15.09.2016

Interview: „Wir müssen uns das Recht zu wachsen erst verdienen“

Der Brutkasten sprach mit Graham Weihmiller, dem CEO von BNI (Business Network International). Im Interview erzählt er, wie er versucht, persönlich für alle 206 000 Mitglieder-Firmen da zu sein und was Startups von einer Mitgliedschaft haben können.
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(C) BNI Global: Graham Weihmiller

Graham Weihmiller steht als CEO an der Spitze der Organiation BNI. Die drei Buchstraben stehen für „Business Network International“ und sind schon eine ziemlich treffende Beschreibung für die in North Carolina (USA) ansässige Organisation. Weltweit sind 206 000 Firmen in 69 Ländern dabei, die sich in 7500 regionalen Chapters regelmäßig treffen. Dabei geht es hauptsächlich um ein System, andere Mitglieder weiterzuempfehlen und an Kunden zu vermitteln. Selbst bezeichnet er sich Weihmiller als Leiter des globalen Support-Teams.

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Als CEO von BNI: Was ist ihr persönlicher Beitrag zur täglichen Arbeit der BNI-Chapters?

Ich leite das globale Support-Team. Wir finden die besten Wege, alle Chapters weltweit zu unterstützen und arbeiten zugleich daran, BNI bekannter zu machen. Wir wollen, dass es für alle Mitglieder eine fantastische Erfahrung ist, bei BNI dabei zu sein. Darin investieren wir all‘ unsere Energie.

Welche Firmen sind Mitglieder bei BNI?

Es sind extrem unterschiedliche: groß, klein, jung, alteingesessen, usw. Sie bilden lokale Teams in sogenannten Chapters. In jedem Chapter darf jede Branche nur einmal vertreten sein. Das sichert aus unserer Sicht den besten Synergie-Effekt.

Wie nahe kommen Sie persönlich in ihrem Job an die einzelnen Mitglieder heran?

Ich versuche, so oft wie möglich einzelne Mitglieder zu treffen. Darum geht es bei meinem Job ganz stark. Unsere Mitglieder sollen nicht nur ihre geschäftlichen Ziele erreichen. Sie sollen durch BNI auch persönlich wachsen. Dazu ist der persönliche Kontakt und Erfahrungsaustausch wichtig.

Bitte schätzen Sie: Wie viele der über 200 000 Mitglieder haben Sie schon getroffen?

(Lacht) Ich sollte da vielleicht genauer Buch führen. Aber ich denke, ich habe einen gar nicht so kleinen Teil der Mitglieder getroffen. Denn ich besuche regelmäßig die nationalen Treffen in verschiedensten Ländern, wo jedes Mal mehrere hundert Mitglieder sind. Und bei der globalen Convention, die wir jährlich haben, sehe ich immer tausende Mitglieder, die aus allen Ländern kommen, in denen wir vertreten sind. Genau weiß ich es also nicht, aber ich treffe hoffentlich im Laufe der Zeit noch jedes einzelne Mitglied.

„Ich liebe es, Leute die bei uns vorbeikommen, auf einen Kaffee oder ein Mittagessen einzuladen“

Kann bei diesen Events jeder zu Ihnen kommen und Fragen stellen?

So kann man das sagen. Ich habe zwei Regeln: Erstens, es gibt bei den Events keine vorgeplanten Fragen an mich. Zweitens, die Leute können alles fragen, was sie wollen. Auf die Art macht es mir viel mehr Spaß.  Auch unsere Büros überall auf der Welt sind offen für unsere Mitglieder. Ich liebe es, Leute die bei uns vorbeikommen, auf einen Kaffee oder ein Mittagessen einzuladen und mit ihnen über ihr Business und darüber, wie ich ihnen helfen kann, zu sprechen.

Können Sie eine nette Erfolgsstory eines BNI-Mitglieds erzählen?

