22.09.2021

Investitionen in Quantentechnologie steigen rasant an

Laut einer aktuellen McKinsey-Studie wurde bereits mit September weltweit dreimal soviel Geld in Quantentechnologie gesteckt, wie im gesamten Vorjahr.
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Quantentechnologie - Symbolbild
(c) Adobe Stock - Bartek Wróblewski

Sie gilt schon lange als eine der technologischen Zukunftshoffnungen schlechthin: die Quantentechnologie. Doch auch wenn immer wieder Erfolge und Meilensteine vermeldet werden, gehen die Meinungen immer noch auseinander, wann es mit der Massentauglichkeit tatsächlich soweit ist. Zieht man das weltweit im Bereich investierte Kapital als Indikator heran, liegt die Vermutung nahe, dass es recht bald soweit ist. Denn wie McKinsey in seinem aktuellen „Quantum Technology Monitor“ darlegt, stiegen die Investitionen zuletzt rasant an.

2021 bislang 2,1 Milliarden US-Dollar investiert

Konkret wurden laut McKinsey bis Anfang September 2021 weltweit rund 2,1 Milliarden US-Dollar Investments in Quantentechnologie öffentlich kommuniziert. Das ist dreimal soviel wie der hochgerechnete Gesamtbetrag im Jahr 2020. Offen ist dabei freilich, inwiefern der Anstieg auf den generellen Investment-Boom der vergangenen Monate zurückzuführen ist.

Mehr als 65 Prozent der Investitionen gingen an Hardware-Entwickler. Auch geografisch gibt es einen klaren Schwerpunkt: 40 Prozent aller von McKinsey erfassten Unternehmen und mehr als 60 Prozent der Startup-Investments im Quanten-Bereich sind in den USA zu finden. Bei den Patentanmeldungen führt allerdings China. Auch bei den öffentlichen Investments in Quantentechnologie liegt China mit rund 15 Milliarden US-Dollar vorne – gefolgt von der EU mit 7,2 Milliarden US-Dollar.

Wettbewerbsfähige Quantentechnologie ab 2025?

Bei McKinsey vermutet man, dass ab ca. 2025 tatsächlich wettbewerbsfähige Quantentechnologie-Produkte auf den Markt kommen könnten – doch die Prgnose hat noch eine relativ hohe Unsicherheit. „Wir werden immer mehr Akteure sehen, die von der vorwettbewerblichen Erkundung des Quanten-Conmputings zur wettbewerbsorientierten Forschung übergehen. All diese Entwicklungen werden von der Investorenlandschaft genau beobachtet. Nach allem, was wir momentan beobachten, wird es zu weiteren Rekord-Deals kommen. Es geht gerade erst los“, analysiert Anika Pflanzer, Quantenphysikerin und Partnerin in München.

Technologische Herausforderungen bestünden aktuell noch immer bei der Hardware-Entwicklung und Transparenz über den tatsächlichen wirtschaftlichen Nutzen. Entsprechend würden sich die Prognosen für die einzelnen Märkte in vergleichsweise breiten Korridoren bewegen. Wie groß diese Korridore sind, zeigt bereits ein zentraler Wert: Für den mit Abstand größte der Teilmärkte – Quantencomputing – schätzen die Studienverantwortlichen das Marktpotenzial bis 2040 auf neun bis 93 Milliarden Euro.

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Die Aitiologic-Gründer (vlnr.): Andreas Posch, Stephan Beisken und Achim Plum | (c) Aitiologic
Die Aitiologic-Gründer (v.l.n.r.): Andreas Posch, Stephan Beisken und Achim Plum | (c) Aitiologic

Im Oktober 2024 verließ das Wiener Startup Aitiologic den „Stealth Mode“. Damals hatte es 2,5 Millionen Euro an Investments und Förderungen eingesammelt. Jetzt folgt eine Seed-Finanzierung über 6,4 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Dienstag bekannt gab.

