30.12.2025
JAHRESRÜCKBLICK

Investment-Jahr 2025: „Gesamtlage ist mindestens so schlecht, wie sie dargestellt wird“

Ein ausnehmend schwaches Investment-Jahr in Österreich geht zu Ende. Und bekannte Investor:innen sind gegenüber brutkasten keineswegs optimistisch für 2026.
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Laura Raggl, Hansi Hansmann und Christiane Holzinger | (c) Fabianklima.at / Studio KoeKart / 360 Business Planner
Laura Raggl, Hansi Hansmann und Christiane Holzinger | (c) Fabianklima.at / Studio KoeKart / 360 Business Planner

Eine ganze Reihe heimischer Startups und Scaleups konnte sich auch dieses Jahr über ein Investment freuen – in einzelnen Fällen auch im achtstelligen Bereich. Doch diese individuellen Erfolge können nicht über das statistisch belegte Gesamtbild hinwegtäuschen: Österreich befindet sich in Sachen Startup-Investments im Tal der Tränen. Und es ist ein ziemlich tiefes Tal – vielleicht sogar eher eine Schlucht oder Klamm.

Nachdem das Investmentvolumen bereits in den Vorjahren rückläufig gewesen war, stürzte es 2025 noch einmal deutlich ab. Nach wie vor werden nicht wenige Startup-Insolvenzen damit begründet, dass keine Finanzierung mehr aufgestellt werden konnte oder teilweise sogar bereits zugesagte Investments doch noch platzten. Während man den neuen Fokus auf schnelle Profitabilität durchaus positiv beurteilen kann, bleiben die Chancen auf schnelles Wachstum in diesem Modus auf der Strecke.

Hansmann: „Ein Nichterkennen bzw. Nichtwahrhabenwollen von riesigen strukturellen Problemen“

„Die Gesamtlage in Europa ist mindestens so schlecht, wie sie in vielen Medien dargestellt wird – Stichwort: Abwärtsspirale. Und Österreich ist halt noch schlechter als der europäische Durchschnitt“, kommentiert Business-Angel-Legende Hansi Hansmann im brutkasten-Jahresrückblick – und er attestiert Österreich und ganz Europa „eine enorme Entscheidungsschwäche und ein Nichterkennen bzw. Nichtwahrhabenwollen von riesigen strukturellen Problemen“.

Der Investor betont dabei ein spezifisches Problem: Nicht nur bei den Startup-Investments selber verläuft die Kurve deutlich nach unten, auch bei den Investments in VC-Fonds. Die Folge für Startups laut Hansmann: „No money in den nächsten Jahren!“

Holzinger: „Trouble-Shooting war nicht die Ausnahme, sondern der Alltag“

Die aktuelle Lage wirkt sich natürlich auch direkt auf die Investmentaktivitäten aus, wie Investorin Christiane Holzinger gegenüber brutkasten berichtet. „Es war ein Jahr, das mehr verlangt hat als jedes zuvor. Trouble-Shooting war nicht die Ausnahme, sondern der Alltag“, sagt sie über 2025 – das Jahr, das ihr als Business Angel „am wenigsten Freude bereitet“ habe. Ihre Investment-Entscheidungen hätten daher „noch datengetriebener, strukturierter und – ja – auch selektiver“ getroffen werden müssen.

Für 2026 sagt Holzinger voraus: „Frühphasen-Investments bleiben relevant, aber nur dort, wo Teams Substanz, Tempo und Realitätssinn mitbringen. Co-Investments mit erfahrenen Angels und institutionellen Partnern werden weiter an Bedeutung gewinnen, nicht zuletzt als Mittel zur Risikoteilung in einem weiterhin instabilen wirtschaftlichen Umfeld.“

Und sie mahnt – einmal mehr – auch politische Veränderung ein. „Startups und Investor:innen brauchen keine Sonntagsreden, sondern funktionierende Anreizsysteme, einfachere Kapitalzugänge und mehr unternehmerische Bildung“, so die Investorin.