Ja, ich habe erst vergangene Woche wieder so eine Geschichte erlebt. Eines unserer Mitglieder ist das Startup Berry.En aus Deutschland. Es produziert Nahrungsergänzungsmittel für Sportler, nur mit natürlichen Rohstoffen. Ich habe das Team vor einiger Zeit beim bundesweiten Treffen in Deutschland getroffen. Letzte Woche haben sie dann Kontakt mit uns hier aufgenommen. Sie besuchten BNI-Mitglieder in den ganzen USA und haben dabei gleich einige Partner gefunden, mit denen sie ihr Produkt jetzt in Amerika vertreiben können. Das freut uns natürlich extrem. Wir haben den Grundsatz, dass jedes Mitglied weltweit genauso für die anderen verantwortlich ist, wie die Mitglieder des eigenen Chapters. Gerade Startups können davon enorm profitieren.

+++ Dossier: Erfolg +++

Das heißt, jedes Mitglied ist jederzeit weltweit bei jedem anderen Chapter willkommen?

Wir forcieren das sogar. Und wir ermutigen unsere Mitglieder auch, andere nationale Konferenzen zu besuchen, denn dort haben sie die Möglichkeit, gleich hunderte Gleichgesinnte aus einem anderen Land zu treffen und wirklich wirksame Kontakte dorthin zu knüpfen. Wir arbeiten daran, die Kontaktmöglichkeiten unserer Mitglieder in andere Länder, weiter zu verbessern. Denn das wird auch immer wichtiger.

„Ich habe schnell begriffen, dass unser Konzept genau deswegen funktioniert, weil wir so eine Vielfalt haben.“

BNI basiert auf dem „Givers-Gainers“-Prinzip. Was kann ein Startup einer etablierten Firma geben? Wie können die Alten bei BNI von den Jungen profitieren?

Startups können Etablierten sehr viel bringen. Sie sind innovativ und haben neue Ansätze. Sie bringen ein ganz anderes Netzwerk mit, von dem auch die Alteingesessenen profitieren können. Als ich zu BNI kam, war ich von der Diversität unserer Mitglieder fasziniert. Ich habe schnell begriffen, dass unser Konzept genau deswegen funktioniert, weil wir so eine Vielfalt haben.

+++ Dossier: Corporate Innovation +++

Wie weit sollte ein Startup sein, um bei BNI-Mitglied zu werden?

Es sollte bereits einen proof of concept und erste Kunden haben. Das müssen natürlich noch nicht unglaublich viele sein. Denn ein Hauptziel von BNI ist es ja, dass unsere Mitglieder wachsen können – auch von einer relativ kleinen Basis aus. Und das gelingt auch. Trotzdem: BNI basiert auf Vertrauen und wenn ein anderes Mitglied eine Firma empfiehlt, muss die das auch erfüllen können. Deswegen muss ein Startup bereits etwas vorweisen können, wenn es dabei sein will.

Was sind die Ziele von BNI für die nächsten Jahre?

Wir wollen es für unsere Mitglieder technisch weiter vereinfachen, andere Firmen weiterzuempfehlen. Außerdem bauen wir unsere Trainingsprogramme aus, um unseren Mitgliedern weltweit auch in dem Bereich mehr anbieten zu können. Und natürlich wollen wir BNI auch weiter bekannter machen, wollen unsere Story erzählen.

„Nur wenn wir jenen, die bereits dabei sind, die bestmöglichen Bedingungen bieten, verdienen wir uns das Recht zu wachsen.“

Und weiteres Wachstum ist kein Ziel?

Natürlich ermöglicht uns Wachstum, eine größere Rolle zu spielen und Firmen weltweit noch besser zu vernetzen. Das ist durchaus ein Ziel. Noch davor steht aber immer das Wohlergehen unserer vorhandenen Mitglieder. Nur wenn wir jenen, die bereits dabei sind, die bestmöglichen Bedingungen bieten, verdienen wir uns das Recht zu wachsen.

Nun haben Sie vorher gesagt, dass Startups schon etwas vorweisen können müssen, um dabei zu sein. Was ist ihr Rat für Early-Stage-Startups?

Das „Warum?“ ist noch wichtiger als jemals zuvor. Es ist nicht leicht, Unternehmer zu sein und man muss ganz klar beantworten können, warum das, was man macht, einen wirklichen Mehrwert bringt. Und das muss der Entrepreneur sowohl gegenüber seinem Team, als auch gegenüber den Kunden klar rüberbringen können.

