29.05.2015

Investor Gil Penchina: „In Österreich sind Banken groß, arrogant und dumm“

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Star Investor Gil Penchina am Pioneers Festival 2015.

Was haben erfolgreiche Unternehmen wie LinkedIn, PayPal, Indiegogo, Couchsurfing oder AngelList gemeinsam? Die Auflösung: US-Investor Gil Penchina, der auf eine spannende Karriere zurück blickt. Was wenige wissen: Auch Penchina hat Angst vorm Scheitern. 

Der ehemalige Ebay Vice President und General Manger International, war beim Online-Verkaufsgiganten von Anfang an mit dabei und hat seine Aktienoptionen pre IPO erhalten. Er ist wohl einer der Top Angel Investors weltweit – auf jeden Fall der größte Investor auf AngelList, wo er 10 Investment „Syndicates“ angelegt hat und von über 2000 anderen Business Angels unterstützt wird. (Bei Syndicate von AngelList können Investoren via Crowdfunding eine Investment Summe einsammeln.)

Dieses Jahr hat der Investor verraten, worauf es bei einem Entrepreneur seiner Meinung nach ankommt. Außerdem, dass auch jemand wie er Angst vorm Scheitern hat. Die war sogar einmal so groß, dass er kurz überlegte, einen COO einzustellen, den er für den Misserfolg verantwortlich machen kann.  

Was muss ein Gründer haben, damit er für Gil Penchina interessant ist?

Die meisten suchen ein grandioses Team, das nur aus Rockstars besteht, dann ein Produkt, das einen großen Markt bedient und einen ausgezeichneten Market Fit mitbringt.

Ich suche nach den komplett verrückten Leuten („crazy people“). Jene, die man nicht einstellen kann, weil sie sich nicht an Regeln halten, ihr eigener Boss sein möchten. Jene, denen es wichtig ist, unabhängig zu sein. Menschen, die einfach komplett durchgeknallt sind.

Wo würden Sie in Österreich investieren?

In Österreich würde ich in FinTech investieren. Denn hier sind herkömmliche Banken groß, arrogant und dumm. In einer Umgebung, wo Finanzdienstleister smart, aggressiv und aufmerksam sind, hätten es junge FinTech Startups viel schwerer.

Was muss ein Gründer noch können?

Investoren möchten sehen, dass du das Zeug dazu hast, dein Ding zu verwirklichen („make shit happen“). Da du keinen Boss ober dir hast, der dir sagt, was du tun sollst, musst du motiviert sein. Und ein guter Lügner sein (lacht). Lügen ist vielleicht das falsche Wort hier, aber du überzeugst deine Freunde, dass sie umsonst mitarbeiten, dass man zusammen „die Welt verändern“ kann. Man muss Menschen verführen können mit einer Vision von der Zukunft der Idee. In Startups zu investieren macht grundsätzlich keinen Sinn – trotzdem tun wir es, wir wollen überzeugt werden. Heutzutage kostet eine Website vielleicht 10 Euro, 5 Euro kommen noch für die Services monatlich dazu. Bring Kunden auf deine Seite, damit du belegen kannst, dass das, was du machst, Sinn macht.

Wie stehen Sie zu Crowdfunding Plattformen wie indiegogo oder kickstarter? Sollten Startups sich erst dort beweisen, bevor sie von Investoren Geld einsammeln?

Nun ja, wenn jemand Zero Geld einsammelt und keinen einzigen Unterstützer findet und dann zu mir kommt und mich fragt, ob man Geld bekommt… Es sollte genau umgekehrt sein, man sollte Kunden sammeln und dann „teureres“ Investment einsammeln gehen. Viele glauben, das erste, was man tun muss, ist, Geld von Investoren einzusammeln. Ich glaube, sehr oft ist genau das der letzte Schritt. Sammle Daten, dass deine Kunden das Produkt wollen, dass hier Potential liegt. Dass man Kunden überzeugen konnte, das Produkt zu unterstützen. Die Wirtschaft sieht gut aus, in der richtigen Umgebung, hat man gute Chancen.

