhaber Donald Trump an? Diese Frage beschäftigt die interessierte Öffentlichkeit auf der ganzen Welt. Die erste von mehr als 50 Vorwahlen (zusätzlich zu den Staaten wählen noch einige Sondergebiete) fand gestern in Iowa statt. Doch die Ergebnisse des Iowa Caucus lassen noch auf sich warten. Grund dafür ist laut mehreren US-Medien eine mangelhafte App.

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Iowa Caucus: Wahlsystem aus dem 18 Jhd. trifft App

Eigentlich sollte diese App den Auswertungsvorgang im restlos veralteten Caucus-System, das in seinen Grundzügen aus der Anfangszeit der USA im 18. Jahrhundert stammt, beschleunigen. In Iowa (ähnlich in anderen Staaten, allerdings nicht einheitlich) treffen demokratische Parteimitglieder einander an mehr als 1500 Plätzen im gesamten Bundesstaat – etwa Schulen, Kirchen, Büchereien oder teilweise sogar in privaten Häusern. Sie wählen dort ihren Kandidaten, indem sie sich in ein zuvor definiertes Areal stellen. Sie können dort 30 Minuten lang versuchen, die Anhänger der anderen Kandidaten zu überzeugen, überzulaufen, bevor ein erstes Mal gezählt wird.

Nachdem dann alle Kandidaten, die unter 15 Prozent der Stimmen hatten, ausgeschlossen wurden, wird ein zweites Mal diskutiert und anschließend wieder gezählt. Dann werden den Kandidaten Delegierte im Verhältnis ihrer Stimmenanteile zugesprochen. Im Gegensatz dazu stehen die Primaries, wie sie in den meisten US-Staaten stattfinden, bei denen per Stimmzettel in einem Wahlgang der Sieger bestimmt wird – meist nach dem Mehrheitswahlrecht („winner takes it all“-System).

Gegencheck ergibt Unstimmigkeiten – Hacker-Angriff dementiert

Die Übermittlung der Stimmverteilung dieser ausgesprochen komplexen lokalen Wahlvorgänge sollte beim Iowa Caucus 2020 nun also erstmals per App passieren, um die Ergebnisse schneller und effizienter auswerten zu können. Doch das Gegenteil war am Montag der Fall. Aus Sorgfaltsgründen wurden die mittels App erfassten Ergebnisse mit manuell erfassten verglichen, wobei es zu Unstimmigkeiten bei mehreren Teilergebnissen kam. Seitens der Demokraten wird ein Hacker-Angriff oder eine andere Einflussnahme von Außen gegenüber den Medien dezidiert ausgeschlossen.

Sicherheitsbedenken schon im Vorfeld des Iowa Caucus

Genau das war nämlich eines der im Vorfeld geäußerten Sicherheitsbedenken, das etwa im Wall Street Journal bereits vor einigen Tagen vorgebracht wurde. Dieser Gefahr wollte man beim Iowa Caucus vorbeugen, indem man zuvor weder den Namen der App, noch das Entwicklerteam dahinter öffentlich nannte. Beim Magazin TechCrunch wird gemutmaßt, dass das aktuelle Problem auf Bugs in der App zurückzuführen ist. Mit den Ergebnissen sei im Laufe des heutigen Tages (US-Zeit) zu rechnen, hieß es zuletzt von den Demokraten gegenüber Medien.

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KI-Agenten
© Philipp Lipiarski - Elizabeth F. Churchill.

Auf der diesjährigen uxcon hielt Elizabeth F. Churchill eine Keynote über die Zukunft der Mensch-Maschine-Interaktion. Sie ist Professorin sowie Gründungsdirektorin des Fachbereichs für Human-Computer Interaction (HCI) an der MBZUAI in Abu Dhabi und zählt zu den prägenden Stimmen im Bereich Psychologie, Künstliche Intelligenz und Kognitionswissenschaften.

Bei Google, eBay und Yahoo tätig

Im Laufe ihrer Karriere baute sie Forschungsteams für Tech-Giganten wie Google, eBay, Yahoo und PARC auf. Für ihre Führungsrolle und ihren Einfluss auf die Tech-Branche wurde die Wissenschaftlerin vielfach ausgezeichnet, zuletzt unter anderem mit dem SIGCHI Lifetime Practice Award 2024.

In Wien erörterte sie in den Hallen der Hauptuniversität das Zusammenspiel von Mensch und Technologie und erklärte brutkasten gegenüber den fundamentalen Paradigmenwechsel, der aktuell die gesamte Software-Welt erfasst: den Aufstieg agentischer KI-Systeme. Dabei machte sie deutlich, dass dieser Wandel ein neues Verständnis von Kontrolle und Autonomie erfordert.

Vom Werkzeug zum Agenten: Der Unterschied

Die entscheidende Veränderung bei KI sei weniger, dass Systeme „bessere Antworten“ geben, sondern dass sie zunehmend selbstständig handeln könnten. Klassische Software – ob deterministisches Werkzeug oder reaktives KI-System – habe stets auf konkrete Eingaben des Menschen gewartet.