Angeführt wird die Runde von den Healthcare-Investoren Heal Capital und Ananda Impact Ventures. Die bisherigen Investoren Push VC und Lana Ventures sind wieder dabei. Dazu kommen laut Startup mehrere Biotech-Gründer, die bereits Börsengänge und Exits hinter sich haben.

Ein Bluttest, der zeigt, was im Gewebe passiert

Aitiologic entwickelt die Plattform „Aitios“. Sie untersucht zellfreie DNA im Blut und wertet die Daten mit KI aus. Das Ziel: Aus einer normalen Blutprobe soll sich ablesen lassen, aus welchem Gewebe die DNA stammt und was dort gerade passiert. Die Technologie geht auf Forschung von Gründer und CEO Andreas Posch bei Siemens Healthineers zurück. Aitiologic hat sie exklusiv lizenziert.

2024 sprach das Startup noch allgemein von Krebs- und Pränataldiagnostik. Nun ist die erste Anwendung klar: die Risikoabschätzung für Präeklampsie im ersten Schwangerschaftsdrittel. Die Bluthochdruck-Erkrankung betrifft laut Aussendung geschätzt drei bis acht Prozent aller Schwangerschaften. Sie ist eine der wichtigsten Ursachen für Todesfälle von Müttern und Föten weltweit. Aitiologic will dafür dieselbe Blutprobe nutzen, die ohnehin für den nicht-invasiven Pränataltest (NIPT) abgenommen wird. Eine zusätzliche Blutabnahme wäre also nicht nötig.

Eine erste Studie mit Kypros Nicolaides und dem Fetal Medicine Research Institute habe gezeigt, dass sich damit das Präeklampsie-Risiko einschätzen lässt, so das Startup. Jetzt läuft eine größere Studie mit der Fetal Medicine Foundation, an der mehr als 1.000 Schwangere teilnehmen. „Wir sind von einer Technologie-Hypothese zu publizierten klinischen Daten gekommen“, sagt Posch. Das frische Kapital soll in diese Studie und in die Produktentwicklung fließen.

Oxford-Nanopore-Mitgründer im Beirat, neue Chief Medical Officer

Mit der Finanzierung holt Aitiologic zwei bekannte Namen an Bord. Gordon Sanghera hat Oxford Nanopore Technologies mitgegründet, ein britisches Unternehmen für DNA-Sequenzierung. Er führte es 21 Jahre lang als CEO, vom Spinoff der Universität Oxford bis zum Börsengang in London. In der Aussendung wird er als „Pionier der Molekulardiagnostik“ bezeichnet. Für Aitiologic ist das relevant, weil die eigene Plattform auf der Sequenzierung von DNA aus dem Blut aufbaut: Sanghera bringt also Erfahrung mit dem Aufbau, der Finanzierung und der Skalierung genau dieser Art von Technologie mit. Er investiert in die Runde und wird Mitglied des Beirats. Die ersten klinischen Daten von Aitiologic seien „sehr ermutigend“, sagt Sanghera.

Neue Chief Medical Officer ist Rebecca Ertl. Sie ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und hat ein nach eigenen Angaben führendes Zentrum für Pränataldiagnostik in Österreich gegründet. Bei Aitiologic verantwortet sie die medizinische Strategie, zunächst für das Präeklampsie-Programm. Ertl nennt bereits ein mögliches nächstes Thema: Man prüfe, ob der Bluttest auch bei Schwangerschaftsdiabetes früher Hinweise liefern könne.

Neben dem Risikokapital erhält Aitiologic Förderungen von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), der Austria Wirtschaftsservice (aws) und der Wirtschaftsagentur Wien. Dazu kommt Unterstützung über den Europäischen Investitionsfonds (EIF) im Rahmen von InvestEU. Zugelassen ist die Plattform noch nicht, sie befindet sich weiterhin in der Entwicklung.

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