Hat jemand wie Gil Penchina Angst vorm Scheitern?

Ich habe tatsächlich angst, mich zu blamieren. Einmal habe ich ein paar Millionen für ein Produkt eingesammelt. Aber nach drei Monaten war klar, dass die „gute Idee“ in Wahrheit alles andere als eine gute Idee war. Da habe ich kurz mal überlegt, ob ich nicht vielleicht einen COO (Chief Operation Officer) einstellen soll, damit ich ihm irgendwie die Schuld in die Schuhe schieben kann. Dann habe ich mich für diesen Gedanken ebenfalls geschämt. Schlussendlich habe ich die Company geschlossen und den Investoren das übrige Geld zurück gegeben. Ich habe meine Fehleinschätzung zugegeben – und erstaunlicherweise haben sie verstädnisvoller reagiert, als ich es gedacht habe.

 

 

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Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher / brutkasten

Dass sich die aktuell noch laufenden Verhandlungen zur EU Inc. auf Ratsebene nicht so entwickeln, wie es sich die Initiator:innen der gleichnamigen Initiative wünschen würden, ist allgemein bekannt. Übte man nach der Veröffentlichung des Kommissionsentwurfs im März noch deutliche Kritik an diesem, würde man ihn inzwischen wohl gerne so annehmen. Denn der aktuell noch in Ausarbeitung befindliche Vorschlag des Rats der EU-Justizminister:innen dürfte letztlich, wenn man mit den Verhandlungen vertrauten Personen Glauben schenken darf, kaum noch etwas mit dem ursprünglichen Vorschlag der Initiative zu tun haben. Die absoluten Kern-Forderungen seien darin de facto zur Gänze gestrichen, was überbleibe sei „nicht mehr als ein Label und vielleicht etwas schnellere Gründung“, hört man.

Österreich als EU-Inc.-Antagonist

Das offizielle Österreich spielt dabei dem Vernehmen nach eher die Rolle des Antagonisten. Das SPÖ-geführte Justizministerium zähle in den Verhandlungen zu den Verhinderern. Rot-weiß-roter Gegenwind zur EU Inc. komme aber auch von anderer Seite, nicht nur, wie allgemein bekannt, von Notariatskammer und Arbeiterkammer, sondern auch von einflussreichen Personen in der Wirtschaftskammer.

Zehetner: deutliche Positionierung pro EU Inc.

In dieser durchaus komplexen Gemengelage von Interessen aus ganz unterschiedlicher Richtung, mag es fast verwundern, dass sich Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner nun öffentlich durchaus deutlich positionierte. „Ich bin unzufrieden damit, wohin sich die Diskussion zur EU Inc. momentan entwickelt – sowohl auf EU- als auch auf nationaler Ebene“, sagte sie heute bei einer Keynote im Rahmen des Verbund Venture Day 2026 an der WU Wien. Auf diese Weise werde die EU Inc. nicht zur Alternative zur amerikanischen Delaware Inc., die auch sie sich wünsche.

Mitarbeiter:innenbeteiligung via FlexCo „noch nicht attraktiv genug“

Auch sonst gab sich Zehetner in ihrer Rede, die sich auf europäische Souveränität im Startup-Bereich fokussierte, kritisch. Die FlexCo etwa bezeichnete sie in Sachen Mitarbeiter:innen-Beteiligung als „ersten Schritt“, aber „noch nicht attraktiv genug“. Es brauche neue Steuerregeln, die Mitarbeiter:innenbeteiligung praktikabel machen. Auch ihre bereits einmal dezidiert geäußerte Forderung nach Steuererleichterungen bei Startup-Beteiligungen – vulgo Beteiligungsfreibetrag – wiederholte sie bei der Gelegenheit. Auf europäischer Ebene sieht sie Handlungsbedarf u.a. in Sachen Kapitalmarktunion. Lob gab es von Zehetner dafür für den European Scaleup Funds – ergänzt mit Eigenlob für den geplanten österreichischen Dachfonds.

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