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Bitpanda
Bitpanda Headquarter in Wien (c) Bitpanda GmbH

Das Wiener Fintech Bitpanda erweitert sein Angebot um Margin Trading für Aktien und ETFs. Nutzer:innen können damit mehr als 875 Wertpapiere mit einem Hebel von bis zu 20x handeln. Käufe sind ordergebührenfrei, beim Verkauf fällt eine pauschale Gebühr von einem Euro an. Für Kund:innen in Österreich und Deutschland übernimmt die Plattform zudem die steuerliche Abwicklung der Kapitalerträge.

Was „Hebel“ bedeutet

Beim Margin Trading leiht man sich Geld, um mit mehr Kapital zu handeln, als man besitzt. 20x heißt: Wer 500 Euro einsetzt, bewegt eine Position von 10.000 Euro. Gewinne wie Verluste vervielfachen sich entsprechend. Schon ein Kursrückgang von fünf Prozent zehrt den Einsatz komplett auf. Das Produkt richtet sich damit an kurzfristige, risikobewusste Trader:innen – nicht an langfristigen Vermögensaufbau.

Der eigentliche Clou: echte Aktien statt Derivate

Interessant ist, wie Bitpanda den 20x-Hebel möglich macht. Für gehebelte Aktienprodukte gilt in der EU eine strenge Grenze: Die Aufsicht ESMA deckelt Aktien-CFDs – Wetten auf Kursbewegungen ohne echten Aktienbesitz – für Privatkund:innen bei 5:1. Diese Obergrenze gilt jedoch nur für CFDs, und genau die bietet Bitpanda bei diesem Produkt nicht an. Auf Nachfrage von brutkasten stellt das Unternehmen klar: Kund:innen handeln echte Aktien, ETFs und ETCs. Sie setzen eigenes Kapital ein und leihen sich für den Rest den Euro-Stablecoin EURCV von Bitpanda. Weil es sich damit um klassisches Wertpapier-Margin und nicht um ein CFD handelt, gelten die CFD-Hebelgrenzen der ESMA hier nicht – und 20x wird darstellbar.

„Gebührenfrei“ heißt nicht kostenlos

Die beworbene „Zero Order Fee“ gilt nur für die Ordergebühr beim Kauf. Für das geliehene Geld fällt eine Finanzierungsgebühr an: In den ersten 60 Tagen sind es 0,18 Prozent pro Tag auf den geliehenen Betrag, danach sinkt sie schrittweise. Bei sehr kurzen Haltedauern fällt das kaum ins Gewicht – wer eine Position länger offen hält, zahlt spürbar drauf.

Das Risiko, das man kennen sollte

Der zentrale Punkt betrifft den Schutz nach unten. Anders als beim Crypto Margin Trading gibt es hier keinen garantierten Schutz vor einem negativen Kontostand. Reißt der Kurs stark aus – etwa durch eine Kurslücke oder geringe Liquidität – kann der Verkaufserlös das geliehene Geld nicht decken. Dann bleibt eine Restschuld, die Kund:innen begleichen müssen. Das steht in Spannung zur Ankündigung, die vor allem die Risikomanagement-Funktionen betont. Zugang gibt es zudem erst nach einem Angemessenheitstest zu Hebel, Margin und Liquidation, angeboten „execution only“ – also ohne Beratung.

Einordnung: ein Baustein Richtung Börsengang

„Anleger erwarten heute zunehmend dieselben professionellen Möglichkeiten, ihre Portfolios zu steuern und abzusichern, die bislang vor allem institutionellen Investoren zur Verfügung standen“, sagt CEO Lukas Enzersdorfer-Konrad. Man reagiere mit dem neuen Produkt „auf die steigende Nachfrage nach mehr Flexibilität und Möglichkeiten zur kurzfristigen Absicherung“.

Der Schritt passt zum Wandel vom Krypto-Broker zur Multi-Asset-Plattform – in einem Jahr, in dem am Markt über einen möglichen Bitpanda-Börsengang spekuliert wird. Und er reiht sich in einen breiteren europäischen Trend ein: Immer mehr Retail-Plattformen bringen gehebelte Produkte an ein breites Publikum. Die Gewinnchance ist real – das Verlustrisiko ebenso.

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