30.10.2019

„Signifikantes“ sechsstelliges Investment für Linzer Startup Smint.io

Das Linzer Startup Smint.io erwartet mit seiner Enterprise Content Buying-Lösung in nächster Zeit "exponentielles Wachstum". Dafür holte man nun die beiden Unternehmer Gert Fahrnberger und Nikolaus Rosenmayr an Bord, die sechsstellig investieren und auch Management-Positionen übernehmen.
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Das neu aufgestellte Smint.io Founder-Team, (v.li.) Reinhard Holzner, Nikolaus Rosenmayr, Gert Fahrnberger
© Robert Maybach: Das neu aufgestellte Smint.io Founder-Team, (v.li.) Reinhard Holzner, Nikolaus Rosenmayr, Gert Fahrnberger

Der Content Buying-Markt, also der Verkauf von Stock-Fotos, Stock-Videos und Co. wird weltweit von einigen großen Playern dominiert, etwa Getty Images, Shutterstock und Adobe Stock. Dennoch glaubt das Linzer Startup Smint.io mit seiner Enterprise Content Buying-Lösung an ein „bevorstehendes exponentielles Wachstum“. Der Grund: Das Startup macht mit seiner auf Großkunden abgestimmten Lösung Inhalte der drei genannten und von noch mehr Anbietern gleichzeitig verfügbar.

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REWE Group als erster Referenzkunde

Als ersten Referenzkunden zog man dann auch einen wirklich großen Fisch an Land: die REWE Group. Dort seien die Prognosen betreffend der Nutzung nach dem Launch um ein vielfaches übertroffen worden, heißt es von smint.io. Man ziehe inzwischen international Kreise und habe derzeit hochkarätige Inbound Leads.

Neuer CGO und CTO bringen Investment mit

Nun verstärkte sich das Linzer Startup nicht nur mit weiterem Kapital, sondern zeitlgeich auch mit zwei erfahrenen Unternehmern, die Teil des Führungsteams werden. Gert Fahrnberger wird Chief Growth Officer (CGO) und Nikolaus Rosenmayr wird Chief Technical Officer (CTO). Die beiden bringen bei ihrem Einstieg in das Team von Gründer Reinhard Holzner ein „signifikantes sechsstelliges Cash-Investment“ in das Unternehmen.

„Gewaltiges internationales Potential“ bei Smint.io

Fahrnberger war Mitgründer und Vorstand des Data Analytics Anbieters pmOne AG bis zu dessen erfolgreichen Exit bei 220 Mitarbeitern und 30 Millionen Euro Jahresumsatz. In seiner zukünftigen Rolle als CGO soll er seine internationale Erfahrung im B2B-Enterprise Sales-Bereich nutzen. „Mir wurde schnell klar, welches gewaltige internationale Potential Smint.io als Plattform bietet. Die unternehmerische Herausforderung, eine völlig neue Art des Enterprise Content-Einkaufs zu etablieren, konnte ich mir nicht entgehen lassen“, kommentiert Fahrnberger.

Founder-Team für „Fundability bei internationalen VCs“

Rosenmayr war als Informatiker und Systemarchitekt unter anderem Mitgründer und langjähriger CTO von Nexxar, einer weltweit führenden Agentur für die Erstellung von Online-Geschäftsberichten. Als CTO soll er bei smint.io nun den weiteren technischen Entwicklungspfad des Produkts maßgeblich gestalten. Gründer Holzner kommentiert: „Ein komplementäres, erfahrenes und hochkarätiges Founder-Team ist Dreh- und Angelpunkt der ‚Fundability‘ für internationale VCs. Mit Gert und Niki an Bord steht hinter Smint.io nunmehr ein Founder-Team, das seinesgleichen sucht“.

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Mitarbeiterbeteiligung - Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu
Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu

Transkribus ist eine KI-Plattform, die historische Handschriften automatisch erkennt. Entstanden ist sie an der Universität Innsbruck, heute ist sie als Europäische Genossenschaft organisiert und wird weltweit von Archiven und Forschenden genutzt. Ein Paradebeispiel für ein akademisches Spinoff, nur eben keines aus der Technik, sondern aus den Geisteswissenschaften. Genau solche Gründungen will ein neuer Ausgründungsrahmen künftig systematisch ermöglichen.

„SHAPE Austria“ wurde im Rahmen der ECN-Konferenz von Werner Wutscher (New Venture Scouting) und Sektionschef Elmar Pichl vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) vorgestellt. SHAPE steht für Social Sciences, Humanities and the Arts for People and the Economy. Der Bericht ergänzt den Ausgründungsrahmen von 2024, der den Hochschulen erstmals einheitliche Standards für Spinoffs vorgab. „Da war der klare Fokus auf skalierbare, technologieorientierte Startups. Die Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften und Künste sind zu kurz gekommen“, sagt Wutscher. Das Ministerium habe den Rahmen komplettieren wollen.

