19.01.2017

Investorinnen.com Konferenz: Head, Heart … and Guts

Beim Zusammentreffen unterschiedlichster Investorinnen am Mittwoch standen Diskussion und Austausch im Vordergrund. Außerdem wurden die Gewinnerinnen des Investorinnen.com Awards prämiert.
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Die Investorinnen.com Konferenz wurde mit der Verleihung des Awards beendet.

Die Zukunft des Investments könnte weiblich sein – zumindest lag dieser Gedanke bei der Investorinnen.com Konferenz am Mittwoch nicht mehr allzu fern. Unter dem Motto „The Future of Investments“ haben die Initiatorinnen Selma Prodanovic, Irene Fialka und Sophie Martinetz zum dritten Mal zu einem Treffen weiblicher Investorinnen nach Wien geladen. Vertreten waren Frauen, die bereits erfolgreich investiert haben, aber auch solche, die noch nach der geeigneten Strategie suchen. Im Vordergrund stand der Austausch und das gegenseitige Voneinander-Lernen der aktiven und potentiellen Investorinnen.

Gemeinsam investieren

Bei unterschiedlichen Podiumsdiskussionen wurde über Themen wie die richtige Auswahl der zu finanzierenden Unternehmen, ein gutes Portfolio, die richtige Kommunikation und geeignete Exit-Strategien gesprochen. So erklärte etwa Candace Johnson, die Präsidentin der European Trade Association for Business Angels, wie wichtig es sei, in Dinge zu investieren, bei denen man sich auskennt, oder aber, falls es Unsicherheiten gibt, mit anderen zusammen zu investieren, die das Thema oder Geschäftsfeld gut kennen. Auch habe sie von Anfang an eine Exit-Strategie im Kopf. „In dem Moment, in dem ich das Investment tätige, denke ich schon wieder darüber nach, an wen der Exit möglicherweise gehen könnte und beginne, mit diesen Personen zu reden“, sagt sie. Nicht zuletzt seien die meisten Investoren auf Exits angewiesen, um wieder neu investieren zu können. Geld ist nun einmal nicht unendlich.

Redaktionstipps

Ein Investment in sich selbst

Das weiß auch Linda Villarreal-Paierl. Sie ist sicher, jede Frau könne eine Investorin sein. Sie selbst sieht sich als solche, seit sie mit 17 schwanger wurde. „Damals musste ich in mich selbst investieren, um meinen Traum, eine erfolgreiche Business-Frau zu werden, zu verwirklichen“. Allen jungen Frauen rät sie daher, zunächst einmal in sich selbst und die persönlichen Visionen zu investieren. Geld spiele generell eine sekundäre Rolle, gerade im Startup-Bereich könne man schon mit kleinen Beträgen viel bewirken. Allerdings müssten bei jedem Investment drei Teile übereinstimmen: Heart, Head and Guts.

Das Ziel ist der Exit

Karin Keglevich-Lauringer vertraute bei ihrem ersten Investment hauptsächlich ihrem Gefühl. Ihr Mann hatte aufgrund einer Erkrankung das Gerät eines MedTech-Startups gebraucht. Das Startup wiederum brauchte eine Finanzierung und Keglevich-Lauringer stieg ein. „Ich habe mir keine Bilanz angesehen, ich war völlig naiv“, sagt sie rückblickend. Doch der Plan ging auf. Sie investierte in ein weiteres Startup und steuert mit beiden Unternehmen heute auf einen Exit hin.

Ein ganz anderes Ziel verfolgt etwa Brigitte Nessler. Sie hat auf Anraten von Branchen-Größe Hansi Hansmann in zwei Startups investiert. Auf einen Exit setzt sie aber nicht. „Mir wäre lieber, es werden gute Unternehmen daraus“, sagt Nessler.

Die Gewinnerinnen

Am Mittwoch Abend endete die Konferenz dann mit der Verleihung des Investorinnen.com Awards 2017. Hier die Preisträgerinnen der einzelnen Kategorien:

  • Start-Up /Mentorinnen/Seed: Eveline Steinberger-Kern (Blueminds-Company)
  • Incubator/Accelerator: Lena Gansterer (Investment Ready)
  • Fund-Management: Regina Hodits (Wellington Partners)
  • Growth/International Expansion: Linda Villarreal-Paierl (PCB Holding)

Die Preisträgerinnen wurden von einer unabhängigen Jury ausgewählt.

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Daniel Cracau Founding Director Outreach & Start-ups der IT:U | (c) brutkasten / Dervisevic
Daniel Cracau ist Founding Director Outreach & Start-ups der IT:U | (c) brutkasten / Dervisevic

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 Aufbrechen erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Eigentlich, erzählt er, hatte er sich eine berufliche Auszeit vorgenommen, als die IT:U Anfang 2025 bei ihm angeklopft habe. Dort habe man einen „Macher, nicht nur einen Verwalter“ für die Schnittstelle zur Wirtschaft gesucht. „Ich habe mich mit einem radikalen Konzept beworben und gleich klargestellt, dass ich meinen eigenen Kopf habe und Unbequemes anspreche.“ Das Konzept wurde angenommen, Cracau trat im Sommer seinen Dienst an. „It’s my project. I love it, und seitdem bin ich all-in“, sagt er heute.