Ein KI-Agent dagegen bekommt ein Ziel und bestimmte Rahmenbedingungen und kann daraus einen adaptiven Ausführungsplan ableiten, Werkzeuge und APIs nutzen sowie mehrere Schritte selbstständig ausführen. Bei Multi-Agenten-Systemen arbeiteten mehrere solcher Agenten zusammen, oft als sich selbst korrigierende „Schwärme“, die asynchron im Hintergrund laufen.

Damit verändert sich auch die Rolle des Menschen „dramatisch“: Menschen bedienen das System nicht mehr zwangsläufig Schritt für Schritt, sondern würden zu einer Art „Flugdirektor“ (Supervisory UX), der Ergebnisse definiere und den Weg dorthin überwache. Diese Entwicklung bringe, Churchill zufolge, bisherige, starre Benutzeroberflächen an ihre Grenzen.

Ghost-State-Dilemma

Wenn Agenten im Hintergrund arbeiteten, drohe Nutzer:innen der Verlust des Kontexts – ein sogenanntes „Ghost-State-Dilemma“, bei dem nicht mehr nachvollziehbar sei, in welchem Zustand sich Prozesse aktuell befänden. Ein Kernrisiko dabei ist die unterschiedliche Entscheidungsarchitektur (Choice Architecture) von Mensch und Maschine: Während der Mensch bei Aufgaben – wie etwa einer Hotelbuchung – intuitive, visuelle und kontextuelle Nuancen (Größe des Zimmers, Lage) abwäge, operierten Agenten rein deterministisch anhand von API-Vorgaben.

Diese Diskrepanz kann dazu führen, dass Agenten durch kumulative Fehler vom eigentlichen Ziel abwichen oder APIs auf unerwartete Weise ausnutzten. Achtsam mit agentischen Systemen zu arbeiten, erfordere deshalb ein völlig neues Design-Paradigma: Autonomie müsse bewusst begrenzt und Kontrolle sichtbar gehalten werden, meint Churchill.

Kill Switches

Aus diesem Rollenwechsel leitet die Expertin konkrete Gestaltungsmechanismen ab: Vor kritischen Aktionen sollte der Mensch geplante Schritte in sogenannten „Trockenläufen“ (Plan Dry Runs) prüfen und freigeben können. Zudem brauche es klare und vor allem transparente Zusammenfassungen, sobald sich ein Prozess plötzlich ändert, sowie „Circuit Breaker“ (Kill Switches), um laufende Prozesse sofort zu unterbrechen, falls sie aus dem Ruder laufen.

Die zentrale Frage lautet somit für Churchill nicht mehr nur: „Was kann die KI?“, sondern: „Wie gestalten wir die Sichtbarkeit ihrer autonomen Entscheidungen – und wo muss der Mensch zwingend die Kontrolle behalten?“

„Je höher die Tragweite des Kontexts, desto weniger Autonomie sollte das KI-System bei kritischen Entscheidungen haben“, sagt sie. Wo genau diese Grenze verläuft, müssten KI-Designer für jeden Anwendungsfall neu bestimmen.

Die Falle der heimlichen Entmächtigung

Aus Churchills Sicht sei ein entscheidender Punkt, dass Unternehmen die Falle der „heimlichen Entmächtigung“ vermeiden müssten, also der stillen Einschränkung menschlicher Handlungsfähigkeit unter dem „Deckmantel der Bequemlichkeit“. Systeme sollten keine „undurchsichtigen Blackboxen“ sein, die allein Entscheidungen treffen.

Co-Governance als Notwendigkeit

Über einzelne Sicherheitsmechanismen hinaus brauche es laut Churchill zudem ein grundsätzliches Governance-Prinzip: Menschen gewöhnten sich zunehmend daran, mit Systemen über Gespräche einfache Aufgaben zu erledigen. Wenn es jedoch um wichtige oder emotionale Entscheidungen gehe, stießen sie schnell an ihre Grenzen. Deshalb müssten sie im Sinne von Co-Governance weiterhin informiert und in den Entscheidungsprozess eingebunden bleiben.

Churchills Erfahrung nach konzentriert sich die Industrie vor allem auf Leistungstests, gute Sprache und die Fähigkeiten von KI-Modellen. Dabei würde die langfristige Wirkung auf Menschen und Gesellschaft oft zu wenig berücksichtigt.

„Menschliche Erfahrung bleibt chaotisch, kulturell vielfältig und in gelebten Umgebungen verankert“, sagt sie. „Wir müssen den Fokus vom Bau von Generalisten-Modellen, die plausible Antworten produzieren, hin zur Entwicklung kulturell kontextualisierter und resilienter Werkzeuge verschieben, die echtes menschliches Aufblühen (human flourishing) und kritisches Denken unterstützen.“

Ratschläge für Startups

Laut Churchill sei es ein großer Fehler, generative KI als Ersatz für Fachwissen zu sehen. Sie sollte vielmehr dazu dienen, vorhandenes Fachwissen zu unterstützen und zu erweitern. Startups würden dabei oft ein zentrales Problem übersehen: Sie würden Foundation-Modelle in „Thin Wrappers“ verpacken (wie automatisierte Bewerber-Screenings oder Kundensupport-Bots), ohne robuste Schutzmechanismen einzubauen.