27 Institutionen in der Arbeitsgruppe

Erarbeitet wurde der Bericht von November 2025 bis Juni 2026 mit einer Arbeitsgruppe aus 27 Institutionen, darunter 16 Hochschulen von der Universität Wien über das Mozarteum bis zur Kunstuniversität Linz. Dazu kamen Interviews mit 16 Einrichtungen, die bereits weiter sind, etwa dem britischen ARC Accelerator, der Erasmus University Rotterdam oder der Universität Köln.

Das Ergebnis sind elf Empfehlungen, sechs an die Leitungsebene der Hochschulen, fünf an Transferstellen und Career Center. „Um auch strategische Themen zu diskutieren, braucht man unbedingt auch die Leitungsebene, also die Rektorate für diese Diskussionen“, so Wutscher.

Andere Sprache, andere Strukturen

Der zentrale Befund: Gründungen aus diesen Disziplinen folgen einer anderen Logik. Sie entstehen selten aus einer Marktchance, sondern aus einem gesellschaftlichen Problem. Im Bericht ist von „Reluctant Founders“ die Rede, Menschen, die nicht primär ein Unternehmen aufbauen, sondern etwas verändern wollen. „Du musst sehr stark über die Wirkung reden, über den Impact reden, um die dann gut abzuholen“, sagt Wutscher. Empfohlen wird ein „Prinzip der Zweisprachigkeit“: nach innen Wirkungssprache, nach außen klassische Startup-Begriffe, damit Finanzierung und Netzwerke nicht verschlossen bleiben. Statt von Kund:innen spricht man dann von Audiences.

Strukturell sind SHAPE-Gründungen meist günstiger und schneller als Tech-Spinoffs: kein Labor, kein Patentierungsprozess, kürzere Validierungszyklen. Dafür braucht es niederschwellige, mehrstufige Begleitung und offene Rechtsformen. Statt der GmbH kann auch ein Verein, eine Genossenschaft oder ein Hybridmodell passen. „Wenn du einen Verein gründest, um Gesundheitspolitik zu promoten, brauchst du kein Labor“, so Wutscher.

Soft IP statt Patente

Ein eigener Schwerpunkt gilt dem geistigen Eigentum. Wo keine Patente entstehen, sondern Urheberrecht, Software, Daten oder Know-how, greifen die üblichen IP-Richtlinien nicht. Der Bericht empfiehlt getrennte Regeln für Hard und Soft IP mit deutlich günstigeren Konditionen und nennt als Benchmark die University of Bristol: 20 Prozent Beteiligung bei patentbasierten Spinoffs, fünf Prozent bei „IP light“, null Prozent ohne verwertbares IP. Leitprinzip: so offen wie möglich, so geschlossen wie nötig, inklusive Creative-Commons- und Open-Source-Lizenzen.

Weil die Wirkung im Vordergrund steht, sollen Hochschulen auch nicht auf Lizenzeinnahmen hoffen, sondern Impact messen. Anlage 1 des Berichts liefert dafür beispielhafte Indikatoren, von erreichten Nutzer:innen bis zu Impact Case Studies.

Netzwerk und gemeinsames Programm

Weil die Pipelines einzelner Hochschulen klein sind, empfiehlt der Bericht ein österreichweites SHAPE-Netzwerk nach dem Vorbild des britischen Aspect Network und ein gemeinsames Frühphasenprogramm, angedockt an bestehende Strukturen wie AplusB, ECN oder die Ludwig Boltzmann Gesellschaft. New Venture Scouting koordiniert dafür ein Jahr lang Quartalstreffen der Arbeitsgruppe. Dazu kommt die Forderung, Transfer und Gründung in Berufungen und Evaluierungen anzuerkennen, im Sinne der CoARA-Initiative, die von rein publikationsbasierten Metriken abrücken will.

Die Beispiele in Anlage 2 reichen von ArtWave, einem Startup zweier Opernsängerinnen für Stressreduktion und Burnout-Prävention, über die Praxissoftware freudio für Psychotherapeut:innen bis zur Kärntner Freiwilligenplattform inmojo. „Wir haben noch sehr wenige. Deswegen haben wir den Ausgründungsrahmen um Success Stories ergänzt, damit sich die Leute das vorstellen können“, sagt Wutscher.

„Da wären wir mit vorne dabei“

Für Wutscher ist der Zeitpunkt entscheidend: Die großen Fragen rund um KI, Ethik oder Medizin bräuchten interdisziplinäre Teams. Und beim SHAPE-Thema stehe ganz Europa noch am Anfang. „Deswegen wäre das jetzt so spannend, wenn wir das jetzt starten könnten. Da wären wir mit vorne dabei.“

Bleibt der Haken: das neue Universitätsbudget. Wutscher, der auch Vorsitzender des Universitätsrats der Universität Klagenfurt ist, nennt die Kürzungen einen „massiven Dämpfer“. Die große Herausforderung sei, „dass diese Einsparungen nicht dazu führen, dass Innovation und das Neue gedrosselt werden“. Gerade bei Entrepreneurship-Aktivitäten sei die Entwicklung zuletzt nach oben gegangen: Österreichweit gebe es mittlerweile 31 Forschungs-Spinoffs, 2024 waren es noch 25.

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