Raggl: „Insbesondere im Softwarebereich wurde das Investieren schwieriger“

Auch ROI-Ventures-Co-Founderin Laura Raggl, die auch Teil des Startup-Rats im Wirtschaftsministerium ist, richtet sich in ihrem Statement gegenüber brutkasten an die Politik. So stehe „vor allem die Umsetzung des angekündigten Dachfonds im Vordergrund, der für die weitere Entwicklung des österreichischen Startup-Ökosystems zentral ist.“

Raggl betont aber auch aktuelle spannende Entwicklungen im Investment-Umfeld, die Herausforderungen und Chancen mit sich bringen. „Insbesondere im Softwarebereich wurde das Investieren schwieriger, da sich die Technologie – vor allem durch AI – extrem dynamisch entwickelt und viele Segmente stark kompetitiv geworden sind. Gleichzeitig sehen wir im AI-Bereich sehr hohe Bewertungen für herausragende Teams, was die Selektivität weiter erhöht hat.“

Ein neues und strategisch relevantes Feld habe sich 2025 im Defense-Bereich entwickelt, wo man auch mit ROI Ventures 2025 drei Investments getätigt habe. „Wir sehen hier eine große Chance für Europa, technologisch unabhängiger von den USA zu werden und eigene Innovations- und Technologietreiber aufzubauen“, so Raggl.

Auch Hansi Hansmann geht auf Künstliche Intelligenz und Defense ein. VCs würden sich auf diese Branchen „stürzen“, „weil nur dort durch die hohen Bewertungen, die durch FOMO entstanden sind, eine mathematische Chance besteht, dass sich die Fonds rechnen.“ Doch die Business-Angel-Legende warnt: „Zumindest, was KI betrifft, würde ich ein böses Erwachen nicht ausschließen.“

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Mike Grabowski von Callstack und Marc Rousavy von Margelo | (c) Callstack
Marc Rousavy (l.) und Mike Grabowski von Callstack von Margelo | (c) Callstack

Nur einmal die App coden und sie sowohl auf iOS als auch auf Android als native App herausbringen – das ist eines der zentralen Versprechen von React Native, einer App-Entwickler-Umgebung des US-Tech-Riesen Meta. Doch aus dem Framework ist noch deutlich mehr herauszuholen. Das beweist das vor fünf Jahren gegründete Wiener Startup Margelo. Mehrere Module mit unterschiedlichen Funktionalitäten für Developer, die das Unternehmen für React Native entwickelte, verzeichneten je Download-Zahlen im mittleren bis hohen zweistelligen Millionenbereich.

Dienstleister kauft Entwickler

Ebenfalls auf React Native spezialisiert ist das Unternehmen Callstack aus Polen – dieses richtet sich an große Unternehmen, die bei der Einführung des Frameworks unterstützt werden. Nun übernahm Callstack Margelo für „mehr als 20 Millionen Euro“, wie es von den beiden Unternehmen heißt. Das polnische Unternehmen hatte sich im vergangenen Jahr eine große Finanzierung von der Investmentgesellschaft Viking geholt.

Margelo-Gründer Rousavy behält „signifikanten Anteil“

Margelo war bislang komplett im Besitz von Gründer Marc Rousavy. Er werde auch weiterhin „einen signifikanten Anteil“ an der Firma halten, schreibt er auf LinkedIn und gibt im Posting einen Einblick in die Gründungsgeschichte: „Ich habe Margelo vor fünf Jahren gegründet und hatte damals keine Ahnung von Business – ich habe sogar nach nur drei Tagen mein Wirtschaftsstudium abgebrochen.“

Langjährige Freundschaft

Mit Callstack-Gründer Mike Grabowski sei er schon länger befreundet. Nun werde man gemeinsame Sache machen. Auch Grabowski betont in seinem LinkedIn-Posting die Freundschaft: „Wir haben schon lange darüber gesprochen zusammenzuarbeiten. Einmal haben wir einander sogar versprochen, ein gemeinsames Venture zu starten.“ Nun sei es soweit. Dabei soll Margelos Entwicklung im Open-Source-Bereich fortgeführt werden.

„Foundation schaffen, die Teams brauchen, um mit Agents zuverlässige Software zu entwickeln“

Zudem will man gemeinsam auch auf den aktuellen Wandel im Software-Development durch KI eingehen, heißt es von den beiden Unternehmen in einer Aussendung. „Indem wir diese Stärken zusammenbringen, haben wir das Team und die Reichweite, um noch mehr der schwierigen Probleme zu lösen, die darüber entscheiden, ob Software in Production erfolgreich ist“, wird Grabowski dort zitiert. Und Rousavy kündigt an: „Während Softwareentwicklung zunehmend agentic wird, wollen wir mit dieser Technologie die Foundation schaffen, die Teams brauchen, um mit Agents zuverlässige Software zu entwickeln.“

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