„So sahen sich beispielsweise Unternehmen wie die ‚National Eating Disorders Association‚ (NEDA) unmittelbar mit Gegenreaktionen konfrontiert, nachdem sie geschulte menschliche Mitarbeiter der Helpline durch einen KI-Chatbot ersetzt hatten, der innerhalb weniger Tage begann, schädliche Ratschläge zum Thema Diäten zu geben“, nennt sie ein warnendes Beispiel. „Unternehmen können erfolgreich sein, wenn sie KI direkt in spezifische, professionelle Arbeitsabläufe einbetten, beispielsweise indem sie das Modell als fachkundiges kollaboratives Gerüst behandeln, anstatt zu versuchen, die Fachkraft vollständig zu automatisieren bzw. überflüssig zu machen.“

„Ich vermeide gerne utopische und dystopische Visionen“

Neben der Gefahr, dass Menschen aus der Kontrolle gedrängt werden, sieht Churchill ein zweites Problem: die Eskalation des Wettbewerbs der Tech-Giganten rund um KI, die sie als berechtigte Krise innerhalb der Spitzenforschung bezeichnet.

„Leider übertreffen wettbewerbsorientierte Marktanreize die Governance-Mechanismen immer wieder“, sagt sie. „Es ist enttäuschend, dass dies der Fall ist. Aber das Problem als ein spekulatives Science-Fiction-Szenario des Aussterbens zu rahmen, kann von systemischen Schäden ablenken, die in Echtzeit stattfinden. Persönlich vermeide ich gerne utopische und dystopische Visionen. Daher bin ich weniger besorgt über eine sich selbst verbessernde Superintelligenz, die außer Kontrolle gerät, als vielmehr über den schleichenden Zusammenbruch institutioneller Verantwortlichkeit und die Übertragung lebensverändernder Entscheidungen an fragile, nicht nachvollziehbare statistische Systeme.“

Florieren kleiner Volkswirtschaften

Für Europa sieht Churchill in diesem „Rennen“ mit den USA und Asien „nicht alles verloren“, vielmehr bestehe der Fehler darin, die hochzentralisierten, rechenintensiven Foundation-Modelle aus Silicon Valley oder Shenzhen zu kopieren.

„Ich glaube, dass die Zukunft der KI auf Vertrauen, Präzisionstechnik, eingebetteter industrieller Automatisierung, souveräner Dateninfrastruktur und strikter regulatorischer Compliance (EU AI Act) beruht“, betont sie. „Kleine Volkswirtschaften mit hohem Vertrauen wie Österreich werden florieren, indem sie spezialisierte Nischen fördern. Wie etwa verifizierbare industrielle KI, menschenzentrierte Fertigungsautomatisierung, hochzuverlässige biomedizinische Werkzeuge und vertrauenswürdige Systeme des öffentlichen Sektors.“

Die Welt in fünf Jahren

Churchill wagt einen – wenn auch schwierigen – Blick in die Zukunft: „In fünf Jahren wird die Neuartigkeit von Konversationen hoffentlich nicht mehr so sehr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen“, meint sie. „Hoffentlich werden wir erkennen, dass der generative Hype eine Infrastrukturphase für eine Ära hybrider kollektiver Intelligenz war. Die dominante Herausforderung wird nicht die technische Skalierung sein, sondern soziotechnische kognitive Architekturen. Und die Frage, wie wir das Bauen, Managen, Ausbilden, Kurskorrigieren und Steuern navigieren, wenn hybride menschlich-synthetische Agentenlogik in die grundlegende Struktur der täglichen Arbeit und des gesellschaftlichen Lebens eingewoben ist?“

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AI Summaries

Iowa Caucus: Erste Demokraten-Vorwahl scheitert an mangelhafter App

Die erste von mehr als 50 Vorwahlen fand gestern in Iowa statt. Doch die Ergebnisse des Iowa Caucus lassen noch auf sich warten. Aus Sorgfaltsgründen wurden mittels App erfasste Ergebnisse mit manuell erfassten verglichen, wobei es zu Unstimmigkeiten bei mehreren Teilergebnissen kam. Ein Hacker-Angriff wird von den Demokraten aber gegenüber Medien ausgeschlossen. Genau das war nämlich eines der im Vorfeld geäußerten Sicherheitsbedenken, das etwa im Wall Street Journal bereits vor einigen Tagen vorgebracht wurde. Laut Medienberichten sind Bugs in der App das Problem – mit den Ergebnissen sei im Laufe des heutigen Tages zu rechnen, hieß es zuletzt von den Demokraten gegenüber Medien.

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