„Ein System, das sich permanent verändern kann“

Der Reiz der IT:U liege darin, dass sie als öffentliche Hochschule komplett neu errichtet werde, ohne verkrustete Legacy-Probleme. Ziel sei es, zu beweisen, dass man eine moderne Universität von Anfang an richtig konzipieren könne. Das bedeute vor allem auch Wandlungsfähigkeit: „Auf die Frage, wie die IT:U in 15 oder 20 Jahren aussehen wird, antworte ich: ‚Ich weiß es nicht, aber ich weiß, dass sie auf jeden Fall nicht so aussieht wie heute.‘ Ich glaube, das ist auch der Kern dieses ganzen Projekts: diese Fähigkeit, sich an die Realität der Welt anzupassen.“ IT-Fakultäten an etablierten Universitäten könnten diese Agilität in der vorhandenen Struktur nicht erreichen. „Und wenn wir jetzt kein System bauen, das sich permanent verändern kann, ist die IT:U in zehn Jahren auch veraltet“, so Cracau.

Dieses Umfeld ziehe auch „Rebels“ an, die Dinge neu denken wollen – sowohl bei den Lehrenden als auch bei den Studierenden. „Masterstudierende, die sich trauen, in ein Studium einzusteigen, das keine Referenz hat, haben dieses Pionier-Gen“, ist Cracau überzeugt. Und das brauche man auch für Spinoffs. Auch dass Englisch die offizielle Sprache an der IT:U ist, ziehe eine tendenziell gründungsaffine Zielgruppe an: „Die Ausgründungsrate bei internationalen Studierenden ist bis zu fünfmal höher“, so Cracau.

Gelernt wird an der IT:U projektbasiert in Kleingruppen direkt an Technologien wie Robotik und KI. Das Ziel sei die Verschmelzung von technischer Expertise und Future Skills. Dabei müsse man einem Problem erst interdisziplinär auf den Grund gehen, bevor man es lösen könne. Cracau: „Gründerinnen und Gründer suchen sich ihre Probleme, gehen mit offenen Augen durch die Welt und beißen sich dann an etwas fest, das sie wirklich interessiert.“ Dennoch dürfe man sich beim Thema Ausgründungen keinen Illusionen hingeben: „Die Vorstellung, dass man jede beliebige Forschende oder jeden beliebigen Forscher zu Gründerinnen und Gründern ausbilden kann, ist romantisch.“

Und aktuell befinde sich die IT:U auch noch in einer Bringschuld, die einen zentralen Punkt in der öffentlichen Spinoff-Debatte betrifft: „Wir arbeiten noch an unserer IP-Policy. Die wollen wir Schritt für Schritt aufbauen“, sagt Cracau. Das Ziel sei dabei klar: Sie soll „maximal gründungsfreundlich“ werden. Und er spricht auch das zweite Großthema rund um universitäre Ausgründungen an: den Zugang von Universitäten zu Unternehmensanteilen. „Wenn die Universität früh mit einem hohen Anteil – sagen wir: zehn Prozent – und Mitspracherecht reingeht, killt das die Erfolgschancen des Spinoffs“, warnt Cracau. Internationale Vorbilder wie die ETH Zürich und die TU München mit UnternehmerTUM würden zeigen, dass flache Beteiligungsstrukturen besser funktionieren. „Der Mehrwert kommt langfristig über erfolgreiche Alumni zurück, die das Ökosystem unterstützen“, so Cracau.

Kooperationen im Zentrum

Um angehende Gründer:innen ganz konkret zu fördern, setzt die IT:U auf Begleitung ab Tag eins bereits in der „Welcome Week“. Ausgründen sei „nicht nur eine Möglichkeit, sondern es wird proaktiv gefördert“. Neben dem Aufbau einer eigenen finanziellen Anschubförderung soll im nächsten Jahr ein „Startup Partner“ als erster Ansprechpartner an Bord kommen. „Diese Person muss echte Gründungserfahrung mitbringen, um ein authentischer und kompetenter Begleiter zu sein“, betont Cracau. Den entscheidenden Hebel sieht er letztlich in der Praxisnähe: „Der absolut größte Breaking Point ist Go-to-Market. Durch das projektbasierte Arbeiten an realen Industrieaufgaben ist die Basis für den Marktstart von vornherein viel besser.“ Diese Industriekooperation passiert etwa in einem kürzlich eröffneten gemeinsamen Labor mit Infineon Austria.

Als Vision skizziert Cracau ein noch größeres Ziel: „Letztlich soll der Mehrwert der IT:U darin bestehen, nicht nur Graduates hervorzubringen, die direkt in die Wirtschaft gehen, sondern auch als Anker im Ökosystem für eine Gründungswelle zu stehen und diese institutionell zu begleiten.“ Das könne aber nur mit einem breiten Schulterschluss gelingen – nicht nur mit anderen Unis, wie es etwa mit der „Schwester-Uni“ JKU bereits der Fall sei, sondern auch mit Wirtschaft und Industrie: „Wir müssen alle an einem Strang ziehen. Denn am Ende ist ganz Österreich nur ein kleines Ökosystem.“

Die Hochlauf- und Entwicklungskurve bleibe jedenfalls steil und anspruchsvoll. Als entscheidender Meilenstein für den weiteren Erfolg der IT:U gilt die anstehende Wahl der Universitätsführung Mitte 2027.

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